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Feldhase – Lepus europaeus

Einheimische – Art
Tier des Jahres 2001 und 2015 – Schutzgemeinschaft Deutsches Wild

Klasse: Höhere Säugetiere
Ordnung: Hasenartige
Familie: Hasen
Art: Feldhase (Lampe, Löffelmann, Mümmelmann, Krummer, Angsthase, Hasenfuß, Hasenpanier)

Geschichte:

Beschreibung: Oberseite gelblich grau, okerbraun, graubraun, erdbraun bis braunrot mit gelben Schattierungen. Flanken rostgelb, rötlich braun. Brust und Beine hellbraun. Bauch weiß. Fell (Balg) ist feuchtigkeitsabweisend und wärmend. Ohren (Löffel) blassgrau mit schwarzen Spitzen, 8cm – 14cm lang. Große, schlanke Statur. Lange Hinterbeine. Schwanz (Blume) Oberseite weiß, Unterseite schwarz. Bernsteinfarbene Augen (Seher) mit schwarzer Pupille
Kopf-Rumpf-Länge: 40cm – 70cm
Gesamthöhe: 75cm
Schwanz (Blume): 7cm – 14cm
Gewicht: 3kg – 5,5kg
Herzfrequenz: 80 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38,5°C – 39°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: 360° Sichtfeld, kurzsichtig, reagiert extrem empfindlich auf Bewegungen (Bewegungsseher)
Gehör: Kann trichterförmigen Ohren (Löffel) unabhängig voneinander drehen und nimmt leiseste Geräusche wahr
Geruchsinn: Sehr gut ausgeprägt
Sonstiges: Lange Barthaare (Vibrissen) an Schnauze und Stirn. Duftdrüsen an den Pfoten. Markierungen mit Nasen– und Afterdrüse sowie Harn und Kot, dienen als Bestandteil der innerartlichen Kommunikation. Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Leise Knurllaute sind bei Kämpfen zwischen Rammlern oder während der Paarungszeit zu hören

Lebenserwartung: Ca. 4 – 12 Jahre
Lebensraum: Wärmeliebende Art, offene und halboffene Landschaften, strukturreiche Agrarlandschaften mit Feldgehölzen, Ackerrandstreifen, Brachflächen, lichte Wälder, Steppen, Dünen, Hecken, Wiesen, Büsche, gerne am Wald. Bis in einer Höhe von bis zu 2.500m anzutreffen
Nest: Anders als Wildkaninchen nutzen Feldhasen keine unterirdischen Bauten
Lebensweise: Einzelgängerisch, tag-, dämmerungs- und nachtaktiv, Feldhasen bauen keine Baue, sondern ruhen in flachen Bodenmulden (Sassen). Sie sind sehr standorttreu und scheu. Feldhasen bewegen sich ca. 3km um den Bau

Fortbewegung: Bis zu 80km/h schnell und sehr ausdauernd. Springt bis zu 3m weit und 2m hoch. Schwimmt gut
Nahrung: Blätter, Feldfrüchte, Getreide, Gräser, Knospen, Kräuter, Knollen, Löwenzahn, Rinde, Samen, Triebe, Wurzeln
Sonstiges: Produziert Blinddarmkot der Vitamine (B1), Aminosäuren, Proteine und Mineralstoffe enthält, dieser wird nach ausscheiden wieder gefressen (Caecotrophie). Hat einen Stopfmagen. Braucht täglich ca. 1,3kg bis 1,4kg Nahrung
Kot: Typischerweise kleine, trockene und runde Kügelchen (Köttel). Er ist meist dunkelbraun bis schwarz, kann aber je nach Fütterung auch heller sein. Die Oberfläche ist faserig und die Köttel zerfallen leicht

Fortpflanzung: Nestflüchter, werden meist in flacher Mulde im Boden (Sasse) geboren
Paarungszeit: Dezember – Oktober, (Rammelzeit)
Balzverhalten: „Hasenhochzeit“, tagsüber, besonders im Frühjahr (März/April) auf Feldern und Wiesen zu beobachten. Häsin wird von mehreren Rammlern verfolgt, es folgen Boxkämpfe („käbbeln“), ein Kräftemessen der Rammler zur Auswahl des besten Partners
Tragzeit: 42 – 44 Tage
Wurfzeit: März – Oktober
Wurfgröße: 1 – 6 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 3 – 4 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 30 – 35 Tage, Häsin kommt nur 2x am Tag kurz zum säugen vorbei, Jungtiere ansonsten alleine
Selbstständig: Ca. 4 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 6 – 8 Monate
Jungensterblichkeit: Hoch, bis 60%
Sonstiges: Hybridisierung mit Alpenschneehasen möglich, Superfötation

Natürliche Feinde: Dachse, Füchse, Greifvögel, Hermeline, Hunde, Iltise, Katzen, Luchse, Marder, Rabenvögel, Uhus, Wildschweine, Wölfe
Abwehrverhalten: „Drückt“ sich bewegungslos an den Boden und ergreift erst im letzten Moment die Flucht. Der Fluchtweg kann dabei in Ausnahmefällen bis 2,5 km betragen, meist jedoch ca. 1 km. Dabei baut er oft plötzliche Richtungswechsel (Haken schlagen) ein. Schreit (klagt) ähnlich wie ein Kind
Krankheiten: Brucellose, Chinaseuche (RHD2), European Brown Hare Syndrom (EBHS), Hasenseuche, Kokzidiose, Toxoplasmose, Tularämie (Hasenpest, Zoonose)

Schutzstatus:
– Berner Konvention – Anhang III
– Bundesartenschutzverordnung- Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
– Rote Liste – Gefährdet, Kategorie 3
Es ist verboten Feldhasen zu fangen, zu verletzen, zu töten, während der Fortpflanzungs- oder Aufzuchtzeiten erheblich zu stören, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu zerstören sowie die unberechtigte Inbesitznahme oder der Handeln mit toten oder lebenden Feldhasen. Es drohen bei Verstoß bis zu 25.000€ Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja

Funktion im Ökosystem: Feldhasen reagieren empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums. Ihr Vorkommen zeigt eine ökologisch wertvolle, strukturreiche Landschaft an (z.B. mit Buntbrachen, Hecken). Als Teil der Nahrungskette ist der Feldhase eine wichtige Nahrungsquelle für seine Fressfeinde. Maßnahmen, die auf den Schutz des Feldhasen abzielen (wie Blühstreifen oder Brachflächen), fördern gleichzeitig viele andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Feldhasen nutzen eine Vielzahl von Pflanzenarten („Hasenapotheke“) und beeinflussen durch ihren Fraß die Vegetation, insbesondere in Übergangsbereichen zwischen Offenland und Wald

Feldhasen brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind
– sie von der Katze mitgebracht werden
– sie Durchfall haben
– Fliegeneier oder Maden im Fell zu sehen sind (diese müssen schnellstmöglich abgesammelt werden)
– sie torkeln
– sie trübe Augen haben
– das Fell verklebt ist

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Feldhasen benötigen als Nestflüchter KEINE zusätzliche Wärmequelle!
– Feldhase vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Feldhasen eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Feldhase dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Hunde in Feldhasengebieten (Feldränder, Wiesen) zur Brut- und Setzzeit an der Leine führen

Was kann ich tun um den Feldhasen zu unterstützen?
– Abstand halten
– Jungtiere nicht anfassen (Lebenswichtig!)
– Gezielt an Projekte, die sich für den Lebensraum des Feldhasen einsetzen spenden
– Blühflächen anlegen
– Bei Mahd und Landschaftspflege von innen nach außen mähen
– Auf Gifte, Pestizide und Kunstdünger verzichten
– Landschaftliche Strukturen erhalten

Buchtipps:
– Wilde Flaschenkinder von Birte Heckel-Neubert

Mythologie: Der Feldhase galt in vielen keltischen Gebieten als ein Tier des Mondes und symbolisierte damit die stetige Erneuerung des Lebens, der Fruchtbarkeit und der Wachsamkeit. Er verfügt über unheimliche Wahrnehmung. Er versinnbildlicht das (Mond-) Licht und die Finsternis (Nacht), weil er sich selbst bei Vollmond auf das freie Feld wagt. Der Feldhase gilt als Überbringer verborgener Weisheiten. Als heiliges Tier war er vor Verfolgung geschützt und wurde von den Kelten nicht verspeist. Da man Feldhasen nachsagt, sie schlafen mit offenen Augen, sind sie bei den Christen ein Symbol des Auferstandenen. Zu Zeiten der Hexenverfolgung betrachtete man Feldhasen als deren dämonischen Hausgeist. Als Tier einer Hexe kann der Feldhase Nebel und Wind erzeugen. In Norwegen wurde es als schlechtes oder auch schlimmes Zeichen gedeutet, wenn man einem Feldhasen in freier Wildbahn begegnete. Man sagte, je näher der Feldhase dem Dorf rückt, desto ärger wird der Winter. In der deutschsprachigen Fabel heißt er auch Meister Lampe

Über den Experten: caroline.schoch

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