Einheimische Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Rhinolophidae
Art: Kleine Hufeisennase
Beschreibung: Lockeres, weiches Fell. An der Haarbasis hellgrau Oberseite rauchfarben bis bräunlich. Unterseite grau bis hellgrau. Jungtiere dunkelgrau. Nase Hufeisenförmig. Breite Ohren. Zierlich gebaut. Kleinste Hufeisennase in Europa
Körpergröße: 3,5cm – 4,8cm
Flügelspannweite: 19,2cm – 25,4cm
Unterarmlänge: 3,5cm – 4,3cm
Gewicht: 4g – 10g
Herzfrequenz: 900 – 1.000 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 40°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Kann Hell und Dunkel sowie Konturen im Nahbereich wahrnehmen, ist aber nicht blind
Gehör: Die Töne werden im Gegensatz zu vielen anderen Arten nicht über den Mund, sondern durch die Nase abgegeben. Der hufeisenförmige Hautaufsatz an der Nase bündelt den Schall wie eine kleine Trompete, um die Umgebung zielgenau abzusuchen
Frequenz/Rufe: 106kHz – 116kHz „…“, Ruflänge 30ms – 60ms
Geruchsinn: Gut entwickelt und dient vor allem der sozialen Erkennung, der Quartiersuche und der Mutter-Kind-Bindung. Neben der hochentwickelten Echoortung über ihre nasalen Hautstrukturen nutzen die Tiere den Geruchssinn im Alltag und in ihren Verstecken
Sonstiges: …
Lebenserwartung: Ca. 21 Jahre
Lebensraum: Landschaften mit hohem Struckturreichtum und hohem Waldanteil, Siedlungsränder, Laubwälder, Hügelland und Karstgebiete
Sommerquartiere: Warme Dachstöcke von Kirchen, Schlössern und Häusern (in Schornsteinnähe), Heizungskeller oder in Kanälen und Schächten von Heizungsanlagen
Winterquartiere: Bergwerke, Höhlen, Stollen, Keller mit Temperaturen um die 6°C – 9°C
Lebensweise: Wärmeliebende Art
Fortbewegung: Fliegt in engen Schleifen zwischen Ästen und Baumkronen. Flatternder und bodennaher Flug, oft entlang von Hecken und Waldrändern als Leitstrukturen. Kann sich auf dem flachen Boden oder durch enge Spalten kaum fortbewegen; läuft nicht auf allen vieren wie andere Fledermäuse. Bewegt sich kopfüber hängend an Decken oder Dachbalken fort. Lässt sich aus dem Hang direkt fallen, um den Flug zu beginnen, und greift beim Landen mit den Füßen nach oben an die Decke
Jagd: Fliegt während der Abenddämmerung aus. Gejagt wird im wendigen, schmetterlingsartigem, schwirrenden Flug in einer Höhe von bis zu 5m nahe an der Vegetation, teils unter dichtem Blattwerk, oft auch auf Lichtungen und entlang von Wegen. Spinnen werden direkt vom Boden aufgenommen. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 5km vom Quartier entfernt
Nahrung: Florfliegen, Hautflügler, kleine Nachtfalter, Spinnen, Zweiflügler (Schnaken)
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise auf warmen, hellen, zugluftfreien Dachbereichen von Gebäuden oder Kellerräume mit freiem Einflug. Meist 30 bis 100 Weibchen pro Kolonie
Paarungszeit: September – November, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Wie viele Fledermäuse nutzen auch Hufeisennasen komplexe soziale Laute und Ultraschallrufe im Quartier, um Artgenossen anzulocken oder zu beeindrucken.Vor der eigentlichen Paarung kommt es oft zu kuriosen Interaktionen und kurzen Verfolgungsflügen zwischen Männchen und Weibchen im oder nahe beim Quartier
Tragzeit: 6 – 8 Wochen
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 7 Wochen
Selbstständig: 4 – 7 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Marder, Katzen
Abwehrverhalten: Bei Störungen erstarren sie kurz, weichen aus oder lassen sich direkt vom Hangplatz fallen, um im Sturzflug zu entkommen. Bei Bedrängnis stoßen sie hörbare Zisch- oder Abwehrlaute aus und öffnen drohend das Maul
Krankheiten: Fledermausfliegen, Flöhe, Milben, Weißnasenkrankheit (Pseudogymnoascus destructans)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, kleine Hufeisennasenzu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Jedes Tier vertilgt pro Nacht große Mengen an kleinen Insekten wie Mücken, Fliegen und vor allem Nachtfaltern. Ein signifikanter Teil der Beute besteht aus forst- und landwirtschaftlichen Schadinsekten, wodurch die Art das ökologische Gleichgewicht in lichten Wäldern und Kulturlandschaften stabil hält. Der Kot (Guano) der Fledermäuse, den sie in ihren Sommer- und Winterquartieren (Dachböden, Höhlen oder Stollen) hinterlässt, ist ein wertvoller Dünger. Sie transportieren Nährstoffe aus den Jagdgebieten direkt in ihre geschützten Quartiere und reichern dort den Boden für andere Organismen an. Da die Kleine Hufeisennase strukturierte, strukturreiche und giftfreie Lebensräume benötigt, zeigt ihr Vorkommen ein intaktes, gesundes Ökosystem mit hoher Artenvielfalt an
Kleine Hufeisennasen brauchen Hilfe, wenn …
– sie bei Tag ungeschützt am Boden liegt, ist sie fast immer schwach, krank oder verletzt
– sie am Tag offen hängend und ungeschützt an einer Hauswand oder einem Zaun (gefahrdet durch Raubvögel oder Katzen) hängen
– sie blutett, offene Wunden oder gebrochene Flügel hat, oder das Tier nicht mehr fliegen kann
– im Sommer nackte oder unterentwickelte Jungtiere gefunden werden, die ihre Kolonie (Wochenstube) verloren haben
– sie Katzenkontakt hatte. Dann besteht Lebensgefahr durch Infektionen
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Keine giftigen Holzschutzmittel (wie früher DDT) verwenden
– Bauarbeiten an bekannten Fledermausquartieren nur in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde oder lokalen Fledermausbetreuern und außerhalb der Aufzuchtzeit (Frühling/Sommer) durchführen
– Bei Besiedelung von Gebäuden den Kontakt zu lokalen Naturschutzverbänden suchen, um gemeinsame Lösungen zu finden
– Die Tiere orientieren sich beim Flug eng an strukturierten Leitlinien wie Hecken, Waldrändern oder Bächen. Diese Landschaften dürfen nicht zerschnitten oder gerodet werden
Was kann ich tun um die die kleine Hufeisennase zu unterstützen?
– Dachböden offenhalten. Die Tiere nutzen warme, zugluftfreie Dachböden als Wochenstuben (Kinderstuben)
– Einflüge an alten Gebäuden nicht verschließen
– Keller, Stollen und Höhlen dienen als Winterquartiere. Sie dürfen während des Winterschlafs nicht gestört werden
– Hecken, Bäume und Waldränder als Flugleitlinien und Jagdgebiete schützen
– Auf Pestizide verzichten, damit die Fledermäuse ausreichend Beute (wie Nachtfalter und Mücken) finden
– Den Kontakt zu regionalen Verbänden (wie dem NABU oder dem Bund Naturschutz) suchen, die Quartiere betreuen
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, bestimmen und schützen von Kurt Richarz
Mythologie: …
