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Teichfledermaus – Myotis dasycneme

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Teichfledermaus

Geschichte: Die Teichfledermaus ist erdgeschichtlich Teil einer über 50 Millionen Jahre alten Erfolgsgeschichte der Fledertiere. Als eigenständige Art wurde sie 1825 von dem deutschen Naturforscher Heinrich Boie wissenschaftlich erstbeschrieben. Die Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) und die Gattung der Mausohren (Myotis), zu der die Teichfledermaus gehört, entwickelten sich aus Urzeit-Säugetieren, die bereits im Eozän (vor ca. 50 Millionen Jahren) fliegen und per Echoortung jagen konnten. Die Teichfledermaus entwickelte im Laufe der Evolution eine hochspezialisierte ökologische Nische; sie passte sich perfekt an das Leben im gewässerreichen Tiefland an. Ihre Füße wurden im Vergleich zu anderen Arten auffällig groß und kräftig, um Insekten direkt von der Wasseroberfläche zu „keschern“. Erstbeschreibung 1825; Heinrich Boie untersuchte Exemplare aus Norddeutschland und ordnete das Tier taxonomisch ein. Der wissenschaftliche Name Myotis dasycneme leitet sich aus dem Griechischen ab. Myotis steht für „Mausohr“. Der Artname dasycneme setzt sich zusammen aus dasys (rau/behaart) und kneme (Schienbein) – ein direkter Verweis auf die charakteristische, feine Behaarung an ihren Beinen und nahe der Schwanzflughaut. Lange Zeit wurde die Teichfledermaus in historischen Aufzeichnungen oft mit ihrer kleineren Verwandten, der Wasserfledermaus verwechselt, da beide ein sehr ähnliches Jagdverhalten über Gewässern zeigen. Ursprünglich verschleierte die Teichfledermaus ihre Wochenstuben vermutlich in dicken, alten Baumhöhlen Urzeit-naher Wälder. Mit der Kultivierung der Landschaft durch den Menschen passte sie sich an und wurde zu einer typischen Gebäudefledermaus. Sie zog bevorzugt in die riesigen, ungestörten Dachböden von Kirchen, alten Gutshäusern und landwirtschaftlichen Gebäuden. In der Mitte und zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die Art einen dramatischen Rückgang. Die Ursachen lagen in der intensiven Landwirtschaft (Insektensterben), der Begradigung von Flüssen und Kanälen sowie dem Einsatz von hochgiftigen Holzschutzmitteln bei Dachstuhlsanierungen. Heute ist die Teichfledermaus streng durch die FFH-Richtlinie der Europäischen Union (Anhang II und IV) geschützt. Dies verpflichtete die Länder zu intensiver Forschung. Erst durch moderne Ultraschalldetektoren, Besenderung und Beringung fand die Forschung heraus, dass Teichfledermäuse echte Weitstreckenwanderer sind. Sie legen zwischen ihren Sommerquartieren am Meer oder in Tiefebenen und ihren Winterquartieren in Höhlen oder Bunkern (wie den Segeberger Kalkberghöhlen) Distanzen von bis zu 300km zurück

Mythologie: …

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Klaus Richarz

Beschreibung: Dichtes Fell. Oberseite graubraun mit silbrigem Glanz. Unterseite weißgrau und deutlich von der Oberseite abgegrenzt. Relativ große Füße. Ähnelt optisch sehr der Wasserfledermaus sie ist jedoch deutlich größer
Körpergröße: 5,2cm – 6,8cm
Flügelspannweite: 20cm – 30cm
Unterarmlänge: 4,3cm – 4,9cm
Gewicht: 13g – 20g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 900 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 10 – 18 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 37°C – 40°C, im Winterschlaf; 3°C – 5°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: …
Geruchsinn: …
Geschmackssinn: Die Teichfledermaus gilt bei der Nahrungssuche als äußerst wählerisch. Ihr Geschmackssinn dient primär als biologischer Kontrollmechanismus, um ungenießbare, toxische oder mit schlechtem Geschmack ausgestattete Sekrete von Insekten sofort zu erkennen und zu meiden
Sonstiges: Extrem empfindliche Haare an den sehr großen Hinterfüßen und der Schwanzflughaut nehmen kleinste Wasserwirbel oder Berührungen wahr
Frequenz: 28kHz – 42kHz „…“, Ruflänge 5ms – 23ms

Lebenserwartung: Bis zu 21 Jahre
Lebensraum: Gewässer, Seen, Kanäle, Küsten im Tiefland und im Mittelgebirgsvorland
Lebensweise: Als Mittelstreckenwanderer legt die Teichfledermaus zwischen Sommer- und Winterquartieren Distanzen von 100km zurück. Diese Wanderungen absolviert sie im aktiven Streckenflug, oft entlang traditioneller, gewässergebundener Flugrouten
Sommerquartier – …
Winterquartier – In Höhlen, Stollen, Bunkern und Eiskellern

Fortbewegung: Auf der Jagd nach Insekten über Wasserflächen gleitet sie flach dahin
Jagd: Fliegt 20 – 40 Minuten nach Sonnenuntergang aus. Gejagt wird im schnellen, gewandten Flug, in einer Höhe von etwa 10cm – 60cm knapp über der Wasseroberfläche. Insekten werden direkt von dort abgegriffen. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. …km vom Quartier entfernt
Nahrung: Käfer, Köcherfliegen, Schmetterlinge, Zuckmücken
Kot: Die Kotpillen sind länglich bis walzenförmig, etwa so groß wie ein Reiskorn bis zu 1cm lang. Er ist sehr trocken, glänzt leicht (durch unverdaute Insektenreste wie Chitinpanzer) und lässt sich zwischen den Fingern leicht zu Pulver oder Krümeln zerreiben. Braun bis schwarz, ohne weiße Anteile (anders als bei Vögeln)

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich fast ausschließlich in Gebäuden (Dachstühle, Kirchtürme). Die Wochenstuben können 40 – 400 Tiere umfassen
Paarungszeit: Juli – September, dann 12 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Die Männchen besetzen diese Baumhöhlen und versuchen, Weibchen durch spezielle Balzrufe anzulocken
Tragzeit: 50 – 70 Tage
Wurfzeit: Juni
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 30 – 40 Tage
Selbstständig: 4 – 5 Wochen
Geschlechtsreife: 12 – 14 Monate
Jungensterblichkeit: ….

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Marder, Katzen
Abwehrverhalten: Flucht durch Flugmanöver, verstecken. Wenn sie in die Enge getrieben wird, kann die Fledermaus zubeißen und laut fauchen oder kreischen, um den Feind zu erschrecken
Krankheiten: Fledermausfliegen (Nycteribiidae), Leptospirose, Milben, Salmonellose, Tollwut, White-Nose-Syndrom (Pseudogymnoascus destructans), Zecken

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang II, IV
Es ist verboten, Teichfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Durch das Fressen von massenhaft auftretenden Wasserinsekten verhindert sie, dass Insektenplagen entstehen und das ökologische Gleichgewicht an Gewässern kippt. Die Teichfledermaus benötigt ruhige Gewässer mit strukturreichen Ufern und hoher Wasserqualität. Fehlt sie in geeigneten Lebensräumen, ist dies oft ein Warnsignal für eine gestörte Umwelt. Sie transportiert Nährstoffe von ihren nächtlichen Jagdgebieten an den Gewässern in Form von Kot (Guano) zu ihren am Tag genutzten Quartieren

Teichfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber auf dem Boden sitzen und sich ungeschützt zeigen
– sie am Boden krabbeln, apathisches Verhalten zeigen oder das Ausbleiben von Fluchtversuchen zu beobachten ist
– sie sichtbare Verletzungen oder Parasiten haben
– sie offene Wunden oder starker Befall mit auffälligen Insekten haben
– sie in den Abendstunden in Kellerräumen, Kaminen oder Wohnungen umherirren

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Starke Uferbeleuchtungen vermeiden, da diese Insekten (die Hauptnahrungsquelle) anlocken und ablenken
– Ufervegetation (Schilf, Bäume) stehen lassen, da sie als wichtige Leitlinie für die Orientierung dient
– Helle, dauerhafte Beleuchtung an Straßen, Brücken oder Gebäuden in Gewässernähe stört die Tiere massiv, stattdessen insektenfreundliche Beleuchtung (z. B. warmweiße LEDs), diese zeitweise abschalten oder den Lichtkegel strikt nach unten richten
– Baumfällungen, Rodungen und Gebäudesanierungen im unmittelbaren Umfeld vermeiden, solange die Tiere anwesend sind
– Arbeiten in der Nähe von Jagdhabitaten sollten möglichst außerhalb der Hauptaktivitätszeiten oder insektenintensiven Phasen angepasst werden

Was kann ich tun um die Teichfledermaus zu unterstützen?
– Kein Einsatz von Pestiziden in Gewässernähe um die Insektenvielfalt als Nahrungsgrundlage nicht zu gefährden
– Naturnahe Uferzonen, Hecken und angrenzendes Grünland bieten den Tieren Schutz und Orientierung
– Da Teichfledermausweibchen im Sommer oft Wochenstuben in Gebäuden bilden, ist Toleranz gefragt
– Sanierungsarbeiten am Dach sollten möglichst außerhalb der Wochenstubenzeit (Mai – August) stattfinden
– Spalten oder Hohlräume an Fassaden oder Dachüberständen, falls möglich, als Einflugmöglichkeiten offen halten
– Auf starke Beleuchtung direkt am Wasser verzichten
– Einheimische Blumen und Stauden, die nachts duften (z. B. Nachtkerze, Geißblatt oder Phlox) pflanzen. Diese ziehen Nachtfalter an, die eine wichtige Nahrungsquelle für Fledermäuse darstellen
– Lokale Naturschutzverbände und Projekte durch Spenden oder ehrenamtliche Mitarbeit unterstützen
– Fledermaus-Auffangstationen sind oft auf finanzielle Hilfe angewiesen, um kranke oder verletzte Tiere zu versorgen


Über den Experten: caroline.schoch

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