Neozoen – Art
Invasive – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Langschwanzmäuse
Art: Wanderratte
Geschichte: Die Wanderratte stammt ursprünglich aus den Steppen und Wäldern Ostasiens. Im 18. Jahrhundert wanderte sie nach Europa ein und breitete sich als blinder Passagier auf Schiffen weltweit aus. Sie verdrängte in Europa vielerorts die kleinere Hausratte und lebt heute als Kulturfolger eng an den Menschen angepasst
Mythologie: …
Buchtipps: …
Beschreibung: Oberseits graubraun, rötlich braungrau bis dunkel braunschwarz. Unterseite grauweiß. Ober- und Unterseitenfärbung nicht scharf abgegrenzt. Ohren rund und klein. Große, kräftig Statur. Eckiger Schädel. Stumpfe Schnauze. Dicker Schwanz
Kopf-Rumpf-Länge: 18cm – 26cm
Schulterhöhe: 7cm – 10cm
Gewicht: 170g – 350g
Herzfrequenz: 250 – 450 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37°C – 39,5°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Geringe Sehschärfe
Gehör: Sehr empfindlich, kommunizieren über Geräusche im Ultraschallbereich
Geruchsinn: Wichtigstes Sinnesorgan, können anhand von Gerüchen Artgenossen identifizieren, deren Hilfsbereitschaft erkennen und Futterquellen orten
Geschmackssinn: Extrem fein ausgeprägt. Sie kann kleinste Mengen an Geschmacksstoffen – insbesondere winzige Bitterstoffspuren von Giften – sofort wahrnehmen und sich diese dauerhaft merken. Dieser hochpräzise Sinn schützt sie vor toxischer Nahrung, erschwert jedoch auch die klassische Schädlingsbekämpfung
Sonstiges: Tasthaare (Vibrissen) im Gesicht. Schwanz mit empfindlicher Haut und feinen Härchen besetzt, dient als wichtiges Tastorgan. Äußerst intelligent und lernfähig. Kann komplexe Probleme lösen, sich an wechselnde Umweltbedingungen anpassen und in hierarchischen Gruppen sozial interagieren. Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Fiepsen und Piepsen (oft bei Aufregung, Schmerz oder Kontakt zwischen Jungtieren und Muttertieren, Fauchen (Abwehrlaut bei Bedrohung oder aggressivem Verhalten gegenüber Artgenossen), Zähnekirschen (meist Anspannung, Drohung oder extreme Wachsamkeit)
Lebenserwartung: Bis zu 3 Jahre
Lebensraum: Sehr oft in Wassernähe, Wälder, buschigem Gelände, unterholzreiche Flächen, Ställe, Bauernhöfe, Kompostanlagen, Lagerhäuser, Keller, Abwasserkanäle, Mülldeponien
Nest: Bodennah oder unterirdisch im Freien, an geschützten Stellen wie unter Gehwegplatten, in Komposthaufen, an Mauern oder in der Kanalisation. Im Haus oder Keller nutzen sie Hohlräume, um geschützte Nester aus zerkleinertem Material zu errichten
Lebensweise: Strukturierte Rudel von bis zu 100 Tieren („Clans“), dämmerungs- und nachtaktiv,
verteidigen ihr Territorium gegen andere Clans. Innerhalb eines Clans bilden die Männchen eine annähernd lineare Hierarchie aus, die durch häufige Kämpfe etabliert wird
Fortbewegung: Schwimmen und tauchen hervorragend, klettern geschickt
Nahrung: Amphibien, Essensreste, Früchte, Gemüse, Getreidesamen, Gräser, Insekten, junge Triebe, Knospen, Muscheln, Schnecken, Vögel, Walnüsse, Wühlmäuse
Sonstiges: Hoher Wasserbedarf
Kot: Spindelförmige bis zylindrische Form, dunkle Farbe, in Haufen. Eine ausgewachsene Ratte hinterlässt täglich rund 40 bis 50 dieser Kotballen
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist im Garten unter Sträuchern, Hecken, Steinplatten oder Holzstapeln, in Kellern, Zwischendecken, Hohlräumen oder Kanalisationen geboren
Paarungszeit: Ganzjährig
Balzverhalten: Das Paarungsverhalten zeigt sich in intensivem Beschnuppern, Verfolgungsjagden und rasanten Laufspielen innerhalb des Rudels
Tragzeit: 21 – 24 Tage
Wurfzeit: Ganzjährig
Wurfgröße: 1 – 15 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 6 – 8 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 21 – 40 Tage
Selbstständig: Ca. 4 Wochen
Geschlechtsreife: 2 – 4 Monate
Jungensterblichkeit: …
Schlangen
Natürliche Feinde: Eulen, Füchse, Greifvögel, Hermeline, Hunde, Iltisse, Katzen, Marder, Mink, Schlangen, Uhus, Wiesel
Abwehrverhalten: Wachsamkeit, flüchten, neue Objekte in ihrer Umgebung werden zunächst gemieden (Neophobie)
Krankheitsüberträger: Leptospirose, Rattenflohs, Pest
Schutzstatus:
Keiner
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Ernährt sich von organischen Abfällen, Aas und Nahrungsresten, wodurch sie zum Abbau organischer Substanz beiträgt. Dient als Nahrungsgrundlage für zahlreiche Raubtiere. Durch ihr Verhalten, Samen zu sammeln und zu verstecken, trägt sie zur Ausbreitung von Pflanzen bei, was besonders in gestörten Habitaten die Regeneration fördern kann. Beim Anlegen ihrer unterirdischen Baue lockern Wanderratten den Boden auf. Sie sind bekannt als Reservoir und Überträger von Krankheitserregern, etwa für Leptospirose (durch Leptospiren). In landwirtschaftlichen Betrieben können sie Nahrungsmittelvorräte verunreinigen und fressen. In sensiblen Ökosystemen können sie als Neozoen heimische Arten durch Prädation von Gelegen oder Kleinsäugern stark gefährden
Wanderratten brauchen Hilfe wenn, …
– sie verletzt sind
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Wanderratte vorsichtig mit einem Tuch aufnehmen und in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in die Wanderratte eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Wanderratte dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Keine Essensreste auf/im den Kompost entsorgen
– Mülltonnen immer fest verschließen
– Wanderratten nicht füttern
– Hauskatzen möglichst drinnen füttern
