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Maulwurf – Talpa europaea

Einheimische – Art
Tier des Jahres 2020 – Deutsche Wildtier Stiftung

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Insektenfresser
Familie: Maulwürfe
Art: Europäischer Maulwurf

Beschreibung: Fell überwiegend dunkelgrau-braun bis schwarz, weich, wollig, ohne Strich. Keine äußerlichen Ohrmuscheln. Körper zylindrischen mit kurzem Hals und spitz zulaufender Kopf. Kurzer Schwanz. Breite, schaufelartige Vorderpfoten, mit fünf Fingern und außerordentlichen Krallen
Kopf-Rumpf-Länge: 11cm – 16cm
Gesamthöhe: Ca. 4cm
Schwanzlänge: 2cm – 5cm
Gewicht: 45g – 128g
Herzfrequenz: 600 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 34,5°C – 38,4°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Nicht blind, die winzigen Augen können Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen
Gehör: Gehör sehr gut, auf die Wahrnehmung tiefer Töne spezialisiert
Geruchsinn: Exzellenter Geruchssinn, kann „stereo“ riechen zur Bestimmung der Richtung des Geruchs
Sonstiges: Vibrissen (Tasthaare) am Schwanz und im Gesicht. Rüsselnase mit ca. 5.000 Eimerschen Organen bestückt, womit er sehr feine, flächenhafte Tastbilder erstellt. Gänge und Nester werden mit Afterdrüsensekret markiert, um eindringende Artgenossen aufmerksam zu machen

Lebenserwartung: Ca. 3 – 7 Jahre
Lebensraum: Feuchte, lockere Böden, Weiden, Brachland, Parks, Gärten, Laubwaldlandschaften, offene Gebiete. Bis in einer Höhe von bis zu 2.700m Höhe anzutreffen
Lebensweise: Einzelgänger, keinen Tag-Nacht-Rhythmus, Aktivität ist in 3 Wach- und Schlafphasen aufgeteilt, oft vormittags, nachmittags und gegen Mitternacht mit einer Dauer von jeweils etwa 4 – 5 Stunden.
Im Winter verkleinert der Maulwurf sein Schädel, Gehirn und einige der inneren Organe. Nach dem Winter wachsen die geschrumpften Strukturen wieder, erreichen jedoch nicht wieder ihre ursprüngliche Größe. Er lebt unterirdisch in weitverzweigten Tunnelsystemen mit verschiedenen Kammern (Jagdgänge, Schlafkammern, Kinderzimmer), die bis zu 2 km lang sein können. Sie sind streng territorial

Fortbewegung: Läuft bis zu 4km/h schnell, gräbt bis zu 7m pro Stunde, klettert gut, kann schwimmen, bewegt sich im Tunnelsystem vorwärts und rückwärts
Nahrung: Regenwürmer, Blatthornkäfer, Schnellkäfer, Langbeinfliegen, Schnaken, Haarmücken, Tanzfliegen, Eulenfalter, Laufkäfer, Larven, Hundertfüßer, Weichtiere, Engerlinge, Asseln, Spinnen, kleine Nager, Echsen, Nacktschnecken
Sonstiges: Legt vorrangig zum Winter Vorräte im Gesamtgewicht von bis zu 1,5kg an, benötigt täglich zwischen 67g – 91g Nahrung

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in einer speziell angelegten, unterirdischen Nestkammer geboren, die sich ca. 0,5m – 1m tief im Boden befindet. Diese Kammer liegt meist unter einem besonders großen Maulwurfshügel, einer Wurzel oder einem Stein und wird mit trockenem Pflanzenmaterial wie Laub und Gras ausgepolster
Paarungszeit: Februar – April
Tragzeit: 30 Tage
Wurfzeit: April – Juni
Wurfgröße: 2 – 7 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 2 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 6 – 8 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 9 – 12 Monate
Jungensterblichkeit:
Sonstiges: 4 Zitzenpaare

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Füchse, Wildschweine, Rabenvögel, Weißstörche, Marder, Hermeline, Hunde, Katzen
Abwehrverhalten: Bei Gefahr kann er sich sehr schnell eingraben und sich in tiefere Tunnelsysteme zurückziehen. Sobald er an die Oberfläche kommt, ist er in Panik und versucht so schnell wie möglich wieder in einen Gang zu schlüpfen
Mögliche Krankheiten: Band-, Faden- Kratz-, und Saugwurm, Flöhe, Milben, Zecken

Schutzstatus:
– Bundesartenschutzverordnung – Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
Es ist streng verboten, Maulwürfe zu fangen, zu töten oder ihre Nester zu beschädigen. Es drohen bei Verstoß bis 50.000€ – 65.000€ Strafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Durch das Graben von Gängen wird der Boden aufgelockert und durchlüftet. Maulwurfshügel dienen als Belüftungsschächte und verbessern den Wasserabzug (Drainage). Er frisst pro Jahr bis zu 25kg an Schädlingen. Verteidigt sein Revier vehement und kann dadurch wühlende Schädlinge, wie Wühlmäuse, aus seinem Tunnelsystem vertreiben. Durch das Wühlen werden Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten an die Oberfläche transportiert, was die Bodenqualität fördert. Ein Maulwurf im Garten deutet darauf hin, dass der Boden gesund ist und eine hohe Anzahl an Bodenlebewesen enthält

Maulwürfe brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind
– sie in einem Lichtschacht, Eimer oder auf einer befestigten Fläche feststecken und sich nicht in die Erde eingraben können
– sie lethargisch an der Oberfläche liegt (Maulwürfe sind fast nie über der Erde)

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Maulwurf vorsichtig mit Handschuhen oder einem Tuch aufnehmen und in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Maulwurf eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Maulwurf dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Hochbeete für empfindliche Pflanzen nutzen, um diese vor Grabungen zu schützen
– Hügel nur abtragen statt sie plattzutreten (feine Maulwurfserde eignet sich hervorragend als Blumen- oder Anzuchterde

Was kann ich tun um den Maulwürfe zu unterstützen?
– Käferkeller als Nahrungquelle
– Maulwurf-Spielwiese einrichten (ruhige Gartenecke, die nicht perfekt gepflegt wird)
– Naturnaher Garten mit Wiesen statt kurzem Zierrasen und Totholzecken anlegen
– Verzicht chemische Dünger und Pestizide
– Akzeptanz der Hügel

Buchtipps:

Mythologie: Entsprechend des unterirdischen Lebensraumes ordneten die Christen ihn der Finsternis zu. Im Mittelalter wurde Maulwurfblut zu Zeiten der Hexenverfolgung dazu verwendet, Reinigungsrituale von verunreinigten Gegenständen, Menschen und Häusern durchzuführen. Das Blut sollte auch gegen Fallsucht helfen

Über den Experten: caroline.schoch

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