Einheimische – Art
Tier des Jahres 2025 – Deutsche Wildtier Stiftung
Klasse: Höhere Säugetiere
Ordnung: Hasenartige
Familie: Hasen
Art: Alpenschneehase
Geschichte: Vor zehntausend Jahren lebten Schneehasen im eiszeitlichen Flachland. Nach der Erwärmung überlebten nur die Populationen in den alpinen Höhenlagen. Die Unterart isolierte sich in den Alpen und passte sich dem extremen Klima an
Mythologie: Da der Alpenschneehase seine Fellfarbe verändern kann, machten ihn die Christen zum Symbol für Verwandlung und Auferstehung
Buchtipps:
– …
Beschreibung: Sommerfell graubraun. Winterfell weiß mit schwarzen Ohrenspitzen (Löffeln). Winterfell ist Luft gefüllt und isoliert so besser gegen Kälte. Kompakte Statur. Breite, kräftige, stark behaarte Pfoten. Rein weißer Schwanz (Blume). Dunkle bis braune Augen
Kopf-Rumpf-Länge: 40cm – 60cm
Schulterhöhe: 20cm – 30cm
Gewicht: 1,4kg – 3,2kg
Herzfrequenz: … Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 39°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: 360° Sichtfeld
Gehör: Gut, regelt Blutzirkulation mit den Ohren um Wärmeverlust auszugleichen (Allenschen Regel)
Geruchsinn: Gut
Geschmacksinn: Eng mit seinem Geruchssinn verbunden. Er nutzt diesen Sinn im Hochgebirge, um nährstoffreiche Triebe, Kräuter oder im Winter essbare Rinden auszuwählen und bitter schmeckende oder giftige Inhaltsstoffe von Pflanzen zu meiden
Sonstiges: Bergmannsche Regel, Jacobsonsches Organ
Lautäußerung: Murren und Zähneknirschen (Warnung oder Drohung gegenüber anderen Tieren), lautes Quäken (Todesangst, wenn Feind Hasen greift), fiepen (hoher Ton des Männchens (Rammlers) während der Paarungszeit)
Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre
Lebensraum: Tundragebiete, Wälder, Moore , offene Flächen. Hält sich gerne an der Baumgrenze auf und ist gut an den Boreo-Alpinen Lebensraum angepasst. Bis in einer Höhe von bis zu 1.300m-3.800m, gelegentlich auch bis 700m anzutreffen
Nest: baut kein echtes Nest oder einen festen Bau. Er ruht tagsüber in einer flachen Mulde am Boden, die als Sasse bezeichnet wird oder einer gescharrten Schneehöhle
Lebensweise: Gesellig, dämmerungs- und nachtaktiv. Sehr standorttreu. Kein ausgeprägtes Territorialverhalten
Fortbewegung: Bis zu 80km/h schnell
Nahrung: Binsen, Blätter, Brombeere, Drahtschmielen, Eberesche, Fichte, Gräser, Heidelbeeren, Heidekraut, Himbeere, Knospen, Kräuter, Rinde, Rispengräser, Rippenfarne, Sauergräser, Simsen, Triebe, Weide, Zweige
Sonstiges: Produziert Blinddarmkot der Bakterien und Mikroorganismen enthält, dieser wird nach ausscheiden wieder gefressen. Hat einen Stopfmagen
Kot: Feste, kugel- oder tablettenförmige Pillen. Besteht aus schwer verdaulichen Pflanzenfasern und Grasstücken. Bleibt im Gelände als Spur zurück
Fortpflanzung: Nestflüchter, werden meist an geschützten Orten in Felsnischen oder unter Bäumen geboren
Paarungszeit: März – Juli
Balzverhalten: Rammler folgt Spur der Häsin intensiv. Es kommt zu rasanten Verfolgungsjagden im Schnee. Die ansonsten eher leisen Tiere äußern sich in dieser Zeit durch ein charakteristisches Fiepen des Rammlers sowie leises Murren oder Zähneknirschen. Rivalisierende Männchen tragen Kämpfe aus, bei denen sie sich jagen und mit den Läufen schlagen. Dabei fliegen oft auch lose Haarbüschel
Tragzeit: 7 -8 Wochen
Wurfzeit: April – September
Wurfgröße: 2 – 5 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 2 – 3 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen, Häsin kommt nur 1x am Tag kurz zum säugen vorbei, Jungtiere ansonsten alleine
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 1 Jahr
Jungensterblichkeit: …
Sonstiges: Hybridisierung mit Feldhasen möglich
Natürliche Feinde: Füchse, Greifvögel, Luchse, Marder, Rabenvögel, Steinadler, Uhus
Abwehrverhalten: Drückt sich flach in Mulden oder Felsspalten, flieht oft erst im letzten Moment. Im felsigen Gelände sehr wendig
Mögliche Krankheiten: Tularämie (Hasenpest, Zoonose), Virale Hämorrhagische Krankheit (RHDV-2)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
– Rote Liste Deutschlands – Extrem selten
– FFH Richtlinie
Es ist verboten, Alpenschneehasen zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Lebensstätten zu zerstören. Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, aber ganzjährig geschont
Funktion im Ökosystem: Fressverhalten trägt zur Dynamik der hochalpinen Pflanzenwelt bei. Ist ein wichtiges Beutetier für seine Fressfeinde. Wichtiger Indikator für den Klimawandel, da er empfindlich auf auf klimatische Veränderungen reagiert
Alpenschneehasen brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch auslegen
– Alpenschneehasen benötigen als Nestflüchter KEINE zusätzliche Wärmequelle!
– Alpenschneehasen vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Alpenschneehasen eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Feldhase dort abgeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Hunde in Alpenschneehasengebieten an der Leine führen
– Abstand halten
– Alpine „No-Go-Areas“ und ausgewiesene Schutzgebiete, besonders in den frühen Morgenstunden, in der Dämmerung und nachts meiden
– Ruhig verhalten
Was kann ich tun um den Alpenschneehasen zu unterstützen?
– Indirekt jeder Beitrag zum Klimaschutz
Alpenschneehase – Lepus timidus varronis
