A B D E F G H I K L M N Ö R S T W Z
Ga Go Gr

Goldschakal – Canis aureus

Neozoen-Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Hunde
Art: Goldschakal

Geschichte: Der Ursprung des Goldschakals liegt in den warmen und trockenen Regionen Südasiens, des Mittleren Ostens sowie in Südosteuropa und auf dem Balkan. Seit den 1990er-Jahren wandert der Goldschakal auf eigene Faust nach Mitteleuropa ein und breitet sich inzwischen auch in Deutschland aus

Mythologie: …

Buchtipps: …

Beschreibung: Oberseite goldgelb, gelblich-grau, rostbraun bis goldrot und am Rücken sowie an der Schwanzspitze dunkel gefärbt. Unterhalb der braunen Gesichtsmaske trägt der Goldschakal eine weiße Zeichnung, die um die Schnauze und entlang des Kinns und der Halsunterseite verläuft. Die Nackenhaare sind etwas länger und können eine auffällige Mähne bilden. Durch die längeren dunkel gefärbten Grannenhaare vom Hinterkopf über Rücken bis zur Luntenspitze entsteht ein abgesetzter „Sattelfleck“. Erscheinungsbild zwischen Fuchs und Wolf. Beine etwas länger als die des Fuchses, Schwanz im Verhältnis zum Körper kurz. Spur des Goldschakals ähnelt der eines großen Fuchses. Beide Mittelballen sind aber im unteren Teil miteinander verwachsen – eine Besonderheit unter den Hundeartigen, die man besonders gut an den breiten vorderen Pfotenabdrücken erkennt. Ohren laufen spitz zu und liegen weit auseinander. Kopf wirkt auffällig klein im Verhältnis zum Körper
Kopf-Rumpf-Länge: 80cm – 105cm
Schulterhöhe: 35cm – 50cm
Gewicht: 8kg – 15kg
Herzfrequenz: 70 – 120 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Gutes Nachtsichtvermögen
Gehör: Stark ausgeprägt
Geruchsinn: Sehr gut
Geschmackssinn: Wie Haushunde oder Wölfe besitzen Goldschakale nur einen Bruchteil der Geschmacksknospen des Menschen (etwa 1.700 im Vergleich zu rund 9.000 beim Menschen). Ihre Geschmacksknospen reagieren stark auf Aminosäuren (die Bausteine von Proteinen) sowie auf Säuren, was ihnen signalisiert, ob Fleisch frisch oder bereits verdorben ist. Obwohl sie Verdorbenes schmecken können, stört sie der Geschmack von fortgeschrittenem Aas kaum. Als Resteverwerter besitzen sie ein robustes Verdauungssystem, das mit Bakterien in älterem Fleisch problemlos umgehen kann. Da Früchte, Beeren und Mais einen festen Teil ihrer Nahrung ausmachen, besitzen Goldschakale funktionierende Rezeptoren für „Süß“. Dies unterscheidet sie von reinen Fleischfressern (wie Katzen), die „Süß“ überhaupt nicht wahrnehmen können
Sonstiges: Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Schrilles, klagendes Heulen, das leise beginnt und lauter wird. Sie rufen oft im Chor (Gruppenruf) oder einzeln, besonders in der Dämmerung oder Nacht. Im Gegensatz zum tieferen Heulen des Wolfes oder dem bellen/gebellartigen Laut des Fuchses wirkt der Schakalruf oft glasiger und sirenenartig

Lebenserwartung: Bis zu 9 Jahre
Lebensraum: Offene Landschaften, Savannen, Halbwüsten, felsige Gegenden, dichte Vegetationen, feuchte Gebiete, Wälder, Gehölze, Riedgebiete, Agrarlandschaft mit Hecken und Feldgehölzen
Nest: Goldschakale bauen keine klassischen Nester wie Vögel, sondern nutzen für die Aufzucht ihrer Jungen geschützte Wurfbauten (Erdhöhlen)
Lebensweise: Paarweise oder Familienverbänden (Eltern, ein- und zweijährige Jungtiere). Paar bleibt oft ein Leben lang zusammen, dämmerungs- und nachtaktiv, ortsansässig, in festem Revier das von allen Gruppenmitgliedern mit Urin markiert wird. Wölfe töten Goldschakale, was zur Abwanderung oder Auslöschung von Schakalpaaren/-rudeln führt

Fortbewegung: Bis zu 65km/h schnell
Nahrung: Aas, Amphibien, Beeren, Fallobst, Feldhasen, Fische, Früchte, Hausschafe, Insekten, Mäuse, Mais, Pflanzenknollen, Ratten, Rehe, Reptilien, Vögel, Vogeleier, Weintrauben, Wildkaninchen, Wühlmäuse,
Sonstiges: Wenn er seine Beute nicht vollständig verzehren kann, schleppt er sie unter Büsche oder vergräbt sie für schlechtere Zeiten. Nachts und in der Dämmerung geht er allein oder in kleinen Gruppen auf die Jagd
Kot: Ähnelt stark der Losung von Füchsen oder Hunden, da der Goldschakal ein naher Verwandter ist. Da der Goldschakal ein Allesfresser (Nahrungsgeneralist) ist, enthält der Kot oft Reste von kleinen Säugetieren, Haaren, Knochenfragmenten, Insekten oder pflanzlichen Teilen wie Obst. Eine eindeutige Bestimmung ist im Gelände kaum möglich. Verlässliche Ergebnisse liefert nur eine Genanalyse (DNA-Untersuchung) im Rahmen des Wildtier- oder Wolfsmonitorings. Speziell ausgebildete Spürhunde können den Kot von Goldschakalen aufgrund ihres feinen Geruchssinns deutlich besser von Hunde- oder Fuchskot unterscheiden

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in versteckten Wurfhöhlen (alte Fuchs- oder Dachsbaue) sowie in dichtem Schilf oder Gebüsch geboren
Paarungszeit: Januar – März
Balzverhalten: …
Tragzeit: 60 – 63 Tage
Wurfzeit: April – Mai
Wurfgröße: 1 – 9 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 8 Wochen
Selbstständig: 5 – 6 Monate
Geschlechtsreife: 10 – 22 Monate
Jungensterblichkeit: …

Sonstiges: Teilweise bleiben die erwachsenen Jungtiere und unterstützen die Eltern bei der Aufzucht der nächsten Generationen

Natürliche Feinde: Luchse, Stein- und Seeadler, Wölfe
Abwehrverhalten: Flucht, stellt Mähne auf
Krankheiten: Babesiose (durch Zecken übertragen), Echinokokkose (gefährlicher Fuchsbandwurm), Leptospirose, Räude, Staupe, Tollwut

Schutzstatus:
– FFH-Richtlinie – Anhang V
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
Es ist verboten Goldschakale zu fangen, zu töten oder zu verletzen. Es drohen bei Verstoß Geldstrafen oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Goldschakale ernähren sich opportunistisch, auch von Aas. Sie helfen dabei, Kadaver zu beseitigen, was die Ausbreitung von Krankheiten in der Natur verringert. Ihre Hauptnahrung besteht aus Nagetieren wie Mäusen, aber auch Insekten, Vögeln und Amphibien. Dadurch tragen sie zur Regulation von Kleinsäugerpopulationen bei. Als mittelgroßer Beutegreifer füllt er eine Lücke zwischen Fuchs und Wolf. In Gebieten ohne Wölfe kann er deren Rolle teilweise übernehmen. Die Rückkehr und Ausbreitung des Goldschakals zeigt anpassungsfähige Ökosysteme, wobei er feuchte, halboffene Landschaften bevorzugt. Goldschakale können die Populationsdichte von Füchsen lokal beeinflussen, verdrängen diese aber nicht flächendeckend. Sie selbst werden durch die Anwesenheit von Wölfen reguliert

Goldschakale brauchen Hilfe, wenn …
– sie sichtbar verletzt (z.B. nach einem Verkehrsunfall) oder krank sind
– Welpen eindeutig ohne Muttertier aufgefunden werden

Wie helfe ich richtig?
– Tier nicht bedrängen, Goldschakale sind sehr scheu und meiden Menschen
– Aus Sicherheitsgründen und zur Vermeidung von Stress für das Tier großen Abstand halten
– Tier auf keinen Fall anlocken oder füttern
– Tier eine Zeit lang beobachten, ob es wirklich Hilfe braucht
– Ein scheinbar verlassenes Jungtier ist selten wirklich verwaist. Die Eltern sind oft in der Nähe. Das Jungtier auf keinen Fall anfassen
– Da der Goldschakal in Deutschland streng geschützt ist, darf er nicht einfach eingefangen oder transportiert werden
– Bei offensichtlich verletzten Tieren (z. B. nach Wildunfall) muss der Jagdpächter/Förster oder die Polizei kontaktiert werden, auch wenn das Tier flüchtet
– Da Goldschakale oft verwechselt werden und ein Monitoring stattfindet, ist eine Meldung an die zuständigen Stellen für Wolfsmonitoring sinnvoll (in vielen Bundesländern über die Landesjägerschaften)
– Bei Wildunfällen mit dem Goldschakal die Unfallstelle absichern (Warnblinkanlage, Warnweste)
– Tier nicht berühren, da Verletzungs- und Krankheitsgefahr (Tollwut, Fuchsbandwurm) besteht

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Schafe und Lämmer durch Zäune schützen. Ähnlich wie beim Wolf können gut installierte Elektro- oder Maschendrahtzäune helfen, Übergriffe zu verhindern
– Bei Rissen ist es wichtig, den Vorfall schnell zu melden, um Informationen zur Entschädigung zu erhalten
– Nicht füttern um zu verhindern, dass sie ihre Scheu vor Menschen verlieren
– Obwohl der Goldschakal scheu ist, sollte man ihm mit Respekt begegnen und Abstand halten
– Um die Ausbreitung zu überwachen, wird gebeten, Sichtungen, Fotos oder Spuren an das zuständige Wolfsmonitoring (z.B. Landesjägerschaft) zu melden

Was kann ich tun, um den Goldschakal zu unterstützen?
– Beobachtungen, Fotos oder Spuren Dokumentieren und an lokale Wildtierinstitute melden
– Störungen, insbesondere in der Fortpflanzungszeit vermeiden und immer Abstand halten
– Erhalt strukturreicher Landschaften, feuchter Gebiete und buschiger Lebensräume
– Herdenschutzmaßnahmen (z.B. Zäune) unterstützen



Über den Experten: caroline.schoch

Zur Webseite des Experten »