Einheimische Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Rhinolophidae
Art: Große Hufeisennase
Beschreibung: Lockeres, weiches Fell. Oberseite graubraun, rötlich. Unterseite hellgrau. Jungtiere aschgrau. Nase Hufeisenförmig. Breite Ohren
Körpergröße: 5,4cm – 7,1cm
Flügelspannweite: 34cm – 40cm
Unterarmlänge: 5,1cm – 6,2cm
Gewicht: 13g – 44g
Herzfrequenz: 1.000 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 40°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Die Augen helfen vermutlich bei Dämmerung und beim Orientieren über größere Distanzen, wo Ultraschall an Grenzen stößt
Gehör: Besitzt eines der feinsten und raffiniertesten Gehöre im Tierreich. Ihre extrem beweglichen Ohrmuscheln können sich in Sekundenbruchteilen verformen und drehen, um Echos und Geräusche von Beuteinsekten präzise zu orten
Frequenz/Rufe: 77kHz – 86kHz „…“, Ruflänge 35ms – 75ms
Geruchsinn: Hilft beim Aufspüren von Verstecken und dem Erkennen von Artgenossen. Unterstützt das Finden von Insekten am Boden, während die Jagd in der Luft primär über das Ultraschallsystem läuft. Dient dem Erkennen von Jungtieren und Partnern über artspezifische Duftnoten
Sonstiges: Der hufeisenförmige Nasenaufsatz und ein spitzer Hautlappen (Lanzette) wirken wie ein Megaphon oder eine Antenne, die den Schall stark bündeln
Lebenserwartung: Ca. 31 Jahre
Lebensraum: Strukturreiche Landschaft, locker Wälder, Strauchgebiete, Karstgebiete, Laubwald, Weiden, Hecken, Baumreihen und Obstwiesen in einer Höhe von bis zu 1.550m
Sommerquartiere: Warme DachräumeHöhlen, Bergwerke, Keller
Winterquartiere: Bergwerke, Höhlen
Lebensweise: Wärmeliebende Art
Fortbewegung: Kann sich auf dem flachen Boden oder durch enge Spalten kaum fortbewegen; läuft nicht auf allen vieren wie andere Fledermäuse. Bewegt sich kopfüber hängend an Decken oder Dachbalken fort. Lässt sich aus dem Hang direkt fallen, um den Flug zu beginnen, und greift beim Landen mit den Füßen nach oben an die Decke
Jagd: Fliegt in der frühen Abenddämmerung aus. Gejagt wird im langsamem, schmetterlingsartigem Flug oft im unteren Baumbereich oder niedrig über offenen Flächen und Wegen. Kann Beute von Blättern und dem Boden absammeln. Sucht im hängen die Umgebung nach Beutetieren ab. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 10km vom Quartier entfernt
Nahrung: Hautflügler, Käfer, Köcherfliegen, Nachtfalter, Spinnen, Zweiflügler
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise warmen, ungestörte Dachböden, Scheunen, Gewölbekeller oder Kirchtürmen. Die Wochenstubengröße beträgt meist 30 – 400 Weibchen
Paarungszeit: September, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männchen nutzen spezielle singende Rufe von festen Warten aus, um Weibchen in Paarungsquartieren wie Höhlen, Stollen oder Dachböden anzulocken
Tragzeit: 68 – 75 Tage
Wurfzeit: Ende Juni – Ende Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 3 – 4 Wochen
Selbstständig: 3 – 4 Wochen
Geschlechtsreife: 2 – 4 Jahre
Jungensterblichkeit: 50%
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Marder, Katzen
Abwehrverhalten: Bei Störung stoßen die Tiere lautes Zischen, Keckern oder helle Schreie aus. Sie öffnen das Maul weit, zeigen die Zähne und richten den hufeisenförmigen Nasenaufsatz auf den Störenfried. Sie fliegen blitzschnell weg oder verkriechen sich tief in unzugängliche Felsspalten und Höhlenwinkel
Krankheiten: Coronavirus, Fledermaustollwut (Lyssaviren), Flöhe, Flughautmilben, Lausfliegen, Magen-Darm-Würmer (Rundwürmer), Pilz- und Hautkrankheiten, Weißnasensyndrom (White-Nose-Syndrom)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, große Hufeisennasen zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Fängt gezielt große Käfer, Schmetterlinge und Zweiflügler im Flug oder von Ansitzwarten aus. Reduziert Populationsdichten von potenziellen Forstschädlingen und Wiesenschädlingen auf biologischem Weg. Benötigt eng verzahnte, pestizidfreie Kulturlandschaften mit Hecken, Weiden und alten Laubwäldern. Das Vorkommen der wärmeliebenden Art beweist ein intaktes regionales Mikro-Ökosystem mit reichem Nahrungsangebot. Trägt durch ihren Kot (Guano) in unterirdischen Sommer- und Winterquartieren (Höhlen, Stollen) Nährstoffe ein, die dort als Grundlage für spezialisierte Höhlenorganismen dienen
Große Hufeisennasen brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber offen am Boden sitzt, verletzt ist, oder sich in Wohnräumen verirrt hat.
– verwaiste Jungtiere in den Monaten Juni und Juli, wenn die Wochenstuben extrem störungsempfindlich sind gefunden werden
– sie im Winter versehentlich geweckt wurden oder erschöpft im Freien sind (jeder Aufwachvorgang zehrt extrem von den Reserven)
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Tiere im Sommer (Wochenstuben) oder Winter (Winterschlaf) nicht durch Lärm, Licht oder Renovierungsarbeiten stören
– Ungiftige Holzschutzmittel nutzen und Dacharbeiten mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) oder lokalen Fledermausexperten abstimmen
– Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vermeiden, um die Nahrungsgrundlage (Insekten) der Tiere zu sicher
– Weniger chemische Entwurmungsmittel (Medikamente für Weidevieh) nutzen, da diese Insekten im Kot vernichten, die auf dem Speiseplan der Fledermäuse stehen
– Hecken, Streuobstwiesen und alte Laubwälder erhalten, die den Tieren als Jagdgebiet dienen
Was kann ich tun um die die großen Hufeisennase zu unterstützen?
– Große Hufeisennasen fliegen frei im Raum und hängen sich an den Dachfirst. Einflüge in alten Scheunen oder Dachstühlen daher nicht verschließen
– Verzichten im Sommerhalbjahr auf grelle Fassaden- oder Gartenbeleuchtungen am Haus, da dies die Tiere beim Ausflug stört
– Winterquartiere (wie alte Keller oder Stollen) im Winter möglichst nicht betreten, um den lebenswichtigen Winterschlaf der Fledermäuse nicht zu stören
– Auf Pestizide und Insektizide im Garten verzichten, um den Speiseplan der Fledermäuse (Käfer, Nachtfalter, Zweiflügler) zu sichern
– Blütenreiche Bereiche mit einheimischen Pflanzen anlegen, die nachtaktive Insekten anlocken
– Hecken, Alleen, Streuobstwiesen und strukturreiche Waldränder in der Umgebung schützen, da die Tiere dort ihre Jagdflüge absolvieren
– Beim Fund einer Kolonie oder einer hilflosen/toten Fledermaus, an lokale Koordinationsstellen oder den NABU Fledermausschutz melden
– Organisationen wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) betreuen gezielt Schutzprojekte und Lebensräume (beispielsweise durch angepasste Beweidung mit alten Rinderrassen), die durch Spenden oder ehrenamtliche Hilfe unterstützt werden können
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, bestimmen und schützen von Kurt Richarz
Mythologie: …
