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Fransenfledermaus – Myotis nattereri

Einheimische Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Fransenfledermaus

Beschreibung: Oberseite bräunlich grau. Unterseite hell grauweiß. Jungtiere dunkler grau ohne die Brauntöne der Alttiere. Schwanzflughaut hat gekrümmte, steife Haare „Franzen“. Ohren und Ohrdeckel auffällig lang
Körpergröße: 4cm – 5,5cm
Flügelspannweite: 24cm – 28cm
Unterarmlänge: 3,5cm – 4,6cm
Gewicht: 5g – 14g
Herzfrequenz: 800 – 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 40°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Wichtige unterstützende Rolle im Alltag und bei der Dämmerungsjagd
Gehör: Hervorragendes Gehör erlaubt es ihr, Insekten sogar direkt von Blättern oder Baumrinde abzusammeln
Frequenz/Rufe: 28kHz – 53kHz „…“, Ruflänge 2ms – 5ms
Geruchsinn: Unterstützt die allgemeine Wahrnehmung der Umwelt und die Erkennung von Quartieren oder Artgenossen
Sonstiges: Die typischen fransenförmigen Borsten an der Schwanzflughaut helfen beim Greifen und Festhalten von Krabbeltieren

Lebenserwartung: Ca. 18 Jahre
Lebensraum: Parks, lichte Wälder, Schneisen, Strauchzonen, Obstgärten, Feuchtgebiete, an Gewässern und in Dörfern
Sommerquartiere: Baumhöhlen, Fledermauskästen, Spalten an Hausfassaden, Felsspalten, Mauerritzen, Höhlen
Winterquartiere: Felsspalten, Höhlen, Stollen, Bergkeller und andere unterirdische Gänge
Lebensweise: Teilt das Quartier manchmal mit Wimpernfledermäusen

Fortbewegung: Fliegt 10km/h – 15 km/h . Kann sich an rauen Flächen, Wänden oder in Verstecken flink krabbelnd fortbewegen
Jagdverhalten: Fliegt in der späten Abenddämmerung aus. Gejagt wird im langsamen Flug auf engstem Raum, oft über Sträuchern, nah an der Vegetation und in Baumspitzen. Fängt Beute häufig mit der Schwanzflugheut. Kann Beute direkt von Blättern fangen. Sie beherrscht den Rüttelflug. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 3km vom Quartier entfernt
Nahrung: Asseln, Fliegen, Hundertfüsser, Käfer, Köcherfliegen, Schmetterlinge, Spinnen, Steinfliegen, Weberknechte, Zweiflügler

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise in geschützten Spalten in Baumhöhlen, an Gebäuden oder in alten Viehställen. Diese umfassen meist 10 – 200 Tiere
Paarungszeit: August – September, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männchen senden hörbare Sozialrufe sowie komplexe Ultraschallgesänge aus, um Partnerinnen anzulocken, wobei der genaue Ablauf des Schwarms von Forschern noch intensiv untersucht wird
Tragzeit: 50 – 60 Tage
Wurfzeit: Anfang Juni – Anfang Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 4 Wochen
Selbstständig: Ca. 4 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit:

Natürliche Feinde: Eichhörnchen, Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder, Spechte, Stare
Abwehrverhalten: Wählen gezielt enge Verstecke in Baumhöhlen, hinter Rinde, in Mauerspalten oder in engen Holzbalken-Zapfenlöchern, die für Marder unerreichbar sind. Bei Angriffen im Freiflug nutzen sie ihre extreme Flugakrobatik, um Beutegreifern durch abrupte Haken und Ausweichbewegungen zu entkommen. Werden sie in die Enge getrieben oder angefasst, wehren sie sich mit deutlichen Drohgeräuschen und Bissen durch ihr spitzes Gebiss
Krankheiten: Bokeloh bat lyssavirus (BBLV), Fledermausfliegen, Milben

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Fransenfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Sie sammelt insektenaktivitäten direkt von Pflanzenteilen oder Hauswänden ab, was freie Jagdnischen besetzt. Sie jagt gezielt in Viehställen nach Fliegen oder in strukturreichen Wäldern. Ihr Kot (Guano) liefert wichtige Nährstoffe für den Boden

Fransenfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber am Boden, auf der Straße oder frei an einer Hauswand hängen
– sie sichtbare Wunden, Brüchen oder eine beschädigte Flughaut haben
– flugfähige Jungtiere aus dem Quartier gefallen sind (besonders bei starker Hitze)
– sie versehentlich mit Feuerholz ins Zimmer geholt wurden oder sich in Wohnungen verirrt haben
– Verstecke in Bäumen oder Gebäuden zerstört oder Fledermäuse vertrieben wurden

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Ein kleines Brett oder Segeltuch unter dem Einflug anbringen, um Kot sauber aufzufangen
– Fenster in der Dämmerung geschlossen halten oder mit Netzen versehen
– Weniger Außenlicht und warmweiße Lampen nutzen, um die Jagdgebiete nicht zu stören
– Dach- oder Fassadenarbeiten vorher prüfen lassen, um Quartiere nicht zu beschädigen

Was kann ich tun um die die Fransenfledermaus zu unterstützen?

– Im Garten komplett auf Gift und Pestizide verzichten
– Totholz, Hecken und alte Bäume stehen lassen, da die Tiere dort gerne jagen und Unterschlupf finden
– Helle, nächtliche Dauerbeleuchtung im Garten vermeiden, da dies Insekten anlockt und Fledermäuse stört
– Spezielle, raue Holzkästen dienen im Wald und am Haus als sicheres Sommerquartier
– Ungestörte Nischen und Ritzen an Gebäuden schaffen und den direkten Verschluss alter Spalten bei Renovierungen vermeiden
– Lokale Fledermausnotstationen und Pfleger benötigen finanzielle Hilfe für Futter, Medikamente und Material. Hier kann man Patenschaften übernehmen oder Organisationen wie den Fledermausschutz direkt unterstützen

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Kurt Richarz

Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

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