Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Hörnchen
Art: Alpenmurmeltier (Mankei, Murmel, Mungg, Murmunda)
Beschreibung: Kopf schwärzlich – grau mit heller Schnauze. Ohren klein und behaart. Fell besteht aus dichten, kräftigen Grannenhaaren und einer Unterwolle aus kürzeren, etwas gewellten Haaren. Fellfarbe sehr variabel. Rücken kann schiefergrau, hellbraun oder rötlichbraun sein, Körperunterseite meist gelblich gefärbt. Muskulöser, kräftiger Schultergürtel. Ausgeprägte Grabpfoten. Vorderbeine kürzer als die Hinterbeine. Vorderfüße haben vier Zehen, Hinterfüße fünf. Sohlengänger, Fußsohlen weisen gut ausgebildete Ballen auf und sind unbehaart
Kopf-Rumpf-Länge: 40cm – 50cm
Schwanzlänge: 10cm – 15cm
Gewicht: 2,75kg – 3kg
Herzfrequenz: 80 – 140 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37°C – 39°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Fast kreisrundes Gesichtsfeld.Erkennt Bewegungen, insbesondere von großen Raubvögeln, sehr gut
Gehör: Ausgezeichnet und sehr empfindlich. Kann Warnrufe (schrille Pfiffe) über weite Distanzen wahrnehmen und kommunizieren
Geruchsinn: Sehr gut ausgeprägt, um Gefahren und Artgenossen zu identifizieren
Sonstiges: Nutzt Duftdrüsen an den Wangen, um sein Revier zu markieren und Artgenossen zu identifizieren, Jacobsonsches Organ
Lebenserwartung: Ca. 12 Jahre
Lebensraum: Alpine Matten bis an den Fuß von Gletschern die tiefgründigen Boden bieten, der es dem Murmeltier ermöglicht, seine ausgedehnten Baue anzulegen. Es bevorzugt südlich exponierte Hanglagen, da diese im Frühjahr am ehesten schneefrei sind. An solchen Hängen setzt die Vegetationsperiode zudem früher ein und dauert länger an.Bis in eine Höhenlagen von 800m – 3.000m anzutreffen
Lebensweise: Im Familienverband, der aus einem Paar und den Nachkommen verschiedener Jahrgänge, der bis zu 20 Individuen umfasst, Tagakti, innerhalb des Familienverbandes verbringen die Tiere viel Zeit mit gegenseitiger Fellpflege sowie spielerischen Balgereien., Männchen laufen regelmäßig ihre Reviergrenzen ab. Typisch ist das regelmäßige Auf- und Abschlagen mit dem Schwanz. Unterliegen dem Risiko, in Hitzestress zu geraten. An heißen Sommertagen halten sie sich während der wärmsten Stunden überwiegend in ihren kühlen Bauen auf. Gemeinsamer Winterschlaf von Oktober bis März. Dieser wird in einem 3 – 4 wöchigemn Turnus zum Absetzen von Kot und Harn unterbrochen
Fortbewegung: Gemächlichen, watschelnden Gang
Nahrung: Wurzeln, Blätter, Blüten, Kräuter, Gräsern, junge Triebe, Alpenklee, Tragant, Labkraut, Alpen-Mutterwurz, Alpen- und Berg-Wegerich
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist unter der Erde in speziell angelegten, tiefen Wohnbauten geboren
Paarungszeit: April – Mai
Tragzeit: 33 – 34 Tage
Wurfzeit: Mai- Juni
Wurfgröße: 2 – 6 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 mal pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 2 – 3 Jahre
Geschlechtsreife: Ca. 2 – 3 Jahr
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Steinadler, Rotfuchs, Baummarder, Kolkrabe (schlagen Jungtiere)
Abwehrverhalten: Bei Gefahr stößt es schrille Pfiffe aus, die über 1km weit zu hören sind und die Kolonie warnt
Mögliche Krankheiten: Bandwürmer
Schutzstatus:
– …
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja
Funktion im Ökosystem: Murmeltiere ernähren sich von Gräsern und Kräutern, wodurch sie die Vegetationszusammensetzung in ihrem Lebensraum beeinflussen. Durch ihre intensive Grabtätigkeit belüften sie den Boden und fördern die Bodenbildung. Sie werfen nährstoffreiche Erde an die Oberfläche, was die Ansiedlung einer vielfältigen Pflanzenwelt in den kargen Hochlagen begünstigt. Die ausgedehnten Tunnelsysteme der Murmeltiere bieten nicht nur Schutz für die Tiere selbst, sondern dienen auch anderen Arten als Unterschlupf. Als wichtige Nahrungsquelle stehen Murmeltiere auf dem Speiseplan seiner Fressfeinde, insbesondere die Jungtiere. Da sie sehr empfindlich auf Hitze reagieren, sind sie ein wichtiger Indikator für die Auswirkungen des Klimawandels
Murmeltiere brauchen Hilfe, wenn …
– sie offensichtlich verletzt sind (Raubtierangriff, Sturz, Verkehrsunfall, …)
– ein Jungtier, das allein pfeift, keine Mutter in der Nähe hat und sichtbar geschwächt ist
– ein Jungtier von einem Haustier (Katze/Hund) angeschleppt wurde und der Fundort unbekannt ist
Wie helfe ich richtig?
– Prüfen, ob es verletzt (blutet, humpelt) oder apathisch ist
– Umgehend einen Wildtierarzt, eine örtliche Wildtierauffangstation oder die Polizei kontaktieren, bevor man das Tier berührt
– Handschuhe tragen, um sich vor Bissen oder Parasiten zu schützen
– Falls nötig, das Tier vorsichtig mit einem Tuch oder einer Decke greifen und in einen Karton mit Luftlöchern setzen, der mit Zeitungspapier ausgelegt ist
– Den Behälter an einem dunklen, ruhigen und warmen Ort aufbewahren, weg von Haustieren und Kindern
– Geben Sie dem Murmeltier weder Nahrung noch Wasser, ohne vorherige Absprache mit einem Experte
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Murmeltiere nur aus der Ferne beobachten. Ein schriller Pfiff ist ein Warnsignal – Sie befinden sich zu nah am Bau!
– NICHT füttern!!!
– Hunde sollten in Murmeltiergebieten an der Leine geführt werden, um die Tiere nicht zu hetzen oder deren Baue zu zerstören
– Auf den markierten Wegen bleiben, um die sensiblen Lebensräume im Hochgebirge zu schonen
Was kann ich tun um das Murmeltier zu unterstützen?
– Erhalt der alpinen Kulturlandschaft, in der sie ihre Baue graben können
Buchtipps:
– …
Mythologie: Alpenmurmeltiere spielen eine wichtige Rolle in den ladinischen Sagen vom Reich der Fanes. Moltina, die Begründerin dieses Reiches, schloss ein Bündnis mit den Murmeltieren und konnte sich sogar in ein solches Tier verwandeln. Sie würden ihre Nachkommen beschützen und für das Wohlergehen des Reiches sorgen. Im Gegenzug war die Jagd auf diese Tiere tabu. Damit hatten die Murmeltiere den Charakter eines Totemtieres. Die große Wertschätzung der Tiere wird mit ihrer Fähigkeit begründet, auch in unwirtlichen Gegenden überleben zu können. Noch um das Jahr 1900 wurden die Murmeltiere in Untermoi, einer ladinischen Siedlung oberhalb des Gadertales, nicht bejagt, was von einer Informantin des Volkskundlers Karl Felix Wolff mit Erzählungen aus der Fanessage in Verbindung gebracht wurde
