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Biber – Castor fiber

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Biber
Gattung: Castor
Art: Europäischer Biber

Beschreibung: Oberseite grau bis dunkelbraun. Unterseite etwas heller. Schwanz (Kelle) breit, horizontal abgeflacht, unbehaart und schuppenbesetzt, dient als Steuer und Ruder beim Schwimmen, Stütze beim Sitzen und Fettspeicher im Winter. Plumper, gedrungener Körper. Kurzer, breiter, oben abgeflachter Kopf. Augen, Ohren und Nase sind in einer Linie. Nagezähne orange-rot. 5 Finger an den Vorderfüßen, Hinterfüße groß und mit Schwimmhäute zwischen den Zehen versehen. Zweite Hinterfußzehe besitzt eine Doppelkralle zur Fellpflege
Kopf-Rumpf-Länge: 80cm – 102cm
Gesamthöhe: 40cm
Schwanzlänge: 30cm – 40cm
Gewicht: 20kg – 30kg
Herzfrequenz: 100 Schläge pro Minute (beim Tauchgang 50/Minuten)
Körpertemperatur: 37°C – 38°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Kurzsichtig, überwiegend in Grauschattierungen. Beim Tauchgang schützt eine Nickhaut das Auge
Gehör: Sehr gut, Ohren werden beim Tauchen verschlossen, hört aber trotzdem gut
Geruchsinn: Sehr gut, Nase wird beim Tauchen verschlossen
Sonstiges:
Vibrissen (Tasthaare) dunkelbraun, in Gesichtsbereich und an Vorderpfoten, markieren das Revier mit Castoreum („Bibergeil“), einem ölig riechenden Sekret aus Analdrüsen, Jacobsonsches Organ

Lebenserwartung: 8 – 25 Jahre
Lebensraum: Naturnahe Fluss- und Auenlandschaften, Flüsse, Bäche, Seen, (Fisch-) Teiche
Lebensweise: Familienverband (Eltern, ein- und zweijährige Jungtiere), Dämmerungs- und Nachtaktiv,
bauen Dämme und Burgen mit Holz und Schlamm und schaffen dadurch Feuchtbiotope

Fortbewegung: Bis zu 10km/h schnell, schwimmt sehr gut, kann 5-20 Minuten tauchen an Uferstreifen nur bis zu 50 Meter ins Landinnere hinen unterwegs
Nahrung: Junge Triebe, Blätter, Gräser, Kräuter, Feldfrüchte, Rinde, Knospen, Ufer- und Wasserpflanzen, Bast, Klee, Mais, Rüben, Getreide, Fallobst, überwiegend Weichhölzer wie Espen, Pappeln und Weiden
Sonstiges: Legt im Herbst Zweige und Äste ein (Futterfloß), diese sind sein Wintervorrat. Benötigt ca. 2kg – 3kg Nahrung oro Tag

Fortpflanzung: Nestflüchter, werden meist in der Biberburg oder im Biberbau , gut geschützt über dem Wasserspiegel geboren. Der Eingang liegt dabei stets unter Wasser
Paarungszeit: Januar – April
Tragzeit: 105 – 109 Tage
Wurfzeit: April – Juni
Wurfgröße:
1 – 6 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 6 – 8 Wochen
Selbstständig: Ca. 6 Monate
Geschlechtsreife:
Ca. 2-3 Jahre
Jungensterblichkeit: Hoch, 60 – 75 %

Natürliche Feinde: Wölfe, Braunbären, Hunde, Greifvögel, Eulen, große Raubfische, Uhus, Füchse, Luchse, Seeadle
Abwehrverhalten: Schlägt mit der Kelle auf das Wasser auf um Artgenossen zu warnen, fühlen sie sich, besonders in der Aufzuchtzeit von Mai bis Juli, bedrängt, greifen sie an und beißen, was zu schweren Verletzungen führen kann
Krankheitsüberträger: Saug-, Faden-, Fuchsband-, Bandwürmer, Biberkäfer, Bibermilbe, Tuberkulose, Leptospirose

Schutzstatus:
– Bundesartenschutzverordnung – Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– Berner Konvention
– FFH Richtlinie – Anhang II und IV
– Rote Liste – Vorwarnliste, Kategorie 3 – Gefährdet
Es ist verboten Biber zu fangen, zu verletzen, zu töten, sie während der Fortpflanzungs-, Aufzucht- oder Überwinterungszeiten erheblich zu stören, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten (Burgen, Dämme, Biberhöhlen) zu beschädigen oder zu zerstören, Biber oder Teile von ihnen (auch tot) zu besitzen oder zu vermarkten. Es drohen bei Verstoß 50.000€-65.000€ Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe. Jägern kann der Jagdschein entzogen werden!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Staut Fließgewässer auf, wodurch neue Stillwasserlebensräume, Teiche und Feuchtgebiete entstehen. Die geschaffenen Strukturen (Totholz, Wasserflächen) bieten Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten, darunter Amphibien, Libellen, Fische (bis zu 80% höhere Dichte), Fischottern und Vögel wie den Eisvogel oder Storch. Die Dämme verzögern den Wasserabfluss, wirken ausgleichend bei Hochwasser und speichern Wasser in der Landschaft, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist. Speziell in Biberteichen setzen sich Sedimente ab, was zu einer Verbesserung der Wasserqualität führen kann. Durch das Fällen von Bäumen (besonders Weichholz wie Weiden) fördert der Biber die Verjüngung des Uferwaldes und schafft Totholzstrukturen, die als Lebensraum dienen. Biber fungieren als effektive CO₂-Senker, da in den aufgestauten Bereichen mehr Kohlenstoff gebunden wird

Biber brauchen Hilfe, wenn …
– sie sichtbar verletzt sind (Verkehrsunfälle, Angriffe, Kämpfe, …)
– sie in ein tiefes, betoniertes Becken, in einen Kanal oder einen Schacht gefallen ist und nicht aus eigener Kraft herauskommt
– sehr kleine, verlassene Jungtiere (ohne Mutter) gefunden werden
– sie in ein Gebiet geraten sind, aus dem sie nicht mehr zurückfinden, zum Beispiel durch einen Zaun getrennt

Wie helfe ich richtig?
– Abstand halten und dem Tier nicht nähern
– Nicht füttern
– Nicht anfassen
– Hunde auf großem Abstand halten
– Zeit geben, ein Biber, der sich in einen Garten verirrt hat, findet oft selbstständig über seinen Geruchssinn wieder zurück
– Verletzten/Toten Biber nicht anfassen
– Zuständige untere Naturschutzbehörde, die Polizei oder lokalen Biberberater kontaktieren
– Ist ein Biber in ein tiefes, betoniertes Becken ohne Ausstieg gefallen, ist professionelle Hilfe notwendig, bitte KEINE Rettungseinsätze in Eigenregie unternehmen!!!

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Hunde IMMER an der Leine führen
– Abstand halten
– Nicht füttern

Was kann ich tun um den Biber zu unterstützen?
– Akzeptanz des Biber als wichtiger Gestalter der Natur, der durch seine Dämme Feuchtgebiete schafft und die Artenvielfalt fördert
– Mitgliedschaft im Naturschutzvereinen
– Ehrenamtliche Hilfe bei Baumschutz, Kontrolle/Unterhaltung von Managementaufgaben und Revierkartierung

Ansprechpartner zum Thema Biber in Sachsen – Anhalt ist die:

Landeskompetenzstelle für Biberschutz in Sachsen-Anhalt
Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe
Postanschrift:
Kapenmühle PF 13 82
06813 Dessau-Roßlau

E-Mail: torsten.beyer@biores.mwu.sachsen-anhalt.de
Tel.: 034904 421120

An die oben angegebenen Kontaktdaten könnt ihr auch gerne euere Bibersichtungen (Lebendsichtungen und Totfunde eines Bibers, Losung, Fraßspuren, Spuren, Biberburgen, Dämme, Wildtierkamerabilder …) für das Monitoring melden.

Bitte gebt folgendes bei einer Nachweiseinsendung an:
– Namen, Vornamen
– Telefonnummer
– Beobachtungsdatum- und zeitraum
– Beobachtungsort (möglichst genaue Angaben zum Lebensraum)
– Ortsangabe – Landkreis, nächste Ortschaft (Postleitzahl)/(evtl. Forstamt / Waldabteilung)
– GPS-Koordinaten
– Anzahl beobachteter Tiere (Jung- oder Alttiere)
– Lebendig oder Tot
– Dauer der Beobachtung
– Entfernung zum Tier
– Verhalten und Aussehen des Tieres
– Bild oder Video

Buchtipps:

Mythologie: In der deutschen Fabel Meister Bo(c)kert. In der altdeutschen Heilkunde galt die Ausscheidung aus den Duftdrüsen als krampflösendes Heilmittel, Biberschwanz- und Fleisch waren damals geschätzte Fastenspeisen

Über den Experten: caroline.schoch

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