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Fuchs – Vulpes vulpes

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Hunde
Art: Rotfuchs (Reineke, Rotrock)

Geschichte: Schon vor rund 40.000 Jahren nutzten steinzeitliche Rentierjäger auf der Schwäbischen Alb den Lebensraum gemeinsam mit Füchsen. Letztere lebten damals als erste Kulturfolger von Schlachtabfällen. Der Rotfuchs ist das am weitesten verbreitete Landraubtier der Erde und besiedelt die gesamte nördliche Halbkugel sowie Teile Nordafrikas und Australien.Im 20. Jahrhundert wanderten Füchse verstärkt in urbane Räume ein. Heute leben in Großstädten oft mehr Füchse als auf dem auf dem Land. Dank erfolgreicher Impfprogramme gilt Deutschland seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut, weshalb die Tiere trotz ihrer Nähe zum Menschen keine direkte Gefahr mehr darstellen

Mythologie: Unter dem Gott Thor galt der rote Fuchs als heilig. Bei den keltischen Druiden verband er Wildheit und Schläue. Im Christentum galt er wegen seiner roten Farbe als Symbol für den Teufel. In Schlesien braute der Fuchs, wenn Gewitter aufzuog. In Finnland wird das Nordlicht als Feuer des Fuchses bezeichnet. In der deutschen Fabel wird er Reineke genannt

Buchtipps:
– Die Weisheit der Füchse von von Dag Frommhold und Daniel Peller

Beschreibung: Oberseite rötlichgelb bis tiefrotbraun, Unterseite reinweiß bis schiefergrau, unterer Teil der Beine, und Hinterseiten der Ohren schwarz, weiße Schwanzspitze. Verhältnismäßig kurze Beine und eine schmale Schnauze. Ohren aufrecht stehend, spitz, können in fast alle Richtungen gedreht werden. Schlanker, leichter Körper
Kopf-Rumpf-Länge: 62cm – 75cm
Schulterhöhe: Ca. 40cm
Gewicht: 5kg – 14kg
Herzfrequenz: 118 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37°C – 39,5°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Reflexschicht im Augenhintergrund (Tapetum lucidum) verstärkt Restlicht, weshalb seine Augen im Dunkeln leuchten („Katzenaugen“), vermutlich farbenblind, kann aber Bewegungen sehr gut wahrnehmen, reagiert primär auf Bewegungen
Gehör: Hört Töne bis zu einer Frequenz von 65 kHz, kann daher Geräusche extrem genau lokalisieren (piepen einer Maus in 100m Entfernung), Ohren sehr genau ausrichtbar um Mäuse sogar unter einer 30 cm dicken Schneedecke zu orten
Geruchsinn: Schätzungsweise 400-mal besser als der des Menschen, unterstützt durch eine sehr große Riechschleimhaut mit 225 Millionen Riechzellen
Geschmackssinn: Obwohl er biologisch zu den Raubtieren gehört, lieben Rotfüchse süße Geschmäcker. Im Sommer und Herbst fressen sie gezielt große Mengen an reifem Obst und Beeren (wie Kirschen, Zwetschgen oder Mirabellen).Untersuchungen zeigen, dass Füchse als opportunistische Allesfresser zwar fast alles verwerten können, einzelne Tiere aber oft sehr wählerisch sind und individuelle Geschmacksvorlieben entwickeln. Füchse reagieren empfindlich auf scharfe oder stark bittere Stoffe. Substanzen wie Chili oder Knoblauch werden wegen des intensiven Reizes auf die Schleimhäute von Mund und Nase strikt gemieden
Sonstiges: Tasthaare (Vibrissen) am Maul und an Backen, rasches Reaktionsvermögen, gute Lernfähigkeit Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Rotfüchse nutzen über 40 verschiedene Laute, um miteinander zu kommunizieren. Schreien „Waaaah“ (während der Paarungszeit), heiseres, meist drei- bis fünfsilbiges Bellen „wow-wow-wow“ (Paarungszeit zur Kontaktaufnahme), Keckern (bei Revierkämpfen oder Auseinandersetzungen zwischen Rüden), Winseln und Jaulen (von rangniederen Tieren zur Unterwerfung oder von Jungtieren), kurzes, lautes Bellen oder ein heiserer Schrei (Warnbellen), trillerartiger Laut, (untergeordnetes Tier), Kreischen (Begrüßung von Alttieren untereinander), Keckern tonlos „k-k-k-k“ (bei aggressiven Auseinandersetzungen, bei Welpen im Spiel und bei Fähen, die einem werbenden Rüden antworten), leises, raues Geräusch ähnlich einem Pusten (Begrüßung von Jungtieren durch Alttiere), Alarmbellen der Alttiere (um die Jungen zu warnen)

Lebenserwartung: Bis zu 15 Jahre (soziale Stellung und Alter hängen zusammen)
Lebensraum: Wälder, offene und halboffene Landschaften, Hecken, Felder, Parks, Friedhöfe, Gärten, Grasland, Äcker, Weiden, Gehölze
Nest: Ein Rotfuchs baut kein Nest, sondern lebt in einem unterirdischen Höhlensystem, das als Fuchsbau bezeichnet wird
Lebensweise: Leben in Familiengruppen und führen komplexes Sozialleben (Rüde, Fähe, eine oder mehrere rangniedrige Füchse die der Hauptfähe bei der Jungenaufzucht helfen), manche auch Einzelgänger, tag-, dämmerungs- und nachtaktiv, ortstreu,

Fortbewegung: Bis zu 55 km/h schnell, kann bis zu 5m weit und 2m hoch springen, Jagdsprünge werden nord-östlich ausgerichtet, nutzt Erdmagnetfeld zur Entfernungsberechnung
Nahrung: Beeren (Brombeeren, Heidelbeeren), Feld- und Wühlmäuse, Früchte, Hausenten, Hausgänse, Haushühner, Heuschrecken, Insekten, Junghasen, junge Kaninchen, Käfer, Obst (Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen), Regenwürmer, Rehkitze (selten), Reptilien, Vögel (Rebhühner), Vogeleier, Wacholderbeeren
Sonstiges: Vergräbt zum Teil auch Nahrung für schlechte Zeiten
Kot: 5cm –8cm lang, ca. 1cm –2cm dick, dunkelbraun bis schwarz. Wurstförmig mit einem charakteristischen, spitz ausgezogenen oder eingedrehten Ende (wie ein kleiner Zopf). Durchsetzt mit unverdaulichen Resten wie Tierhaaren, Insekten, kleinen Knochen oder Beeren. Liegt oft demonstrativ frei und erhöht auf Steinen, Baumstümpfen oder mitten auf Wegen zur Reviermarkierung (wird nicht vergraben).Geruch auffallend streng und süßlich-modrig

Beispiel Fuchskot


Fortpflanzung: Nesthocker, wird meist in unterirdischem Bau in Wäldern, an Waldrändern oder in Hängen, häufig im Schutz von Baumwurzeln oder Felsspalten geboren
Paarungszeit: Januar – Februar
Balzverhalten: Die Balzzeit des Rotfuchses wird in der Jägersprache als Ranzzeit bezeichnet. Rüden nutzen das Ranzbellen, um mit Weibchen Kontakt aufzunehmen und Rivalen zu warnen. Bei Kämpfen ist ein schrill-kreischendes Keckern zu hören. Da das Zeitfenster der Fähe so kurz ist, weicht ihr der Rüde oft wochenlang nicht von der Seite. Er folgt ihrer Duftspur und bewacht sie beharrlich. Die Annäherung verläuft in Phasen. Ist die Fähe noch nicht bereit, beißt sie den Rüden weg. Nähert sich der richtige Zeitpunkt, jagen die Tiere spielerisch im Kreis hintereinander her, schnuppern aneinander und balgen sich im Schnee. Treffen mehrere Rüden auf eine paarungsbereite Fähe, kommt es zu heftigen Kommentkämpfen. Die Männchen richten sich oft auf den Hinterbeinen auf, legen die Pfoten auf die Schultern des Gegners und versuchen, sich gegenseitig wegzudrücken
Tragzeit: 49 – 58 Tage
Wurfzeit: März – April
Wurfgröße: 3 – 6 Jungtiere,
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: Ca. 4 Monaten
Geschlechtsreife: Ca. 10 Monate
Jungensterblichkeit: …
Sonstiges: In den ersten Wochen nach der Geburt verlässt die Fähe selten den Bau. Insbesondere in dieser Zeit versorgt der Rüde die Fähe mit Nahrung. Mit Beginn der vierten Woche bringen beide Eltern erste feste Nahrung zum Bau. Somit beteiligen sich auch der Rüde an der Aufzucht

Natürliche Feinde: Uhus, Steinadler, große Greifvögel, Luchse, Wölfe (vorrangig für Welpen)
Abwehrverhalten: Flieht, bellt, knurrt, wehrhaft
Krankheiten: Fuchsband-, Band- und Fadenwurm, Fuchsräude, Hundefloh, Leptospirose, Milben, Staupe, Trichinen, Tollwut, Zecken

Schutzstatus:
Keiner
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, ganzjährig (außer führende Elterntiere, diese erhalten Schutz nach § 22 (4) während der Aufzuchtszeit)

Funktion im Ökosystem: Füchse erbeuten hauptsächlich kranke, reaktionsschwache Kleintiere. Dies fördert die genetische Fitness der Beutepopulationen und reduziert die Übertragung von Krankheiten. Durch die Jagd auf Mäuse, Kaninchen und andere Kleintiere wird ein ökologisches Gleichgewicht aufrechterhalten. Sie verwerten Kadaver, was die Hygiene im Wald fördert und die Ausbreitung von Seuchen verhindert. Durch den Verzehr von Beeren und Früchten tragen sie zur Ausbreitung von Pflanzen bei. In Städten ernähren sie sich oft von Abfällen, Käfern oder Regenwürmern, wodurch sie sich als nützliche Schädlingsbekämpfer erweisen

Füchse brauchen Hilfe, wenn …
– sie bluten, humpeln oder offensichtliche Wunden haben
– sie apathisch wirken, torkeln, zittern, verklebte Augen haben
– einzelne, laut rufende (drei-silbiges „wow-wow-wow“) Fuchswelpen, die abgemagert oder lethargisch wirken gefunden werden
– Welpen gezielt auf Menschen zulaufen und ihnen folgen, sind sie meist sehr hungrig oder in Not
– sie sich in Zäunen, Netzen oder Schächten verfangen haben

Wie helfe ich richtig?
– Abstand halten und nicht in die Enge treiben
– Ruhe bewahren, ein verängstigter Fuchs wird Menschen eher meiden, nicht angreifen
– Wenn der Fuchs in einem Keller oder Schuppen ist, Ausgänge öffnen und ihn allein lassen
– Nur wenn das Tier schwer verletzt ist, kann es in einem Karton (mit Luftlöchern) gesichert werden. Vorsicht! Füchse können beißen
– Füchse unterliegen dem Jagdrecht, wird der Fuchs angefahren muss der Jagdpächter/Förster kontaktiert werden
– Evtl. zusätzlich Spezialisten für Pflege wie Fuchshilfe /wildtierkundige Tierärzte kontaktieren
– Gefundene Welpen sind oft unterkühlt. Wärmflasche (in Handtuch eingewickelt) in den Karton legen. Kein Rotlicht – Trocknet die Tiere zu schnell aus
– Nicht füttern, falsches Futter kann tödlich sein

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Nicht füttern, das macht sie zutraulich und verleitet sie dazu, Häuser zu betreten, was zu gefährlichen Situationen führen kann
– Mülltonnen fest verschlossen halten
– Hunde und Katzen nicht draußen füttern
– Bei Begegnungen Ruhe bewahren, Füchse sind in der Regel nicht aggressiv und meiden den Menschen
– Auf Distanz gehen
– Gartenfrüchte (Beeren, Gemüse) vor dem Verzehr gründlich waschen, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Fuchsbandwurm zu minimieren
– Nach der Gartenarbeiten gründlich die Hände waschen

Was kann ich tun um den Fuchs zu unterstützen?
– Reisig- oder Totholzhaufen anlegen
– Auf Rattengift oder andere Pestizide verzichten
– Der Tierpark Thale bietet eine Tierpatenschaft (100€/Jahr) für Füchse an. Mit diesen Geldern werden anteilig Kosten für die Haltung und Modernisierung der Gehege investiert.
https://www.bodetal.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Tierpark_Hexentanzplatz/Tierpatenflyer_April_2026.pdf
– Harzdachstv auf Youtube abonieren und neue Dinge lernen, wie hier zum Beispiel über den Fuchs
https://www.youtube.com/watch?v=K8lG1c2w3Fg



Über den Experten: caroline.schoch

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