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Dachs – Meles meles

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Marder
Art: Europäischer Dachs (Grimbart, Erdmarder)

Beschreibung: Oberseite silbergrau. Unterseite, dunkelbraun bis schwarz. Kompakter, gedrungener Körper. Kurze, schwarze Grabpfoten. Schlanker, flacher Kopf. Rüsselartige Schnauze. Markante schwarz-weiße längsgestreifte Färbung am Kopf. Weiß gerandete Ohren. Wendig und Wehrhaft. Dunklen Augen mit dunkelbrauner Iris und runden Pupillen
Kopf-Rumpf-Länge: 64cm – 88cm
Gesamthöhe: Ca. 40cm
Schwanzlänge: 11cm – 18cm
Gewicht: 7kg – 17kg
Herzfrequenz: 138 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38,5°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Eher schlecht, besonders Farben erkennt er nicht gut
Gehör: Ähnlich gut wie Menschen, ist aber bei hohen Tönen überlegen
Geruchsinn: 700 – 800 Mal besser als der Mensch. Kann Artgenossen, Nahrung und Reviergrenzen über weite Entfernungen wahrnehmen
Sonstiges: Tasthaare (Vibrissen) an Schnauze und Beinen, markieren mit Analbeutelsekret Territoriumsgrenzen und Materialien in Baunähe sowie Artgenossen. Vermutlich werden damit Informationen über die Gruppenzugehörigkeit der Tiere übermittelt, Jacobsonsches Organ

Lebenserwartung: 15 – 20 Jahre
Lebensraum: Laub- und Mischwälder mit starker Strauchschicht, bevorzugt strukturreiche, hügelige, Landschaften mit Wäldern, Gehölzen und Hecken, Felder, Parks, Hecken, offene Ackerflächen. Er benötigt lockere Böden oder zerklüftete Gebiete, um seine Baue anzulegen. Bis in einer Höhe von 1.200–1.700m anzutreffen
Lebensweise: Gesellig in Familienclans, Dämmerungs- und Nachtaktiv, hält Winterruhe von Oktober – März. Standorttreu. Legt eine Dachsburg an, diese besteht aus einem weit verzweigten Bausystem bis zu 30m Durchmesser meist an Waldrändern mit umliegenden Feldern und Wiesen. Als Untermieter wird oft der Fuchs aufgenommen, aber Dachse können auch Baue von Füchsen zu Dachsburgen umfunktionieren, angepasst an ein Leben, das zu einem großen Teil untertage in selbst gegrabenen Erdbauten verbracht wird. Kot setzen Dachse in sogenannten Latrinen ab. Sie befinden sich an unterschiedlichen Stellen des Streifgebietes und haben eine hohe Bedeutung für die Kommunikation untereinander. Baue werden oft in Waldrandhabitaten und an Hängen angelegt, die oft nach Süden oder Westen hin ausgerichtet sind. Sie werden oft über Generationen hinweg genutzt. Dachse gehen gern in die Tiefe, in etwa 5m Tiefe liegt der Wohnkessel, der über zahlreiche Gänge mit der Oberfläche verbunden ist. Diese Gänge dienen der Luftzufuhr und als Ein- und Ausgänge. Im Gegensatz zum Fuchs polstert der Dachs den Kessel seines Baues mit trockenem Laub, Moos oder Farnkraut aus

Fortbewegung: Langsamer, watschelnder Gang, bei Flucht schnelle Laufbewegungen, kann auf kurzen Strecken mit 25km/h – 30km/h schnell laufen oder galoppieren, guter Schwimmer, klettert, Sohlengänger, beim Auftreten liegen nur die Fingerballen und der Handballen auf dem Boden auf, während der Handwurzelballen – ähnlich wie bei den Zehengängern – denselben nicht berührt
Nahrung: Regenwürmer, Insekten, Larven, Käfer, Engerlinge, Maikäferlarven, Wespennester, Schnecken, Frösche, Vögel, Vogeleier, Früchte, Beeren, Eicheln, Bucheckern, Nüsse, Mais, Pilze, Obst, Wurzeln, Samen, Junghasen, Aas, Fallobst, Hafer, Reptilien Wühl- und Spitzmäuse, Maulwürfe, Igel
Sonstiges: Der Dachs jagt wenig aktiv, sondern sammelt alles auf, was auf dem Waldboden liegt und genießbar ist
Bis zum Herbst hat er sich eine Winterreserve angefressen, da er eine Winterruhe hält. Während dieser Zeit verlässt er hin und wieder den Bau, um sein Dachsklosett, eine kleine Grube abseits des Baus, zu benutzen

Fortpflanzung: Nesthocker, werden in einer unterirdischen Wohnkammer, dem sogenannten „Kessel“, im tief in der Erde angelegten Dachsbau geboren
Paarungszeit: Januar – März, dann 9 – 11 Monate Keimruhe
Tragzeit: 45 – 50 Tage
Wurfzeit: Januar – April
Wurfgröße: 2 – 5 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 12 Wochen, Weibchen besitzen im Allgemeinen drei Paar Zitzen
Selbstständig: Ca. 15 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 12-18 Monate
Jungensterblichkeit: Sehr hoch, ein Drittel der Welpen sterben bereits bevor sie zum ersten Mal den Bau verlassen

Natürliche Feinde: Braunbären, Wölfe, Luchse, Uhus( unerfahrene Jungdachse)
Abwehrverhalten: Sehr wehrhaft, brummt, schnauft, faucht. In die Enge getrieben, setzt er seine starken Krallen und scharfen Zähne ein, sehr dickes Fell und lockere Haut, machen ihn schwer verletzbar. In der Regel flüchtet er
Krankheiten: Staupe, Tollwut, Tuberkulose (Rindertuberkulose), Zecken, Rund- , Lungen-, Faden- oder Plattwürmer, Hautpilze/Granulome, Dachsfloh (Paraceras melis), Dachslaus, Milben (Ohrmilben), Fuchsräude

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
– Berner Konvention – Anhang III
Es ist verboten, Dachse mutwillig zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten sowie die Baue (Fortpflanzungs- oder Ruhestätten) zu zerstören. Es drohen bei Verstoß 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, außer in der Aufzuchtzeit (Elterntierschutz), hier gilt die Schonzeit von Februar – 31. Juli

Funktion im Ökosystem: Dachse graben weitverzweigte, bis zu 5m tiefe Baue („Dachsbauten“), die oft über Generationen genutzt werden. Durch das Graben lockern sie den Waldboden auf, was die Belüftung des Bodens fördert und Pflanzenwurzeln das Wachstum erleichtert. Dachsbauten sind oft sehr alt und groß. Sie werden häufig von anderen Tieren wie Füchsen, Kaninchen oder Marderhunden mitbewohnt oder nach Aufgabe übernommen. Als Allesfresser frisst der Dachs Insekten, Larven (Engerlinge), Schnecken und kleine Nagetiere. Dadurch hilft er, das natürliche Gleichgewicht zu kontrollieren. Durch den Verzehr von Beeren, Früchten und Nüssen trägt der Dachs zur Verbreitung von Pflanzensamen bei und fördert so die Pflanzenvielfalt. Als „Gesundheitspolizei“ frisst er Aas und verarbeitet pflanzliche sowie tierische Nahrung. Sein Kot dient als natürlicher Dünger, wodurch er Nährstoffe wieder in den Wald zurückführt. Da Dachse alte Wälder bevorzugen und ihre Bauten über Jahrzehnte bestehen, ist ihr Vorkommen ein Indiz für einen stabilen und alten Wald

Dachse brauchen Hilfe, wenn …
– sie offensichtlich verletzt sind (z.B. nach einem Verkehrsunfall, hinken, bluten)
– sehr kleine Jungdachse, die tagsüber alleine, laut fiepend oder außerhalb des Baus gefunden werde
– kranke oder verhaltenstypische Tiere gesehen werden. Ein Dachs, der tagsüber orientierungslos umherirrt, lethargisch wirkt oder keine Scheu vor Menschen zeigt
– ein Dachs in einem Schacht, Zaun oder ähnlichem gefangen ist und sich nicht befreien kann

Wie helfe ich richtig?
– Abstand halten und beobachten, ein gesunder Dachs ist scheu und greift nicht grundlos an. Ist er jedoch verletzt oder in die Enge getrieben, kann er sich heftig verteidigen
– Tier nicht anfassen
– Wildtierkundigen Tierarzt, den lokalen Jagdpächter, die Polizei oder eine Wildtierauffangstation kontaktieren
– Es gibt auch spezialisierte Dienste wie die Dachs-Ambulanz, die in Notfällen helfe
– Verkehrsopfer melden. Ist der Dachs bei einem Verkehrsunfall verletzt worden oder bereits tot, sollte dies gemeldet werden
– Nicht füttern, dies führt zu Fehlprägungen
– Ist das Tier in einem Schacht o.ä. gefangen, eine Ausstiegshilfe (z.B. ein stabiles Brett) anbringen, sofern dies ohne Selbstgefährdung möglich ist

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Keine Fleisch- oder Speisereste auf dem Kompost entsorgen
– Gelbe Säcke/Mülltonnen erst am Morgen der Abholung herausstellen
– Wichtig bei Begegnungen – Dachse sind eher defensiv, können aber bei Bedrängnis (besonders in der Paarungszeit) fauchen. Bei einer direkten Begegnung sollte man laut sein, Licht machen oder Wasser spritzen, um sie zu vertreiben

Was kann ich tun um den Dachs zu unterstützen?
– Da Dachse gerne Regenwürmer, Käfer, Larven, Früchte und Beeren fressen, helfen ein gesunder Boden und Obstbäume
– Vermeiden Sie Lärm und helle Lichtquellen in der Nähe von möglichen Dachsbauen
– Nicht füttern, da dies dazu führen kann, dass sie ihre Scheu vor Menschen verlieren
– Dachse sind wehrhafte Wildtiere. Halten Sie Abstand, besonders wenn Sie Haustiere haben
– Harzdachstv auf Youtube abonieren und neue Dinge lernen, wie hier zum Beispiel über den Dachs
https://www.youtube.com/watch?v=QYxTQZ8XUD4

Buchtipps:

Mythologie: Für die Kelten symbolisiert der Dachs vor allem Kraft, Stärke und Mut. In Schottland wurden Geldbörsen aus Dachsleder hergestellt. In zahlreichen Märchen und Fabeln wird der Dachs auch „Grimmbart“ genann, als griesgram mit großem, liebevollen Herzen dargestellt

Über den Experten: caroline.schoch

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