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Eichhörnchen – Sciurus vulgaris

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Hörnchen
Art: Eurasisches Eichhörnchen (Eichkätzchen, Eichkatz(er)l, Eichkater, Eicher(li) (Schweiz), Eichhase (Österreich), Baumfuchs (Hessen), Konradchen (Nassau), Eichhalm (Württemberg), niederdeutsch Katteker (Katzeicher) und Ekenaape (Eichenaffe)

Geschichte: Die ersten Hörnchen entstanden vor rund 36 Millionen Jahren in Nordamerika und breiteten sich von dort aus aus. Das Eurasische Eichhörnchen hat sich als anpassungsfähiger Waldbewohner in Europa und Asien etabliert

Mythologie: Es soll die Feindschaft von Nidhöggr und Orn am Yggdrasil immer wieder neu entfacht haben. Andererseits waren den Germanen rote Tiere wie das Eichhörnchen heilig. Sie galten als Begleiter des Gottes Thor. In der mittelalterlichen Heilkunde stand das Eichhörnchen für Fruchtbarkeit. Aß eine schwangere Frau ein Eichhörnchen, sollte das Kind schwindelfrei sein

Buchtipps:

Beschreibung: Oberseite hellrot bis braunschwarz. Bauch weiß bis cremefarben, sauber abgegrenzt vom Rückenfel. Im Winterfell Ohrpinsel von bis zu 3,5cm Länge, diese sind im Sommerfell klein oder nicht vorhanden. Außerdem sind die sonst nackten Fußsohlen im Winter behaart. Buschiger Schwanz
Kopf-Rumpf-Länge: 20cm – 33cm
Schulterhöhe: 35cm – 40cm
Gewicht: 200g – 480g
Herzfrequenz: 250 – 500 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 36,4°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Sehr gut entwickelt, kann räumlich sehen
Gehör: Äußerst sensibel
Geruchsinn: Sehr fein, riecht Nüsse in 30cm Tiefe
Geschmackssinn: Sehr fein um essbare von ungenießbaren oder faulen Früchten zu unterscheiden, bevor sie diese fressen oder vergraben
Sonstiges: Vibrissen (Tasthaare) an Schnauze, Augen, Beinen, Bauch und Schwanzwurzel. Exzellenter Gleichgewichtssinn. Verfügt über ein gutes Erinnerungsvermögen. Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Keckern (lautes, ratterndes „tjuk-tjuk-tjuk“ oder „kuk-kuk-kuk“, als Warnruf oder bei Aufregung), Fauchen und Knurren (Drohgeräusche bei Streitigkeiten), Quieken (während der Paarungszeit oder bei Kontakt zwischen Mutter und Jungtieren)

Lebenserwartung: Bis zu 7 Jahre
Lebensraum: Laub-, Nadel- und Mischwälder mit altem Baumbestand, Gärten, Parks
Nest:Ein Eichhörnchen-Nest heißt Kobel. Es ist kugelförmig, etwa 25cm – 45cmgroß und wird von den Tieren aus Zweigen, Laub und Moos hoch oben in den Baumgabeln gebaut. Ein Eichhörnchen nutzt meist mehrere solcher Nester gleichzeitig als Schlaf-, Schutz- und Kinderstube. Die Kobel haben mindestens zwei Schlupflöcher, von denen eines immer als Notausgang nach unten weist
Lebensweise: Einzelgänger, tagaktiv, sammelt im Herbst stetig Kerne und Nüsse und vergräbt diese im Boden oder in Baumspalten

Fortbewegung: Bis zu 26km/h schnell. Klettert sehr gut. Springt 4m – 5m weit. Schwanz dient beim Klettern als Balancierhilfe und beim Springen als Steuerruder. Sohlengängern. Hat an den Vorderpfoten vier lange, sehr bewegliche, mit langen gebogenen Krallen ausgestattete Finger. Den verkümmerten Daumen haftet ein winziger Nagelrest an. Die Hinterbeine sind überproportional lang, sehr kräftig und haben jeweils fünf Zehen. Bewegt stoßweise, sehr schnell und präzise
Nahrung: Ahorn-, Bucheckern-, Kiefern-, Tannen- und Fichtensamen, Baumsaft, Beeren, Blätter, Blüten, Eicheln, Esskastanien, Flechten, Früchte, Hagebutten, Haselnüsse, Insekten, junge Triebe, Jungvögel, Käfer, Knospen, Körner, Larven, Löwenzahn, Obst, Pilze, Rinde, Sämereien, Sonnenblumenkerne, Vogeleier, Walnüsse, Würmer
Sonstiges: Nahrung wird beim Fressen in den Vorderpfoten gehalten. Benötigt bis zu 100 Fichtenzapfen pro Tag; durchschnittlich täglich 80g – 100g
Kot: Kleinen, 5mm – 8mm langen, walzenförmigen bis ovalen Pillen. Die Losung ist dunkelbraun bis schwarz, fest und trocken, geruchlos und enthält oft feine Pflanzenteile oder Nussreste

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in Kobeln (kugeliges Nest aus Zweigen, Reisig und Laub, meist 6-15m hoch, in Astgabeln, innen mit Moos, Federn und Gras gepolstert und zwei Ausgängen zur Flucht) geboren
Paarungszeit: Dezember – Januar und Mai – September
Balzverhalten: Geprägt von wilden Verfolgungsjagden, lautem Gemurmel und deutlichen Signalen mit dem buschigen Schwanz
Tragzeit: 36 – 42 Tage
Wurfzeit: Februar – September
Wurfgröße: 1 – 6 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 2 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 8 – 10 Wochen
Selbstständig: 8 – 12 Wochen
Geschlechtsreife: 8 – 12 Monate
Jungensterblichkeit: Sehr hoch, bis 80%

Natürliche Feinde: Baummarder, Eulen, Greifvögel, Katzen, Rabenvögel, Uhus, Wiesel
Abwehrverhalten: Plustert Schwanz auf und schlägt ihn hin- und her, nutzt die scharfen Nagezähne zur Verteidigung
Krankheitsüberträger: Eichhörnchenfloh, Eichhörnchenlaus, Zecken, Lepra, Adenovirus

Schutzstatus:
– Bundesartenschutzverordnung – Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz
Es ist verboten Eichhörnchen zu fangen, zuhause als Haustier zu halten, zu verletzen, zu töten oder Niststätten (Kobel) zu zerstören. Es drohen bei Verstoß 50.000€ – 65.000€ Strafe bis zu 3-5 jähriger Haftstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Da sie im laufe des Jahres einige Samen verstecken und manche nicht wiederfinden, keimen die Samen im Frühjahr und tragen maßgeblich zur Verjüngung und Ausbreitung von Baumarten bei. Durch das fressen von Pilzen verbreiten sie deren Sporen über ihren Kot im Wald, was die Pilzvielfalt fördert. Beutetier für seine Fressfeinde. Durch ihre Sammelaktivitäten und das Bauen ihrer Kobel (Nester) beeinflussen sie die Waldstruktur, auch in städtischen Parks und Gärten

Eichhörnchen brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind (bluten, humpeln, geschwächt wirken)
– sie von der Katze mitgebracht wurden
– sie sich Menschen nähert oder an den Hosen hoch klettern
– kleine, oft noch nackte oder leicht behaarte Eichhörnchenm außerhalb des Nests (Kobel) gefunden werden

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch oder Kuscheldecke auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Eichhörnchen vorsichtig mit einem Tuch in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in das Eichhörnchen eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Ruhig und möglichst dunkel stellen
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Eichhörnchen dort abgeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Hunde an der Leine führen
– Abstand halten
– Nicht füttern
– Hecken- und Baumschnitt oder Baumfällungen nicht in der Brut- und Setzzeit vornehmen und vorher genau auf Nester (Kobel) kontrollieren

Was kann ich tun um das Eichhörnchen zu unterstützen?
– Einheimische Pflanzen die nuss- und fruchttragend sind pflanzen (Haselnuss, Walnuss, Hainbuche)
– Flache Wasserschalen aufstellen und diese regelmäßig reinigen
– Futterhäuschen mit Walnüssen, Haselnüssen, Sonnenblumenkernen, Zirbelnüssen, Bucheckern aufhängen (1,5-2m hoch)
Bitte NICHT füttern!!! Knäckebrot, Brot, Mandeln, Milch, Erdnüsse (Schädlich für Kaumuskulatur, Zähne und Verdauung), keine verarbeitete menschliche Nahrung oder Mais!!!
– Kobel aufhängen (5m hoch), idealerweiße in Nadelbaum, gerne mit Schafwolle (hilft gegen Parasiten) gepolstert
– Alte Bäume so lange wie möglich stehen lassen
– Verzicht auf Mähroboter
– Verzicht auf Gift, Schädlingsfallen und Klebefallen
– Regentonnen abdecken oder Ausstiegshilfe ermöglichen, ebenso bei Teichen




Über den Experten: caroline.schoch

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