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Baumschläfer – Dryomys nitedula

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Bilche
Art: Baumschläfer

Geschichte: Der Baumschläfer hat seinen geografischen und ökologischen Ursprung im osteuropäischen und eurasischen Raum sowie auf dem Balkan. Im Gegensatz zu westlich orientierten Schlafmäusen liegt sein Hauptverbreitungsgebiet dort, von wo aus er nach Mitteleuropa vordrang. Gilt als die seltenste Bilchart der Region. In Deutschland kommt er extrem selten und nur in Teilen Bayerns vor

Mythologie:

Buchtipps:

Beschreibung: Oberseite rotbraun, gelblich braun, grau, graubraun oder hellbraun. Unterseite graugelb farblich scharf von Oberseite abgesetzt. Buschiger, grauer Schwanz. Schwarze Zorromaske. Mittelgroßen Augen. Alle Füße haben sechs Sohlenballen
Kopf-Rumpf-Länge: 8cm – 12cm
Schulterhöhe:
Gewicht: 15g – 60g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 400 – 800 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 2 – 15 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 36°C – 38°C, im Winterschlaf; 2,2°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Gutes Dämmerungs- und Nachtsehen
Gehör: Sehr fein
Geruchsinn: Sehr fein
Geschmackssinn: Er schmeckt und testet gezielt Knospen, Insekten, Eier oder Rinde um zielsicher auszuwählen und ungenießbare oder giftige Pflanzenteile im dunklen Wald zu meiden
Sonstiges: Lange Schnurrhaare (Vibrissen) im Gesicht und Tasthügel im Gesicht und am Kinn, Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Leise, langgezogene, melodische Töne (Beunruhigung), schnalzende, knurrende oder pfeifende Laute (Bei Gefahr), sehr kommunikativ

Lebenserwartung: Bis zu 6 Jahre
Lebensraum: Fichten-, Tannen-, Misch- oder Laubwälder mit lückigem Kronendach und reichem Unterholz, gerne feuchte Habitate, wie bachbegleitende Gehölze (Grauerlen, Traubenkirschen) oder Waldmoore, in Almhütten, Gärten, Obstplantagen, bis in einer Höhe von 600m – 1.600m anzutreffen
Nest: Kugelförmige Freinester (Kobel) mit einem Durchmesser von 15cm – 30cm. Diese Sommernester bestehen außen aus Blättern und Zweigen und sind innen weich mit Moos oder Gras gepolstert. Sie liegen meist 1 bis 3 Meter hoch in Büschen, Jungbäumen oder Baumkronen
Lebensweise: Einzelgänger, dämmerungs- und nachtaktiv, hält Winterschlaf von Oktober bis April,
nutzt Baumhöhlen, Nistkästen oder baut Nester

Fortbewegung: Exzellenter Kletterer
Nahrung: Blätter, Beeren, Eicheln, Insekten, Käfer, kleine Wirbeltiere, Knospen, Larven, ölhaltige Samen, Obst, Schnecken, Spinnen, Vogeleier
Sonstiges: Hat keinen Blinddarm
Kot:Klein, länglich bis bohnenförmig und etwa 0,5cm – 1,5cm lang. Eine sichere Bestimmung allein über das Aussehen des Kots im Vergleich zu Mäusen oder anderen Schlafmäusen ist optisch kaum möglich

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in geschützten Nestern, die sich in Baumhöhlen, Nistkästen oder als freistehende Kugelnester in dichter Vegetation befinden geboren
Paarungszeit: April – Juni
Balzverhalten: Baumschläfer sind äußerst stimmfreudige Tiere. Während der Ranzzeit nutzen sie ein Spektrum an melodischen, lang gezogenen Pfeif-, Schnalz- oder Knurrtönen. Die Reviergrenzen der territorialen Einzelgänger öffnen sich temporär, damit Männchen und Weibchen zusammentreffen können. Nach der erfolgreichen Paarung trennen sich die Wege meist wieder
Tragzeit: Ca. 24 Tage
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 2 – 6 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 3 Würfe pro Jahr
Säugezeit: Ca. 3 Wochen
Selbstständig: 4 – 5 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit:

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder, Ratten, Uhus
Abwehrverhalten: Klettert flink ins Geäst, kann aus der Baumkrone gezielt in dichteres Unterholz springen, äußert bei Beunruhigung lange, pfeifende, schnalzende oder knurrende Laute
Krankheiten:

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– Berner Konvention – Anhang III
– FFH-Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten Baumschläfer zu fangen, zu verletzen, zu töten, Fortpflanzungs- und Ruhestätten (Nester, Baumhöhlen) zu beschädigen oder zu zerstören, besonders während der Fortpflanzungs-, Aufzucht- und Überwinterungszeit (Winterruhe in Erdhöhlen) zu stören. Es drohen bei Verstoß 50.000€-100.000€ Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Tragen zur Kontrolle von wirbellosen Tieren bei. Potenzieller Verbreiter von Pflanzensamen. Nahrung für Fressfeinde. Vorkommen gilt als Anzeiger für artenreiche Mischwälder mit hohem Strukturreichtum, dichten Unterholz und ausreichend Baumhöhle

Baumschläfer brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind (sichtbare Wunden, apathisches Verhalten, Husten, Niesen)
– man einzelne, pfeifende Jungtiere ohne Mutter (besonders Juni – Oktober) findet
– sie zwischen Oktober und April wach sind
– sie in nicht abgedeckte Wasserbecken gefallen sind
– sie von der Katze mitgebracht wurden

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Baumschläfer vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Baumschläfer eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Gartenschläfer dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– …

Was kann ich tun um den Baumschläfer zu unterstützen?
– Strukturreicher Garten mit einheimischen Sträuchern (Beerenobst)
– Laub- und Steinhaufen anlegen
– Speziellen Schlafmauskästen aus Holzanbringen
– Regentonnen abdecken, Wasserfallrohre mit Gittern sichern und Ausstiegshilfen in Gartenteichen platzieren
– Verzicht auf Rattengift (Rodentizide) und Insektizide
– Gartenschläfer fressen gerne Nüsse, Sonnenblumenkerne und reifes Obst


Über den Experten: caroline.schoch

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