Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Marder
Art: Europäischer Iltis (Waldiltis, gemeiner Iltis, Schwarzeriltis, europäisches Frettchen, wildes Frettchen, Ratz, Stänker, Fiss)
Geschichte: Der Europäische Iltis (Mustela putorius) hat seinen evolutionären Ursprung in Eurasien. Die Familie der Marder entwickelte sich vor etwa 30 Millionen Jahren. Die eigentliche Gattung Mustela spaltete sich vor einigen Millionen Jahren ab. Der Iltis ist eine rein paläarktische Art. Er entwickelte sich in den gemäßigten Klimazonen Eurasiens und breitete sich nach der letzten Eiszeit über fast ganz Europa (bis auf Irland und Nordskandinavien) sowie Teile Nordasiens aus
Mythologie: …
Buchtips: …
Beschreibung: Oberseite dunkelbraun bis schwarz. Unterseite gelblich. Schnauze weißlich, ebenso der Bereich hinter den Augen und die Spitzen der Ohren. Schwarze Flecken um und vor den Augen sorgen für eine maskenähnliche Gesichtszeichnung. Schlanker, langgestreckter Körper mit kurzen Gliedmaßen
Kopf-Rumpf-Länge: 20cm – 46cm
Gesamthöhe: Ca. 20cm
Schunlterhöhe: Ca. 11cm
Gewicht: 200g – 2.000g
Herzfrequenz: 200 – 400 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 39°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Eher schwach, unscharf, Bewegungsseher
Gehör: Exzellent, reagiert empfindlich
Geruchsinn: Sehr gut ausgeprägt
Geschmackssinn: Da Iltisse reine Fleischfresser sind, ist ihr Geschmackssinn für herzhaft-fleischige Aminosäuren (Umami) besonders gut entwickelt. Reine Karnivoren besitzen oft gar keine oder funktionell verkümmerte Rezeptoren für „süß“ (Pseudogenisierung des Tas1r2-Gens). Zwar fressen Iltisse im Spätsommer gelegentlich ein paar Beeren oder Obst, die Motivation dahinter ist jedoch meist der Flüssigkeits- oder Energiebedarf, nicht ein ausgeprägter Drang nach Süßem
Sonstiges: Tasthaare (Vibrissen) am Kopf, sehr lernfähig, gutes Gedächtnis, Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Keckern (Wohlbefinden oder Zufriedenheit), Zischen und Fauchen (bei Bedrohung und zur Abwehr), schriller Schrecklaut (bei plötzlicher Gefahr oder Schreck), Schreie(Ranz – Paarungszeit)
Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre
Lebensraum: Strukturreiche Landschaften wie Heckenlandschaften, offenen Waldränder, Felder, Wiesen, Flussniederungen, Wiesen, Sümpfe, Ställe, Scheunen, Felsspalten, hohle Baumstämme, verlassene Baue, oft ist er in der Nähe von Gewässern und Feuchtgebieten. Bis in Höhen von 1.300m anzutreffen
Nest: Ein Iltis baut sein Nest bevorzugt in geschützten, trockenen und bodennahen Verstecken wie Reisig- und Holzhaufen, unter Baumwurzeln oder in verlassenen Erdbaue anderer Tiere
Lebensweise: Einzelgänger, dämmerungs- und nachtaktiv
Fortbewegung: Guter Schwimmer und Taucher
Nahrung: Amphibien, Baumfrüchte, Bisamratten, Eier, Fische, Frösche, Hamster, Insekten, kleine Kaninchen, Kröten, Mäuse, Ratten, Reptilien, Vögel, Vogeleier
Sonstiges: Legen sich Nahrungsvorrat im Bau an, um Krötenschleim zu entfernen, rollt er sie geschickt im Sand oder auf dem Boden
Kot: 5cm – 8cm lang. Wurstförmig, oft dünn, leicht spiralförmig oder an den Enden spitz zulaufend. Dunkelbraun bis schwarz. Häufig sind unverdaute Reste von Beutetieren (wie Haare, Federn oder Knochen) enthalten. Geruch sehr stark und intensiv
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in Baumhöhlen, Holzstößen, in Reisighaufen, Holzstapeln, unter Wurzeln, in Erdhöhlen, Felsspalten oder auch in verlassenen Bauten geboren
Paarungszeit: März – Juni
Balzverhalten: Die Paarungszeit des Iltisses wird in der Jägersprache als Ranz bezeichnet. In den Frühlingsnächten machen sich die Tiere durch lautes Keckern, Zischen, Fauchen und gellende Schreie bemerkbar. Diese Laute entstehen sowohl bei Revierkämpfen zwischen den Männchen (Rüden) als auch bei der Annäherung an ein Weibchen (Fähe). Da Iltisse zu den sogenannten „Stinkmardern“ gehören, nutzen sie in dieser Phase das intensiv riechende Sekret ihrer Analdrüsen, um ihre Paarungsbereitschaft zu signalisieren. Rüden legen auf der Suche nach Partnerinnen weite Strecken zurück
Tragzeit: 41 – 43 Tage
Wurfzeit: April – Juli
Wurfgröße: 2 – 12 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 2 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 5 – 6 Wochen
Selbstständig: Ca. 3 Monaten
Geschlechtsreife: 9 – 12 Monate
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Füchse, Hunde, Katzen, Luchse, Marderhunde, Stein- und Seeadler, Uhus, Wölfe
Abwehrverhalten: Sondert extrem übelriechendes Analdrüsensekret ab, dieses kann er bis zu 0,5m weit gezielt auf Angreifer spritzen, bei direkter Bedrohung keckert, zischt oder schreit er
Krankheiten: Darmegel, Iltis-Haarwurm (Capillaria putorius), Lungenwürmer/Trematoden, Marderbandwurm, Räudemilben, Staupe, Tollwut, Zecken
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– Berner Konvention – Anhang III
– FFH-Richtlinie – Anhang V
Es ist verboten, europäische Iltise aus der Natur zu entnehmen, zu stören, zu beschädigen oder zu töten. Es drohen bei Verstoß 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja
Funktion im Ökosystem: Als Nahrungsopportunist ernährt sich der Iltis hauptsächlich von Kleinsäugern (insbesondere Mäusen) und Amphibien wie Fröschen und Kröten. Durch die Jagd auf diese Tiere hilft er, deren Bestände zu kontrollieren. Iltisse benötigen ein Mosaik aus Hecken, Wassergräben, Ast- und Steinhaufen sowie Feuchtgebieten. Ihr Vorkommen weist auf eine abwechslungsreiche, intakte Kulturlandschaft hin. Da sie nomadisch in großen Aktionsräumen (8 bis 100 Hektar) leben und ständig zwischen Ruheplätzen wechseln, vernetzen sie verschiedene Landschaftsteile. Obwohl der Iltis ein Jäger ist, kann er selbst zur Beute von Greifvögeln wie Adler und Uhu sowie Füchsen und Wölfen werden. Wenn sie in die Enge getrieben werden, nutzen sie ein stark riechendes Sekret zur Verteidigung, was sie vor Feinden schützt
Iltisse brauchen Hilfe, wenn …
– die Mutter (Fähe) nachweislich überfahren wurde oder das Nest zerstört ist. Dann können die nackt und blind geborenen Jungen nicht alleine überleben
– sie apathisch sind, offene Verletzungen aufweisen, humpeln oder von Parasiten befallen sind
– sie nach einem Autounfall verletzt sind
– Tiere in Schächten, Zisternen oder ähnlichen Fallen feststecken und sich nicht selbst befreien können
Wie helfe ich richtig?
– Niemals mit bloßen Händen anfassen sondern dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) tragen oder ein Handtuch nutzen, um ihn zu greifen. Iltisse sind Marder, sie können stark beißen und kratzen
– Iltis vorsichtig in einen Karton setzen, der mit Luftlöchern versehen ist
– Karton abdecken. Dunkelheit beruhigt das Wildtier und reduziert Stress
– Ist das Tier unterkühlt, mit einer (körperwarmen Wärmflasche) wärmen
– Umgehend einen wildtierkundigen Tierarzt oder eine Wildtierstation kontaktieren
Wie kann ich Konflikte vermeiden?
– Hunde und Katzen nicht draußen füttern
– Mülltonnen fest verschließen
Was kann ich tun um Iltisse zu unterstützen?
– Reisig-, Holz- oder Steinhaufen im Garten anlegen
– Pro Natura Graubünden empfiehlt den Bau von „Iltisburgen“, also speziellen Steinhaufen, die als frostsichere Verstecke dienen
– Einheimische Hecken pflanzen
– Kleiner Teich oder ein Bachlauf zieht Amphibien an und bietet dem Iltis Nahrung
– Wichtige Lebensräume vor Hunden, Katzen oder zu vielen Besuchern schützen
– Auf Rodentizide (Gift gegen Wühlmäuse) verzichten
– Jungtiere nur aufnehmen, wenn sie sichtbar verletzt sind oder die Mutter sicher nicht zurückkehrt.
– Die Deutsche Iltishilfe betreibt ein Totfundmonitoring. Gefundene (tote) Tiere können dort gemeldet werden, um Daten über den Bestand und Todesursachen zu sammeln
