Einheimische – Art
Klasse: Reptilien
Ordnung: Schuppenkriechtiere
Familie: Echte Eidechsen
Art: Waldeidechse
Geschichte: Die Waldeidechse – auch Bergeidechse genannt – blickt auf eine faszinierende Evolutionsgeschichte zurück, die sie zum am weitesten verbreiteten Landreptil der Erde gemacht hat. Die Waldeidechse gehört zur Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae). Die Erforschung fossiler Funde zeigt, dass sich die modernen Halsbandeidechsen vor etwa 10 Millionen Jahren rasant auszubreiten begannen. Lange wurde sie in der Großgattung Lacerta (zusammen mit der Zauneidechse) geführt. Wegen genetischer und anatomischer Besonderheiten bildet sie heute jedoch die eigene, monotypische Gattung Zootoca. Ursprünglich war die Waldeidechse, wie fast alle Reptilien, eierlegend (ovipar). Vor schätzungsweise 4,5 Millionen Jahren begann sich in einigen Populationen die Lebendgeburt (Viviparie) zu entwickeln. Die Eihaut wurde im Mutterleib extrem dünn, und die Jungen schlüpfen direkt bei oder kurz nach der Geburt. Das Besondere ist, dass die Art diese Entwicklung nie ganz abgeschlossen hat. Es gibt bis heute ein evolutionäres Nebeneinander; Während die weit verbreiteten nördlichen Linien lebendgebärend sind, haben sich in isolierten Gebieten im Süden (z. B. in den Pyrenäen sowie in Teilen Italiens, Österreichs und Sloweniens) eierlegende Reliktpopulationen erhalten. Die historische Ausbreitung der Waldeidechse ist eng mit den pleistozänen Eiszeiten verknüpft. Während des letzten Glazialen Maximums (vor ca. 20.000 Jahren) zogen sich die Populationen in südliche und östliche Überlebensräume (Refugien) zurück. Als das Eis schmolz, ermöglichte die entwickelte Lebendgeburt eine extrem schnelle Rückeroberung des Nordens. Da die Eier nicht im kalten Boden abgelegt werden mussten, sondern im Bauch der Mutter durch Sonnenbäder aktiv gewärmt wurden, stieß die Waldeidechse weiter nach Norden vor als jedes andere Reptil – sogar bis nördlich des Polarkreises. Sie besiedelte so ein riesiges Gebiet von Irland und Nordspanien quer durch ganz Sibirien bis nach Sachalin in Ostasien. Wissenschaftlich dokumentiert wurde die Lebendgeburt der Art erstmals 1778 durch den österreichischen Naturforscher Joseph Franz von Jacquin. Der heutige wissenschaftliche Name Zootoca vivipara leitet sich aus dem Griechischen und Lateinischen ab und bedeutet übersetzt schlicht „lebendgebärendes Lebendgeburt-Tier“ – ein Name, der ihrem größten evolutionären Vorteil Tribut zollt
Mythologie: Wie alle Eidechsen ist auch die Waldeidechse eng mit der Sonne verbunden. Im frühchristlichen Naturkundebuch Physiologus wird erzählt, dass die Eidechse im Alter erblindet. Sie kriecht dann in eine nach Osten gerichtete Mauerspalte, um beim Aufgang der Sonne ihr Sehvermögen zurückzuerhalten. Sie gilt deshalb im Christentum als Sinnbild für die Sehnsucht nach dem (göttlichen) Licht und der geistigen Erleuchtung.
Durch ihre Kältestarre im Winter, aus der sie im Frühjahr wie neugeboren erwacht, symbolisiert sie den Sieg über den Tod.
Eine Besonderheit, die symbolisch perfekt zur lebendgebärenden Waldeidechse passt, findet sich in vorkolumbianischen (Südamerika/Mexiko) sowie afrikanischen Kulturen. Die Eidechse gilt dort als Sinnbild für die weibliche Gebärstellung und Fruchtbarkeit.
In altägyptischen und antiken Mischwesen (oft als geflügelte Echsen oder Schlangen dargestellt) verkörpert sie die kosmische Ganzheit und ist direkt mit schöpfenden, weiblichen Ur-Gottheiten verknüpft.
In indigenen nordamerikanischen Traditionen besitzt die Eidechse einen festen Platz als Krafttier; Hüterin der Träume. Sie gilt als Begleiterin auf schamanischen Seelenreisen und wacht über die „Traumzeit“. Sie hilft dabei, Botschaften aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche zu holen.
Da die Waldeidechse im Gegensatz zu südländischen Arten dichte Wälder, Moore und das schattige Unterholz bevorzugt, verkörpert sie in der modernen Spiritualität die Fähigkeit, sich in den „dunklen, feuchten Tälern“ der eigenen Psyche zurechtzufinden, ohne die Orientierung zu verlieren.
Das wohl bekannteste mythologische Merkmal ist die Autotomie – die Fähigkeit, bei Gefahr den Schwanz abzuwerfen, der danach wieder nachwächst. In fast allen Kulturen steht die Eidechse deshalb für radikale Erneuerung und Verjüngung. Die Fähigkeit, Opfer zu bringen (etwas Altes loszulassen), um das eigene Leben zu retten und gestärkt daraus hervorzugehen
Buchtipps:
– …
Beschreibung: Die Oberseite ist meist grau- bis dunkelbraun, seltener rötlich oder olivgrün. Ein feiner, dunkler Rückenstreifen („Aalstrich“) zieht sich über die Mitte. Die Unterseite ist hell, gelblich oder orangefarben; Männchen sind am Bauch oft kräftiger orange oder gelb gefärbt als Weibchen. Manchmal kommen auch komplett schwarze Exemplare (Schwärzlinge) vor. Ihr Kopf ist klein, flach und kaum vom Hals abgesetzt. Die Beine sind relativ kurz
Gesamtlänge: 15cm – 18cm
Gesamthöhe: Ca. …cm
Gewicht: 3g- 5g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 80 Schläge pro Minute, in der Winterstarre; 3 – 5 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 34°C – 39°C, in der Winterstarre; 3°C – -3,5°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Waldeidechsen besitzen ein ausgezeichnetes Sehvermögen. Da sie tagaktiv sind, sehen sie hervorragend Farben und können Formen messerscharf voneinander unterscheiden. Ihr Auge reagiert blitzschnell auf Bewegungen – das ist entscheidend, um fliegende oder krabbelnde Insekten zu erbeuten und herannahende Fressfeinde (wie Vögel) frühzeitig zu erkennen
Gehör: Auf beiden Seiten des Kopfes liegt ein deutlich sichtbares, dünnes Trommelfell direkt unter der Hautoberfläche. Waldeidechsen hören im mittleren bis tieferen Frequenzbereich recht gut. Viel wichtiger als das Hören von Luftschall ist für sie jedoch das Wahrnehmen von Erschütterungen
Geruchsinn: Dies ist der wichtigste Sinn für die Waldeidechse. Durch das typische „Züngeln“ nimmt sie winzige Duftpartikel aus der Luft und vom Boden auf. Die Zunge transportiert diese Teilchen an das Jacobson-Organ (einem speziellen Riechorgan im Gaumendach). Damit nimmt sie Beutetiere, Feinde und auch Artgenossen (insbesondere bei der Partnersuche) extrem sensibel wahr
Geschmacksinn: Die Waldeidechse besitzt, wie die meisten Reptilien, keinen klassischen Geschmackssinn über Geschmacksknospen auf der Zunge
Sonstiges: Auf der Oberseite des Kopfes besitzen Waldeidechsen (wie viele Eidechsen) ein sogenanntes Parietalauge. Es kann keine Bilder sehen, registriert aber hell und dunkel (Helligkeitsunterschiede). Es dient vor allem als Kompass zur Sonnenorientierung sowie zur Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus und signalisiert, wann es Zeit zum Sonnenbaden ist. Über ihren Bauch und die Beine nehmen Eidechsen feinste Bodenerschütterungen (Trittschall) wahr. Nähert sich ein Mensch oder ein Raubtier, spüren sie das oft schon lange, bevor sie den Feind sehen, was ihre recht hohe Fluchtdistanz erklärt
Lautäußerung: Sie gehört wie fast alle echten Eidechsen zu den stummen Reptilien. Sie besitzen keine Stimmbänder, um zu singen, zu zirpen oder Rufe von sich zu geben
Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre
Lebensraum: Bevorzugt in feuchten und strukturreichen Lebensräumen wie Moore, Heiden, Waldränder und Lichtungen
Nest: Die Waldeidechse baut kein klassisches Nest, da sie im Gegensatz zu den meisten anderen Reptilien lebendgebärend (ovovivipar) ist
Lebensweise: Einzelgänger, tagaktiv, sie wärmt sich morgens an sonnigen Plätzen (wie Baumstümpfen oder Holzhaufen) auf, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Waldeidechsen bleiben meist in ihrem gewohnten Revier, wobei vereinzelte „Pioniere“ neue Lebensräume erschließen. Im Vergleich zu anderen Eidechsen mag sie es etwas feuchter und kühler
Fortbewegung: Die Beine sind seitlich am Körper angestellt. Beim Laufen biegt die Eidechse ihren Körper abwechselnd nach rechts und links (Schlängelbewegung), um die Schrittlänge zu vergrößern. Bei Gefahr oder beim Jagen kann sie sehr schnelle, ruckartige Sprints hinlegen. Meist flüchtet sie über kurze Distanzen direkt ins schützende Unterholz oder in Steinhaufen. Waldeidechsen sind geschickte Kletterer. Sie nutzen ihre krallentragenden Zehen, um auf Baumstämme, tief hängende Äste, Felsen oder Holzkästen zu gelangen, besonders um sich dort zu sonnen. Als eine der wenigen heimischen Eidechsenarten kann die Waldeidechse sehr gut schwimmen
Nahrung: Ameisen, Fliegen, Heuschrecken, Hundert- und Tausendfüßer, Grillen (wie Waldgrillen), Käfer, Pflanzenläuse, Raupen, Regenwürmer, Spinnen (Weberknechte, Wolfsspinnen), Zikaden
Sonstiges: …
Kot: Das Ausscheidungsprodukt besteht aus zwei Teilen. Der Hauptteil ist dunkelbraun bis schwarz (verdaute Insektenreste). Am Ende befindet sich ein weißer bis cremefarbener Punkt oder Auswuchs. Da Reptilien über die Kloake sowohl Kot als auch Urin gleichzeitig ausscheiden, handelt es sich bei dem weißen Teil um Harnsäure-Kristalle (Urat). Eidechsen scheiden Urin nicht flüssig, sondern in dieser konzentrierten, festen Form aus, um Wasser zu sparen. Die Waldeidechse ist mit maximal 15cm – 18cm Gesamtlänge recht klein. Entsprechend winzig ist ihr Kot – meist nur wenige Millimeter (ca. 3mm – 8mm) lang und sehr dünn. Bei genauerem Hinsehen lassen sich im dunklen Teil oft winzige, unverdauliche Panzerreste von Insekten oder Spinnentieren (Chitinsegmente) erkennen. Da Waldeidechsen wechselwarme Tiere sind, nutzen sie erhöhte, sonnige Plätze wie Totholz, Baumstümpfe, Steinmauern oder flache Steine, um Körperwärme zu tanken. Da sie dort viel Zeit verbringen, setzen sie dort auch häufig ihren Kot ab. Der Kot ähnelt optisch stark dem von Geckos oder Vögeln, ist jedoch aufgrund der geringen Größe der Waldeidechse deutlich kleiner als Vogelkot
Fortpflanzung: Nach dem Schlupf Nestflüchter, kommen meist an gut geschützten, sonnenexponierten Plätzen wie Mooren, Heiden, Waldrändern, Lichtungen oder auf Totholzstrukturen zur Welt
Paarungszeit: April – Mai
Balzverhalten: Zur Paarungszeit im Frühjahr färbt sich die Bauchseite der Männchen kräftig gelb bis leuchtend orange und zeigt oft dunkle Flecken. Außerhalb dieser Phase ist sie, wie bei den Weibchen, eher blass. Das Männchen zeigt kein typisches Werbeverhalten. Es sucht aktiv nach paarungsbereiten Weibchen, die kurz nach den Männchen aus der Winterruhe erwachen und sich frisch gehäutet haben
Brutdauer: Ca. 8 Wochen tragen die Weibchen die Eier in sich, dann schlüpfen die Jungtiere direkt bei oder kurz nach der Geburt aus der dünnen Eihülle
Schlupfzeit: August – September
Gelegegröße: 2 – 12 Eier
Anzahl der Gelege: 1 pro Jahr
Brutpflege: Eine klassische Brutpflege nach der Geburt gibt es bei der Waldeidechse nicht, jedoch betreibt das Weibchen eine hochgradig effektive „Brutpflege vor der Geburt“ durch. Das Weibchen behält die Eier im eigenen Körper, bis die Jungtiere voll entwickelt sind. Um die Entwicklung der Embryonen zu beschleunigen, wandert das trächtige Weibchen gezielt mit den Sonnenstrahlen mit. Sie nutzt ihren eigenen Körper als Wärmequelle für den Nachwuchs. Die Embryonen ernähren sich autark vom Dottersack im Ei, nicht über den Organismus der Mutter
Selbstständig: Direkt nach dem Schlüpfen sind die kleinen Eidechsen vollkommen auf sich allein gestellt. Das Muttertier bewacht oder füttert die Jungen nicht
Geschlechtsreife: 2 – 3 Jahre
Jungensterblichkeit: Extrem hoch 90 % erreichen das Erwachsenenalter nicht
Sonstiges: …
Natürliche Feinde: Greifvögel, Katzen, Marder, Schlangen (Schlingnattern, Kreuzottern), Singvögel (Amseln, Drosseln), Wildschweine
Abwehrverhalten: Ihre braun-graue Färbung mit dunklen Flecken und Streifen tarnt sie ideal auf Waldböden, Totholz, Moosen und Steinen. Oft werden sie erst bemerkt, wenn sie sich bewegen. Bei einem Angriff kann die Waldeidechse an einer Sollbruchstelle einen Teil ihres Schwanzes abwerfen. Das abgetrennte Stück zuckt am Boden wild weiter und lenkt den Angreifer ab, während das Tier lautlos ins Gebüsch flieht. Der Schwanz wächst nach einigen Monaten verkürzt wieder nach. Waldeidechsen sind extrem flink. Bei der kleinsten Erschütterung oder einem Schatten flüchten sie sofort in Erdlöcher, Spalten, unter Baumrinde oder in dichtes Gestrüpp. Waldeidechsen legen keine Eier im Boden ab (wo sie leicht gefressen werden könnten), sondern tragen sie im Bauch aus. Die Jungen schlüpfen direkt bei der Geburt und sind sofort fluchtbereit
Krankheiten: Bakterielle Infektionen, Erkältungskrankheiten, Häutungsprobleme (Dyszyse), Hautpilze (Snake Fungal Disease), Milben, Rachitis (Metabolische Knochenkrankheit), Würmer, Zecken
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
– Bundesartenschutzverordnung: Besonders geschützt
Es ist verboten, Waldeidechsen zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Sie aus der Natur zu entnehmen oder ihre Entwicklungsformen (Eier) zu beschädigen. Ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Sie zu kaufen, zu verkaufen oder zu halten (außer es liegt ein legaler Zuchtnachweis vor). Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Als Jäger ernährt sich die Waldeidechse opportunistisch von einer Vielzahl von Wirbellosen. Sie reguliert die Bestände von Zikaden, Heuschrecken, Ameisen und Fliegen, Spinnen, Hundertfüßern, Schnecken und Würmern. Da Waldeidechsen in intakten Habitaten in hoher Dichte vorkommen können, üben sie einen spürbaren Kontrollcharakter auf Schadinsekten und Pflanzenfresser aus. Selbst extrem anpassungsfähig, bildet die Waldeidechse ein verlässliches Fundament im Speiseplan zahlreicher größerer Tierarten. Sie dient als Beute für:Reptilien; insbesondere der Schlingnatter, die hochgradig auf Eidechsen als Nahrung spezialisiert ist, Greifvögel (wie Turmfalken oder Mäusebussarde) sowie verschiedene Würger- und Krähenarten, Marder, Füchse, Dachse und Wildschweine, Jungtiere der Eidechsen werden zudem von großen Laufkäfern gefressen. Die Waldeidechse gilt als Bioindikator. Sie benötigt für ihre Thermoregulation und als Schutz vor Fressfeinden Mosaiklandschaften mit reichlich Totholz, Steinhaufen, Zwergsträuchern und lückiger Vegetation (sogenannte Ökotone oder Übergangszonen). Verschwindet die Waldeidechse aus einem Gebiet, ist dies ein direktes Warnsignal für den Verlust von Kleinstrukturen und die Monotonisierung der Landschaft. Durch ihren Fortpflanzungsmodus (sie bringt voll entwickelte Jungen in einer dünnen Eihülle zur Welt, anstatt Eier im Boden zu vergraben) ist sie unabhängig von warmen Eiablageplätzen. Sogenannte „Pionier-Individuen“ wandern regelmäßig ab und besiedeln als erste Reptilienart erfolgreich neue oder gestörte Lebensräume wie Kahlschläge, junge Heideflächen oder Renaturierungsgebiete
Waldeidechsen brauchen Hilfe, wenn …
– sie bluten, offene Wunden haben oder von einer Katze attackiert wurden (Katzenbisse führen durch Bakterien fast immer zu tödlichen Infektionen)
– sie mitten im Winter an ungeschützten Orten (wie im Keller, in der Garage oder in der Wohnung) gefunden wird, wo sie aus ihrer Winterruhe aufgewacht ist
– sie in ein tiefes Loch, einen Lichtschacht oder einen leeren Pool gefallen sind und selbstständig nicht mehr herausklettern können
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Das Fangen und Halten von Waldeidechsen ist gesetzlich verboten Bei Fund im Haus, von im Winter aufgewachte Eidechsen, das Tier nicht einfach draußen in den Frost bringen. Stattdessen Rat bei einer regionalen Wildtierauffangstation oder einem reptilienkundigen Tierarzt suchen
– Das unverletzte Tier direkt am Fundort an einem sicheren, geschützten Ort wieder ausstzen (z. B. an einem Sonnenplatz nahe einem Gebüsch oder Steinhaufen)
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Potenzielle Lebensräume weit vor Baubeginn (idealerweise im Frühjahr/Sommer durch Gutachter) prüfen lassen. Schwere Eingriffe in den Boden oder Rodungen nicht während der Winterstarre (Oktober bis März) durchführen, da die Tiere im Boden oder unter Holz starren und nicht fliehen können
– Durch das rechtzeitige Aufstellen von Reptilienschutzzäunen und das vorsichtige Entfernen von Strukturen (Totholz) außerhalb der Aktivitätszeiten wandern die Tiere ab, bevor Bagger anrücken. Ist ein Baufeld stark besiedelt, müssen die Eidechsen fachgerecht abgefangen und in ein vorbereitetes Ersatzhabitat umgesiedelt werden
– Häufig entstehen Konflikte unbeabsichtigt durch „zu viel Ordnung“ im Wald oder auf öffentlichen Flächen. Radikale Mahd zur falschen Zeit und das großflächige, gleichzeitige Mähen von Straßenböschungen und Wegrainen im Hochsommer kann viele Tiere töten. Besser ist eine abschnittsweise (Mosaik-Mahd) und behutsame Pflege
– Die Waldeidechse benötigt Sonnenplätze (Baumstümpfe, Holzstapel). Ein rigoroses Beräumen von Waldlichtungen („Aufräumwut“) zerstört ihre Existenzgrundlage
– Da die Waldeidechse auch Feuchtgebiete und Moore besiedelt, sollten Renaturierungen (wie das Fluten großer Flächen) schrittweise erfolgen, damit lokale Populationen nicht ertrinken
– Im Siedlungsbereich treffen Eidechsen oft auf den Menschen und Haustiere. Hauskatzen gehören zu den größten Gefahren im Garten. Eidechsenbiotope (wie Steinhaufen) daher idealerweise abseits der Hauptlaufwege von Katzen anbringen oder diese mit dichten Brombeer- oder Rosenzweigen als mechanischen Schutz vor Räubern ausstatten
– Wer Konflikte im Garten vermeiden will, toleriert die nützlichen Insektenfresser und bietet ihnen durch wilde Ecken Rückzugsorte
Was kann ich tun um die Waldeidechse zu unterstützen?
– Alte Äste, Baumstubben oder Holzstapel an sonnigen bis halbschattigen Plätzen aufschichten. Dies dient als idealer Sonnen- und Versteckplatz
– Kleine Lesestein- oder Totholzhaufen mit Hohlräumen aufbauen, in die sich die Tiere bei Gefahr oder zur Nachtruhe verkriechen können
– In heißen Trockenperioden eine flache Wasserschale oder eine flache Tränke aufstellen, damit die Tiere gefahrlos trinken können
– Wegraine, Hecken oder Randbereiche im Garten stehen lassen und nicht komplett oder zu oft abmähen
– Die Waldeidechse mag strukturreiche, lückige Vegetation. Moore, Feuchtgebiete und Waldlichtungen dürfen nicht trocken- oder freigelegt bzw. restlos „aufgeräumt“ werden. Liegenbleibendes Totholz im Wald hilft den Populationen
– Die Vernetzung verschiedener unberührter Biotope hilft den ortstreuen Tieren, neue Lebensräume zu besiedeln
