Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Mückenfledermaus
Beschreibung: Oberseite olivgrün. Unterseite gelblichgrau. Flanken gelbbraun bis orangroter Schimmer. Männchen haben einen orangefarbenen Penis. Mittelwulst am Nasenspiegel. Kurze Ohren. Kleinste Fledermaus in Europa
Körpergröße: 3,3cm – 5,1cm
Flügelspannweite: 18cm – 24cm
Unterarmlänge: 2,9cm – 3,2cm
Gewicht: 4g – 8g
Herzfrequenz: 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 39°C – 40°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Kann Hell und Dunkel unterscheiden und nutzt ihre Augen für das Erkennen von Umrissen und zur Orientierung über größere Distanzen. Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: Gehör ist hochgradig an die Echoortung angepasst. Um sich zu orientieren und Insekten im Flug zu jagen, nutzt sie Rufe mit einer sehr hohen Frequenz
Frequenz/Rufe: 50kHz – 64kHz „…“, Ruflänge 3ms – 10ms
Geruchsinn: Nutzt Gerüche, um Beutetiere zu lokalisieren und sich in ihrem Lebensraum zurechtzufinden
Sonstiges: ….
Lebenserwartung: Ca. 8 Jahre
Lebensraum: Gewässernah in Baumnähe und Auwäldern
Sommerquartiere:Spalten in Hausfassaden, in Zwischendächern, Baumhöhlen und Fledermauskästen
Winterquartiere: Baumquartiere, Spalten an Hausfassaden, Fledermauskästen
Lebensweise: Tagsüber ruhen sie in engen Spalten wie natürliche Baumhöhlen, abgelöste Rinde, Spalten an Gebäuden (z. B. hinter Fassadenverkleidungen, Fensterläden oder in Rollladenkästen). Sehr ortstreu. Legt saisonale Wanderungen von bis zu 50km zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren zurück
Fortbewegung: Fiegt gewandt in 3m – 6m Höhe
Jagd: Fliegt zu Beginn der Abenddämmerung aus. Gejagt wird im wendigen Flug nahe der Vegetation, über Gewässern, in Parks und Vegetationslücken im Wald. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 2km vom Quartier entfernt
Nahrung: Hautflügler, Netzflügler (Eintagsfliegen, Zuckmücken), Zweiflügler
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind meist weibliche Kolonien. Die Quartiere umfassen oft Hunderte bis über tausend Tiere und befinden sich meist in Gebäudespalten, Baumhöhlen oder Nistkästen in der Nähe von Gewässern
Paarungszeit: August – September, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Zur Paarungszeit im Spätsommer verteidigen die Männchen ihre Reviere und locken Weibchen mit speziellen Balzflügen an
Tragzeit: 6 – 8 Wochen
Wurfzeit: Ca. Juni
Wurfgröße: 1 – 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 3 – 4 Wochen
Selbstständig: Ca. 5 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit: ….
Natürliche Feinde: Eulen, Katzen, Marder
Abwehrverhalten: Durch extrem schnelle Flugmanöver und das Ausnutzen ihres hochentwickelten Echolot-Systems weicht sie Greifvögeln im Flug aus. Innerhalb ihres Jagdreviers wehrt die Mückenfledermaus Futterkonkurrenten oder Eindringlinge oft durch den Einsatz von spezifischen, lauten Sozialrufen in hohen Frequenzen ab. Viele Fledermäuse passen ihre Rufe an, um nicht von Insekten (die oft Ultraschall hören) als Jäger wahrgenommen zu werden . Gleichzeitig signalisieren manche Fledermausrufe potenziellen Angreifern (wie Vögeln), dass das Tier wach ist und nicht leicht gefangen werden kann .Die Mückenfledermaus ist ein Spaltenspezialist. Indem sie sich tief in winzige Hohlräume (z.B. hinter Fassadenverkleidungen, Fensterläden oder Dachziegeln) zurückzieht, macht sie sich für größere Feinde unerreichbar
Krankheiten: Fledermaustollwut (Lyssaviren z. B. EBLV-1)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Mückenfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Als Nahrungsspezialist frisst sie fast ausschließlich kleine Fluginsekten. Durch die nächtliche Jagd im freien Luftraum und die anschließende Verdauung in ihren Quartieren, beispielsweise in Bäumen oder Gebäuden, tragen sie durch ihren Kot lokal zum Nährstoffkreislauf bei (Guano). Da die Tiere streng an gehölzbestandene Gewässer, Auwälder und naturnahe Landschaften gebunden sind, dient ihr Vorkommen als wichtiger Zeiger für die intakte Struktur von Feuchtgebieten
Mückenfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber frei an Hauswänden hängen, am Boden oder auf der Straße liegen
– sie offensichtlichen Wunden, Brüchen oder Verletzungen der Flughaut haben
– sie in Innenräume geraten, sich im Kamin oder Ofen befinden oder mit dem Feuerholz eingeschleppt wurden
– sie als flugunfähige Jungtiere aus dem Quartier gefallen sind
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Dachsanierungen oder Fassadendämmungen nur außerhalb der Wochenstubenzeit (Mai bis August) und der Winterruhe durchführen. Ein qualifizierter Gutachter sollte den optimalen Zeitraum festlegen
– Einfluglöcher nicht einfach verschließen. Stattdessen Ersatzquartiere, wie zum Beispiel spezielle Fledermausbretter und Flachkästen anbieten
– Bewegungsmelder anstelle von Dauerbeleuchtung verwenden, um Jagdgebiete nicht zu stören
– Fledermauskot ist ungiftig und ein hervorragender Dünger. Fegen man ihn trocken zusammen oder verwendt ein Brett, um ihn aufzufangen
Was kann ich tun um die Mückenfledermaus zu unterstützen?
– Gebäudespalten erhalten, da die Tiere gerne in Fassadenspalten, Zwischendecken oder hinter Wandverkleidungen leben
– Spezielle Flachkästen anbieten. Bevorzugt in einer Höhe von mindestens 3m – 4m an einer ruhigen, sonnigen Hauswand
– Verzichten auf Pestizide
– Einheimische, nektarreiche Blumen (z. B. Nachtkerze, Natternkopf, …) pflanzen
– (Mini-) Gartenteich anlegen
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, bestimmen und schützen von Kurt Richarz
Mythologie: …
