A B D E F G H I K L M N Ö R S T W Z
Al As

Alpenfledermaus – Hypsugo savii

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Alpenfledermaus

Geschichte: Der Ursprung der Alpenfledermaus liegt biologisch und geografisch primär im Mittelmeerraum und in den Gebirgsregionen Südeuropas. Sie ist keine reine Gebirgsart, hält mit Nachweisen in bis zu 3.300m Höhe jedoch den europäischen Höhenrekord für Fledermäuse. Ihr Hauptverbreitungsgebiet umfasst den gesamten europäischen Mittelmeerraum (insbesondere Karst- und Felsgebiete), die Alpen, große Teile Eurasiens sowie den Nordwesten Nordafrikas. Aufgrund des Klimawandels und ihrer Eigenschaft, Felsspalten gegen moderne Betonbauten und Hochhäuser in Städten einzutauschen, breitet sich die Art seit einigen Jahren stark nach Norden aus. Mittlerweile gibt es erste feste Fortpflanzungskolonien (Wochenstuben) in deutschen Städten wie Leipzig und Dresden. Der offizielle wissenschaftliche Name lautet Hypsugo savii. Der Artname savii wurde zu Ehren des italienischen Zoologen und Geologen Paolo Savi (1798–1871) vergeben. Der Gattungsname Hypsugo leitet sich von ihrer Vorliebe für große Höhen beim Fliegen und Jagen ab. Früher wurde sie den Zwergfledermäusen (Pipistrellus) zugeordnet, inzwischen bildet sie jedoch eine eigene Gattung. Wie alle Fledermäuse gehört die Alpenfledermaus zur Ordnung der Flattertiere (Chiroptera). Der evolutionäre Ursprung dieser Fledermauslinie (Glattnasen) wird in der Zeit vor etwa 65 Millionen Jahren auf dem ehemaligen Nordkontinent Laurasia vermutet

Mythologie: …

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Klaus Richarz

Beschreibung: Oberseite gelbbraun bis dunkelbraun mit weißlichen oder gelblichen Haarspitzen. Unterseite hellgrau bis weiß. Ohren braunschwarz
Körpergröße: 4,0cm – 5,4cm
Flügelspannweite: 22cm – 25cm
Unterarmlänge: 3,0cm – 3,7cm
Gewicht: 5g – 11g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 400 – 900 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 6 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 35°C – 42°C, im Winterschlaf; 1°C – 10°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Besitzt funktionfähige Augen und ein gutes Dämmerungssehen
Gehör: Hochentwickeltes Ultraschall-Gehör zur Orientierung und Jagd
Geruchsinn: Nutzen körpereigene Sekrete und Duftmarken zur individuellen Erkennung von Artgenossen und zur Markierung von Revieren oder Paarungsquartieren. In den Wochen der Jungenaufzucht (meist im Juni/Juli) erkennen Fledermausmütter ihr eigenes Jungtier im dichten Getümmel der Wochenstube unter anderem am spezifischen Individualgeruch. Wissenschaftliche Untersuchungen bei Fledermäusen zeigen, dass Weibchen genetisch passende Partner anhand des Geruchs ihres Immunsystems („erschnuppern“ von MHC-Genen) auswählen. Alpenfledermäuse bewohnen bevorzugt schmale Spalten an Felswänden, Gebäuden oder hinter Fensterläden. Der vertraute Eigengeruch eines etablierten Quartiers hilft ihnen beim zielsicheren Einfliegen
Geschmackssinn: …
Sonstiges: ….
Frequenz/Rufe: 31kHz – 36kHz „…“, Ruflänge 6ms – 12ms

Lebenserwartung: …
Lebensraum: Meist in Karstgebieten mit extensiver, mosaikartiger Kulturlandschaft und Ortschaften
Sommerquartiere: Felsspalten, Mauerritzen, Spalten in Höhlen
Winterquartiere: Felsspalten, Mauerritzen
Lebensweise: …

Fortbewegung: …
Jagd: Fliegt zu Beginn der Abenddämmerung aus. Gejagt wird auf festen Flugbahnen entlang von Straßen, Felshängen und Mauern. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. …km vom Quartier entfernt
Nahrung: Blattläuse, Hautflügler, Nachtfalter, Wanzen, Ziakden, Zweiflügler
Kot: Kleine, dunkelbraune bis schwarze, etwa 3mm – 10mm lange Krümel oder Kügelchen, die sich leicht zwischen den Fingern zu feinem Staub zerreiben lassen. Länglich, walzenförmig. Absolut trocken und bröselig (im Gegensatz zu festem Mäusekot). Enthält oft winzige, glänzende Reste von Insektenflügeln

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind oft an oder in Gebäuden (wie Mauerrissen, Dehnungsfugen, hinter Fensterläden oder Zwischendächern) sowie in sonnenexponierten Felsspalten. Die Wochenstubengröße umfasst oft 20 – 70 Muttertiere
Paarungszeit: August – September, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Die Alpenfledermaus wirbt primär über akustische Signale. Die Männchen stoßen beim Warten im Quartier oder während spezieller Balzflüge charakteristische Rufe aus. Die Rufe liegen im für Menschen meist unhörbaren Ultraschallbereich (die normale Jagdfrequenz liegt bei etwa 30–35 kHz). Die Balzrufe sind komplexer aufgebaut als die reinen Ortungsrufe und dienen dazu, die Aufmerksamkeit paarungsbereiter Weibchen zu gewinnen und gleichzeitig männliche Konkurrenten auf Abstand zu halten
Tragzeit: 40- 60Tage
Wurfzeit: Juli
Wurfgröße: 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 5 Wochen
Selbstständig: 4 – 5 Wochen
Geschlechtsreife: 1 Jahre
Jungensterblichkeit: ….
Sonstiges: …

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder, Meisen
Abwehrverhalten: Die Alpenfledermaus nutzt hochfrequente Laute, um Hindernisse und Feinde rechtzeitig zu erkennen. Im schnellen Flug im alpinen Raum weicht sie Greifvögeln geschickt aus
Krankheiten: Tollwut

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Alpenfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Sie jagt nachts aktiv nach kleineren Fluginsekten wie Nachtfaltern, Zikaden, Wanzen, Blattläusen, Mücken und Zweiflüglern. Durch ihren großen Appetit hilft sie dabei, das biologische Gleichgewicht zu wahren und dämmt Populationen bestimmter Insekten auf natürliche Weise ein. Als Räuber ist sie ein fester Bestandteil von Lebensräumen an Felswänden, in Steinbrüchen oder zunehmend auch in städtischen Siedlungsräumen

Alpenfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber ungeschützt herumsitzen, krabbeln oder an Hauswänden/Bäumen hängen, wo sie nicht hingehört
-sie am Boden liegt, nicht wegfliegen kann, erschöpft oder verletzt wirkt
– sie blutende Wunden, Brüche oder kaputte Flughäute hat
– bei Kontakt mit Katzen. Wenn die Fledermaus von einer Katze gefangen wurde, besteht Lebensgefahr durch Bakterien im Speichel
– flugunfähige Fledermausbabys allein gefunden werden

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Unterhalb des Einfluglochs ein schräg angewinkeltes Kotbrett (ca. 30 cm breit) anbringen. Dieses fängt die Ausscheidungen auf und schützt Fassaden, Fensterbretter oder Terrasen. Der getrocknete Kot ist übrigens ein hervorragender Blumendünge
– Fliegengitter an häufig geöffneten Fenstern anbringen
– Wenn Fledermäuse im Storenkasten sitzen, dürfen die Rollläden im Sommer und Herbst nur tagsüber sehr langsam bewegt werden um die Tiere nicht zu quetschen
– Bauliche Veränderungen an Fassade oder Dach dürfen niemals während der Fortpflanzungszeit (Mai bis August) oder des Winterschlafs stattfinden. Sanierungen müssen für das zeitige Frühjahr oder den Herbst geplant und mit lokalen Fledermausschützern abgestimmt werden
– Da die Alpenfledermaus ursprünglich eine reine Felsbewohnerin ist, kommt es vor allem beim Outdoorsport zu Reibungspunkten. In Abstimmung mit Naturschutzverbänden auf Kletterrouten und Klettersteige in Felswänden, die als bekannte Wochenstuben- oder Winterquartiere der Alpenfledermaus dienen verzichten
– Ausleuchten von Felsspalten oder potenziellen Quartieren mit starken Taschen- oder Stirnlampen vermeiden

Was kann ich tun um die Alpenfledermaus zu unterstützen?

– Pflanzen von einheimische Sträucher und Stauden, um Insekten als Hauptnahrungsquelle anzulocken
– Im Garten komplett auf Giftstoffe verzichten, da diese die Insektenpopulation und direkt die Fledermäuse schädigen
– Helles Dauerlicht im Garten vermeiden, da es nachtaktive Insekten stört und Fledermäuse meiden
– Spezielle Flachkästen an Hauswänden oder Bäumen bieten geschützte Tagschlafverstecke
– Hohlräume an Dachböden oder alten Gebäuden nicht verschließen, damit die Tiere einfliegen können
– Flugunfähige oder tote Fledermäuse sowie entdeckte Quartiere an lokale Expertinnen, den NABU oder regionale Koordinationsstellen melden
– Fachorganisationen wie die Stiftung Fledermausschutz freuen sich über Spenden für Notpflegestationen und Artenschutzprojekte

Über den Experten: caroline.schoch

Zur Webseite des Experten »