Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Zwergfledermaus
Beschreibung: Fellfärbung ist rotbraun bis dunkelbraun, die Unterseite gelbbraun bis graubraun
Körpergröße: 3,3cm – 5,1cm
Flügelspannweite: 18cm – 24cm
Unterarmlänge: 2,6cm – 3,5cm
Gewicht: 3g – 9g (wenig mehr als ein Stück Würfelzucker)
Herzfrequenz: 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 41°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Obwohl sie nachtaktiv ist, verfügt sie über Augen und kann sich bei Restlicht orientieren
Gehör: Zwergfledermäuse senden kurze, hochfrequente Rufe aus (hauptsächlich 41kHz – 52 kHz, Ruflänge 3 – ms), die für Menschen unhörbar sind. Anhand des Echos erkennen sie Hindernisse und Beute auf 10m – 50m Distanz. Kurze, breite Ohren
Geruchsinn: Wird genutzt, um sich zu orientieren und Jungtiere in der Gruppe zu erkennen
Sonstiges: Über Tasthaare und sensible Flügelmembranen nehmen sie Luftströmungen wahr. Es gibt Hinweise auf einen Magnetsinn zur Orientierung über größere Distanzen
Lebenserwartung: 17 Jahre
Lebensraum: Vorwiegend strukturreiche Lebensräume wie Siedlungen, Parks, Waldränder und Gewässer. Ihre Quartiere bezieht sie meistens in menschlichen Gebäuden, weshalb sie eng mit dem städtischen Naturleben verwoben ist
Lebensweise: Zwergfledermäuse sind ausgeprägte Kulturfolger. Sommerquartiere befinden sich meist an Gebäuden in Spalten der Hausfassade, in Zwischendächern, in Felsspalten und hinter Baumrinde. Weibchen ziehen ihre Jungen in Wochenstubenquartieren auf, die sie ab etwa Mai beziehen. Wochenstuben umfassen meist 50 bis 100 Tiere, die Aufzucht der Jungen dauert ca. 4 Wochen, danach lösen sich die Wochenstubenquartiere auf. Männchen schlafen in Einzelquartieren. Winterquartiere befinden sich in Spalten in der Hausfassade, Felsspalten, Höhlen, Tunneln und unterirdischen Kellern.. Vor der Überwinterung entstehen Paarungsquartiere, bei denen die Männchen durch vor ihrem Balzquartier vorgetragene Singflüge Weibchen in ihren Harem zu locken versuchen
Fortbewegung: Sehr wendig, kurvenreich und schnell, patrouilliert oft an Ränder von Wäldern oder Gewässern. Fliegt früh am Abend aus, manchmal sogar noch vor Sonnenuntergang. Kann an rauen Oberflächen (Bäume, Fassaden) klettern und krabbeln, um in ihre engen Spaltenverstecke zu gelangen.. Ist ein wendige Flieger, die kleinste Räume, wie zwischen Bäumen, nutzt
Jagd: Jagt bevorzugt entlang von Vegetationsstrukturen. Bevorzugte Jagdhabitate werden über einen längeren Zeitraum abgeflogen und bejagt. Jagen, anders als andere, lichtscheue Fledermausarten, auch im Siedlungsbereich um Straßenbeleuchtung. Die Jagdgebiete liegen meist in geringer Entfernung zu den Wochenstubenquartieren, Winterquartiere können in bis zu ca. 50 km Entfernung von den Sommerlebensräumen liegen. Meist liegt die Entfernung zwischen Sommer- und Winterquartier jedoch bei unter 20km. Pro Stunde fangen sie bis zu 500 Insekten im Flug, oft im Umkreis von 1km – 2km um ihr Quartier
Nahrung: Zweiflügler (Zuckmücken), Stechmücken, kleine Fliegen
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind Quartiere, in denen sich die Weibchen zusammenfinden, oft in sehr engen Spalten an Gebäuden, hinter Fassadenverkleidungen, unter Dachziegeln oder in speziellen Fledermauskästen. Wochenstuben bestehen aus engen Spalten, in denen sich zwischen 20 und 250 Weibchen zur Jungenaufzucht versammen
Paarungszeit: August – September, dann 5 – 8 Monate Keimruhe
Tragzeit: 50 – 44 Tage
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 1 – 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 4 Wochen
Selbstständig: Ca. 4 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….
Natürliche Feinde: Hauskatzen, Steinmarder, Eulen, Greifvögel, Kohlmeisen
Abwehrverhalten: Flucht durch Flugmanöver, verstecken, bei Bedrohung können Zwergfledermäuse gut hörbare soziale Laute (oft ein hohes „Zetern“ oder Zirpen) ausstoßen, um Feinde zu irritieren oder Artgenossen zu warnen
Krankheiten: Tollwut (Europäische Fledermaus-Lyssaviren – EBLV), Weißnasenkrankheit
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie
Es ist verboten, Zwergfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Zwergfledermäuse sind extrem gefräßige Insektenfresser. Eine einzige Zwergfledermaus kann pro Nacht schätzungsweise 500 bis über 2.000 kleine Insekten wie Mücken, Fliegen und Nachtfalter vertilgen. Durch ihre nächtliche Jagd, oft in Siedlungsnähe, an Waldrändern oder Gewässern, reduzieren sie die Anzahl von Insekten erheblich. Dies vermindert den Bedarf an Pestiziden in Land- und Forstwirtschaft. Als nachtaktive Jäger übernehmen sie die Rolle von insektenfressenden Vögeln, die nachts ruhen, und vermeiden so Nahrungskonkurrenz. Sie sind sehr anpassungsfähig und nutzen sowohl ländliche als auch städtische Räume (z. B. Spalten in Gebäuden als Quartiere). Ihr Kot (Guano) ist ein wertvoller natürlicher Dünger
Zwergfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– man ein Tier am Boden, im Gras oder an einer Hauswand krabbelnd findet, ist sie oft geschwächt oder verletzt
– sie offensichtliche Verletzungen (z. B. durch Katzenangriffe oder Kollisionen) hat
– verwaiste Jungtiere, die nackt oder nur flauschig behaart sind, schreien
– sie sich im Haus oder in Kellern verflogen hat und nicht mehr allein herausfindt
– sie nach extremem Wetter (anhaltender Regen, Kälte) entkräftet ist
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton (Zwergfledermäuse sind extrem klein und flink) stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (nur lauwarm, nicht heiß!) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Fliegengitter anbringen, besonders im Spätsommer
– Zwergfledermäuse sind Spaltenbewohner und nutzen oft Fassadenverkleidungen, Rollladenkästen oder Dachspalten. Fledermäuse richten keine Schäden an der Bausubstanz an, sie nagen nicht
– Fledermauskot ist trocken, krümelig und ein guter Dünger. Ein Brett unter der Einflugöffnung kann den Kot auffangen
– Licht vermeiden, keine starken Strahler direkt auf die Einflugöffnungen richten, da dies die Tiere stört
– Wenn Dachsanierungen anstehen, unbedingt vorher Experten hinzuziehen
– Ersatzquartiere (Fledermauskästen) können als Alternative am Haus angebracht werden
Was kann ich tun um die Zwergfledermaus zu unterstützen?
– Quartiere schaffen, Fledermausbretter oder Flachkästen an sonnigen, regengeschützten Giebelwänden anbringen
– Heimische Sträucher und Stauden pflanzen, die nachtaktive Insekten anlocken (z.B. Nachtkerze, Leimkraut)
– Lichtverschmutzung vermeiden, warmweiße LED-Lampen mit geringem Blauanteil und Bewegungsmelder verwenden, um die Umgebung nicht unnötig zu beleuchten
– Flache Schale mit Wasser (und Ausstiegshilfe) im Garten aufstellen, besonders in trockenen Sommern
Buchtipps: …
Mythologie: …
