Einheimische – Art
Tier des Jahres 2023
Gartentier des Jahres 2024
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Bilche
Art: Gartenschläfer
Beschreibung: Oberseite rotbraun, grau, rotbraun. Unterseite weiß. Schwarze Zorromaske. Weißer Fleck vor den Ohren. Dunkle Pigmentierung auf den Schultern. Körperlanger, behaarter Schwanz mit langhaariger, schwarz-weißer Quaste. Vorderfüße vier, Hinterfüße sechs Ballen
Kopf-Rumpf-Länge: 12cm – 17cm
Schwanzlänge: 8cm – 15cm
Gewicht: 45g – 210g
Herzfrequenz: 350 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 36°C – 37°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Auf nächtliche Aktivität ausgelegt. „Zorro-Maske“hilft, Lichtreflexionen zu minimieren und die Kontraste in der Nacht zu erhöhen
Gehör: Ausgeprägt, große Ohren ermöglichen den Tieren ein sehr gutes Gehör
Geruchsinn: …
Sonstiges: Langen Schnurrhaare (Vibrissen), Jacobsonsches Organ
Lebenserwartung: Ca. 2 – 5 Jahre
Lebensraum: Laub- und Nadelwälder, vor allem auf felsigem Grund, Obst- Gärten, Streuobstwiesen, Weinberge, Parks, Fassadenbegrünung, Totholz, Friedhöfe und Hochsitzen in Baumhöhlen, Nistkästen oder Steinhaufenauf, bis in einer Höhe von 2.200m anzutreffen
Lebensweise: Einzelgänger, Dämmerungs- und Nachtaktiv (höchster Aktivität um Mitternacht), hält von September/Oktober bis April/Mai (auch in Gruppen) in Felsspalten, Baumhöhlen, Schuppen und Dachböden Winterschlaf (Torpor). Stärker bodenbewohnend als andere Bilche. Verbringt den Tag in Nestern, Baumhöhlen, Felsspalten, Nistkästen, Dachböden. Beherrscht ein großes Lautrepertoire von Murmeln über Knarren und Keckern bis Grunzen
Fortbewegung: Springt weit, klettern hervorragend, Sohlen sind feucht, womit er auch an glatten Oberflächen zu haften
Nahrung: Insekten, Würmer, kleine Wirbeltiere, Eier, Früchte, Samen, Knospen, Rinde, Weinbergschnecken, große Wegschnecken, Kerne, kleine Vögel, Vogeleier, Nüsse, Obst (Johannisbeeren, Pflaumen, Feigen, Weintrauben), Gemüse, Käfer, Tausendfüßer, Spinnen, Mäuse, Beeren, Bucheckern, Eicheln, Raupen
Sonstiges: Hat keinen Blinddarm. Nahrungssuche erfolgt oft am Boden, auf Bäumen und in Sträuchern. Ausgeprägtes Bedürfnis nach Wasser
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in gut geschützten, versteckten Orten in Kugelförmigen, aus Moos, Blättern, Haaren und feinen Zweigen geformten Nestern geboren. Beliebte Orte sind dichte, stachlige Brombeerhecken, Baumhöhlen, Mauerspalten, Schuppen, Dachböden oder Nistkästen
Paarungszeit: April – Juli
Tragzeit: 21 – 23 Tage
Wurfzeit: Mai – August
Wurfgröße: 4 – 6 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 2 Würfe pro Jahr
Säugezeit: Ca. 4 Wochen
Selbstständig: Ca. 40 Tagen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Marder, Füchse, Eulen, Katzen, Luchse, Wiesel, Ratten, Greifvögel
Abwehrverhalten: Kann Schwanzhaut ablösen, sodass Feind nur mit „Fellschlauch“ zurückbleibt, während er entkommt, gibt Warnlaute an Artgenossen ab
Krankheitsüberträger: Spielen als Krankheitsüberträger kaum eine Rolle
Schutzstatus:
– Berner Konvention – Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– FFH – Richtlinie – Anhang IV
– Rote Liste – Vom aussterben bedroht
– IUCN – Vorwarnliste
Es ist verboten Gartenschläfer zu fangen, zu verletzen, zu töten, ihre Nester und Zufluchtsstätten zu zerstören. Auch die Störung während der Fortpflanzungs- oder Winterschlafzeit ist untersagt. Es drohen bei Verstoß 50.000€-65.000€ Strafe oder bis zu 5 jähriger Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Reguliert den Bestand seiner Nahrungstiere. Dient als Nahrung für seine Fressfeinde. Trägt zur Verbreitung von Pflanzen bei. Indikator für strukturreiche Lebensräume, da er auf strukturreiche Gärten, Hecken, Streuobstwiesen und Totholz angewiesen ist, dadurch zeigt seine Anwesenheit ein intaktes ökologisches Umfeld
Gartenschläfer brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind (offensichtliche Wunden, von der Katze gebracht, apathisch wirken)
– sie in Teiche, Regentonnen oder Wassertonnen gefallen sind
– sie bei der Gartenarbeit (z.B. Umsetzen von Kompost oder Laubhaufen) im Winter (Oktober bis April) aufgeweckt werden
– junge, unbehaarte oder sehr kleine Gartenschläfer außerhalb des Nests gefunden werden
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Gartenschläfer vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Gartenschläfer eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Gartenschläfer dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Löcher in Dachbereichen, Mauerwerken und Dachkästen abdichten
Was kann ich tun um den Gartenschläfer zu unterstützen?
– Naturnahe, wilde Gärten mit einheimischen Pflanzen wie; Beerensträucher, Obstbäume
– Dichte Hecken (Weißdorn, Liguster) und Fassadenbegrünung
– Totholz
– Anbringen von speziellen Nistkästen für Bilche (Einschlupfloch für Gartenschläfer 35mm, 1,5-2m Höhe, nur unbehandeltes, raues Holz)
– Wasserstelle
– Verzicht auf Pestizide und Rattengift
– Wassersammelstellen abdecken (Regen-, Wassertonnen, Austiegshilfe Teich)
Buchtipps: …
Filmtipp: „SOKO Gartenschläfer“ in der Arte Mediathek – www.arte.tv
Mythologie: …
