Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Marder
Art: Europäischer Dachs (Grimbart, Erdmarder)
Geschichte: Der Europäische Dachs stammt aus der Familie der Marderartigen (Mustelidae), deren Ursprünge sich bereits vor rund 40 Millionen Jahren entwickelten. Vor rund 800.000 Jahren entstanden die direkten Vorfahren des heutigen Europäischen Dachses. Fossilienfunde in Europa belegen eine Existenz seit Hunderttausenden von Jahren. So geben etwa alte Dachsbauten aus der Zeit nach dem Rückgang der letzten Gletscher (vor rund 13.000 Jahren) Einblicke in die Landschaftsgeschichte Mitteleuropas. In den 1960er- bis 1970er-Jahren sanken die Bestände stark, unter anderem durch Maßnahmen zur Tollwutbekämpfung wie Baubegasungen. Seither haben sich die Populationen deutlich erholt und sind – wie Funde und Wildtiermonitoring zeigen – sogar in städtische Rand- und Wohngebiete vorgedrungen
Mythologie: Für die Kelten symbolisiert der Dachs vor allem Kraft, Stärke und Mut. In Schottland wurden Geldbörsen aus Dachsleder hergestellt. In zahlreichen Märchen und Fabeln wird der Dachs auch „Grimmbart“ genann, als griesgram mit großem, liebevollen Herzen dargestellt. Wegen seiner unterirdischen Lebensweise wurde der Dachs früher volkstümlich auch als „Erdmarder“ bezeichnet. Im Mittelalter diente der Dachs den Menschen als Fleischlieferant. Zudem nutzte man getrocknetes Dachsblut und Dachsschmalz (Fett) in der traditionellen Heilkunde gegen Hautausschläge oder Rheuma. Seine Haare wurden für Bürsten verwendet
Buchtipps:
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Beschreibung: Oberseite silbergrau. Unterseite, dunkelbraun bis schwarz. Kompakter, gedrungener Körper. Kurze, schwarze Grabpfoten. Schlanker, flacher Kopf. Rüsselartige Schnauze. Markante schwarz-weiße längsgestreifte Färbung am Kopf. Weiß gerandete Ohren. Wendig und Wehrhaft. Dunklen Augen mit dunkelbrauner Iris und runden Pupillen
Kopf-Rumpf-Länge: 64cm – 88cm
Gesamthöhe: Ca. 40cm
Gewicht: 7kg – 17kg
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 138 Schläge pro Minute, in der Winterruhe; 30 – 60 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 38,5°C, in der Winterruhe; im Gegensatz zu Tieren kühlt der Körper des Dachses nicht aus; seine Körpertemperatur und Grundfunktionen bleiben stabil
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Eher schlecht, besonders Farben erkennt er nicht gut
Gehör: Ähnlich gut wie Menschen, ist aber bei hohen Tönen überlegen
Geruchsinn: 700 – 800 Mal besser als der Mensch. Kann Artgenossen, Nahrung und Reviergrenzen über weite Entfernungen wahrnehmen
Geschmackssinn: Da der Dachs ein Opportunist ist, akzeptiert sein Geschmackssinn eine große Bandbreite an Nahrung – von tierischen Proteinen (Regenwürmer, Insekten, Mäuse) bis hin zu pflanzlicher Kost (Beeren, Obst, Pilze, Getreide). Seine unangefochtene Lieblingsspeise sind Regenwürmer, aber er schätzt auch süßen Geschmack, weshalb er sogar Wespennester aufbricht, um an den Honig zu gelangen. Starke, scharfe Reize (wie Pfeffer, Chili oder Knoblauch) widerstehen seinem Geschmack- und Geruchsempfinden stark, weshalb solche Düfte/Aromen manchmal zur verträglichen Abwehr im Garten genutzt werden
Sonstiges: Tasthaare (Vibrissen) an Schnauze und Beinen, markieren mit Analbeutelsekret Territoriumsgrenzen und Materialien in Baunähe sowie Artgenossen. Vermutlich werden damit Informationen über die Gruppenzugehörigkeit der Tiere übermittelt, Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Bellen (beim Spielen, bei Überraschung, als Warnsignal oder bei der Paarung), Keckern (bei Kämpfen, Bedrohungen oder Unterwürfigkeit), Fauchen und Zischen (zur Einschüchterung bei Aggression oder Reizung), Quietschen, Jammern und Gurren (besonders Jungtiere oder erwachsene Dachse bei sozialem Kontakt und Einsamkeit)
Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre
Lebensraum: Laub- und Mischwälder mit starker Strauchschicht, bevorzugt strukturreiche, hügelige, Landschaften mit Wäldern, Gehölzen und Hecken, Felder, Parks, Hecken, offene Ackerflächen. Er benötigt lockere Böden oder zerklüftete Gebiete, um seine Baue anzulegen. Bis in einer Höhe von 1.200–1.700m anzutreffen
Nest: Das „Nest“ eines Dachses befindet sich tief unter der Erde und wird als Wohnkammer oder Kessel innerhalb eines weitverzweigten Dachsbaues bezeichnet
Lebensweise: Gesellig in Familienclans, dämmerungs- und nachtaktiv, hält Winterruhe von Oktober – März. Standorttreu. Legt eine Dachsburg an, diese besteht aus einem weit verzweigten Bausystem bis zu 30m Durchmesser meist an Waldrändern mit umliegenden Feldern und Wiesen. Als Untermieter wird oft der Fuchs aufgenommen, aber Dachse können auch Baue von Füchsen zu Dachsburgen umfunktionieren, angepasst an ein Leben, das zu einem großen Teil untertage in selbst gegrabenen Erdbauten verbracht wird. Baue werden oft in Waldrandhabitaten und an Hängen angelegt, die oft nach Süden oder Westen hin ausgerichtet sind. Sie werden oft über Generationen hinweg genutzt. Dachse gehen gern in die Tiefe, in etwa 5m Tiefe liegt der Wohnkessel, der über zahlreiche Gänge mit der Oberfläche verbunden ist. Diese Gänge dienen der Luftzufuhr und als Ein- und Ausgänge. Im Gegensatz zum Fuchs polstert der Dachs den Kessel seines Baues mit trockenem Laub, Moos oder Farnkraut aus
Fortbewegung: Langsamer, watschelnder Gang, bei Flucht schnelle Laufbewegungen, kann auf kurzen Strecken mit 25km/h – 30km/h schnell laufen oder galoppieren, guter Schwimmer, klettert, Sohlengänger, beim Auftreten liegen nur die Fingerballen und der Handballen auf dem Boden auf, während der Handwurzelballen – ähnlich wie bei den Zehengängern – denselben nicht berührt
Dachs Trittsiegel (Fährte):
Sowohl an den Vorder- als auch an den Hinterpfoten sind jeweils fünf Zehen zu sehen. Die Krallen sind sehr kräftig und lang. Sie zeichnen sich im Abdruck deutlich vor den Zehen ab. Vorne ist der Abstand der Krallen zum Ballen größer als hinten. Der Hauptballen (Fußballen) ist breit und quer gelagert. Er erinnert oft an die Form eines breiten Halbkreises oder eines Elefantenfußes von hinten. Die Vorderpfoten (Vorderbranten) sind größer und ca. 6cm – 7cm lang sowie bis zu 5cm breit. Die Hinterpfoten sind etwas schmaler

Nahrung: Aas, Beeren, Bucheckern, Eicheln, Fallobst, Engerlinge, Frösche, Früchte, Hafer, Igel, Insekten, Junghasen, Käfer, Larven, Mais, Maulwürfe, Nüsse, Obst, Pilze, Regenwürmer, Reptilien, Samen, Schnecken, Wespennester, Wühl- und Spitzmäuse, Vögel, Vogeleier, Wurzeln
Sonstiges: Der Dachs jagt wenig aktiv, sondern sammelt alles auf, was auf dem Waldboden liegt und genießbar ist. Bis zum Herbst hat er sich eine Winterreserve angefressen, da er eine Winterruhe hält. Während dieser Zeit verlässt er hin und wieder den Bau, um sein Dachsklosett, eine kleine Grube abseits des Baus, zu benutzen
Kot:Wurstartig bis unregelmäßig, ca. 5cm – 10cm lang, mit einer eher rauen Oberfläche. Dunkelbraun bis schwarz. Im Frühjahr und Sommer enthält er oft viele Reste von Regenwürmern und Insektenpanzern. Im Herbst wird er durch Beeren und Obstkerne oft heller und weicher. Geruch streng-erdig, aber weniger stechend als Fuchskot. Die Dachslatrine ist eine etwa 10cm – 15cm breite und 5cm – 10cm tiefe, schüsselförmige Grube, oft mit einem kleinen Aushubwall daneben. Meist an Grundstücksgrenzen, Zäunen oder Hecken. Der Dachs verrichtet sein Geschäft immer an denselben Stellen, lässt die Grube aber offen und bedeckt sie nicht mit Erde
Fortpflanzung: Nesthocker, werden in einer unterirdischen Wohnkammer, dem sogenannten „Kessel“, im tief in der Erde angelegten Dachsbau geboren
Paarungszeit: Januar – März, dann 9 – 11 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Als Balz- oder Paarungszeit des Dachses wird in der Jägersprache die Ranzzeit bezeichnet. Dachse sind normalerweise leise Tiere, doch in der Ranzzeit stoßen sie weithin hörbare, markante Schreie aus, die oft mit dem Weinen oder Schreien von Kindern in Not verglichen werden. Die Paare treiben sich oft schnaubend, prustend und spielerisch jagend in der Nähe des Baues herum – manchmal sogar am helllichten Tag
Tragzeit: 45 – 50 Tage
Wurfzeit: Januar – April
Wurfgröße: 2 – 5 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 12 Wochen, Weibchen besitzen im Allgemeinen drei Paar Zitzen
Selbstständig: Ca. 15 Wochen
Geschlechtsreife: 12-18 Monate
Jungensterblichkeit: Sehr hoch, ein Drittel der Welpen sterben bereits bevor sie zum ersten Mal den Bau verlassen
Natürliche Feinde: Braunbären, Luchse, Uhus( unerfahrene Jungdachse), Wölfe
Abwehrverhalten: Sehr wehrhaft, brummt, schnauft, faucht. In die Enge getrieben, setzt er seine starken Krallen und scharfen Zähne ein, sehr dickes Fell und lockere Haut, machen ihn schwer verletzbar. In der Regel flüchtet er
Krankheiten: Dachsfloh (Paraceras melis), Dachslaus, Fuchsräude, Hautpilze/Granulome, Milben (Ohrmilben), Rund- , Lungen-, Faden- oder Plattwürmer, Staupe, Tuberkulose (Rindertuberkulose), Tollwut, Zecken
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
– Berner Konvention – Anhang III
Es ist verboten, Dachse mutwillig zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten sowie die Baue (Fortpflanzungs- oder Ruhestätten) zu zerstören. Es drohen bei Verstoß 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, außer in der Aufzuchtzeit (Elterntierschutz), hier gilt die Schonzeit von Februar – 31. Juli
Funktion im Ökosystem: Dachse graben weitverzweigte, bis zu 5m tiefe Baue („Dachsbauten“), die oft über Generationen genutzt werden. Durch das Graben lockern sie den Waldboden auf, was die Belüftung des Bodens fördert und Pflanzenwurzeln das Wachstum erleichtert. Dachsbauten sind oft sehr alt und groß. Sie werden häufig von anderen Tieren wie Füchsen, Kaninchen oder Marderhunden mitbewohnt oder nach Aufgabe übernommen. Als Allesfresser frisst der Dachs Insekten, Larven (Engerlinge), Schnecken und kleine Nagetiere. Dadurch hilft er, das natürliche Gleichgewicht zu kontrollieren. Durch den Verzehr von Beeren, Früchten und Nüssen trägt der Dachs zur Verbreitung von Pflanzensamen bei und fördert so die Pflanzenvielfalt. Als „Gesundheitspolizei“ frisst er Aas und verarbeitet pflanzliche sowie tierische Nahrung. Sein Kot dient als natürlicher Dünger, wodurch er Nährstoffe wieder in den Wald zurückführt. Da Dachse alte Wälder bevorzugen und ihre Bauten über Jahrzehnte bestehen, ist ihr Vorkommen ein Indiz für einen stabilen und alten Wald
Dachse brauchen Hilfe, wenn …
– sie offensichtlich verletzt sind (z.B. nach einem Verkehrsunfall, hinken, bluten)
– sehr kleine Jungdachse, tagsüber alleine, laut fiepend oder außerhalb des Baus gefunden werden
– kranke oder verhaltensuntypische Tiere gesehen werden. Ein Dachs, der tagsüber orientierungslos umherirrt, lethargisch wirkt oder keine Scheu vor Menschen zeigt
– sie in einem Schacht, Zaun oder ähnlichem gefangen sind und sich nicht befreien können
Wie helfe ich richtig?
– Abstand halten und beobachten, ein gesunder Dachs ist scheu und greift nicht grundlos an. Ist er jedoch verletzt oder in die Enge getrieben, kann er sich heftig verteidigen
– Tier nicht anfassen
– Wildtierkundigen Tierarzt, den lokalen Jagdpächter, die Polizei oder eine Wildtierauffangstation kontaktieren
– Es gibt auch spezialisierte Dienste wie die Dachs-Ambulanz, die in Notfällen helfen
– Verkehrsopfer melden. Ist der Dachs bei einem Verkehrsunfall verletzt worden oder bereits tot, sollte dies gemeldet werden
– Nicht füttern, dies führt zu Fehlprägungen
– Ist das Tier in einem Schacht o.ä. gefangen, eine Ausstiegshilfe (z.B. ein stabiles Brett) anbringen, sofern dies ohne Selbstgefährdung möglich ist
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Keine Fleisch- oder Speisereste auf dem Kompost entsorgen
– Gelbe Säcke/Mülltonnen erst am Morgen der Abholung herausstellen
– Wichtig bei Begegnungen – Dachse sind eher defensiv, können aber bei Bedrängnis (besonders in der Paarungszeit) fauchen. Bei einer direkten Begegnung sollte man laut sein, Licht machen oder Wasser spritzen, um sie zu vertreiben
Was kann ich tun um den Dachs zu unterstützen?
– Da Dachse gerne Regenwürmer, Käfer, Larven, Früchte und Beeren fressen, helfen ein gesunder Boden und Obstbäume
– Vermeiden Sie Lärm und helle Lichtquellen in der Nähe von möglichen Dachsbauen
– Nicht füttern, da dies dazu führen kann, dass sie ihre Scheu vor Menschen verlieren
– Dachse sind wehrhafte Wildtiere. Halten Sie Abstand, besonders wenn Sie Haustiere haben
– Harzdachstv auf Youtube abonieren und neue Dinge lernen, wie hier zum Beispiel über den Dachs
https://www.youtube.com/watch?v=QYxTQZ8XUD4
