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Wolf – Canis lupus lupus

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Hunde
Art: Eurasischer Wolf

Beschreibung: Oberseite gelblichgrau, graubraun oder dunkelgrau. Kopf ist dunkel mit hellen bis weißen Partien seitlich des Mauls und an der Kehle. Rückenfärbung dunkel bis schwarzer Sattelfleck. Dunkle Rutenspitze. Dunkle Stirn. Rückseiten der kleinen, dreieckigen Ohren leicht rötlich. Gerade Rückenlinie. Lässt den Schwanz (die Rute) beim Laufen hängen. Lange Beine. Augen hellbraun – gelb
Kopf-Rumpf-Länge: 140cm – 170cm
Widerristhöhe: 65cm – 90cm
Schwanz (Rute): 35cm – 56cm
Gewicht: 30kg – 50kg
Herzfrequenz: 90-200 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37,2°C – 38,9°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Spezielle reflektierende Schicht hinter der Netzhaut (Tapetum lucidum), sieht Farben schlechter (Rot-Grün-Blindheit), Sichtfeld von ca. 240–250°, reagiert extrem empfindlich auf Bewegungen, gute Nachtsicht
Gehör: Hört bis zu 40 Kilohertz im Ultraschallbereich, kann andere Wölfe über Entfernungen von bis zu 9 km wahrnehmen
Geruchsinn: Riecht Artgenossen und Beutetiere auf 2km Entfernung (bei günstigem Wind noch weiter), kann Stimmungen (Angst, Aggression) sowie individuelle Wölfe anhand von Duftmarkierungen (Analdrüsen) unterscheiden, seine Nase ist etwa 100- 200 mal feiner als die des Menschen
Sonstiges: Nimmt über Tasthaare (Vibrissen) an Schnauze und Augen sowie die Pfoten Vibrationen und taktile Reize wahr, Jacobsonsches Organ

Lebenserwartung: Ca. 12 – 13 Jahre
Lebensraum: Offenen Graslandschaften, Feuchtgebiete, Buschland, Wälder und Moore in einer Höhe von bis zu 2.400m anzutreffen
Lebensweise: Familienverband (Eltern, ein- und zweijährige Jungtiere), Dämmerungs- und Nachtaktiv,
hoch soziale Rudeltiere

Fortbewegung: Extrem ausdauernde Zehengänger. Effizienter, geschnürter Trab. Wandern oft 50km bis 80km pro Nacht. Reisegeschwindigkeit 8 km/h-12km/h, Jagdgalopp 50km/h–60 km/h. Sehr gute Schwimmer
Nahrung: Rehe, Wildschweine, Rothirsche, Damwild, Kaninchen, Feldhasen, Schafe, Ziegen, Kälber, Jungvieh, Fohlen, Ponys, Ferkel, Hühner, Puten, Mufflons, Früchte, Vögel, Fische, Biber, Elche
Sonstiges: Braucht ca. 2 – 3kg Nahrung pro Tag, kann Gebiss fast im 90° Winkel öffnen, bevorzugt werden Jungtiere, aber auch ältere und kranke Tiere, die weniger schnell fliehen können und einfacher zu überwältigen sind

Fortpflanzung: Nesthocker, werden in Wurfhöhle, an einem ruhigen, geschützten Bereich wie dichten Dickichte, an Hängen oder in der Nähe von Wasserquellen geboren
Paarungszeit: Januar – März (Ranzzeit)
Tragzeit: 61 – 65 Tage
Wurfzeit: April – Mai
Wurfgröße: 1 – 11 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 7 – 9 Wochen
Selbstständig: 1 – 2 Jahre
Geschlechtsreife: Ca. 22 Monate
Jungensterblichkeit:

Sonstiges: Nachdem die Welpen von der Mutter entwöhnt wurden, beteiligt sich das ganze Rudel an der Aufzucht der Welpen. Andere Wölfe würgen Futter hervor oder bleiben als Babysitter beim Nachwuchs, während das Rudel samt Wolfsmutter auf Jagd geht

Natürliche Feinde: Für die Jungtiere gefährlich sind andere Wölfe, Bären, Steinadler, große Eulen, Luchse, Uhus
Abwehrverhalten:
Krankheiten: Räude, Tollwut, Staupe, Parvovirose, Fuchsbandwurm, Aujeszkysche Krankheit

Schutzstatus:
– Berner Konvention
– Bundesnaturschutzgesetz – Geschützt
– FFH-Richtlinie – Anhang IV, V
Es ist verboten, Wölfe zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu zerstören. Es drohen bei Verstoß 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja

Funktion im Ökosystem: Wölfe jagen Rehe, Rotwild und Wildschweine. Durch die Ausrottung entstandene Lücken im Ökosystem werden geschlossen, was das Gleichgewicht zwischen Beute und Beutegreifer wiederherstellt. Sie erlegen häufig schwache, alte oder kranke Tiere. Dies verhindert die Ausbreitung von Tierseuchen innerhalb der Wildpopulationen. Durch den sogenannten „Wolfseffekt“ (Pflanzenfresser meiden bestimmte Gebiete) verringert sich der Verbiss an jungen Bäumen, was das Wachstum von Mischwäldern begünstigt. Wölfe verändern die Bewegungsmuster von Hirschen und Rehen. Das Wild verweilt nicht mehr so lange an einer Stelle, was den Wald schont. Durch die Überreste von Rissen (Aas) profitieren andere Tiere wie Raben, Seeadler oder Füchse, was das Nahrungsnetz bereichert

Wölfe brauchen Hilfe, wenn …
– sie durch Verkehrsunfälle verletzt sind, an Krankheiten leiden (z.B. Räude) oder körperlich stark geschwächt sind
– Welpen nachweislich ihre Mutter verloren haben und nicht überlebensfähig sind

Wie helfe ich richtig?
– Beobachten, ob sich der Wolf untypisch verhält, ob er verletzt (hinkt, blutet), verfangen (im Zaun) oder abgemagert ist
– Dem Tier auf keinen Fall nähern, um es nicht zu stressen oder zu einer Abwehrreaktion zu provozieren
– Den Wolf niemals füttern, dies macht Wölfe anhänglich, was ihr Todesurteil bedeuten kann („Problemwolf“)
– Privatpersonen dürfen keinen Wolf einfangen oder medizinisch versorgen, daher müssen Experten informiert werden
– Die Polizei muss bei akuten Gefahrenlagen (z.B. Wolf auf der Autobahn) oder offensichtlich verletzten Tieren kontaktiert werden
– Forstamt/Jagdpächter sind zuständig für Wildunfälle im und um den Wald
– Jedes Bundesland hat Wolfsbeauftragte, die auf solche Situationen spezialisiert sind
– Sichtung melden, auch wenn der Wolf nur neugierig wirkt, um den Experten Überblick zu verschaffen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Ruhe bewahren
– Respektvollen Abstand halten, wie zu anderen Wildtieren auch
– Nicht wegrennen, da dies den Jagdreflex auslösen könnte
– Auf sich aufmerksam machen, laut sprechen, in die Hände klatschen, um dem Wolf die Möglichkeit zu geben, sich zurückzuziehen
– Langsam mit Blickrichtung zum Wolf rückwärts zurückziehen
– Zieht der Wolf sich nicht zurück, groß machen, laut rufen, bei Bedarf Gegenstände in seine Richtung werfen
– Besonders in Waldgebieten auf den angelegten Wegen bleiben
– Hunde im Wald IMMER an der Leine führen, um zu verhindern, dass er als Eindringlinge oder Beute betrachtet wird
– Keine Lebensmittelreste im Wald entsorgen, da diese Wölfe anlocken können
– Auf keinen Fall füttern
– Hunde- oder Katzenfutter nicht draußen stehen lassen
– Weidetiere (Schafe, Ziegen, Kälber) durch geeignete Zäune (Elektrozäune) oder Herdenschutzhunde schützen


Was kann ich tun um den Wolf zu unterstützen?
– Der Tierpark Thale bietet eine Tierpatenschaft (300€/Jahr) für Wölfe an. Mit diesen Geldern werden anteilig Kosten für die Haltung und Modernisierung der Gehege investiert.
https://www.bodetal.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Tierpark_Hexentanzplatz/Tierpatenflyer_April_2026.pdf

Ansprechpartner zum Thema Wolf in Sachsen – Anhalt ist das:

Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI)
Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Wolfskompetenzzentrum Iden
Lindenstraße 18
39606 Iden

E-Mail: wzi@lau.mwu.sachsen-anhalt.de
Tel.: 03939 06486

Unter dem unten stehenden Link könnt ihr auch gerne euere Wolfsichtungen (Lebendsichtungen und Totfunde eines Wolfes, Losung, Risse, Spuren, Heulen, Wildtierkamerabilder …) für das Monitoring melden

https://lau.sachsen-anhalt.de/fachthemen/naturschutz/das-wolfskompetenzzentrum-wzi/kontakt

Buchtipps:
– Die Weisheit der Wölfe von Elli H. Radinger
– Das Wilde Herz Europas – Die Rückkehr von Luchs, Wolf & Bär von Marc Graf & Christine Sonvilla

Mythologie: Kaum ein Tier wird in der nordischen Fabel höher verehrt und tiefer gefürchtet als der Wolf. Dem Gott Odin waren die Wölfe Geri und Freki heilig. Sie galten als göttliche Hunde. Daher wird Odin oft mit Wolfskopf dargestellt. Wölfe wurden von den Germanen auch als Reittiere für Riesinnen beschrieben. Die keltischen Druiden verehrten den Wolf als mächtiges Totemtier. In Italien gilt die Wölfin sinnbildlich als liebende Mutter die aufopfernd ist. Zu Zeiten der Hexenverbrennungen ließen auch viele Männer als „überführte Werwölfe“ ihr Leben. Ein Wolf auf dem Grabstein sollte die erneute Auferstehung als Werwolf verhindern. In der deutschen Fabel ist der Wolf als Isegrimm bekannt

Über den Experten: caroline.schoch

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