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Siebenschläfer – Glis glis

Einheimiscche – Art
Tier des Jahres 2004 – Schutzgemeinschaft Deutsches Wild

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Bilche
Art: Siebenschläfer

Geschichte:

Mythologie: Im 17. Jahrhundert hieß es noch, dass ein Kind, dass am Siebenschläfertag geboren wird, noch im selben Jahr stirbt. Nach der alten Bauernregel regnet es 7 Wochen lang, jeden Tag in Strömen, wenn es am Siebenschläfertag geregnet hat

Buchtipps:

Beschreibung: Graubraunes Fell. Weißer Bauch. Keine Maske. Rundliche Ohren. Mausähnlicher Kopf und Rumpf. Buschiger, langer Schwanz. Große, schwarze Augen
Kopf-Rumpf-Länge: 15cm – 19cm
Gesamthöhe: 5cm – 7cm
Gewicht: 70g – 150g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 300 – 450 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 5 – 10 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 35°C – 36°C, im Winterschlaf; 1°C – 7°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Verlässt sich bei absoluter Dunkelheit mehr auf Tast- und Gehörsinn
Gehör: Ausgezeichnetes Gehör
Geruchsinn: Stark ausgeprägt
Geschmacksinn: Er schmeckt süße, energiereiche Nahrung stark heraus, da er als „Naschkatze“ gezielt nach reifen Früchten und fettreichen Nüssen sucht, um sich den nötigen Winterspeck anzufressen. Unangenehme oder bitter-schärfliche Geschmäcker (wie Chili) oder intensive Gerüche meidet er hingegen strikt
Sonstiges: Bis zu 6cm lange Schnurrhaare. 4 behaarte Tasthügel im Gesicht, an Kinn und an Unterarmen. Feuchte Sohlenballen und scharfen Krallen um senkrecht Wände und Bäume zu erklimmen. Langer Schwanz dient als Balancierhilfe. Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Pfeifen und Trillern (oft wie Vogelgezwitscher oder ein hoher Pfiff), Quieken (bei Begegnungen mit Artgenossen oder bei Störungen), Keifen und Grollen (Droh- oder Warnrufe, wenn sich Tiere gestört fühlen oder streiten)

Lebenserwartung: Bis zu 9 Jahre
Lebensraum: Laub- und Mischwälder mit hohem Alt- und Totholzanteil gerne mit viel Buchen- und Eichenbestand, alte Streuobstwiesen, Gärten, Hecken, in Baumlöchern, Spechthöhlen, Nistkästen, Dachböden, Scheunen, Gartenhütten
Nest: Kugelförmiger, weich gepolsterter Schlaf- und Aufzuchtplatz aus Laub, Moos, Gras und Tierhaaren. Die Tiere bauen es versteckt in Baumhöhlen, Spechthöhlen, Nistkästen, Felsspalten oder auf Dachböden. Dort schlafen sie tagsüber und bringen im Sommer ihre Jungen zur Welt
Lebensweise: Einzelgänger oder in kleinen Familiengruppen (ein Weibchen und deren Nachwuchs), nachtaktiv, hält Winterschlaf von September/Oktober bis April/Mai in Erdlöchern (50 – 100cm tief), territorial, verteidigen ihr Revier vehement gegenüber Artgenossen

Fortbewegung: Spitze Krallen, lange, gelenkige Zehen und haftende Sohlenballen die wie Saugnäpfe funktionieren. Ausgezeichneter Kletterer, erklimmt senkrecht Bäume, Felsen und glatte Hauswände. Springt bis zu 3m weit. Bewegt sich schnell und flink. Schwanz wird zur Balance beim Klettern genutzt
Nahrung: Äpfel, Baumfrüchte, Beeren, Birnen, Bucheckern, Eicheln, Früchte, Haselnüsse, Insekten, Jungvögel, junge Blätter, junge Triebe, Kastanien, Keimlinge, Knospen, Kirschen, Pilze, Rinde, Samen, Schnecken, Vogeleier, Walnüsse, Wirbellose, Zwetschgen
Sonstiges: Hat keinen Blinddarm
Kot: Etwa 8mm – 12mm lang, 3mm – 4mm dick, zylindrisch, schwarz-braun gefärbt und an den Enden leicht spitz. Frischer Kot ist weich und glänzend, während älterer Kot hart und matt wird. Man findet ihn oft auf Dachböden, Dämmungen oder Balken

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in kugeligen Nestern aus Gras, Moos Federn, Tierhaaren und Blättern (bevorzugt Eiche/Rotbuche) in Baumhöhlen, Vogelnistkästen, Spechthöhlen oder Dachböden geboren
Paarungszeit: Juni – August
Balzverhalten: Die Tiere geben laute Ruru- und Pfeiflaute von sich, die vor allem nachts auf Dachböden oder in Gärten für erhebliche Unruhe sorgen. Männchen und Weibchen jagen einander im Geäst von Bäumen. Markierung des Reviers und Anlockung des Partners über Duftdrüsen. Nach der kurzen Balzphase dulden sich die Partner kurzzeitig im Revier, bleiben danach aber nicht zusammen
Tragzeit: 28 – 32 Tage
Wurfzeit: Juli – September
Wurfgröße: 3 – 10 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 6 – 8 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit:

Natürliche Feinde: Baummarder, Eulen, Füchse, Hermeline, Iltise, Katzen, Mauswiesel, Uhus, Wiesel, Wildschweine
Abwehrverhalten: Droht laut, faucht, richten sich auf, wehrt sich mit Bissen und schnellen Schlägen mit den Vorderbeinen, kann bei Gefahr seinen Schwanz abwerfen (Schwanzhautverlust)
Krankheitsüberträger: Kontakt mit den Tieren sollte besonders bei Tierhaarallergiker vermieden werden

Schutzstatus:
– Bundesartenschutzverordnung – Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
Es ist verboten Siebenschläfer zu fangen, zu verletzt oder zu töten, auch das Zerstören ihrer Nist- oder Zufluchtsstätten ist verboten, es ist auch untersagt, Siebenschläfer in Gewahrsam zu nehmen. Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000€ Strafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Dient als Nahrung für Fressfeinde. Durch seine Ernährung, spielt er eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung von Samen. Da er auf strukturreiche Laubwälder mit Altbaumbestand und Baumhöhlen angewiesen ist, gilt er als Indikator für die Qualität und Naturnähe eines Waldes

Siebenschläfer brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind (offensichtliche Wunden, hängende Gliedmaßen, kein Fluchtverhalten)
– sie sich in einer hilflosen Lage befinden (in Eimern, Regentonnen oder Schächten feststecken)

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Siebenschläfer vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Siebenschläfer eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Siebenschläfer dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Löcher in Dachbereichen, Mauerwerken und Dachkästen abdichten

Was kann ich tun um den Siebenschläfer zu unterstützen?
– Naturnaher Garten mit Laub- oder Totholzhaufen
– Einheimischen Pflanzen, Sträucher und Bäume pflanzen (Haselnusssträucher, Walnussbäume, Beerensträucher, Obstbäume – Apfel, Birne)
– Unterwuchs an Hecken zulassen
– Anbringen von speziellen Nistkästen für Bilche
– Zwischen Juli und September niemals Muttertiere einfangen, da die Jungen sonst verhungern
– Im Spätsommer/Herbst Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse), Obst (Äpfel) oder Bucheckern anbieten


Über den Experten: caroline.schoch

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