Einheimische – Art
Tier des Jahres 2017 – Deutsche Wildtier Stiftung und Schutzgemeinschaft Deutsches Wild
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Bilche
Art: Haselmaus
Geschichte: Die Uhrahnen der Haselmaus lebten bereits vor 50 Millionen Jahren
Beschreibung: Oberseite gelbgrau, orangebraun, goldbraun bis ockerfarben. Unterseite heller, meist cremefarben mit weißlicher Kehle und Brust. Runde Ohren. Schwanz behaart und buschig, einige Exemplare besitzen weiße Schwanzspitze. Große, schwarze Augen. Zähne gelb-orange
Kopf-Rumpf-Länge: 6cm – 9cm
Gesamthöhe: …
Schwanzlänge: 5cm – 9cm
Gewicht: 17g – 40g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; … Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 6 – 13 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 34°C – 38°C, im Winterschlaf; 0°C – 1°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Gut an das Leben in der Dämmerung und Nacht angepasst
Gehör: Sehr fein bis in den Ultraschallbereich
Geruchsinn: Fein
Sonstiges: Lange Tasthaare. Schwindelfrei. Trittsicher. Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Pfeiftöne im Ultraschallbereich
Lebenserwartung: Ca. 6 Jahre
Lebensraum: Dichte Gebüsche, dichte, ununterbrochene Hecken, Unterholz, breite Waldsäume und naturnahe Mischwälder mit reichem Unterwuchs, Auwäldern, artenreiches Feldgehölz, Parks, in Haselsträuchern, Holundern, Schlehen, Weißdorn, Faulbäumen sowie Brombeerhecken. Kommt dort bis in Höhenlagen von etwa 2.000m vor
Nest: Kugelnester (mehrere) aus Laub, Gräsern, Rindenfasern, Kiefernadeln und Farnblättern gebaut mit seitlichem Eingang. In Bäumen oder (Brombeer-) Sträuchern in ca. 1m Höhe. Bauzeit für ein Nest 1 – 2 Nächte. Gelegentlich im Sommer auch in Baumhöhlen und Nistkästen zu finden. Winternester dagegen sind Laubnester mit 2cm Wandstärke, meist versteckt in Baum- oder Strauchwurzeln, in Laubstreu, unter Reißighaufen, Holzstapeln und an Baumstümpfen
Lebensweise: Im Sommer einzelgängerisch, im Winter gerne gesellig, dämmerungs- und nachtaktiv (etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang bis 1 Stunde vor Sonnenaufgang), Winterschlaf (Hibernation) von Oktober/November – März/Mai (meist erwachen die Männchen ca. 2 Wochen vor den Weibchen) mit kurzen Wachphasen (Arousals, alle 3 – 4 Wochen). Standorttreu. Kulturflüchter
Fortbewegung: Klettert hervorragend. Sohlenballen funktionieren wie Saugnäpfe, wodurch auch senkrechtes klettern möglich ist. Balancieren geschickt. Vorderpfoten sind im 30° – Winkel nach außen drehbar, wodurch das Umklammern von Zweigen ermöglicht wird. Die erste und fünfte Zehe der Vorderpfoten sind für einen sicheren Griff im Geäst abspreizbar. Die Hinterpfoten sind ab den Knöchel im 180° – Winkel drehbar und sehr stark. Streifzüge von 50m – 300m Entfernung zum Nest und 15m – 17m Höhenmeter sind pro Nacht möglich
Nahrung: Beeren, Blätter (Buche, Ahorn, Birke, Fichtennadeln), Blattknospen, Bucheckern, Ebereschenbeeren, Eicheln, Faulbaumfrüchte, Früchte, Fichten- und Kätzchenpollen, Geißblatt, Hagebutten, Hainbuchennüsse, Haselnüsse, Insekten, Kastanien, Kerne, kleine wirbellose Tieren, Larven, Nektar, Raupen, Rinde, Samen, Stechpalmenfrüchte, Spinnen, Triebe,Vogeleier, Walnüsse, Weißdorn- und Kirschblüten, Würmer
Sonstiges: Hat keinen Blinddarm
Kot: Klein (oft nur 3mm – 7mm), unregelmäßig geformt, ähnelt stark dem Kot von Fledermäusen. Aufgrund der speziellen Verdauung der Tiere findet man ihn oft direkt auf Nistkästen oder im Geäst, manchmal auch mit feinen Pflanzenfasern durchsetzt
Fortpflanzung: Nesthocker, werden in kugelförmigen, etwa faustgroßen Wurfnestern (Kobeln) mit einem Durchmesser von 10cm – 15cm, in Gestrüp, Baumhöhlen, Schuppen und Dachböden, in 1m – 2m Höhe geboren. Das Nest ist besonders weich und isolierend aus Laub, Gräsern, Kräutern (Wacholder), Gehölzfasern, Weiden- und Diestelsamen gebaut
Paarungszeit: April – Oktober
Verhalten vor der Paarung: Männchen singt bis zu 62 Töne in Ultraschall- Liebesliedern, Weibchen wird dabei umkreist und und verfolgt
Tragzeit: 20 – 25 Tage
Wurfzeit: Mai – Juni, August – September, Weibchen kümmern sich alleine um den Nachwuchs
Wurfgröße: 3 – 9 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 3 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 4 – 5 Wochen, 4 Zitzenpaare
Selbstständig: Ca. 6 Wochen, Geschwister bleiben oft noch eine Weile zusammen, neues Revier dann in 300m – 400m Entfernung zum Wurfnest
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit: …
Sonstiges: In Gefangenschaft wurde mehrfach beobachtet, das sich zwei Haselmausmütter ein Nest teilen und sich bei der Jungenaufzucht unterstützen. Es blieb immer ein Muttertier bei dem Nachwuchs, während das andere auf Nahrungssuche ging
Natürliche Feinde: Eulen, Füchse, Greifvögel, Hermeline, Katzen, Marder, Mauswiesel, Wiesel, Wildschweine
Abwehrverhalten: Tarnstarre. „Schwanzautotomie“ kann, wenn der Fressfeind den Schwanz gepackt hat, die Schwanzhaut abstreifen, dies ist allerdings nur einmalig möglich
Krankheiten: Keine bekannt
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– FFH-Richtlinie – Anhang IV
– Berner Konvention – Anhang III
Es ist verboten Haselmäuse zu fangen, zu verletzen, zu töten, Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000€ Strafe bis zu 5 jähriger Freiheitstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Die Haselmaus gilt als Zeigerart für naturnahe, strukturreiche Wälder und Heckenlandschaften. Ihr Vorkommen deutet auf eine hohe Biodiversität hin, da sie auf dichte Strauchschichten, vielfältige Nahrungspflanzen und gut vernetzte Lebensräume angewiesen ist. Als Beutetier spielt sie eine Rolle für verschiedene Fressfeinde. Sie nutzt Baumhöhlen und baut Nester in der Strauchschicht, wodurch sie zur Nutzung der vertikalen Waldstruktur beiträgt. Die Haselmaus ist streng geschützt und ihre Präsenz motiviert zu Naturschutzmaßnahmen, wie der Pflege von Waldrändern und der Anlage von Vernetzungskorridoren (Hecken), was wiederum vielen anderen Arten zugutekommt
Haselmäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie sichtbar verletzt sind, apathisch wirken oder Wunden aufweisen
– ein Nest zerstört wurde (z.B. durch Gartenarbeiten) und junge, nackte oder kaum behaarte Haselmäuse gefunden werden
– sie im tiefsten Winter (zwischen November und März/April) außerhalb ihres Nests aufgefunden werden
– sie von der Katze mitgebracht werden
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (37°C – 38°C) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Sollten Zecken oder Fliegenmaden an der Haselmaus zu sehen sein, müssen diese sofort mit einer Pinzette vorsichtig entfernt werden
– Haselmaus vorsichtig in den Karton setzen
– Karton in einen ruhigen Raum stellen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in Tröpfchenweise angeboten werden, bitte KEIN Wasser in die Haselmaus eingeben!!!, sondern vorsichtig einen Tropfen an das Mäulchen geben
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle- auffangstation, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Haselmaus dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Fäll- und Rodungsarbeiten idealerweise im Winter (November – Mitte Mai) erledigen
– Hecken nicht auf einmal komplett auf den Stock setzen, sondern abschnittsweise über mehrere Jahre pflegen, um den Lebensraum zu erhalten
– Vor dem Rückschnitt von Brombeerhecken oder dichtem Gebüsch nach faustgroßen Nestern aus Laub und Gras suchen
– In Bereichen mit Haselmausvorkommen auf den Einsatz schwerer Baumaschinen verzichten, um den Boden und die Vegetation zu schonen
Was kann ich tun um die Haselmaus zu unterstützen?
– Naturnaher Garten gestalten
– Dichte, einheimische Wildhecken pflanzen (Haselnuss, Brombeere, Weißdorn, Liguster, Holunder, Hainbuche, Efeu)
– Hecken nur selten und am besten im Winter schneiden
– Anbringen von speziellen Nistkästen für Bilche (Lochgröße 20mm, in 2m Höhe), Kästen dürfen nur mit Sondergenehmigung geöffnet werden. Bauanleitung siehe unten
– Auf Pestizide und Gifte im Garten verzichten
– Projekte wie die „Nussjagt – www.nussjagd.de oder www.pronatura.ch“ oder „Spuren bestimmen“ auf www.probilch.ch unterstützen und mitmachen
– „Citizen-Sience-Projekte“ unterstützen, zum Beispiel auf www.naturgucker.de. Mitmachen erwünscht, hier kann man seine Beobachtungen melden und damit einen wichtigen Beitrag leisten zur Datenerhebung für das Monitoring der Haselmaus
Buchtipps:
– Haselmaus ganz nah von Korinna Seybold
Mythologie: Im antiken Italien (2. Jahrhundert) galt die Haselmaus, wie Bavarikon berichtet, als Delikatesse. Sie wurde gezielt in speziellen Tongefäßen (Glirarien) mit Nüssen und Esskastanien gemästet. Der römische Koch Marcus Gavius Apicius überlieferte Rezepte, bei denen Haselmäuse mit gehacktem Schweinefleisch und ihrem eigenen Fleisch gefüllt wurden. Eine kleine Bronzeplastik einer Haselmaus steht laut Bavarikon stellvertretend für den Genuss solcher Tiere in der Antike. Anders als beispielsweise die Eule (Athene/Weisheit) oder der Hirsch (König der Wälder), ist die Haselmaus nicht als mythisches Wesen oder Symboltier in Sagen bekannt. Sie gilt eher als niedlicher, aber scheuer, nachtaktiver Bewohner von Hecken und Wäldern
Bauanleitung Haselmauskobel (Quelle – Buch: Haselmaus ganz nah):
Material:
– 20mm starke Vollholzplatte, sägerau und unbehandelt
– Hand- oder Stichsäge
– Forstnerbohrer
– Stich- oder Laubsäge
– 100er Schleifpapier (nur die das Eingangsloch glätten!)
– 24x 30mm Schrauben
– Akkuschrauber
– Holzbohrer
– Dachpappe 270mm x 200mm
– Schere
– Tacker
– 4x Winkelschrauben
– Isolierter Draht

