Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Langfußfledermaus
Geschichte: Die Langfußfledermaus wurde im Jahr 1837 von dem italienischen Naturforscher Charles Lucien Bonaparte wissenschaftlich beschrieben. Bonaparte benannte die Art 1837. Der Artname capaccinii ehrt den italienischen Kardinal Francesco Capaccini. Wegen ihrer auffallend großen Füße wird sie im Deutschen oft auch als Großfußfledermaus bezeichnet. Die Art lebt vor allem im gesamten Mittelmeerraum und in küstennahen Gebieten
Mythologie: …
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Klaus Richarz
Beschreibung: Oberseite grau bis graubraun. Unterseite etwas heller. Große behaarte Füße
Körpergröße: 4,3cm – 6,0cm
Flügelspannweite: 23cm – 29cm
Unterarmlänge: 3,8cm – 4,2cm
Gewicht: 6g – 16g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 900 – 1.000 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 6 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 35°C – 42°C, im Winterschlaf; 1°C – 12°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Sie ist nicht blind, besitzt jedoch wie die meisten Insekten fressenden Fledermäuse eher kleine Augen
Gehör: Nutzt ihr hochentwickeltes Gehör und Echolot, um sich im Dunkeln zu orientieren und Beute zu jagen
Geruchsinn: …
Geschmackssinn: Als primäre Insektenfresserin (die sich auch von kleinen Fischen ernährt) ist die Fähigkeit, „bitter“ zu schmecken, lebenswichtig. Viele giftige oder ungenießbare Insekten produzieren Bitterstoffe zur Abwehr. Der Geschmackssinn dient hier als Warnsystem, um giftige Beute sofort wieder auszuspucken
Sonstiges: ….
Frequenz/Rufe: 40kHz – 55kHz „…“, Ruflänge 3ms – 7ms
Lebenserwartung: …
Lebensraum: Gebüschreiches Gelände in Gewässernähe, Höhlenreiche Karstgeebiete, Auwälder
Sommerquartiere: Höhlen, Bergwerke, Felsspalten, Brückenspalten, Keller
Winterquartiere: Höhlen, Bergwerke
Lebensweise: …
Fortbewegung: …
Jagd: Fliegt 20 – 40 Minuten nach Sonnenuntergang aus. Gejagt wird im gleichmäßigen Flug über der Wasseroberfläche. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. …km vom Quartier entfernt. Insekten werden mit den Füßen oder der Schwanzflugheut direkt von der Wasseroberfläche abgegriffen, auch kleine Fische werden erbeutet
Nahrung: Kleine Fische, Köcherfliegen, Zweiflügler (Zuckmücken)…
Kot…
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind oft in in warmen unterirdischen Hohlräumen wie Höhlen, Bergwerken oder Stollen im Mittelmeerraum. Die Wochenstubengröße umfasst oft mehrere Hundert bis zu über tausend Muttertiere
Paarungszeit: August – September, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Wie viele Mausohr-Arten nutzen auch Langfußfledermäuse Soziallaute und spezielle Rufe (oft im Ultraschallbereich), um Weibchen anzulocken oder Reviere innerhalb der Höhle zu verteidigen. Die Männchen versuchen in den Höhlen, die Aufmerksamkeit der Weibchen zu erlangen. Gelingt dies, klammert sich das Männchen meist von hinten an das Weibchen
Tragzeit: 50 – 70 Tage
Wurfzeit: Juni
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….
Sonstiges: …
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder
Abwehrverhalten: Geben ein Summen von sich, das dem von wehrhaften Insekten (wie Hornissen oder Bienen) täuschend ähnlich ist, um Eulen und andere Angreifer zu verschrecken. Nutzung von engen Felsspalten, Höhlen oder schwer zugänglichen Unterständen mit kleinen Eingängen, die Marder nicht erreichen können. Später Ausflug im Schutz der Dunkelheit, um tagaktive Greifvögel zu meiden
Krankheiten: Weißnasen-Syndrom (White-Nose-Syndrom, WNS)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang II, IV
Es ist verboten, Langfußfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Sie jagt bevorzugt in geringem Abstand direkt über Wasseroberflächen von Flüssen, Kanälen und Seen. Sie frisst enorme Mengen an Zuckmücken, Stechmücken, Köcherfliegen und Eintagsfliegen, deren Larven sich im Wasser entwickeln. Durch das Fressen von Tausenden Insekten pro Nacht hält sie die Populationen im Gleichgewicht und verhindert Insektenplagen. Als eine der ganz wenigen europäischen Fledermausarten besitzt sie extrem große Füße mit langen Krallen. Damit ist sie in der Lage, neben Insekten auch winzige Oberflächenfische (wie die Gattung Gambusia) direkt aus dem Wasser zu keschern. Die Langfußfledermaus transportiert Energie aus den Jagdgebieten (Gewässern) in ihre Ruhequartiere (meist Höhlen). Ihr nährstoffreicher Kot (Guano) fällt in den Höhlen zu Boden. In ansonsten extrem nährstoffarmen Höhlen bildet dieser Kot die absolute Lebensgrundlage (Primärenergie) für spezialisierte Höhlenlebewesen wie blinde Krebstiere, Spinnen, Insekten und Pilze. Sie agiert im Ökosystem sowohl als Jäger als auch als Beute. Sie selbst dient größeren nährstoffkettenübergreifenden Räubern wie Eulen (z. B. Schleiereulen), Greifvögeln oder teils auch Höhlenraubtieren als wichtige Nahrung. Weil die Langfußfledermaus saubere, strukturreiche Gewässer zum Jagen und ungestörte Höhlen zum Schlafen braucht, gilt sie als Bioindikator. Ein Vorkommen dieser streng geschützten Art signalisiert ein gesundes, intaktes und pestizidarmes Ökosystem
Langflügelfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie sich auf dem Boden, an einer Hauswand, auf der Terrasse oder auf dem Rasen befindet, ist sie geschwächt, krank oder verletzt
– sie sichtbare Verletzungen, Blutungen, unnatürlich abstehende Flügel oder gebrochene Knochen hat
– nackte oder nur schwach behaarte Babys (meist zwischen Mai und Juli), die aus dem Quartier gefallen sind, gefunden werden
– sie von einer Katze gebracht wurden. Der Speichel von Katzen enthält für Fledermäuse tödliche Bakterien
– sie in den kalten Monaten (November bis März) bei Bauarbeiten oder Holzhacken aufgeweckt wurde
– sie nachts in die Wohnung geflogen ist
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Vor Baubeginn oder Eingriffen in Lebensräume muss geprüft werden, ob Jagdhabitate, Wochenstuben oder Winterquartiere der Tiere im Bereich liegen
– Arbeiten in der Nähe von Quartieren sollten nur außerhalb der sensiblen Aufzucht- und Überwinterungszeiten erfolgen
Was kann ich tun um die Langflügelfledermaus zu unterstützen?
– Alte Gebäude, Dachböden, Höhlen und Baumhöhlen als natürliche Rückzugsorte erhalten
– Spezielle Fledermauskästen oder Flachkästen an Bäumen und Giebelwänden anbringen
– Auf Chemikalien und Insektizide verzichten, um das Nahrungsangebot für Fledermäuse zu sichern
