Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Mopsfledermaus
Beschreibung: Fell dunkelgrau bis schwarz mit seidig, weißen Haarspitzen. Lange, schmale Flügel. Breite Ohren. Mopsartige Schnauze
Körpergröße: 4,4cm – 6cm
Flügelspannweite: 24cm – 29,5cm
Unterarmlänge: 3,6cm – 4,4cm
Gewicht: 5g – 14g
Herzfrequenz: 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 38°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: Exzellentes Gehör für die Jagd und eine einzigartige, extrem leise Echoortung von 28 kHz – 44 kHz, die als „akustische Tarnkappe“ dient
Frequenz/Rufe: 30kHz – 44kHz „…“, Ruflänge 2ms – 6ms
Geruchsinn: Gut entwickelt und hilft dabei, die Umgebung zu erkunden, Duftmarkierungen wahrzunehmen und wahrscheinlich auch, den Kot in ihren Verstecken zu identifizieren
Sonstiges: ….
Lebenserwartung: Ca. 23 Jahre
Lebensraum: Waldreiche Gebiete mit strukturierten produktiven Wäldern, waldnahe Gärten und Heckengebiete
Sommerquartiere: Hinter loser Baumrinde, in Fledermauskästen, an Gebäuden hinter Fensterläden und Spalten an Hausfassaden
Winterquartiere: Hinter Baumrinde, Höhlen, Steinhaufen, Felsspalten und in Ruinen
Lebensweise: …
Fortbewegung: Wendiger und schneller Waldjäger. Sie erreicht Fluggeschwindigkeiten von bis zu 36 km/h und jagt bevorzugt in rasanten, wendigen Manövern entlang von Baumkronen, Waldrändern und strukturreichen Vegetationskanten
Jagd: Fliegt in früher Abenddämmerung aus. Gejagt wird im wendigen, schnellem Flug im und um den Wald, meist dicht über oder unter Baumkronen und entlang von Vegetationskanten. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 5km vom Quartier entfernt
Nahrung: Kleine Käfer, Kleinschmetterlinge, Zweiflügler
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben umfassen meist 10 bis 30 Tiere. In waldnahen Siedlungen weichen die Tiere gerne auf schmale Spalten an Scheunen, Holzverkleidungen oder hinter Fensterläden aus
Paarungszeit: August – September, dann 6 – 7 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männchen locken paarungsbereite Weibchen an, indem sie abends oder am frühen Morgen laut vor den Quartieren umherkreisen (dem sogenannten „Schwärmen“). Wie viele andere Fledermäuse nutzen Mopsmännchen spezielle soziale Rufe und Gesänge, um Weibchen in ihre Reviere zu locken. Die Männchen sind oft territorial und versuchen, kleine Harems von mehreren Weibchen um sich zu versammeln
Tragzeit: 50 – 60 Tage
Wurfzeit: Ca. Juni
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 6 Wochen
Selbstständig: Ca. 6 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit: ….
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder, Waschbären
Abwehrverhalten: Das auffälligste Abwehr- und Jagdverhalten ist ihr extrem leises Echolot . Ihre Rufe sind so leise (bis zu zehnmal leiser als bei anderen Fledermäusen), dass Feinde wie Fledermäuse fressende Eulen sie akustisch kaum wahrnehmen können .Das gänzlich dunkle, fast schwarze Fell macht sie in der Dämmerung und in dunklen Wäldern optisch fast unsichtbar. Wenn sie in die Enge getrieben wird, stößt die Mopsfledermaus oft laute, fauchende oder zischende Zwangstöne aus. Diese sollen den Angreifer erschrecken und verwirren. Zudem verteidigt sie sich mit ihren scharfen Zähnchen. Bei Entdeckung im Flug nutzt sie ihren schnellen, wendigen und tief bodennahen Flug, um in der Vegetation oder Baumkronen zu verschwinden
Krankheiten: Fledermausfliegen (Nycteribiidae), Entzündungen der Atemwege oder des Magen-Darm-Traktes, Flöhe, Milben, Pilzinfektionen (z. B. White-Nose-Syndrom), Tollwut, Zecken
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Mopsfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Sie ernährt sich fast ausschließlich von nachtaktiven Insekten. Als nachtaktiver Jäger reguliert sie die Insektenpopulationen, was auch zum Schutz von Wäldern und forstwirtschaftlich bedeutsamen Baumarten vor Insektenfraß beiträgt . Die Art ist stark an alte, naturnahe Baumbestände mit viel Totholz und Rindenstrukturen gebunden. Ihr Vorkommen zeigt einen gesunden, strukturreichen Wald an und macht sie zu einem wichtigen Zeiger für biologische Vielfalt. Da ein beträchtlicher Teil der europäischen Gesamtpopulation in Deutschland lebt, hat das Land eine besondere Verantwortung für ihren weltweiten Erhalt. Der Schutz der Mopsfledermaus kommt dabei automatisch auch anderen bedrohten Arten zugute, die in denselben alten Waldökosystemen leben
Mopsfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber frei hängt oder am Boden sitzt
-sie sichtbare Wunden, ein Befall von Maden/Fliegeneiern oder ein apathisches, schwaches Verhalten aufzeigt
– sie gegen Fensterscheiben geflogen sind oder von Katzen gefangen wurden
– sie im Winter überraschend aus dem Winterschlaf erwachen und im Schnee oder bei starkem Frost herumirren
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Um Kollisionsrisiken zu minimieren, gelten in vielen Bundesländern naturschutzfachliche Mindestabstände zu essenziellen Lebensräumen und Quartierkomplexe
– Die Mopsfledermaus ist stark auf Totholz und Spalten in alten Bäumen angewiesen. Konflikte werden vermieden, indem Alt- und Habitatbäume sowie Höhlenbäume ganzjährig geschützt und forstliche Eingriffe in Kernbereichen (z.B. alten Laubwäldern) in die fledermausfreie Zeit verlegt werden
– Sanierungsarbeiten an alten Gebäuden, Dachstühlen oder Brücken sollten außerhalb der Wochenstubenzeit (Mai bis August) stattfinden
– Sollten Eingriffe in den Lebensraum unvermeidbar sein, sind vorab gleichwertige Ersatzquartiere oder neue Jagdhabitate zu schaffen, um einen kontinuierlichen Artenschutz zu gewährleisten
– Für eine rechtssichere Planung und Konfliktvermeidung in der Praxis empfiehlt sich die Nutzung offizieller Dokumente, wie sie in den Abschlussergebnissen des bundesweiten Verbundprojekts zusammengefasst wurden
Was kann ich tun um die Mopsfledermaus zu unterstützen?
– Alte Bäume und Totholz im Wald oder Garten stehen lassen
– Einhheimische Bäume und Sträucher pflanzen
– Blütenreicher Garten fördern
– Lokale Verbände bieten Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Monitoring, bei dem man aktiv bei der Erfassung und dem Schutz der Tiere helfen können
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
Mythologie: …
