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Breitflügelfledermaus – Cnephaeus serotinus

Einheimische Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Breitflügelfledermaus

Beschreibung: Langes Fell mit glänzenden Haarspitzen. Oberseite dunkelbraun. Unterseite gelbbraun. Ohren relativ kurz, schwarzbraun. Flügel auch schwarzbraun
Körpergröße: 6,2cm – 8,2cm
Flügelspannweite: 31,5cm – 39cm
Unterarmlänge: 4,8cm – 5,6cm
Gewicht: 14g – 35g
Herzfrequenz: 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 42°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Die Augen helfen in der Dämmerung, grobe Strukturen der Landschaft zu erkennen und Hindernisse wahrzunehmen
Gehör: Nutz ihr hervorragendes Gehör und die Echoortung, um im Dunkeln zu jagen und sich zu orientieren
Frequenz/Rufe: 23kHz – 29kHz „Tjappe-tjappe-tjappe“, Ruflänge 7ms – 18ms
Geruchsinn: Vor allem zur Orientierung in ihrer Umwelt, zur Erkennung von Quartieren und Artgenossen sowie zum Aufspüren bodennah lebender oder versteckter Insekten
Sonstiges: Sensible Haare (Vibrissen) und Flughäute registrieren Luftströmungen und Hindernisse unmittelbar vor dem Zusammenstoß

Lebenserwartung: Ca. 20 Jahre
Lebensraum: Dörfer, Parkanlagen, Waldränder, Wege, Seen, Flüsse, Wälder, Wiesen
Sommerquartiere: Spalten an Hausfassaden, in Zwischendächern, Baumhöhlen, Fledermauskästen, Höhlen, Stollen, Kellern
Winterquartiere: Spalten an Hausfassaden, in Zwischendächern, Baumhöhlen, Fledermauskästen, Höhlen, Stollen, Kellern
Lebensweise: Ortstreu.

Fortbewegung:
Jagdverhalten: Fliegt in der frühen Abenddämmerung (20 – 30 Minuten nach Sonnenuntergang) aus. Gejagt wird im wendigen, raschem Flug, in 3m – 10m Höhe, oft entlang von Viehweiden, Landwirtschaftsflächen, Parks, Streuobstwiesen, Waldränder, Hausreihen und Straßenlaternen oder dicht über dem Boden. Diese werden teils vom Boden aufgenommen. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 10km vom Quartier entfernt
Nahrung: Dung-, Juni- und Maikäfer, Falter, Käfer, Maulwurfsgrillen, Nachtfalter, Schlupfwespen, Wanzen, Zweiflügler

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise in Spalten an Hausfassaden. Diese umfassen meist 10 – 60 Tiere
Paarungszeit: August – Oktober, dann ca. 5 Monate Keimruhe
Balzverhalten:
Tragzeit: 50 – 60 Tage
Wurfzeit: Mitte Juni
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 5 Wochen
Selbstständig: 4 – 5 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit:

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder
Abwehrverhalten: Sie stoßen hörbare Zisch- und Knatterlaute aus und öffnen das Maul weit, um den Feind zu erschrecken. Tagsüber nutzen sie enge Spaltenquartiere, die für größere Feinde unerreichbar sind, und setzen im Flug auf schnelle, wendige Haken
Krankheiten: Coronaviren, Fledermaustollwutvirus (EBLV, Lyssavirus), Fledermauswanzen, Flöhe, Herpesviren, Milben

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Breitflügelfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Sie frisst viele Käfer und Falter, die an Pflanzen fressen. Im Frühling jagt sie gezielt Maikäfer und Junikäfer. Durch den Fraß an Insekten sinkt der Bedarf an künstlichen Pestiziden in der Natur. Sie fliegt über Weiden, an Waldrändern und in Parks, um Insekten im Flug oder direkt von der Vegetation zu fangen

Breitflügelfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber ungeschützt am Boden liegen, sind sie meist kraftlos, krank oder kollidiert
– sie bluten, kaputte Flughäute oder unnatürliche Haltungen der Flügel haben
– sie am Tag an Wänden herumkriechen, drohen sie oft zu verhungern oder zu verdursten
– gefallene Jungtiere im Sommer gefunden werden
– sie aus Versehen eingeschleppt wurden und den Weg nach draußen nicht mehr finden

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Kotbretter anbringen, diese fangen den Kot unter den Einflügüchen auf, um die Fassade sauber zu halten
– Fliegengitter nutzen, verhindern den verirrten Einflug der Tiere in Wohnräume
– Dacharbeiten nur im Herbst (nach den Wochenstuben) durchführen

Was kann ich tun um die Breitflügelfledermaus zu unterstützen?

– Spezielle Flachkästen oder Fledermausbretter am geschützten Hausgiebel anbringen
– Dachböden, Giebelspalten und Verkleidungen bei Renovierungen zugänglich und unversehrt lassen
– Alten Baumbestand schützen, höhlenreiche Bäume in der Umgebung als Sommer- oder Zwischenquartier bewahren
– Insektenvielfalt fördern, einheimische Wildstauden, Hecken und ungepflegte Blühstreifen pflanzen, die nachtaktive Insekten und Käfer anlocken
– Keine Pestizide nutzen, auf chemische Insektizide, Herbizide und den Einsatz von Gift im eigenen Garten völlig verzichten
– Keine Klebefallen aufstellen, auf Insekten- oder Mottenklebefallen im Innen- und Außenbereich wegen akuter Verletzungsgefahr für Tiere verzichten

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Kurt Richarz

Mythologie:



Über den Experten: caroline.schoch

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