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Wildkaninchen – Oryctolagus cuniculus

Neozoen – Art

Klasse: Höhere Säugetiere
Ordnung: Hasenartige
Familie: Hasen
Art: Wildkaninchen

Geschichte: Das Wildkaninchen ist die Stammform aller Hauskaninchen und stammt ursprünglich von der Iberischen Halbinsel. Nach der letzten Eiszeit breitete es sich dank seiner hohen Vermehrungsfähigkeit über Europa aus, wurde von den Römern als Proviant genutzt und im Mittelalter in Klöstern kultiviert

Beschreibung: Oberseite graubraun, im Nackenbereich braun bis rostrot. Unterseite weiß. Relativ kurze Ohren (Löffel) von 6cm – 8cm. Gedrungene, rundliche Statur. Kurze Hinterbeine. Schwanz (Blume) oben schwarz, unten weiß gefärbt, 4cm – 8cm lang. Schwarze Augen
Kopf-Rumpf-Länge: 20cm – 50cm
Schulterhöhe: 15cm – 20cm
Schwanz (Blume): 7cm
Gewicht: 1,0kg – 2,5kg
Herzfrequenz: 150 – 300 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38,5°C – 39,5°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: 360° – Sichtfeld, weitsichtig, rot-grün-Schwäche, erkennt Bewegungen (Bewegungsseher) sehr gut, große, schwarze Augen
Gehör: Trichterförmige Ohren (Löffel), hört bis in den Ultraschallbereich
Geruchsinn: Auf Hundeebene. Kann Gefahren über weite Entfernungen wittern
Geschmackssinn: Sehr ausgeprägt, zur Unterscheidung nahrhafter und giftiger Pflanzen
Sonstiges: Tasthaare an Nase, Wangen und über den Augen. Vielzahl von Drüsen, um Informationen zu individuellem Status und Revier zu vermitteln. Jakobsonsches Organ
Lautäußerungen: Fiepen/fiepsen (Jungtiere zum Rufen der Mutter oder bei Angst/Unbehagen), brummen/grunzen (zeigt Verärgerung oder Irritation an), fauchen (Warnsignal, um Abstand zu fordern, oft mit Angriffslust verbunden), zähneknirschen/reiben (leises knirschen signalisiert Wohlbefinden, lautes Zähneknirschen deutet auf Schmerzen hin)

Lebenserwartung: Ca. 2 – 9 Jahre
Lebensraum: Offene Landschaften mit niedriger Vegetation und Gebüschinseln, lockerer, sandiger Boden mit lockerem Pflanzbestand, feuchtes Grasland, halboffene Feldflur, Wiesen, Dünen, Waldränder, bewaldete Böschungen, Hecken, Eisenbahndämme, Parks, Gärten, Friedhöfe
Nest: Legt unterirdische Baue in sandigem, lockerem Boden an. Gänge können bis zu 3m tief und 45m lang sein
Lebensweise: Gesellig in Kolonien, tag-, dämmerungs- und nachtaktiv, es werden Familienbaue angelegt, innerhalb der Familie herrschen Hierarchien. Stellen sich zum besseren Hören und Sehen oft auf die Hinterbeine. Manchmal kann man sie beim Sonnenbaden am frühen Morgen auch tagsüber beobachten. Wildkaninchen bewegen sich ca. 500m um den Bau

Fortbewegung: Bis zu 40km/h schnell. Springt bis zu 1m hoch. Macht Luftsprünge (Kapriolen)
Nahrung: Blätter, Feldfrüchte, Getreide, Gräser, Klee, Knospen, Kräuter, Löwenzahn, Rinde, Rüben, Saaten, Salat, Wurzeln, Zweige
Sonstiges: Produziert Blinddarmkot der Aminosäuren, Vitamine und Proteine enthält, dieser wird nach ausscheiden wieder gefressen (Caecotrophie). Hat einen Stopfmagen. Dünndarm 3 – 3,5m lang. Können den Wasser- und Salzgehalt von Pflanzen unterscheiden
Kot: Typische, kleine, kugelige Kotpillen (sogenannte Köttel), die meist dunkelbraun, trocken und faserig sind

Fortpflanzung: Nesthocker, werden in eigenem, dafür gegrabenem Bau, der sogenannten Setzröhre geboren. Der Eingang wird mit Gras, Blättern und Erde getarnt
Rammelzeit: Februar – September
Tragzeit: 28 – 35 Tage
Wurfzeit: März – Oktober
Wurfgröße: 2 – 12 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 2 – 7 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 25 – 30 Tage
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: 6 – 8 Monate
Jungtiersterblichkeit: Sehr hoch, bis 90%

Natürliche Feinde: Eulen, Füchse, Greifvögel, Hermeline, Hunde, Iltise, Katzen, Krähen, Luchse, Marder, Raben, Wiesel,Wölfe
Abwehrverhalten: Klopft (trommelt) bei Gefahr mit den Hinterläufen weit hörbar auf die Erde und signalisiert damit seinen Artgenossen drohende Gefahr. Es ist sehr wendig und schlägt Haken. Flieht schnellstmöglich in den Bau. Bei Schmerz oder großer Angst kann es schrille langgezogene Schreie ausstoßen. Verteidigt sein Territorium
Krankheiten: Chinaseuche (RHD und RHD2), Kaninchenlaus, Myxomatose

Schutzstatus:
Keiner
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, ganzjährig, außer Häsin mit Jungtieren (Elterntierschutz)

Funktion im Ökosystem: Ihre weitverzweigten Erdbaue dienen nicht nur ihnen als Schutz, sondern werden auch von anderen Tieren wie Füchsen, Mardern oder verschiedenen Vogelarten als Unterschlupf oder Brutröhren genutzt. Wildkaninchen sind ein wesentlicher Bestandteil der Nahrungskette und eine Hauptbeute für ihre Fressfeinde. Durch ihre Grabtätigkeiten lockern sie den Boden auf und ihr Kot liefert Nährstoffe, was die Bodenfruchtbarkeit lokal erhöhen kann

Wildkaninchen brauchen Hilfe wenn, …
– sie verletzt sind
– sie von der Katze mitgebracht werden
– sie Durchfall haben
– Fliegeneier oder Maden im Fell zu sehen sind
– sie torkeln
– sie trübe Augen haben
– das Fell verklebt ist
– ein kleines Wildkaninchen außerhalb des Nestes gefunden werden

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Wildkaninchen vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in das Wildkaninchen eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Wildkaninchen dort abegeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Nicht füttern
– Das Aussetzen von Wildkaninchen ist verboten (Bundesjagdgesetz §28(2))

Was kann ich tun um Wildkaninchen zu unterstützen?
– …

Buchtipps:
– Wilde Flaschenkinder von Birte Heckel-Neubert

Mythologie: In der deutschen Fabel bezeichnet man das Kaninchen als „Äugler“. Den Ägyptern galt das Kaninchen als Fruchtbarkeitssymbol und wurde der Göttin Unut zugeordnet. In der Antike stand es als Symbol für das Leben. Sie wurden daher zahlreich der Göttin Aphrodite geopfert. In der christlichen Mythologie versinnbildlicht es die von Satan fliehende Seele. Auf der mittelalterlichen Jagd wurde es als Unglücksverheißer gesehen. Das Kaninchen wurde als dumm, faul und gleichgültig angesehen und demnach als Versinnbildlichung für eine der 7 Todsünden genannt. Andererseits wurden ihm auch die Eigenschaften von Unschuld und Sanftmütigkeit zugesprochen



Über den Experten: caroline.schoch

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