Neozoen-Art
Invasive-Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Stachelratten
Art: Nutria (Biberratte, Sumpfbiber, Schweifbiber, Schweifratte oder Coypu)
Geschichte: Das Nutria stammt ursprünglich aus Südamerika. Sie wurde ab dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wegen ihres wertvollen Pelzes nach Europa und Norddeutschland gebracht und in Pelztierfarmen gezüchtet. Nach dem Niedergang der Pelzindustrie und durch entwichene oder freigelassene Tiere etablierten sich stabile Wildpopulationen
Mythologie: …
Buchtipps: …
Beschreibung: Fell rötlichbraun, gelbgrau, schwarz oder braun. Bauch leicht gräulich. Mund- und Nasenöffnung weiß gefärbt. An den Hinterfüßen befinden sich jeweils zwischen den ersten vier Zehen Schwimmhäute, der fünfte Zeh ist freiliegend. Runder, schuppenbedeckter, kaum behaarter Schwanz. Adulte Tiere haben orangefarbene Zähne ähnlich wie Biber
Kopf-Rumpf-Länge: 43cm – 65cm
Schulterhöhe: 25cm – 35cm
Gewicht: 4kg – 10kg
Herzfrequenz: 250 – 500 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 36°C – 38°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Eher schlecht
Gehör: Gut ausgebildet, reagiert sensibel auf Geräusche
Geruchsinn: Sehr gut entwickelt
Geschmacksinn: Ausgeprägt. Als Nagetiere besitzen sie Geschmacksknospen auf der Zunge und in der Mundhöhle, mit denen sie verschiedene Geschmacksrichtungen wie süß, salzig, sauer und bitter unterscheiden können. Dies hilft ihnen bei der Auswahl ihrer vorwiegend vegetarischen Nahrung (wie Wasserpflanzen, Wurzeln und Gräsern), genießbare Pflanzenteile zu erkennen und giftige Substanzen oder ungeeignete Nahrung zu meiden
Sonstiges: Männchen markieren im Handstand markante Stellen z.B. Pflanzenhorsten ihre Reviere mit Urin und unter Ausstülpung der Analdrüsen. Weiße Tasthaare (Vibrisen). Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Knurren und Brummen (Unmut, Bedrohung oder eine aggressive Stimmung), Zähneklappern (optische und akustische Warnung bei erhöhter Anspannung), Quietsch- und Pieptöne (Bedrohung oder zur leisen Kommunikation), Kindergeschrei-Laute (Zanklaute adulter Weibchen bei Revier- oder Sozialstreitigkeiten)
Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre
Lebensraum: meist an langsam fließenden Bächen, Flüssen, Seen, Teichen, Sümpfen, Auen, Buchten, Lagunen und stehenden Gewässern anzutreffen. Benötigt Ufervegetation (Röhricht, Binsen) sowie Uferböschungen
Nest:Wohnröhren und Erdbauten in steile Uferkanten von Flüssen, Teichen oder Gräben. Manchmal legen sie im dichten Schilf auch flache Wurfnester aus Pflanzenmaterial an
Lebensweise: Paarweise oder in Familienverband (Eltern, ein- und zweijährige Jungtiere), tag-, nacht- und dämmerungsaktiv,
standorttreu, verteidigt engagiert sein Revier, Wärmeliebende- und an Wasser gebundene Art
Fortbewegung: Schwimmt sehr gut, taucht bis zu 5-8 Minuten lang, selten weiter als 50m vom Ufer entfernt anzutreffen
Nahrung: Baumrinde, Binsen, Getreide, Kartoffeln, Mais, Muscheln, Rhizome, Rüben, Schilf, Seggen, Wasserschnecken, Wasserschwaden, Würmer, Wurzeln
Sonstiges: Nahrung wird mit Vorderpfoten festgehalten und im Sitzen verzehrt
Kot: Länglich, etwa 3cm – 5cm lang, zylindrisch mit stumpfen Enden und schwimmt oft im Wasser oder liegt an Uferstellen, da die Tiere ihre Notdurft bevorzugt im Gewässer verrichten. Da Nutrias reine Pflanzenfresser sind, besteht ihr Kot überwiegend aus zerkleinertem Pflanzenmaterial
Fortpflanzung: Nestflüchter, werden meist in selbstgegrabenen Erdbauen (meterlange Röhrensysteme mit Wohnkessel) im Uferbereich von Gewässern oder in Nestern aus Schilf geboren
Paarungszeit: Ganzjährig
Tragzeit: 131 – 132 Tage
Wurfzeit: Hauptwurfzeit April – Oktober
Wurfgröße: 5 – 8 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 2 – 3 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 6 – 8 Wochen
Selbstständig: 2 – 3 Monate
Geschlechtsreife: 3 – 5 Monate
Jungensterblichkeit: …
Sonstiges: Vier Zitzenpaare auffallend zu den Dorsalseiten verlagert (ein Säugen der Jungen auch im Wasser möglich)
Natürliche Feinde: Dachse, Eulen, Fischotter, Füchse, Graureiher, Greifvögel, Hechte, Krähen, Katzen, Luchse, Mink, Störche, Waschbären, Welse, Wölfe
Abwehrverhalten: Flucht. In die Enge getrieben, kann es aggressiv reagieren, fauchen und beißen. Gibt warnende Laute von sich, bei Bedrohung in Tonhöhe ansteigend; bei gesteigerter Aggression Brummen und Zähneklappern; Zanklaute der Weibchen oft ähnlich wie Kindergeschrei
Krankheitsüberträger: Leptospirose (bakterielle Infektion), Tularämie (Nagetierpest), Salmonellose, Streptokokkose
Schutzstatus:
Keiner, da invasive Art
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, ganzjährig
Funktion im Ökosystem: Durch ihren hohen Nahrungsbedarf können sie Schilfgürtel kahlfressen, was Lebensräume für andere Arten (wie Vögel) zerstört. Sie graben ausgedehnte Höhlensysteme in Uferböschungen und Deichen. Dies kann zur Destabilisierung von Hochwasserschutzanlagen führen und führt zu einer erhöhten Eigendynamik an Fließgewässern, was jedoch oft als problematisch für die Infrastruktur angesehen wird. Durch Exkremente und Futterreste tragen Nutrias zu einer höheren Nährstoffbelastung in stehenden Gewässern bei, was Algenblüten fördern kann. Nutrias konkurrieren mit einheimischen Arten wie Enten, Blässhühnern oder dem Bisam um Lebensraum und Nahrung
Nutrias brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind (offene Wunden, starkes humpeln, schwere Atmung oder untypisches apathisches Verhalten)
– sehr kleine, felllose oder zitternde Jungtiere, die über längere Zeit (mehrere Stunden) allein an Land sitzen
– sie in Gräben, Schächten oder Zäunen feststecken
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Nutrias benötigen als Nestflüchter KEINE zusätzliche Wärmequelle!
– Nutria vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in das Nutria eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Feldhase dort abgeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Nicht füttern
– Abstand halten
Was kann ich tun um den Nutrias zu unterstützen?
– …
