Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Rauhautfledermaus
Beschreibung: Oberseite dunkelbraun, rot, bis kastanienbraun. Unterseite hell- bis gelbbraun. Ohren kurz und breit. Ohrdeckel leicht nach innen geboren und abgerundet. Lange Flügel. Etwas größer als die Zwergfledermaus
Körpergröße: 4,4cm – 5,8cm
Flügelspannweite: 22cm – 25cm
Unterarmlänge: 3,1cm – 3,7cm
Gewicht: 5g – 16g
Herzfrequenz: 300 – 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 42°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: Sie nutzt frequenzmodulierte Rufe , um Insekten in bis zu mehreren Metern Entfernung präzise zu orten
Frequenz/Rufe: 35kHz – 42kHz „papapa-papa-papa-papap“, Ruflänge 5ms – 12ms
Geruchsinn: …
Sonstiges: ….
Lebenserwartung: Ca. 11 Jahre
Lebensraum: Tiefland, Feuchtgebiete, Ufer, naturnahe reich strukturierte Waldhabitate, Laubmischwälder, feuchte Niederungswälder, Auwälder, Nadelwälder und Parklandschaften
Sommerquartiere – Rindenspalten, Baumhöhlen, flache Fledermauskästen, Spaltenverstecke an Jagdkanzeln, Holzverkleidungen von Scheunen, Häusern und Kirchen
Winterquartiere – Baumhöhlen, Holzstapel, Spalten an Hausfassaden, Felswänden, Felsspalten und Mauerrissen
Lebensweise: …
Fortbewegung: …
Jagd: Fliegt zu Beginn der Abenddämmerung aus. Gejagt wird im schnellen, geradlinigem Flug auf festen Flugbahnen, häufig entlang von linearen Strukturenan Gewässern. . Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 5km vom Quartier entfernt
Nahrung: Blattläuse, Köcherfliegen, Netzflügler, Zweiflügler (Kriebelmücken, Stechmücken, Zuckmücken)
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind meist Kolonien von 20 bis über 200 Weibchen. Sie liegen überwiegend in Baumhöhlen, hinter abstehender Rinde oder in Fledermauskästen. Die Quartiere werden im Mai bezogen und lösen sich Ende Juli auf, da die Art zu den weitziehenden Fledermäusen gehört
Paarungszeit: Juli – September, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männchen besetzen Paarunsreviere und locken Weibchen mit artspezifischen, zweisilbigen Balzrufen (Schwirrlauten), die oft an den Einfluglöchern der Quartiere vorgetragen werden an
Tragzeit: 40 – 70 Tage
Wurfzeit: Mitte Juni
Wurfgröße: 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 4 Wochen
Selbstständig: Ca. 4 Wochen
Geschlechtsreife: 1 Jahr
Jungensterblichkeit: ….
Natürliche Feinde: Greifvögel, Eulen, Katzen, Marder
Abwehrverhalten: Flucht durch Flugmanöver, verstecken.
Krankheiten: Coronaviren, Fledermaus-Tollwut (Lyssaviren, vor allem EBLV-1 und EBLV-2), Herpesviren, Lyssaviren
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Rauhautfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Eine einzige Rauhautfledermaus frisst pro Nacht große Mengen an Insekten. Ihre Hauptbeute besteht aus kleinen bis mittelgroßen Fluginsekten wie Zuck- und Stechmücken, Köcherfliegen, Nachtfaltern sowie Käfern. Durch die gezielte Jagd an Gewässerufern und Waldrändern verhindert sie die Massenvermehrung bestimmter Insektenarten und trägt zur Stabilität der Nahrungsnetze bei. Als sogenannte Fernwanderin legt die Art saisonal bis zu 1.900 km zwischen ihren nordosteuropäischen Sommerquartieren und ihren südwestlichen Winterregionen zurück. Dadurch transportiert sie Nährstoffe über weite Distanzen. Als waldgebundene Art benötigt sie alte Baumstrukturen, Totholz und naturnahe Gewässer. Ihr Vorkommen oder Ausbleiben zeigt daher oft den ökologischen Zustand von Wald- und Feuchtgebieten an
Rauhautfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber frei am Boden oder an einer Hauswand sitzt
– die Fledermaus blutet, offensichtliche Brüche aufweist oder in ein Katzenmaul geraten ist
– sie versehentlich beim Umschichten von Holzstapeln geweckt wird
– das Tier in einer Wohnung umherfliegt, in einen Kamin geraten ist oder an heißen Sommertagen stark dehydriert wirkt
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Im Winter oder zeitigen Frühjahr immer eine „Restbeige“ des Holzstapels unberührt liegen lassen, statt das Holz komplett aufzubrauchen. So können sich die Tiere zurückziehen
– Jeden einzelnen Holzscheit vor dem Verheizen kontrollieren, um keine schlafenden oder versteckten Fledermäuse ins Haus zu tragen
– Bei notwendigen Renovierungsarbeiten an Fassaden oder Dächern muss zuvor immer eine fachliche Begutachtung erfolgen
Was kann ich tun um die Rauhautfledermaus zu unterstützen?
– Sie benötigen alte Baumbestände (Spalten und Höhlen), Holzverkleidungen an Gebäuden und Nistkästen
– Bei Gebäudesanierungen sind zwingend Artenschutzprüfungen vorzunehmen, um Quartiere nicht zu zerstören
– Als Nahrungsinsektenfresser ist die Rauhautfledermaus auf ein ausreichendes Nahrungsangebot angewiesen. Der Verzicht auf chemische Pestizide und der Erhalt von strukturreichen Waldrändern und Gewässern sind essenziell
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Kurt Richarz
Mythologie: …
