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Gartenschläfer – Eliomys quercinus

Einheimische – Art
Tier des Jahres 2023
Gartentier des Jahres 2024

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Bilche
Art: Gartenschläfer

Geschichte: Seine Entstehungsgeschichte als Art reicht Jahrmillionen zurück in die Evolution der Nagetiere, während seine jüngere Bestandsgeschichte in Mitteleuropa von einem dramatischen, seit rund 150 Jahren anhaltenden Rückgang geprägt ist

Mythologie:

Buchtipps:

Filmtipp: „SOKO Gartenschläfer“ in der Arte Mediathek – www.arte.tv

Beschreibung: Oberseite rotbraun, grau, rotbraun. Unterseite weiß. Schwarze Zorromaske. Weißer Fleck vor den Ohren. Dunkle Pigmentierung auf den Schultern. Körperlanger, behaarter Schwanz mit langhaariger, schwarz-weißer Quaste. Vorderfüße vier, Hinterfüße sechs Ballen
Kopf-Rumpf-Länge: 12cm – 17cm
Schulterhöhe: 5cm – 7cm
Gewicht: 45g – 210g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 350 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 2 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 36°C – 37°C, im Winterschlaf; 2°C – 1°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Auf nächtliche Aktivität ausgelegt. „Zorro-Maske“hilft, Lichtreflexionen zu minimieren und die Kontraste in der Nacht zu erhöhen
Gehör: Ausgeprägt, große Ohren ermöglichen den Tieren ein sehr gutes Gehör
Geruchsinn: Gut entwickelt, zur gezielten Nahrungssuche, Erkennung von Artgenossen und Meidung von feindlichen beziehungsweise unangenehmen Umwelteinflüssen
Geschmackssinn: Fein, wählt seine Nahrung sehr wählerisch aus. Er bevorzugt reife, süße Früchte wie Beeren oder saftiges Obst sowie hochwertige tierische Kost und Nüsse
Sonstiges: Langen Schnurrhaare (Vibrissen), Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen:Murmeln und Schnattern (nachts in Gärten oder an Unterschlüpfen zu hören), Pfeifen und Quieken (Weibchen zur Markierung der Paarungsbereitschaft oder von beiden Geschlechtern zur Kontaktaufnahme), Keckern, Knarren und Grunzen (Droh- oder Warnlaute bei innerartlichen Auseinandersetzungen oder Revierstreitigkeiten), Fiepen (Kommunikation innerhalb einer Familiengruppe oder von Jungtieren)

Lebenserwartung: Bis zu 5 Jahre
Lebensraum: Laub- und Nadelwälder, vor allem auf felsigem Grund, Obstgärten, Streuobstwiesen, Weinberge, Parks, Fassadenbegrünung, Totholz, Friedhöfe, Hochsitzen, Baumhöhlen, Nistkästen oder Steinhaufenauf, bis in einer Höhe von 2.200m anzutreffen
Nest: Kugelförmiges, kunstvolles, aus Moos, Gras, Laub und Tierhaaren gebaute Schlafhöhle. Die Tiere verstecken diese Nester in Baumhöhlen, Felsspalten, alten Nistkästen, dichten Hecken (wie Brombeerranken) oder in Dachböden und Gebäudehohlräumen
Lebensweise: Einzelgänger, dämmerungs- und nachtaktiv (höchster Aktivität um Mitternacht), hält von September/Oktober bis April/Mai (auch in Gruppen) in Felsspalten, Baumhöhlen, Schuppen und Dachböden Winterschlaf (Torpor). Stärker bodenbewohnend als andere Bilche. Verbringt den Tag in Nestern, Baumhöhlen, Felsspalten, Nistkästen, Dachböden

Fortbewegung: Springt weit, klettern hervorragend, Sohlen sind feucht, womit er auch an glatten Oberflächen haftet
Nahrung: Beeren, Bucheckern, Eicheln, Eier, Früchte, Gemüse, Insekten, Käfer, Kerne, kleine Vögel, kleine Wirbeltiere, Knospen, Mäuse, Nüsse, Obst (Johannisbeeren, Pflaumen, Feigen, Weintrauben), Raupen, Rinde, Samen, Spinnen, Tausendfüßer, Vogeleier, Weinbergschnecken, große Wegschnecken, Würmer
Sonstiges: Hat keinen Blinddarm. Nahrungssuche erfolgt oft am Boden, auf Bäumen und in Sträuchern. Ausgeprägtes Bedürfnis nach Wasser
Kot: Etwa 1 bis 2cm lang und bohnenförmig oder leicht unregelmäßig geformt. Er ähnelt stark dem Kot von Siebenschläfern, ist aber deutlich größer als normaler Mäusekot. Frische Hinterlassenschaften sind oft noch etwas weich

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in gut geschützten, versteckten Orten in Kugelförmigen, aus Moos, Blättern, Haaren und feinen Zweigen geformten Nestern geboren. Beliebte Orte sind dichte, stachlige Brombeerhecken, Baumhöhlen, Mauerspalten, Schuppen, Dachböden oder Nistkästen
Paarungszeit: April – Juli
Balzverhalten: Männchen und Weibchen rufen sich in den nachts aktiven Stunden lautstark zu. Die Töne klingen oft vogelähnlich, schrill oder klagend und dienen der Partnersuche im Revier
Tragzeit: 21 – 23 Tage
Wurfzeit: Mai – August
Wurfgröße: 4 – 6 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 2 Würfe pro Jahr
Säugezeit: Ca. 4 Wochen
Selbstständig: Ca. 40 Tagen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit:

Natürliche Feinde: Eulen, Füchse, Greifvögel, Katzen, Luchse, Marder, Ratten, Wiesel
Abwehrverhalten: Kann Schwanzhaut ablösen, sodass Feind nur mit „Fellschlauch“ zurückbleibt, während er entkommt, gibt Warnlaute an Artgenossen ab
Krankheitsüberträger: Spielen als Krankheitsüberträger kaum eine Rolle

Schutzstatus:
– Berner Konvention – Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– FFH – Richtlinie – Anhang IV
– Rote Liste – Vom aussterben bedroht
– IUCN – Vorwarnliste
Es ist verboten Gartenschläfer zu fangen, zu verletzen, zu töten, ihre Nester und Zufluchtsstätten zu zerstören. Auch die Störung während der Fortpflanzungs- oder Winterschlafzeit ist untersagt. Es drohen bei Verstoß 50.000€-65.000€ Strafe oder bis zu 5 jähriger Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Reguliert den Bestand seiner Nahrungstiere. Dient als Nahrung für seine Fressfeinde. Trägt zur Verbreitung von Pflanzen bei. Indikator für strukturreiche Lebensräume, da er auf strukturreiche Gärten, Hecken, Streuobstwiesen und Totholz angewiesen ist, dadurch zeigt seine Anwesenheit ein intaktes ökologisches Umfeld

Gartenschläfer brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind (offensichtliche Wunden, von der Katze gebracht, apathisch wirken)
– sie in Teiche, Regentonnen oder Wassertonnen gefallen sind
– sie bei der Gartenarbeit (z.B. Umsetzen von Kompost oder Laubhaufen) im Winter (Oktober bis April) aufgeweckt werden
– junge, unbehaarte oder sehr kleine Gartenschläfer außerhalb des Nests gefunden werden

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Gartenschläfer vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Gartenschläfer eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Gartenschläfer dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Löcher in Dachbereichen, Mauerwerken und Dachkästen abdichten
– Wassersammelstellen abdecken (Regen-, Wassertonnen, Austiegshilfe Teich)

Was kann ich tun um den Gartenschläfer zu unterstützen?
– Naturnahe, wilde Gärten mit einheimischen Pflanzen wie; Beerensträucher, Obstbäume
– Dichte Hecken (Weißdorn, Liguster) und Fassadenbegrünung
– Totholzhaufen-/Hecken
– Anbringen von speziellen Nistkästen für Bilche (Einschlupfloch für Gartenschläfer 35mm, 1,5-2m Höhe, nur unbehandeltes, raues Holz)
– Wasserstelle
– Verzicht auf Pestizide und Rattengift



Über den Experten: caroline.schoch

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