Einheimische Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Braunes Langohr
Beschreibung: Oberseite gelb bis graubraun. Unterseite graugelb. Ohren sehr lang (3cm – 5cm)
Körpergröße: 3,9cm – 5,5cm
Flügelspannweite: 24cm – 29cm
Unterarmlänge: 3,4cm – 4,5cm
Gewicht: 5g – 12g
Herzfrequenz: Ca. 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 40°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Relativ große, gut entwickelte Augen, nutzt den Sehsinn jedoch nur als Ergänzung
Gehör: Ohren dienen als extrem empfindliche Schalltrichter für die Echoortung und zum Aufspüren von Beute in der Dunkelheit. In Ruhestrecken oder beim Winterschlaf klappt es die Ohren nach hinten ein oder verbirgt sie
Frequenz/Rufe: 22kHz – 40kHz „…“, Ruflänge 2ms – 5ms
Geruchsinn: Unterstützt das Auffinden von Futterplätzen oder spezifischen Insekten und dient der Orientierung im Quartier
Sonstiges: Drüsenpolster an der Nase und ein extrem wendiger Rüttelflug helfen beim Absuchen der Vegetation
Lebenserwartung: Ca. 31 Jahre
Lebensraum: Tiefland und Mittelgebirge in lichten Wäldern von Nadelmischwälder, Fichtenforsten bis Buchenwälder, Baum- und Buschlandschaften, Gärten, Parkanlagen, Wiesen mit Hecken, Dörfer, Kulturlandschaften. In einer Höhe von bis zu 2.000m zu finden
Sommerquartiere: Dachräume, Baumhöhlen, Spalten an Hausfassaden, Vogel- und Fledermauskästen
Winterquartiere: Höhlen, Baumhöhlen, Felsspalten, Stollen, Keller
Lebensweise: Ortstreu
Fortbewegung: …
Jagdverhalten: Fliegt erst nach der Abenddämmerung aus. Gejagt auf im langsamem, gaukeldem Flug. Kann Beute von Blättern und Wänden absammeln. Flügel und Schwanzflughaut dienen als Kescher. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 2km vom Quartier entfernt
Nahrung: Heuschrecken, Nachtfalter, Ohrwürmer, Raupen, Schmetterlinge, Spinnen, Wanzen, Weberknechte, Zweiflügler
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise in warmen Dachstühlen von Kirchen oder Häusern, Baumhöhlen sowie Vogel- und Fledermauskästen. Die Wochenstubengröße beträgt meist 10 – 50 Weibchen
Paarungszeit: September – Oktober, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Braune Langohren versammeln sich an speziellen Schwärm- und Paarungsquartieren wie Höhlen, Stollen oder Dachstühlen. Die Männchen veranstalten intensive Balzflüge und locken Weibchen mit lauten, für den Menschen teils hörbaren Sozial- und Balzrufen an
Tragzeit: 60 – 65 Tage
Wurfzeit: Mitte Juni – Anfang Juli
Wurfgröße: 1 – 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Marder, Katzen
Abwehrverhalten: Tagsüber verbergen sie sich in geschützten Baumhöhlen oder Dachböden. Im Winterschlaf klappen sie die langen Ohren oft unter die Flügel, um weniger Wärme und Wasser zu verlieren und unauffällig zu sein. Dank kurzer, breiter Flügel fliegen sie sehr wendig, können im Rüttelflug stoppen und entkommen Feinden im dichten Unterholz. Bei direkter Bedrohung oder in die Enge getrieben, zeigen sie ein typisches Abwehrverhalten mit lautem Fauchen, Kreischen und weit geöffnetem Maul, was wie eine Drohung wirkt
Krankheiten: Fledermausfliegen (Ectoparasiten), Fledermausmilben, Fledermaustollwut (Lyssaviren), Flöhen
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, braune Langohren zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Fressen viele Insekten in einer Nacht. Halten das Gleichgewicht in Wald- und Kulturlandschaften stabil. Nutzen den langsamen Flug in dichten Baumkronen und Sträuchern. Lesen Beute direkt von Blättern und Rinde ab. Vernetzen Lebensräume durch ihre Bindung an Hecken und Waldränder. Dienen als Beutetiere für größere Eulen und Greifvögel. Tragen durch ihren Kot zur Nährstoffversorgung des Bodens in Baumhöhlen bei
Braune Langhren brauchen Hilfe, wenn …
– sie nicht mehr abfliegen, sind sie geschwächt, unterkühlt oder dehydriert
– sie ungeschützt an einer Wand oder auf dem Balkon sitzen, droht Gefahr durch Katzen oder Krähen
– sie von einer Katze gefangen oder angeschleppt wurde, braucht sie auch ohne sichtbare Wunden sofort Hilfe (Bakterien im Speichel sind tödlich)
-sie Knochenbrüche, blutige Stellen oder unnatürlich abstehende Flügel hat
– Kleine, nackte oder schwache Jungtiere (besonders in den Sommermonaten ab Mai/Juni), die ihre Mutter verloren haben gefunden werden
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Bäume mit Höhlen oder Dachböden vor Arbeiten auf Fledermäuse untersuchen
– Arbeiten außerhalb der Wochenstubenzeit (Mai bis August) ausführen
– Bäume und Leitstrukturen im Umkreis von Quartieren erhalten
– Dachbodenzugänge und Spaltenquartiere nicht einfach verschließen
Was kann ich tun um die das braune Langohr zu unterstützen?
– Unausgebaute Dachböden oder Kirchtürme als Sommerquartiere zugänglich lassen
– Spezielle Flachkästen oder Fledermausbretter an geschützten Hauswänden, Scheunen oder Bäumen aufhängen
– Kalte, frostfreie Keller, Stollen oder Höhlen ungestört und zugänglich lassen
– Im eigenen Garten und in der Landwirtschaft auf Insektizide und Pestizide verzichten, um die Nahrungsgrundlage (Schmetterlinge und Zweiflügler) zu sichern
– Alte Bäume mit Höhlen im Bestand erhalten und Streuobstwiesen oder Hecken schützen
– Nächtliche, dauerhafte Außenbeleuchtung am Haus oder Garten vermeiden, da sie Jagdhabitate entwertet
– Gartengestaltung insektenfreundlich mit einheimischen Pflanzen anlegen
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, bestimmen und schützen von Kurt Richarz
Mythologie: …
