Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Nordfledermaus
Beschreibung: Langes Fell. Oberseite dunkelbraun mit gelben, goldenen oder weißen Haarspitzen. Scheitel goldgelb. Nacken dunkel, zieht nur hier eine relativ scharfe Grenze zur Unterseite. Unterseite gelbbraun. Schnauze, Ohren und Flügel dunkelbraun. Jungtiere insgesamt dunkler. Kurze Ohren und kurzen, breiten, leicht nach innen gebogenen Ohrdeckel
Körpergröße: 4,5cm – 6,8cm
Flügelspannweite: 24cm – 28cm
Unterarmlänge: 3,7cm – 4,3cm
Gewicht: 7g – 18g
Herzfrequenz: 300 – 600 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 40°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Wie andere Fledermäuse auch, besitzen sie Zapfen in der Netzhaut, die für ultraviolettes Licht empfindlich sind. Dies hilft ihnen wahrscheinlich dabei, Dämmerungseffekte am Himmel besser wahrzunehmen und sich zu orientieren. Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: Hochspezialisiert
Frequenz/Rufe: 23kHt – 31kHz „…“, Ruflänge 8ms – 19ms
Geruchsinn: Hervorragend ausgeprägter Geruchssinn, der eng mit ihrer Echoortung und ihrem Gehör zusammenarbeitet. Die Nase hilft ihr nicht nur dabei, Beutetiere (wie Insekten) zu identifizieren, sondern auch bei der komplexen chemischen Kommunikation und der Partnerwahl
Sonstiges: ….
Lebenserwartung: Ca. 15 Jahre
Lebensraum: Kälteliebende Art, im Gebirgsvorland und in mittleren Gebirgslagen in lockerm Busch- und Nadelwaldgebiet, gewässerreiche Nadel- und Laubwälder. Bis in einer Höhe von 2.000m zu finden
Sommerquartiere: Spalten an Hausfassaden, in Zwischendächern, Kaminen, Baumhöhlen und an Brücken
Winterquartiere: Bergwerke, Bunker und Höhlen, Stollen, Kellern
Lebensweise: Erträgt Temperaturen von bis zu -5,5°C, ortstreu
Fortbewegung: Fliegt schnell und wendig. Typisch für die Jagd sind spektakuläre Zickzackflüge
Jagd: Fliegt in Abenddämmerung aus. Gejagt wird im raschen, wendigem Flug, oft entlang von Bäumen, Vegetationskanten, Häusern oder Straßenlampen oder im freien Luftraum in bis zu 50m Höhe. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 10km vom Quartier entfernt
Nahrung: Falter, Käfer, Netzflügler, Schmetterlinge, Schnabelkerfe, Wanzen, (kleine) Zweiflügler
Sonstiges: Hängt in Jagdpausen in Ästen
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind meist in Spalten an Hausfassaden, in Zwischendächern, Kaminen, Baumhöhlen und an Brücken. Die Wochenstubengröße beträgt meist 20 – 60 Weibchen
Paarungszeit: August – September, dann 5 – 7 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männliche Nordfledermäuse locken paarungsbereite Weibchen mit komplexen, art- und geschlechtsspezifischen Balzgesängen. Diese sind oft als rhythmische Sozialrufe auch für das menschliche Ohr wahrnehmbar und können mit Ultraschalldetektoren aufgezeichnet werden. Die Männchen versammeln sich an speziellen Balzplätzen . Dies können unter anderem Baumgruppen, Höhlen oder Felsspalten sein. Als hochgradig an den Menschen angepasste Art (Gebäudebewohner) nutzt die Nordfledermaus im Herbst häufig Bereiche um Straßenlampen als Balzareal, da sich dort durch die Lichtquellen angelockte Insekten als Nahrungsquelle konzentrieren. Wie viele andere Fledermäuse zeigen auch Nordfledermäuse ein intensives Schwärmverhalten im Bereich von Höhlen, Stollen oder Winterquartieren, das eng mit der Partnerfindung und Paarung verbunden ist
Tragzeit: 45 – 70 Tage
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 3 – 4 Wochen
Selbstständig: 3 – 4 Wochen
Geschlechtsreife: 2 – 3 Jahre
Jungensterblichkeit: ….
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen
Abwehrverhalten: Stößt schrille, fauchende oder zischende Laute aus. Windet sich, schlägt mit den Flügeln und versucht, den Angreifer durch gezielte Bisse mit ihrem spitzen Insektengebiss abzuwehren . Ahmen zur Abschreckung von Feinden (z. B. Eulen) auch das Summen von Hornissen oder Wespen nach, um Fressfeinde im Dunkeln zu irritieren
Krankheiten: Europäisches Fledermaus-Lyssavirus (EBLV), Fledermaustollwut, Histoplasmose, Lederzecke (Argas vespertilionis)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Nordfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Ihre Nahrung besteht zu einem großen Teil aus Insekten (Größe 2mm – 20 mm), darunter Zuckmücken, Zweiflügler (Dipteren) sowie Käfer. Indem sie diese Insekten im schnellen Flug jagt, reguliert sie deren Populationen. Da die Nordfledermaus strukturreiche, gewässerreiche Wälder sowie intakte Kleinlandschaften benötigt und empfindlich auf Insektizide reagiert , ist sie ein Indikator für gesunde Lebensräume. Durch die Ausscheidungen (Guano) in ihren Tagesverstecken und Wochenstuben (oft an Gebäuden im Umfeld des Harzes) bringt sie Nährstoffe, die sie beim Jagen in Wäldern und über Gewässern aufgenommen hat, konzentriert in unmittelbarer Nähe zurück
Nordfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– Sie tagsüber frei an einer Hauswand hängen oder krabbeln
– sie offensichtliche Brüche aufweisen, Wunden haben oder mit dem Auto/Fenster kollidiert sind
– sie am Boden oder auf der Straße liegt
– sie durch Wohnräume krabbel
– Verstecke (z. B. hinter Fassaden- oder Schieferverkleidungen, die von Nordfledermäusen bevorzugt werden ) bei Bauarbeiten zerstört oder Bäume gefällt werden
– man im Juni oder Juli ein einzelnes Jungtier findet, ist dies meist ein Fall für den Fledermausschutz
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Dachsanierungen oder Fassadenarbeiten am besten im Herbst oder Winter (Oktober – Februar) durchführen, wenn die Tiere ausgeflogen sind
– Die Lebensstätten der Tiere sind ganzjährig geschützt . Werden Ritzen, Spalten oder Hohlräume am Dach oder Mauerwerk verschlossen, müssen Ausweichquartiere (wie Fledermauskästen) bereitgestellt werden
– Konsultieren Sie vor Arbeiten am Haus einen regionalen Quartierbetreueroder die untere Naturschutzbehörde, um illegale Zerstörungen von Quartieren zu vermeiden
– Befindet sich ein Einflugloch am Gebäude, können Sie ein einfaches Kotbrett unter dem Einflug anbringen, um Verschmutzungen aufzufangen .Der bröselige Fledermauskot sollte nicht mit bloßen Händen angefasst werden , kann aber bei trockener Witterung problemlos als Dünger im Garten verwendet werden
Was kann ich tun um die Nordfledermaus zu unterstützen?
– Versiegeln von engen Spalten hinter Holz- oder Schieferverkleidungen sowie hinter Fensterläden vermeiden
– Spezielle Flachkästen (Spaltenkästen) an der Hauswand anbringen
– Auf chemische Pestizide und Insektizide verzichten
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Kurt Richarz
Mythologie: …
