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Braunbrustigel – Erinaceus europaeus

Einheimische – Art
Tier des Jahres 2009 – Schutzgemeinschaft Deutsches Wild
Tier des Jahres 2024 – Deutschen Wildtier Stiftung

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Insektenfresser
Familie: Igel
Art: Braunbrustigel (Hedgehog, wörtlich übersetzt: „Heckenschwein“)

Geschichte: Die bisher ältesten Fossilien in der Igelverwandtschaft sind stammen aus dem unteren Paläozän und sind mindestens 61,5 Millionen Jahre alt. Igel sind verwand mit Walen und Fledermäusen

Beschreibung: Kopf und Rücken mit Stacheln (5.000 – 8.700 Stück) besetzt. Bauch, Beine und Kopf mit weichem, bräunlichem Fell bedeckt. Brauner Kehlfleck. Ohren klein und im Fell verborgen. Gedrungener Körper. Kurze Beine, an den Füße jeweils 5 Zehen, die mit stumpfen Krallen versehen sind. Schnauze lang und beweglich. Augen rund und klein
Kopf-Rumpf-Länge: 20cm – 30cm
Gesamthöhe: Ca. 20cm hoch
Schwanzlänge: 2cm – 3cm
Gewicht: 350g – 1.500g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 200 – 280 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 10 – 20 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 34,5°C, im Winterschlaf; 1°C – 5°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Eher schlecht, ist auf Nahsicht beschränkt, farbenblind
Gehör: Extrem gut, auch im Ultraschallbereich
Geruchsinn: Riecht Hunde auf bis zu 11m, Käfer auf 5m Entfernung
Sonstiges: Tasthaare an der Schnauze. Duftdrüsen unter der Haut. Bei neuen Gerüchen erfolgt ein „Einspeicheln“ (schaumiger Speichel wird auf die Stacheln verteilt), um Geruchsstoffe über den Gaumen intensiver wahrzunehmen (Jacobsonsches Organ)
Lautäußerungen: Schnüffeln, schmatzen, schnauben, zirp- und pfeifgeräusche, keckern, zwitschern, fauchen, knurren, schreien (ähnlich Schweinen), husten

Lebenserwartung: Ca. 13 – 16 Jahre
Lebensraum: Laubwaldränder, Wegsäume, Heckenlandschaft, naturnahe Gärten, feuchtes Grasland, Parks, Kompostareale, Streuobstwiesen, artenreiche Magerwiesen, Weideland, Gebüsche, Rabatten, Holzbeigen, gerne in Holz-, Ast- und Steinhaufen, Gartenhäuschen, Bodendeckern, Feldrainen, Gehölzen, Friedhöfen, Sträuchern. Bis in einer Höhe von 2.000m anzutreffen
Nest: Kugelförmige Konstruktion aus Laub, Gras, Moos und kleinen Ästen. Igel nutzen diese Verstecke tagsüber als Schlafplatz, zur Aufzucht der Jungen (Juni bis August) und für den Winterschlaf (November bis März). Sie werden bevorzugt an geschützten, ruhigen Orten wie unter dichten Hecken, in Reisighaufen oder Kompostern angelegt
Lebensweise: Einzelgängerisch, dämmerungs- und nachtaktiv, Männchen halten von Oktober – März Winterschlaf, Weibchen von November – April, mit kurzen Wachphasen (1 mal pro Woche, dann wird die Körpertemperatur innerhalb von 3 – 4 Stunden von ca. 5°C auf 30°C hochgefahren). Schlafen tagsüber in Nestern aus Laub oder Reisig. Sehr ortstreu

Fortbewegung: Läuft bis zu 9km/h schnell. Kann eine kurze Zeit relativ gut schwimmen. Klettert gut. Ausgezeichnetes Ortsgedächtnis, ähnlich einer Landkarte. Sohlengänger. Wegstrecke von 2km – 5km weit pro Nacht möglich

Igel Spur – umkreiste sind die Hinterpfoten (Quelle – Buch: Der Igel – Nachbar und Wildtier)


Nahrung: Asseln, Blattläuse, Eidechsen, Frösche, Hautflügler (Bienen, Wespen, Ameisen), Heuschrecken, Hunderfüßer, (Lauf-) Käfer, Käferlarven, Maulwurf Jungtiere, Regen- und Ohrwürmer, Tausenfüßer, Schlangen, Schmetterlingsraupen, Schmetterlinge, Spitz- und Wühlmäuse
Sonstiges: Hat keinen Blinddarm
Kot: Kot wird meist auf offenen Flächen wie auf der Terasse, auf Beton oder Steinplatten gefunden. Ca. 50mm lang und 10mm breit (kleiner Finger). Dunkelbraun bis schwarz mit sichtbaren Insektenüberresten

Beispiel Igelkot (Quelle – Buch: Der Igel – Nachbar und Wildtier)


Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist unter dichten Hecken, Sträuchern, in Reisig- oder Laubhaufen sowie unter Holzstapeln geboren. Das Wurfnester befinden sich oft in ruhigen, naturnahen Gartenecken und wird mit trockenem Gras, altem Laub und Moos sorgfältig ausgepolstert
Paarungszeit: April – August
Balzverhalten: Männchen läuft hartnäckig im Kreis um das Weibchen. Das Weibchen stellt meist die Stirnstacheln auf und wehrt den Verehrer ab. Das Ritual kann sich über mehrere Stunden hinwegziehen, oft bis in die frühen Morgenstunden
Tragzeit: Ca. 35 Tage
Wurfzeit: Mai – September (Igel während oder kurz nach der Geburt nicht stören – Mutter könnte sonst die Jungtiere fressen oder das Nest verlassen), Weibchen kümmern sich alleine um den Nachwuchs
Wurfgröße: 2 – 10 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 2 Würfe pro Jahr
Säugezeit: Ca. 42 Tage
Selbstständig: 5 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: 9 – 12 Monate
Jungensterblichkeit: Sehr hoch, 60% – 80%
Sonstiges: Igel haben bei der Geburt bereits ca. 100 weiße Stacheln, Igelmütter bringen den Jungigeln nicht bei, was man fressen kann und was nicht

Natürliche Feinde: Baummarder, Dachse, Fischotter, Füchse, Hunde, Iltisse, Uhus, für Jungtiere gefährlich sind Hermeline, Katzen, Mauswiesel und Ratten
Abwehrverhalten: Rollt sich zur Stachelkugel ein

Schematische Darstellung der wichtigsten Hautmuskeln, die das Einrollen ermöglichen
(Quelle – Buch: Der Igel – Nachbar und Wildtier)


Krankheiten: Band-, Faden-, Kratz-, Lungen- und Saugwürmer, Hunde- Igel-, Katzen- und Rattenflöhe, Coronaviren (EriCoV), Frühsommer – Meningoenzephalitis, Herpes, Holzböcke, Igelzecken, Kokzidien, Leptospirose, Listeriose, Maul- und Klauenseuche, Milben, Räude, Rinertuberkulose, Salmonellose, Staphylokokken, Tollwut, Toxoplasma

Schutzstatus:
– Bundesartenschutzverordnung – Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
– Roten Liste -Gefährdet
Es ist verboten Braunbrustigel zu fangen, als Haustier zu halten, zu verletzen, zu töten oder ihre Nester zu zerstören. Auch ist der Besitz von toten Igeln oder deren Körperteilen verboten. Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000€ – 65.000€ Strafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Igel ernähren sich von Schädlingen und tragen so dazu bei, Befall auf natürlichem Wege in Schach zu halten. Durch spezifische Ernährung regulieren sie Populationen verschiedener wirbelloser Tiere. Durchwühlen bei der Nahrungssuche das Laub und lockern so obere Bodenschichten auf. Ein Vorkommen von Igeln deutet auf einen strukturreichen, naturnahen Lebensraum hin, da sie auf ein ausreichendes Nahrungsangebot an Insekten angewiesen sind. Sie selbst dienen als Nahrung für ihre Fressfeinde

Igel brauchen Hilfe, wenn …
– sie abgemagert (normal ist die Form einer Birne) aussehen
– sie Röcheln oder Husten
– sie humpelt
– sie verletzt sind
– sie stark von Parasiten (Fliegeneier, Maden, …) befallen sind
– sie Durchfall haben
– sie apathisch herumsitzen
– sie im Kreis laufen oder einen torkelnder Gang aufweisen

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Deckel oder Kiste (min. 40cm hoch) mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Igel vorsichtig mithilfe eines Tuches in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Igel eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Genauen Fundort und Zeitpunkt aufschreiben
– Igel-, Wildtieraufnahmestation, oder wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Igel dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Verzicht auf Pestizide und Schneckenkorn
– Verzicht auf Obstnetze, Schnüre und ähnliches (schlimme Verletzungsgefahr, auch für andere Tiere)
– Verzicht auf Mähroboter (zumindest vom frühen Abend bis zum späten Morgen)
– Hecken und hohes Gras vor der Mahd nach Igeln absuchen

Was kann ich tun um Braunbrustigel zu unterstützen?
– Wilde Ecken im Garten (Ast-, Laub-, Stein-, Totholz- oder Reisighaufen anlegen)
– Einheimische Hecken und Sträucher pflanzen (Schwarz-/Schlehdorn, Stechpalmen, Eibe, Efeu, …)
– Igeltore (10x10cm) im Zaun als Durchgänge ermöglichen den Zugang zum Garten
– Flache Wasserschale aufstellen (täglich reinigen und Wasser wechseln)
– Blühwiese anlegen
– Efeu, Brennesseln, Geißbart, Mädesüß, Waldweidenröschen, … als Unterschlupf wachsen lassen
– Käferkeller als Nahrungquelle
– Schlaf- und Futterhaus aufstellen
– Bitte NICHT füttern: Milch oder Milchprodukte, Brot, Kuchen, Kekse, Nudeln, Reis, Obst, Rosinen, Gemüse, Salat, Essensreste, Nüsse, Getreide
– Offene Komposthaufen anlegen
– Pools und Teiche mit einer Holzrampe als Ausstiegshilfe versehen
– Kellerschächte und ähnliches mit engmaschigem Gitter oder Lichtschachtabdeckung abdecken oder mit Ausstiegshilfe bestücken
– Treppen können passierbar gemacht werden, wenn auf jede Stufe ein Backstein gelegt wird
– „Citizen-Sience-Projekte“ unterstützen, zum Beispiel auf www.Observation.org. (App zum download verfügbar). Mitmachen erwünscht, hier kann man seine Beobachtungen melden und damit einen wichtigen Beitrag leisten zur Datenerhebung für das Monitoring des Braunbrustigels (Tageszeit, Lebend- und Totfunde eines Igels, in welchem Lebensraum gefunden, Kot, Spuren, Wildtierkamerabilder …)

Buchtipps:
– Der Igel – Nachbar und Wildtier von Anouk-Lisa Taucher und Madeleine Geiger

Mythologie: Im Mittelalter wurde er neben Raben und Katzen auch mit den Hexen verknüpft. Man sollte in der Gegenwart eines Igels keine Geheimnisse austauschen, er könnte eine verwandelte Hexe oder deren Hausgeist sein. Sein Blut sollte gegen Nieren- und Blasensteine wirken. Das Pulver eines -lebendig – verbranntem Igel sollte gegen Epelepsie helfen

Über den Experten: caroline.schoch

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