Einheimische – Art
Klasse: Reptilien
Ordnung: Schuppenkriechtiere
Familie: Nattern
Art: Ringelnatter
Geschichte: Die Ringelnatter stammt stammesgeschichtlich von urtümlichen Schlangen ab, die sich in Europa nach den Eiszeiten aus südlichen Refugien ausbreiteten. Sie gehört zur Familie der Nattern (Colubridae), einer evolutionär sehr erfolgreichen und jungen Schlangengruppe. Nach der letzten Kaltzeit wanderten verschiedene Linien der Ringelnatter (wie die Italienische Ringelnatter oder die Barrenringelnatter) aus Rückzugsgebieten in Südeuropa und Asien nach Mitteleuropa und Deutschland ein. Der deutsche Name wurde im 18. Jahrhundert wegen ihrer oft ringelnden, schlängelnden Fortbewegung oder den typischen hellen Nackenflecken (die wie ein Ring/Krönchen wirken) geprägt
Mythologie: Früher glaubten viele Menschen in ländlichen Regionen, dass Ringelnattern als „Hausnattern“ Glück bringen, den Hof beschützen und sogar Vieh sowie Kinder hüten
Buchtipps:
– …
Beschreibung: Die Oberseite ist meist hell- bis dunkelgrau, olivgrün oder bräunlich, oft mit kleinen dunklen Flecken auf dem Rücken. Manchmal gibt es auch komplett schwarze Exemplare. Der Bauch ist hell mit einem unverkennbaren, schachbrettartigen oder gewürfelten Muster, das bei jedem Individuum einzigartig wie ein Fingerabdruck ist. Hinter dem Kopf befinden sich auffällige gelbe, weiße oder orangegelbe Halbmonde, die oft von einem schwarzen Fleckenpaar eingefasst werden. Im Gegensatz zu manchen anderen Schlangen hat die Ringelnatter runde Pupillen
Gesamtlänge : Bis zu 130cm
Gewicht: 140g – 500g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 20 – 50 Schläge pro Minute, in der Winterstarre; 1 Schlag pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 19°C – 26°C, in der Winterstarre; 4°C – 6°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Bewegungsseher
Gehör: Besitzt keine äußeren Ohren und kein Trommelfell, weshalb sie im klassischen Sinne weitgehend taub für Luftschall ist
Geruchsinn: Durch die zwei Spitzen der Zunge kann die Schlange sogar räumlich beziehungsweise dreidimensional „riechen“ und die Richtung einer Fährte (z. B. eines Frosches) exakt bestimmen
Geschmacksinn: Sie registriert Temperaturen über allgemeine Thermorezeptoren in der Haut, was ihr hilft, optimale Plätze für ein Sonnenbad zur Regulierung ihrer Körpertemperatur zu finden. Jakobsonsches Organ
Lautäußerung: Lautes, hörbares Zischen über 3m Entfernung hörbar (Angreifer abschrecken)
Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre
Lebensraum: Langsame Flüsse, Seen, Teiche, Sümpfe und Auen, benötigt Sonnenplätze zum Wärmen, Verstecke im Unterholz sowie trockene Plätze für den Winter, Holzstapel, Totholz, Steinmauern
Nest: Ein Ringelnatter-Nest ist ein Ablageplatz für Eier in verrottendem, warmem Material wie Kompost oder Laubhaufen, keine bewohnte Höhle
Lebensweise: Einzelgänger, tagaktiv. Von Oktober bis April hält sie Winterruhe
Fortbewegung: Auf festem Boden sind Ringelnattern recht schnell unterwegs. Schwimmt sehr geschickt und ausdauernd
Nahrung: Amphibien, Insektenlarven, kleinere Fische, kleine Kaulquappen, kleine Mäuse, Schnecken
Sonstiges: Ringelnattern sind nicht giftig für den Menschen, besitzen aber ein leichtes Speichelgift für Frösche. Sie verschlingen ihre Beute meist lebend und im Ganzen. Große Tiere werden manchmal durch Umschlingen fixiert
Kot: Wurstartig, oft etwas spitz zulaufend oder in einzelne Segmente unterteilt. Dunkelbraun bis schwarz, manchmal mit restlichen unverdaulichen Bestandteilen (wie winzigen Knöchelchen oder Hautresten von Fröschen). Da Schlangen keinen festen Urin ausscheiden, enthält der Kot einen festen, weißen Urinanteil (Harnsäure)
Fortpflanzung: Nach dem Schlupf Nestflüchter, hat keinen festen oder baulichen „Geburtsort“ im klassischen Sinne, legt Eier in Komposthaufen, Miststapel oder verrottende Baumstümpfe ab
Paarungszeit: April – Mai
Balzverhalten: Die Initiatoren sind die Männchen. Die weiblichen Ringelnattern sondern über die Haut intensive Sexualpheromone (Duftstoffe) ab. Männchen nehmen diese chemischen Signale über das Züngeln (ihr Jakobsonsches Organ) auf und folgen der Fährte oft über weite Strecken. Da auf ein geschlechtsreifes Weibchen meist mehrere Männchen kommen, versammeln sich oft zahlreiche Verehrer um ein einziges Weibchen. Es entsteht ein sogenanntes Paarungsknäuel (engl. mating ball). Manchmal schlingen sich bis zu 20 oder mehr Männchen um ein oft deutlich größeres Weibchen. Obwohl eine starke Konkurrenz zwischen den Männchen herrscht, verläuft die Balz vollkommen friedlich. Es gibt bei Ringelnattern keine Kommentkämpfe, kein Beissen und keine gegenseitigen Verletzungen. Stattdessen versuchen die Männchen sich durch reines Positionieren und „Schwanz-Ringen“ (tail wrestling) den besten Platz am Weibchen zu erstreiten. Größere Männchen haben dabei meist einen physischen Vorteil
Brutdauer: Die Eier reifen 2 bis 3 Monate im Bauch des Weibchens heran, Das Weibchen legt die Eier schließlich zwischen Juni und August ab
Schlupfzeit: August – Ente September
Gelegegröße: 10 – 30 Eier
Anzahl der Gelege: 1 Gelege pro Jahr
Brutpflege: Muttertier überlässt die Eier komplett sich selbst. Die Schlange nutzt die natürliche Verrottungswärme von organischem Material, um die Eier auszubrüten. Weibchen zeigen eine Form von Vorsorge, indem sie warme, feuchte Orte wie Komposthaufen, Misthaufen oder Haufen aus Sägespänen und Laub für die Ablage aussuchen
Selbstständig: Ringelnattern sind sofort komplett auf sich allein gestellt
Geschlechtsreife: 3 – 5 Jahre
Jungensterblichkeit: Sehr hoch, über 70% – 90% erreichen das Erwachsenenalter nicht
Sonstiges: …
Natürliche Feinde: Dachse, Eulen, Füchse, Graureiher, Greifvögel, größere Raubfische, Katzen, Krähen, Marder, Raben, Störche, Wiesel
Abwehrverhalten: Fühlt sich das Tier bedroht und sondert bei der Verteidigung (oder beim Totstellen) Kot ab, ist dieser extrem übelriechend und wässrig-breiig, da er mit Analdrüsensekret vermischt ist
Krankheiten: Einzeller im Magen-Darm-Trakt, Erkältungen, Lungenentzündungen, Milben, Pilzerkrankungen (Schlangen-Pilzkrankheit / Snake Fungal Disease), Würmer, Zecken
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
Es ist verboten, Ringelnattern zu belästigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Gelege, Eier und Winterquartiere zu beschädigen oder zu entfernen Sie aus der Natur zu entnehmen und privat zu halten. Es drohen bei Verstoß bis zu 65.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Die Ringelnatter frisst vor allem Amphibien wie Frösche und Molche sowie kleine Fische. Dadurch verhindert sie ein übermäßiges Anwachsen dieser Populationen. Sie selbst dient größeren Tieren als wichtige Nahrungsquelle. Ihr Vorkommen zeigt an, dass ein Ökosystem noch vielfältig und weitgehend intakt ist
Ringelnattern brauchen Hilfe, wenn …
– sie sichtbare Verletzungen oder Wunden hat (durch Katzen, Hunde oder Rasenmäher) oder sie verheddert sind (engmaschiges Gartennetz)
– sie in Keller- oder Lichtschächte gekrochen sind und nicht mehr alleine heraus kommenn
– sie an einem sehr kalten Herbst- oder Frühjahrstag völlig ungeschützt auf einer Straße oder einem Gehweg liegt und sich nicht mehr bewegt
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Zuerst Experten wie eine lokale Reptilienauffangstation, den NABU oder eine Wildtierauffangstation kontaktieren
– Ist das Tier in akuter Gefahr (z.B. durch Katzen), kann es vorsichtig in einen dunklen, belüfteten Karton mit etwas Küchenpapier gesetzt werden
– Kein Futter anbieten!
– Tierarzt anrufen: Nicht jeder Tierarzt kann oder darf Wildreptilien behandeln. Das Tier nur nach Absprache zu einer fachkundigen Praxis transportieren
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Richtiges Verhalten bei einer Begegnung –
– Ruhe bewahren und zurückziehen. Schlangen sind scheu und meiden den Kontakt zu Menschen. Ringelnatter Raum geben, dann flüchtet sie in der Regel von selbst
– Nicht anfassen oder in die Enge treiben: Wenn eine Ringelnatter bedrängt wird, kann sie in seltenen Fällen zur Verteidigung zubeißen. Obwohl der Biss ungiftig ist, sind die kleinen Zähne spitz und können schmerzen
– Erschütterungen erzeugen: Wenn man eine Schlange verscheuchen möchten (bei der Gartenarbeit), reicht es kräftig auf den Boden Aufzutreten oder Aufzustampfen. Die Tiere nehmen die Vibrationen wahr und ziehen sich diskret zurück
– Achtung bei Schein-Abwehr: Fühlt sich die Natter extrem bedroht, zischt sie laut, sondert ein übelriechendes Sekret ab oder stellt sich mauloffen tot (Thanatose). Das Tier in diesem Fall einfach komplett in Ruhe lassen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Kompost- oder Misthaufen im Sommer (insbesondere zwischen Juli und September) nur sehr vorsichtig von Hand oder mit einer stumpfen Gabel umgraben, um die Tiere oder das Gelege nicht zu verletzen
– Manchmal verirren sich die Tiere durch offenstehende Türen oder flache Kellerfenster in Wohngebäude. Fliegengitter oder geschlossene Barrieren halten sie zuverlässig draußen
– Hunde und insbesondere Katzen verletzen oder töten die geschützten Nattern häufig. Haustiere müssen wegrufen werden, wenn eine Schlange im Garten entdeckt wird
Was kann ich tun um die Ringelnatter zu unterstützen?
– Rasenschnitt, Stroh, Laub und Pferdemist an einem sonnigen bis halbschattigen Ort aufschichten. Die verrottenden Materialien erzeugen die nötige Eigenwärme, die die Schlangen zum Ausbrüten ihrer Eier brauchen
– Kein Nadelholz, Eichenlaub oder Kirschlorbeer für den Haufen nutzen, da diese Stoffe schlecht verrotten
– Errichten von Holzhaufen, Aststapel oder Steinhaufen als geschützte Rückzugsorte und Sonnenplätze
– Naturnahen Gartenteich gestalten, dieser zieht Frösche, Kröten und Molche an, die Hauptnahrungsquelle der Ringelnatter. Der Teich muss eine flache Uferzonen haben, damit Tiere leicht ein- und aussteigen können
