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Kleiner Abendsegler – Nyctalus leisleri

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Kleiner Abendsegler

Beschreibung: Oberseite gelb oder rotbraun. Unterseite gelbbraun. Zierliche Schnauze. Breite, dreieckige Ohren. Ähnelt dem Azorenabendsegler (nicht einheimisch)
Körpergröße: 4,8cm – 7,2cm
Flügelspannweite: 26cm – 32cm
Unterarmlänge: 3,8cm – 4,7cm
Gewicht: 8g – 25g
Herzfrequenz: 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 38°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Am Tag sieht er gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht er nicht mehr als der Mensch. Er ist farbenblind
Gehör:
Frequenz/Rufe: 21kHz – 30kHz „plip-plop“, Ruflänge 5ms – 20ms
Geruchsinn: Muttertiere nutzen den Geruch, um ihre Jungen in großen Wochenstuben (Kolonien) sicher zu erkennen. Fledermäuse haben stark ausgeprägte Drüsen. Mit ihrem eigenen Körpergeruch markieren sie ihre Tagesverstecke (Baumhöhlen oder Nistkästen), um sie wiederzufinden. Zur Paarungszeit (etwa August bis September) bilden Männchen kleine Harems. Der Geruch spielt hierbei eine Rolle bei der Reviermarkierung und der Partnerwahl
Sonstiges: 6 borstigen Spürhaare im Gesicht (Facialvibrissen)

Lebenserwartung: Ca. 9 Jahre
Lebensraum: Offene Wälder mit hohem Altholzbestand und deren Ränder, auf Streuobstwiesen und Parkanlagen in einer Höhe von bis zu 2.400m
Sommerquartiere: Baumhöhlen, Fledermauskästen und Spalten in Gebäuden
Winterquartiere: Baumhöhlen und Spalten in Gebäuden
Lebensweise: Männchen leben im Sommer oft einzeln oder in kleinen Gruppen. Da sie sehr mobil sind, wechseln die Tiere ihre Quartiere oft. Als Langstreckenzieher legen sie zwischen Sommer- und Winterquartier teils mehr als 1.052 Kilometer mit Zugrichtung Nordost – Südwest zurück. Als klassische Zugfledermaus verlassen viele Tiere den mitteleuropäischen Raum in Richtung Süd- oder Südwesteuropa (z.B. Spanien). Die Tiere überwintern meist in kleinen Gruppen von wenigen bis zu 30 Tieren. Die Quartiere werden zum Teil mit dem großen Abendsegler geteilt

Fortbewegung: Der Kleine Abendsegler ist eine extrem schnelle, wendige Fledermaus. Im schnellen Jagdflug erreicht er hohe Geschwindigkeiten von bis zu 50km/h
Jagd: Fliegt in früher Abenddämmerung aus. Gejagt wird im schnellem, geradlinigem Flug im Baumkronenbereich, entlang von Schneisen und Waldwegen, an Straßenlaternen und über Gewässern. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 10km vom Quartier entfernt
Nahrung: Köcherfliegen, Mai- und Junikäfer, Nachtfalter, Schmetterlinge, Zweiflügler (Stechmücken, Zuckmücken)

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise in Laubwäldern, wo die Weibchen ab Mai Kolonien von 10 bis 50 Tieren in Spechthöhlen oder Fledermauskästen bilden
Paarungszeit: Juli – September, dann 5 – 7 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männchen versammeln sich in Baumhöhlen, Spechthöhlen oder Nistkästen und bilden Harems mit bis zu zwölf Weibchen. Sie locken diese durch charakteristische Singflüge und Rufe an, die in der Abenddämmerung stattfinden
Tragzeit: 6 – 8 Wochen
Wurfzeit: Juni
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 4 Wochen
Selbstständig: Ca. 4 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: 40% – 60%

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Baummarder
Abwehrverhalten: Stoßen bei Bedrohung für den Menschen gut hörbare, zischende oder fauchende Geräusche aus. Beißt energisch zu, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt. In Kombination mit dem Zischen wird das Maul weit geöffnet, um die Zähne zu zeigen. Er macht sich oft flach, sträubt das Fell, breitet abwehrend die Flughäute aus oder schlägt mit den Flügeln
Krankheiten: Fledermausfliegen, Fledermaustollwut (europäisches Fledermaus-Lyssavirus – EBLV), Fledermauszecken, Milben, Wanzen, Weißnasenkrankheit (Pseudogymnoascus destructans)

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Kleine Abendsegler zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Der Kleine Abendsegler jagt im rasanten Flug Insekten, darunter vor allem zahlreiche nachtaktive Falter, Mücken und Käfer. Durch den hohen Kalorienbedarf während der Aufzucht der Jungtiere entlastet er das Ökosystem von massenhaft auftretenden Insekten. Als typische Wald- und Baumfledermaus ist die Art auf höhlenreiche Laub- und Mischwälder angewiesen. Ihr Vorkommen zeigt oft an, dass ein Lebensraum über ausreichend alte Bäume, Totholz und Tothöhlen verfügt. Durch den Verzehr großer Insektenmengen und den anschließenden Kotabsatz (Guano) in und um ihre Quartiere tragen sie zur Nährstoffversorgung des Waldbodens bei. Da der Kleine Abendsegler zu den Weitstreckenwanderern gehört und auf seinem Zug Distanzen von bis zu 1.500 Kilometern überwinden kann, verbindet er unterschiedliche europäische Lebensräume miteinander

Kleine Abendsegler brauchen Hilfe, wenn …
– sie am helllichten Tag am Boden sitzen oder ungeschützt an einer Hauswand stimmt etwas nicht
– sie sichtbare Wunden, Blutungen oder offensichtlich gebrochene Flügel aufzeigen
– sie von der Katze gebracht wird
– ein plötzlicher Frosteinbruch oder Dauerregen im Frühjahr/Herbst eintritt
– sie sich in geschlossenen Räumen, in geöffneten Kippfenstern oder im Kamin verirrt haben

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Vor Sanierungsarbeiten an alten Gebäuden in Waldnähe eine artenschutzrechtliche Prüfung durchführen lassen. Dies ist in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) gesetzlich vorgeschrieben, da Fledermäuse streng geschützt sind
– Sanierungsarbeiten am Dach sollten in der Regel im späten Herbst oder Winter (November bis Februar) durchgeführt werden, wenn die Wochenstuben und Sommerquartiere unbesetzt sind
– Der Kleine Abendsegler ist als Höhlenbrüter (oft auf Spechthöhlen angewiesen) auf alte Baumbestände angewiesen. Das Belassen von Totholz und alten Alleen schützt seine natürlichen Lebensräume
– Um verloren gegangene Quartiere kurzfristig auszugleichen, kann man spezielle, eng gespaltene Flachkästen an Bäumen in mindestens 3m bis 4m Höhe anbringen
– Starkes Flutlicht oder Dauerbeleuchtung an Ein- und Ausflugöffnungen von Gebäuden vermeiden

Was kann ich tun um die den kleinen Abendsegler zu unterstützen?

– Alte Bäume mit Höhlen, Rissen oder Spechtlöchern stehen lassen
– Spezielle, eng gespaltene Flachkästen in 3m bis 6m Höhe aufhängen
– Einheimische Pflanzen ziehen Insekten an, die die Hauptnahrungsquelle der Fledermäuse darstellen
– In der Nähe von Quartieren keine chemischen Holzschutzmittel verwenden

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, bestimmen und schützen von Kurt Richarz

Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

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