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Breitflügelfledermaus – Cnephaeus serotinus

Einheimische Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Breitflügelfledermaus

Geschichte: Die Breitflügelfledermaus blickt auf eine Jahrmillionen alte evolutionäre Geschichte zurück, die eng mit der Entwicklung der modernen Fledertiere (Chiroptera) und dem Wandel der europäischen Landschaft verknüpft ist. Die Wurzeln aller Fledermäuse liegen in der Zeit nach dem Aussterben der Dinosaurier an der Grenze von der Kreidezeit zum Paläozän (vor ca. 65 Millionen Jahren). Der Ursprung der heutigen Hauptlinien wird auf dem damaligen Superkontinent Laurasia vermutet. Das älteste bekannte vollständige Fledermausfossil (Icaronycteris), das rund 50 Millionen Jahre alt ist, besaß bereits voll entwickelte Flügel. Fledermäuse haben sich aus kleinen, insektenfressenden Baumsäugern entwickelt, die lernten, von Ast zu Ast zu gleiten, woraus sich über Millionen Jahre der aktive Schlagflug formte. Die Breitflügelfledermaus gehört zur Familie der Glattnasen (Vespertilionidae). Diese Familie trennte sich vor etwa 30 bis 40 Millionen Jahren von anderen Fledermauslinien ab und entwickelte sich zur heute artenreichsten Fledermausfamilie weltweit.Während der Eiszeiten (Pleistozän) war Europa über lange Perioden von dicken Eisschilden und eisigen Steppen geprägt. Wie viele europäische Tierarten überlebte die Breitflügelfledermaus die Kaltzeiten in sogenannten Kälteredugien im Mittelmeerraum (z. B. auf den Iberischen, Italienischen und Balkan-Halbinseln) sowie im Nahen Osten. Vor dem Auftauchen des Menschen lebte die Art in lichten Wäldern und felsigen Regionen. Als Tagesquartiere dienten ihr Felsspalten, tiefe Baumhöhlen oder Spalten hinter loser Baumrinde. Ihre breiten Flügel entwickelten sich als Anpassung, um im wendigen Jagdflug knapp über dem Blätterdach, an Waldrändern und im Offenland große Käfer zu erbeuten

Mythologie: …

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Kurt Richarz

Beschreibung: Langes Fell mit glänzenden Haarspitzen. Oberseite dunkelbraun. Unterseite gelbbraun. Ohren relativ kurz, schwarzbraun. Flügel auch schwarzbraun
Körpergröße: 6,2cm – 8,2cm
Flügelspannweite: 31,5cm – 39cm
Unterarmlänge: 4,8cm – 5,6cm
Gewicht: 14g – 35g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 900 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 6 – 20 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 35°C – 42°C, im Winterschlaf; 1°C – 5°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Die Augen helfen in der Dämmerung, grobe Strukturen der Landschaft zu erkennen und Hindernisse wahrzunehmen
Gehör: Nutz ihr hervorragendes Gehör und die Echoortung, um im Dunkeln zu jagen und sich zu orientieren
Geruchsinn: Vor allem zur Orientierung in ihrer Umwelt, zur Erkennung von Quartieren und Artgenossen sowie zum Aufspüren bodennah lebender oder versteckter Insekten
Geschmackssinn: Insektenfressende Fledermäuse wie die Breitflügelfledermaus besitzen intakte Bitterrezeptoren. Sie nutzen sie, um ungenießbare oder giftige Insekten (die oft Bitterstoffe zur Abwehr absondern) sofort zu erkennen und wieder auszuspucken. Riecht oder schmeckt ein Insekt beißend, chemisch oder unnatürlich, wird es als Beute abgelehnt. Anatomische Untersuchungen (unter anderem im Rahmen von Tollwut-Forschungen bei Breitflügelfledermäusen) bestätigen, dass die Tiere funktionstüchtige Geschmacksknospen auf der Zunge und im Rachenraum besitzen
Sonstiges: Sensible Haare (Vibrissen) und Flughäute registrieren Luftströmungen und Hindernisse unmittelbar vor dem Zusammenstoß
Frequenz/Rufe: 23kHz – 29kHz „Tjappe-tjappe-tjappe“, Ruflänge 7ms – 18ms

Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre
Lebensraum: Dörfer, Parkanlagen, Waldränder, Wege, Seen, Flüsse, Wälder, Wiesen
Sommerquartiere: Spalten an Hausfassaden, in Zwischendächern, Baumhöhlen, Fledermauskästen, Höhlen, Stollen, Kellern
Winterquartiere: Spalten an Hausfassaden, in Zwischendächern, Baumhöhlen, Fledermauskästen, Höhlen, Stollen, Kellern
Lebensweise: Ortstreu.

Fortbewegung: …
Jagdverhalten: Fliegt in der frühen Abenddämmerung (20 – 30 Minuten nach Sonnenuntergang) aus. Gejagt wird im wendigen, raschem Flug, in 3m – 10m Höhe, oft entlang von Viehweiden, Landwirtschaftsflächen, Parks, Streuobstwiesen, Waldränder, Hausreihen und Straßenlaternen oder dicht über dem Boden. Diese werden teils vom Boden aufgenommen. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 10km vom Quartier entfernt
Nahrung: Dung-, Juni- und Maikäfer, Falter, Käfer, Maulwurfsgrillen, Nachtfalter, Schlupfwespen, Wanzen, Zweiflügler
Kot: Die Kotkrümel sind länglich, ca. 5mm – 10mm groß und erinnern oberflächlich an Mäusekot. Er ist trocken, glänzt oft leicht (durch unverdaute Insektenreste wie Käferpanzer) und lässt sich mühelos zu feinem Staub zerreiben, da er nur aus Insektenresten besteht. Da Fledermäuse reine Insektenfresser sind, enthält der Kot keine giftigen Stoffe oder Weißanteile (wie Vogeldreck)

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise in Spalten an Hausfassaden. Diese umfassen meist 10 – 60 Tiere
Paarungszeit: August – Oktober, dann ca. 5 Monate Keimruhe
Balzverhalten: …
Tragzeit: 50 – 60 Tage
Wurfzeit: Mitte Juni
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 5 Wochen
Selbstständig: 4 – 5 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: …

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder
Abwehrverhalten: Sie stoßen hörbare Zisch- und Knatterlaute aus und öffnen das Maul weit, um den Feind zu erschrecken. Tagsüber nutzen sie enge Spaltenquartiere, die für größere Feinde unerreichbar sind, und setzen im Flug auf schnelle, wendige Haken
Krankheiten: Coronaviren, Fledermaustollwutvirus (EBLV, Lyssavirus), Fledermauswanzen, Flöhe, Herpesviren, Milben

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Breitflügelfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Sie frisst viele Käfer und Falter, die an Pflanzen fressen. Im Frühling jagt sie gezielt Maikäfer und Junikäfer. Durch den Fraß an Insekten sinkt der Bedarf an künstlichen Pestiziden in der Natur. Sie fliegt über Weiden, an Waldrändern und in Parks, um Insekten im Flug oder direkt von der Vegetation zu fangen

Breitflügelfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber ungeschützt am Boden liegen, sind sie meist kraftlos, krank oder kollidiert
– sie bluten, kaputte Flughäute oder unnatürliche Haltungen der Flügel haben
– sie am Tag an Wänden herumkriechen, drohen sie oft zu verhungern oder zu verdursten
– gefallene Jungtiere im Sommer gefunden werden
– sie aus Versehen eingeschleppt wurden und den Weg nach draußen nicht mehr finden

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Kotbretter anbringen, diese fangen den Kot unter den Einflügüchen auf, um die Fassade sauber zu halten
– Fliegengitter nutzen, verhindern den verirrten Einflug der Tiere in Wohnräume
– Dacharbeiten nur im Herbst (nach den Wochenstuben) durchführen

Was kann ich tun um die Breitflügelfledermaus zu unterstützen?

– Spezielle Flachkästen oder Fledermausbretter am geschützten Hausgiebel anbringen
– Dachböden, Giebelspalten und Verkleidungen bei Renovierungen zugänglich und unversehrt lassen
– Alten Baumbestand schützen, höhlenreiche Bäume in der Umgebung als Sommer- oder Zwischenquartier bewahren
– Insektenvielfalt fördern, einheimische Wildstauden, Hecken und ungepflegte Blühstreifen pflanzen, die nachtaktive Insekten und Käfer anlocken
– Keine Pestizide nutzen, auf chemische Insektizide, Herbizide und den Einsatz von Gift im eigenen Garten völlig verzichten
– Keine Klebefallen aufstellen, auf Insekten- oder Mottenklebefallen im Innen- und Außenbereich wegen akuter Verletzungsgefahr für Tiere verzichten



Über den Experten: caroline.schoch

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