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Feldhamster – Cricetus cricetus

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Wühler
Art: Feldhamster

Geschichte:
Der Feldhamster wanderte ursprünglich aus den eurasischen Steppen nach Mitteleuropa ein. Als anpassungsfähiger Kulturfolger fand er auf nährstoffreichen Lössböden jahrhundertelang ideale Lebensbedingungen. Einst als massiver Ernteschädling bekämpft, gilt das Tier laut der Deutsche Wildtier Stiftung heute wegen der Intensivierung der Landwirtschaft als vom Aussterben bedroht

Mythologie: Auf den bäuerlich ausgerichteten Land galt das Erscheinen des Feldhamsters früher als Hinweis auf anstehenden Ärger durch den Wohlstand anderer Leute

Buchtipps:

Beschreibung: Oberseite gelbbraun. Unterseite dunkel. An Flanken, Wangen vor und hinter den Vorderbeinen mehrere weiße Flecken. Schnauze und Augen rötlich braun gefärbt. Füße und Nasenspitze weiß. Füße breit und mit gut entwickelten Krallen versehen
Kopf-Rumpf-Länge: 20cm – 35cm
Gesamthöhe: 10cm
Gewicht:
200g – 650g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 250 – 500 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 5 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 36°C – 38°C, im Winterschlaf; 1°C – 8°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Kann nur 15cm weit sehen, nimmt hauptsächlich Bewegungen und Helligkeitsunterschiede wahr
Gehör: Gut ausgebildet, die großen Ohrmuscheln fungieren als Schalltrichter
Geruchsinn: Sehr gut entwickelt, erstellt Geruchsbilder
Geschmackssinn: . Wichtig um energiereiche Nahrung wie Getreide, Blüten, Wurzeln und Insekten zu erkennen und auszuwählen. Saftige Blüten, Kräuter, Disteln und Malven schmecken ihnen besonders gut
Sonstiges: Bewegungsseher, Tasthaare (Vibrissen) am Mäulchen und den Handgelenken, Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Quieken (Schreck- oder Schmerzton bei direkter Bedrohung), Zischen (Warnung an Angreifer), Brummen (bei Erregung oder Unbehagen), Zähneklappern (optische und akustische Drohgebärde vor Kämpfen)

Lebenserwartung: Bis zu 4 Jahre
Lebensraum: Ackerflächen, intensiv bewirtschaftete Getreidefelder, Grünstreifen, Straßenböschungen, Gärten, oft in Lehm- oder Lössböden
Nest: Bis zu 2m tiefes, verzweigtes Höhlensystem in Löss- und Lehmböden. Er enthält eine senkrechte Fallröhre zur Flucht, eine weich ausgepolsterte Nestkammer für Schlaf und Nachwuchs sowie separate Kammern für Wintervorräte (bis zu mehrere Kilogramm Getreide) und Kot
Lebensweise: Einzelgänger, dämmerungs- und nachtaktiv, Winterschlaf (Torpor) von Oktober bis April,
verbringt die meiste Zeit in unterirdischen Bauen. Territorial, verzweigte Erdbaue werden verteidigt. Winterbaue sind tiefer als Sommerbaue. Nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf beginnen Feldhamster mit der Anlage oder Ausbesserung der Sommerbaue

Fortbewegung: Bis zu 6 km/h schnell, kann aus dem Stand ca. 20cm – 30cm hoch springen
Nahrung: Ackerwildkräutern, Ackerwinden, Beeren, Erbsen, Feldfrüchte, Fenchel, Gräser, Hafer, Hirse, Hülsenfrüchte, Insekten, Käfer, Kamille, Kartoffeln, Klee, kleine Vögel, kleine Wirbeltiere (Eidechsen), Kräuter, Löwenzahn, Luzerne, Mais, Möhren, Raupen, Roggen, Rüben, Wegerich, Weizen
Sonstiges: Gut entwickelte, dehnbare Backentaschen, sammelt so 2kg – 5kg Körnervorrat für den Winter
Kot: Etwa 1cm lang, braun und oval geformt. Die Ausscheidungen liegen oft direkt auf den Erdauswürfen oder Abtragungen des Baus

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in einer speziellen Nestkammer tief im Bau geboren
Paarungszeit: April – August
Balzverhalten: Männchen suchen aktiv nach den Revieren der Weibchen. Zunächst kommt es oft zu heftigen Drohgebärden mit Fauchen und Beißen, da die Tiere sich außerhalb der kurzen Paarungszeit feindselig gegenüberstehen. Nach einer kurzen Annäherungsphase erfolgt die Paarung
Tragzeit: 17 – 20 Tage
Wurfzeit: Mai – August
Wurfgröße: 3 – 12 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 3 Würfe pro Jahr
Säugezeit: Ca. 3 Wochen
Selbstständig: Ca. 3 Wochen
Geschlechtsreife: Ca.10 Wochen
Jungensterblichkeit:

Natürliche Feinde: Dachse, Eulen, Füchse, Greifvögel, Hermeline, Iltise, Katzen, Uhus, Wiesel
Abwehrverhalten: Auf den Hinterbeinen stehend, versucht er durch Fauchen und Knurren seine Feinde zu beeindrucken, faucht, knurrt. Extrem scharfe Zähne
Krankheitsüberträger: Tularämie (Hasenpest), Rodentiosen (Nagerpest), Leptospirose, Hamsterlaus (Milbe), Tollwut, Würmer

Schutzstatus:
– Berner Konvention – Anhang II
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– FFH-Richtlinie – Anhang IV
– Rote Liste – Vom Aussterben bedroht
– IUCN – Vom Aussterben bedroht
Es ist verboten Feldhamster als Haustier zu halten, zu füttern, zu töten, ihnen nachzustellen, den Lebensraum oder Bau (Erdhöhle) zu zerstören, bekannte Vorkommensgebiete zu zubauen, sie zu stören – besonders während der Fortpflanzungszeit und im Winterschlaf (Oktober bis März). Es drohen bei Verstoß 50.000€ Strafe bis zu 5 jähriger Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Durchmischt durch das Graben seiner tiefen Baue den Boden. Dies lockert die Erde auf und verbessern die Durchlüftung, was den Boden fruchtbarer macht. Verbreitet durch seine Ernährung Pflanzensamen, trägt durch das Sammeln und Einlagern von Vorräten zur Ausbreitung verschiedener Pflanzenarten bei. Reguliert die Populationen seiner Nahrungstiere. Dient als Beute für seine Fressfeinde. Seine verlassenen Baue können anderen Tierarten als Unterschlupf dienen

Feldhamster brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt oder apathisch sind, taumeln oder verklebtes Fell haben
– Baue durch Überschwemmungen unbewohnbar werden
– sie bei Frost oder Schnee oberirdisch aktiv sind (sie sollten im Winterschlaf sein)

Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz – Hamster können beißen!)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch oder Heu auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Feldhamster vorsichtig in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in den Feldhamster eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Feldhamster dort abgeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Vor Bauvorhaben in potenziellen Lebensräumen (Löss-/Lehmböden) müssen Hamstervorkommen durch Experten erfasst werden
– Planung von Bauzeiten außerhalb der Aktivitätsphase (März bis Ende Oktober)
– Wenn unvermeidbar, können Hamster von Experten umgesiedelt werden, was jedoch hohe Auflagen hat
– Nicht füttern, aber strukturreiche Gärten mit Hecken und Stauden bieten Unterschlupf
– Hunde auf Feldern und Wiesen an der Leine führen

Was kann ich tun um den Feldhamster zu unterstützen?
– Feldhamstersichtungen, deren Baue oder Totfunde melden
– Zum Beispiel die Deutsche Wildtier Stiftung sucht zwischen Mai und September Freiwillige, die helfen, Ackerflächen auf Hamsterbaue zu untersuchen um sie zu Kartieren
– Spenden oder Patenschaften für lokale Naturschutzprojekte

Über den Experten: caroline.schoch

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