Einheimische – Art
Klasse: Reptilien
Ordnung: Schuppenkriechtiere
Familie: Echte Eidechsen
Art: Zauneidechse
Geschichte: Die Zauneidechse blickt auf eine Jahrmillionen alte Evolution zurück. Als ursprünglicher Steppenbewohner breitete sie sich über Jahrtausende hinweg in Eurasien aus und entwickelte sich im Laufe der menschlichen Geschichte zu einem klassischen Kulturfolger. Die evolutionären Wurzeln der Eidechsen reichen weit zurück. Generell lassen sich die Vorfahren moderner Eidechsen auf Reptilienfossilien zurückführen, die über 240 Millionen Jahre alt sind (Trias). Die Zauneidechse gehört zur Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) und innerhalb dieser zur Gattung der Smaragdeidechsen (Lacerta). Diese modernen Formen differenzierten sich vor allem im Tertiär (vor mehreren Millionen Jahren) im eurasisch-afrikanischen Raum aus. Nach der letzten Eiszeit breitete sich die Zauneidechse aus ihren Rückzugsgebieten (Refugien) im südeuropäischen und asiatischen Raum wieder nach Norden und Westen aus. Heute besitzt sie eines der größten Verbreitungsgebiete aller europäischen Reptilien, das von England bis tief nach Sibirien (Baikalsee) reicht. Vor dem Eingreifen des Menschen lebte die Zauneidechse vor allem in natürlichen Waldsteppen, auf Binnendünen oder in vom Hochwasser geprägten, offenen Flussauen. Im dichten, geschlossenen Urwald fand das wärmeliebende Reptil kaum Platz. Ab dem Neolithikum (Jungsteinzeit) und verstärkt im Mittelalter rodete der Mensch die Wälder. Es entstanden offene Weiden, Felder und Heideflächen. Die Zauneidechse folgte dem Menschen in diese neuen, sonnenexponierten Lebensräume (Anthropogene Ausbreitung). Mit dem Bau von Eisenbahntrassen ab dem 19. Jahrhundert fand die Art ideale künstliche Wanderkorridore. Die geschotterten, sonnigen Bahndämme boten perfekte Verstecke und Eiablageplätze, wodurch sie sogar höhere Mittelgebirge besiedeln konnte. Im Jahr 1758 ordnete der schwedische Naturforscher Carl von Linné das Tier unter dem Namen Lacerta agilis in die moderne Wissenschaft ein. Übersetzt bedeutet dies „flinke Eidechse“. Der Begriff „Zauneidechse“ beschreibt ihre Vorliebe für Übergangs- und Grenzbereiche (Säume). Früher war sie in der traditionellen Kulturlandschaft allgegenwärtig an Holzzäunen, Hecken, Wegrainen und Grundstücksgrenzen zu finden, wo sie sich sonnte
Mythologie: …
Buchtipps:
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Beschreibung: Weibchen sind unauffällig braun bis graubraun mit hellen Rückenstreifen und dunklen Flecken oder Augenflecken an den Flanken. Männchen tragen vor allem zur Paarungszeit im Frühling eine auffällige, leuchtend grüne Färbung an den Flanken und am Kopf. Sie ist eine mittelgroße, gedrungen gebaute Eidechse
Gesamtlänge: Ca. 24cm
Gesamthöhe: Ca. 2,5cm
Gewicht: 10g – 20g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 80 – 120 Schläge pro Minute, in der Winterstarre; 10 – 30 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 31°C – 32°C, in der Winterstarre; 1°C – 5°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Zauneidechsen können hervorragend und relativ scharf sehen. Das Auge ist ihr wichtigstes Sinnesorgan, um Beutetiere (Insekten, Spinnen) auf Distanz zu lokalisieren und Feinde frühzeitig zu erkennen
Gehör: Im Gegensatz zu Schlangen besitzen Eidechsen deutlich sichtbare Trommelfelle, die direkt hinter den Schläfen liegen. Sie können Luftschall gut wahrnehmen und hören beispielsweise das Rascheln eines Feindes im Gras sehr präzise
Geruchsinn: Zauneidechsen riechen primär nicht mit der Nase, sondern mit dem Mund. Sie nehmen mit ihrer gespaltenen Zunge chemische Duftpartikel aus der Luft und vom Boden auf („Züngeln“). Die Zungenspitzen werden anschließend in zwei Vertiefungen am Gaumen gedrückt – das sogenannte Jacobson-Organ (Vomeronasalorgan). Dieser Sinn ist extrem empfindlich und hilft bei der Nahrungssuche, der Partnererkennung sowie der Orientierung im Revier
Geschmacksinn: Sie besitzt keinen stark ausgeprägten klassischen Geschmackssinn, wie wir ihn von Säugetieren kennen.
Sonstiges: Auf der Oberseite des Schädels besitzen sie eine kleine, lichtdurchlässige Schuppe. Dieses Parietalauge kann zwar keine Bilder sehen, registriert aber Hell-Dunkel-Wechsel und Schatten von oben. Es dient als Frühwarnsystem vor herannahenden Greifvögeln und hilft bei der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus. Sie reagieren zudem hochempfindlich auf Erschütterungen des Bodens (Substratschall), die sie über ihren Körper wahrnehmen.Als wechselwarme (ektotherme) Tiere besitzen sie feine Temperatursensoren in der Haut. Diese signalisieren der Eidechse exakt, wann sie zur Aktivierung ihrer Körperfunktionen ein Sonnenbad nehmen muss und wann es zu heiß wird, sodass sie den Schatten aufsuchen sollte
Lautäußerung: Zauneidechsen geben selbst fast keine stimmlichen Laute von sich. Im Gegensatz zu Geckos oder manchen Fröschen besitzen sie keine echten Stimmbänder
Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre
Lebensraum: Strukturreiche, sonnige und offene bis halboffene Landschaften mit einem Wechsel aus wärmebegünstigten Freiflächen und Versteckmöglichkeiten
Nest: Zauneidechsen bauen keine klassischen Nester wie Vögel
Lebensweise: Einzelgänger, tagaktiv, sie ist von März bis Oktober aktiv. Die restlichen Monate verbringt sie in einer Winterstarre vergraben im Boden. Morgens wärmt sich das Tier auf sonnigen Steinen oder Sandflächen auf (Sonnenbad), um auf Betriebstemperatur zu kommen. Bei starker Hitze sucht es Schatten oder Schutz in dichterer Vegetation
Fortbewegung: Sie bewegt sich im Kreuzgang fort, bei dem gegenüberliegende Beine gleichzeitig nach vorne gesetzt werden und sich der Körper schlängelnd von oben betrachtet vorwärtsbewegt
Nahrung: Asseln, Fliegen, Heuschrecken, Insektenlarven, Käfer, Raupen, Regenwürmer, Schnecken, Spinnen
Sonstiges: …
Kot: Am Ende des dunklen Kotwürstchens klebt ein kleiner, weißer bis gelblicher Punkt (die Harnsäure). Der Kot ist meist klein, länglich und zylinderförmig (oft ähnlich wie Mäusekot oder der Kot von größeren Insekten). Bei ausgewachsenen Zauneidechsen ist er meist nur wenige Millimeter dick und etwa 0,5cm – 1,5cm lang. Der eigentliche Kotanteil ist dunkelbraun bis tiefschwarz, was an der fleischhaltigen Ernährung (Insekten, Spinnen, Würmer) liegt. Im frischen Zustand ist er fest; er trocknet in der Sonne schnell aus und wird dann oft brüchig. Wenn man ihn genauer untersucht (z. B. mit einer Lupe), kann man oft glänzende Reste von Insektenpanzern (Chitin) darin erkennen. Zauneidechsen sind wechselwarme Tiere und nutzen erhöhte, sonnige Plätze, um sich aufzuwärmen. Sehr häufig setzen sie ihren Kot genau dort ab
Fortpflanzung: Nach dem Schlupf Nestflüchter, Eier werden meist an warmen, sonnigen und sandigen oder lockeren Böden abgesetzt
Paarungszeit: Ende April – Juni
Balzverhalten: Die Männchen zeigen zur Balzzeit eine leuchtend grüne Kehle und Flanken, um Weibchen anzulocken. Diese Farbe entsteht nach der Frühlingshäutung. Männchen verfolgen die Weibchen aktiv. Dabei kommt es zu einem charakteristischen Beißen in den Schwanz des Weibchens. Nach dem Biss laufen beide Tiere oft nebeneinander her, bis das Weibchen paarungsbereit ist. Weibchen bevorzugen meist größere und kräftigere Männchen
Brutdauer: 3 – 4 Wochen tragen die Weibchen die Eier in sich, dann graben sie kleine Löcher in lockeren Sand- oder Erdboden und legen dort die Eier ab
Schlupfzeit: August – September
Gelegegröße: 5 – 14 Eier
Anzahl der Gelege: 1 – 2 pro Jahr
Brutpflege: Eine Brutpflege findet bei der Zauneidechse nicht statt. Die Weibchen überlassen den Nachwuchs nach der Eiablage komplett sich selbst
Selbstständig: Sie sind vom ersten Moment an vollständig entwickelt und komplett auf sich allein gestellt. Sie gehen sofort selbstständig auf die Jagd nach kleinen Insekten
Geschlechtsreife: 1,5 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: Extrem hoch, über 50 % erreichen das Erwachsenenalter nicht
Sonstiges: Da erwachsene Zauneidechsen keinerlei elterliche Instinkte besitzen, betreiben sie nicht nur keine Brutpflege, sondern gehören im Gegenteil sogar zu den Fressfeinden ihrer eigenen frisch geschlüpften Artgenossen
Natürliche Feinde: Amseln, Dachse, Fasane, Füchse, Greifvögel, Igel, Katzen, Marder, Rabenvögel, Schlangen, Stare, Wiesel,Wildschweine, Zauneidechsen
Abwehrverhalten: Die bräunlich-graue Zeichnung der Weibchen und Jungtiere löst ihre Umrisse optisch auf, sodass sie mit trockenem Gras, Laub oder Erde verschmelzen. Zauneidechsen sind sehr scheu und flink. Sobald sich ein Feind nähert, huschen sie blitzschnell in sichere Verstecke wie Steinhaufen, Totholz oder dichte Vegetation. In höchster Not bricht die Eidechse an einer genetisch vorgegebenen Sollbruchstelle im Wirbel einen Teil ihres Schwanzes ab. Nach dem Abwurf zuckt und windet sich der Schwanz aufgrund aktiver Nerven und Muskeln noch minutenlang weiter. Der Angreifer fixiert sich auf das zappelnde Teil, während die Eidechse lautlos entkommt. Der Schwanz regeneriert sich innerhalb weniger Monate, bleibt danach jedoch meist kürzer und hat statt einer echten Wirbelsäule nur einen Knorpelstab. Der Schwanzabwurf ist für das Tier ein energetischer Notnagel. Im Schwanz speichern Zauneidechsen wichtige Fettreserven. Verliert ein Tier seinen Schwanz kurz vor dem Herbst, sinken seine Chancen drastisch, den Winterschlaf unbeschadet zu überstehen
Krankheiten: Atemwegserkrankungen, Kokzidien, Milben, Mundfäule (Stomatitis), Pilzinfektionen (Mykosen), Salmonellen, Würmer (Nematoden), Zecken
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Zauneidechsen zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten (sowie die Habitate) zu beschädigen oder zu zerstören.. Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Die Zauneidechse nimmt als sogenanntes Bindeglied im Nahrungsnetz eine zentrale Rolle als Regulator und Beutetier in mitteleuropäischen Ökosystemen ein. Da sie wechselwarm ist, wandelt sie Energie hocheffizient um und transportiert diese durch verschiedene Ebenen des Ökosystems. Zauneidechsen sind flinke Jäger, die sich hauptsächlich von wirbellosen Kleintieren ernähren. Sie kontrollieren dadurch die Populationen vieler Gliedertiere und verhindern Massenvermehrungen. Für eine Vielzahl von größeren Raubtieren sind Zauneidechsen und deren Gelege eine energiereiche und unverzichtbare Nahrungsquelle. Die Zauneidechse gilt im Naturschutz als Schirm- und Zeigerart für intakte, strukturreiche Halboffenlandschaften. Wo die Zauneidechse erfolgreich lebt, finden sich meist auch eine hohe Insektenvielfalt (Nahrung)Ein Mosaik aus offenen Bodenstellen (zum Sonnen und zur Eiablage) sowie dichter Vegetation (als Deckung), Totholz, Lesesteinhaufen oder Trockenmauern (als Verstecke und Winterquartiere). Bricht eine Zauneidechsen-Population ein, ist das ein direktes Signal für die Verarmung und Monotonisierung der Landschaft (durch zu intensive Landwirtschaft oder Überbauung). Weil Eidechsen wechselwarm sind, verbrauchen sie keine Energie für die Erzeugung von eigener Körperwärme. Sie setzen die aufgenommene Nahrung extrem effizient in eigene Körperbiomasse um. Wenn sie von Vögeln oder Säugetieren gefressen werden, transportieren sie diese gespeicherte Energie aus der Insektenwelt hocheffizient weiter nach oben in der Nahrungskette. Zudem tragen sie durch ihre Grabaktivitäten (bei der Eiablage im Sand) in geringem Maße zur Bodenauflockerung bei
Zauneidechsen brauchen Hilfe, wenn …
– sie offene Wunden haben oder von einer Katze gebissen wurden
– sie sich auf einer Baustelle befindet (hierbei sind professionelle Umsiedlungen nötig, da die Art streng geschützt ist)
– sie im Haus oder Keller herumirren. Verirrte Tiere im Wohnraum sollten vorsichtig eingefangen und draußen in geschützter, sonniger Umgebung (nahe Verstecken) freigelassen werden
– junge Eidechsen („Spätlinge“), die im späten Herbst noch extrem abgemagert unterwegs sind und keine Fettreserven haben gefunden werden
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Tier in einen ausbruchsicheren, dunklen Karton mit Luftlöchern setzen
– Lokale Reptilienauffangstation, Wildtierauffangstation, reptilienkundigen Tierarzt kontaktieren
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Grundstück müssen weit vor Baubeginn (während der Aktivitätsphase der Tiere von April bis August) auf Eidechsenbestände überprüft werden.Frühzeitig ein Umwelt- oder Planungsbüro einbeziehen. Ein spezieller, überkletter- und unterklettersicherer Spezialzaun verhindert, dass Eidechsen während der Bauphase wieder in das Baufeld einwandern. Abfang und Umsiedlung (CEF-Maßnahmen) Befinden sich noch Tiere im Baufeld, müssen diese von Fachleuten abgefangen und in ein zuvor optimiertes Ersatzhabitat (Ausweichquartier) umgesiedelt werden. Hierfür ist eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde zwingend erforderlich.
– Lichtschächte, Kellertreppen oder ungesicherte Regentonnen absichern, da diese oft zu tödlichen Fallen werden
Was kann ich tun um die Zauneidechse zu unterstützen?
– Steinhaufen, Trockenmauern oder Totholzhaufen anlegen, damit sich die wechselwarmen Tiere aufwärmen können
– Offene, unbewachsene und sonnige Sandflächen anbieten, in die die Weibchen ihre Eier eingraben können
– Hecken, Asthaufen oder hohe Randvegetation als Schutz vor Feinden und zum Abkühlen
– Hohe Insektenvielfalt fördern durch heimische Wildblumenwiesen
– Verzicht auf Pestizide
– In Eidechsenbereichen auf Mähroboter verzichten
