Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Marder
Art: Hermelin (Großes Wiesel, Kurzschwanzwiesel)
Geschichte: Das Hermelin auch Großes Wiesel genannt, hat seinen natürlichen Ursprung in den weiten, kühlen und gemäßigten Regionen der nördlichen Hemisphäre. Es stammt aus den borealen und gemäßigten Zonen Europas, Asiens und Nordamerikas. Carl von Linné gab dem Hermelin im Jahr 1758 den wissenschaftlichen Namen Mustela erminea
Mythologie: In der Antike war das Hermelin ein beliebtes Haustier, das durch sein Angehen gegen Schlangen und Ratten sehr geschätzt wurde. Es wurde ihm nachgesagt es sei heilkundig und könne sogar einen toten Jungen wieder ins Leben zurück holen. Im Mittelalter dachte man, es sei der dämonische Hausgeist. Das Hermelin sollte angeblich die Heilpflanze „Raute“ fressen und war so gegen Schlangengift geschützt. . Das weiße Winterfell des Hermelins galt im europäischen Adel als Symbol für Reinheit und Unschuld. Historisch war der sogenannte Hermelinmantel (besetzt mit den schwarzen Schwanz spitzen) einsehr wertvolles Herrschaftszeichen
Buchtipps:…
Beschreibung: Sommerfell braune Oberseite durch gerade Linie zur weißen Unterseite abgetrennt, Winterfell gänzlich weiß, bis auf schwarze, lange Schwanzspitze (Quaste), die es eindeutig vom Mauswiesel unterscheidbar macht. Langgestreckter, schlanker Körper, kurze Beine, und kurzem Schwanz, dreieckiger Kopf
Kopf-Rumpf-Länge: 17cm – 33cm
Schulterhöhe: 6cm – 12cm
Gewicht: 140g – 350g
Herzfrequenz: 400 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37°C – 39°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Kann rote Farbtöne sehr gut wahrnehmen, gelb, blau und grün hingegen nur eingeschränkt
Gehör: Sehr gut ausgeprägt
Geruchsinn: Außerordentlich sensibel
Geschmackssinn: In der Evolution von reinen Fleischfressern ist das Gen für den Süß-Rezeptor (TAS1R2) mutiert und funktionslos geworden (ein Pseudogen). Da Hermeline ihre Energie ausschließlich aus tierischen Proteinen und Fetten beziehen, benötigen sie keinen biologischen Indikator für zuckerhaltige Kohlenhydrate (wie reife Früchte). Extrem gut ausgeprägt ist hingegen der Geschmackssinn für Proteine und Aminosäuren (der sogenannte Umami-Geschmack). Dadurch erkennen die Tiere sofort die Qualität und Frische ihrer Beute. Bittere und sauere Geschmacksrichtungen dienen als Warnsystem, um verdorbenes Fleisch, giftige Beute (z. B. bestimmte Amphibien oder Insekten) oder ungenießbare Substanzen zu meiden
Sonstiges: Extrem schnelle Reaktionsfähigkeit, Analdrüsen mit Moschus-Geruch, Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen:e: Helles, wiederholtes „kri-kri“ (Angst- und Drohruf), knurren, fauchen, kreischendes Keckern (Abwehr und Verteidigung), durchdringender, gellender Warnschrei oder Pfiff (Warnschreie)
Lebenserwartung: Bis zu 6 Jahre
Lebensraum: Bindung an das Vorkommen von Scher-, Erd- und Feldmäusen. Strukturreiche Landschaften mit Wiesen, Streuobstwiesen, Felder, Hecken, Feldgehölzen, Waldränder, Gärten, benötigt Versteckmöglichkeiten wie Steinhaufen oder Wurzeln, oft in der Nähe von Feuchtgebieten. Sind in Höhen bis zu 3.400m anzutreffen
Nest: Das Hermelin baut sein Nest bevorzugt in geschützten Verstecken wie Felsspalten, Baumhöhlen, Holz- und Steinhaufen sowie in verlassenen Erdauen anderer Tiere
Lebensweise: Einzelgänger, tag-, dämmerungs- und nachtaktiv. Längere Ruhephasen (3 – 5 Stunden) wechseln oft mit knapp einstündigen Aktivitätsphasen. Sehr territoriale, nur Fähen bilden mit ihren Jungtieren in den ersten Lebenswochen einen Familienverband, Reviere werden heftig verteidigt und markiert. Außergewöhnlich mutig, kennt kaum Feinde; auch nicht den Menschen, den es, von ihm in die Enge getrieben, furchtlos angreift. Weibchen sind standorttreu und bleiben meist in ihrem Geburtsgebiet. Jedes Hermelin hat ein eigenes Kerngebiet, das sich nie mit dem Kerngebiet eines Artgenossen überschneidet
Fortbewegung: Bis zu 35km/h schnell. Klettert gut. Schwimmt gut (bis zu 2km – wenn Strömung und Gezeiten stimmen, sogar noch weiter, so erreichen sie auch Inseln. Beim Inselhopping nutzen sie kleinere Landflächen für die Durchreise und vergrößern so ihre Reichweite). Läuft bis zu 15km pro Nacht
Nahrung: Amphibien, Eidechsen, Eier, Fische, Früchte, Insekten, junge Kaninchen, kleinere Vögel, Maulwürfe, Ratten, Reptilien,
Schlangen, Vogeleier, Wühl-, Scher-, Spitz- und Feldmäuse, Würmer,
Sonstiges: Ist in der Lage, Beute zu überwältigen, die größer ist als es selbst. Legt bei reichlichem Nahrungsangebot Vorräte an. Benötigt ca. 2 Mäuse pro Tag
Kot: Würstchenförmig, extrem dünn ca. 3mm – 6 mm und oft gedreht oder gebogen. Da Hermeline reine Fleischfresser sind (hauptsächlich Mäuse), enthält ihre Losung oft feine Haare und kleine Knochenreste. Sie platzieren ihren Kot gerne an erhöhten, auffälligen Stellen wie Steinen, Asthaufen oder Trockenmauern, um ihr Revier zu markieren
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in geschützten Nestern wie Steinhaufen, dichtem Gebüsch, verlassenen Maulwurfshöhlen oder geschützten Bereichen in Hecken und Feldrainen geboren
Paarungszeit: Mai – August, dann 7 – 10 Monate Keimruhe (Ranz)
Balzverhalten: Finden Männchen (Rüden) und Weibchen (Fähen) zusammen, umwerben sie sich intensiv. Dabei stoßen sie charakteristische trillernde, zwitschernde und zirpende Laute aus, um die Aggression des Gegenübers zu dämpfen
Tragzeit: 28 – 30 Tage
Wurfzeit: März – Mai
Wurfgröße: 3 – 18 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 6 – 7 Wochen
Selbstständig: 3 – 4 Monate
Geschlechtsreife: 3 – 7 Wochen / 1 Jahr
Jungensterblichkeit: Sehr hoch
Sonstiges: Säuglingsträchtigkeit – Fähen können bereits im Säuglingsalter begattet werden. Oft erfolgt dies durch den biologischen Vater. Das Verhalten beziehungsweise die Fähigkeit stellen sicher, dass auch in bestandsarmen Jahren alle Fähen begattet sind. Männchen (Rüden) werden allerdings erst nach etwa 1 Jahr geschlechtsreif
Natürliche Feinde: Dachse, Eulen, Füchse, Graureiher, Greifvögel, Hunde, Katzen, Marder, Störche
Abwehrverhalten: Meist flieht es, schreit durchdringend, gellend, kreischt, zischt, faucht oder knurrt. In die Enge getrieben ist es sehr wehrhaft und kann auch deutlich größere Feinde angreifen Das Hermelin droht mit einem sehr hochfrequenten Schreien
Krankheiten: Aujeszkyschen Krankheit (Pseudowut), Fadenwürmern (Skrjabingylus nasicola)
Schutzstatus: …
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja
Funktion im Ökosystem: Hermeline ernähren sich überwiegend von Nagetieren wie Feldmäusen, Wühlmäusen und Ratten. Durch ihren hohen Energiebedarf – ein Weibchen mit Jungen kann im Winter täglich etwa die Hälfte seines Körpergewichts fressen – halten sie die Nagetierpopulationen in Schach. Dies fördert das Wachstum von Pflanzen und Bäumen, da weniger Vegetation durch Mäuse geschädigt wird. Als kleines Raubtier ist das Hermelin selbst Beutetier für größere Räuber, darunter Greifvögel (wie Bussarde), Eulen, Füchse und Störche. Hermeline bevorzugen offene Landschaften mit Hecken, Feldgehölzen und Gräben. Ihr Vorkommen deutet auf ein funktionierendes Ökosystem hin, das genügend Versteck- und Jagdmöglichkeiten bietet
Hermeline brauchen Hilfe, wenn …
– sie offensichtlich verletzt sind (z. B. durch Verkehrsunfall, Katzenangriff, offene Verletzungen oder Brüche)
– sie apathisch sind, taumeln oder sich nicht bewegen
– junge Hermeline ohne Mutter gefunden werden, diese sollten dann umgehend in professionelle Hände (Wildtierstation, wildtierkundiger Tierarzt) gegeben werden
– sie in Schächte oder Zisternen gefallen sind
Wie helfe ich richtig?
– Ruhe bewahren, hektische Bewegungen übertragen sich auf das Tier
– Handschuhe tragen, da Wildtiere beißen oder kratzen können
– Hermelin vorsichtig in einen luftdurchlässigen Karton oder eine Transportbox setzen, mit einem Handtuch auslegen
– Karton abdecken, um das Tier durch Dunkelheit zu beruhigen
– Direkte Hitzequellen (bei Unterkühlung langsam aufwärmen) vermeiden
– Rufen Sie umgehend einen wildtierkundigen Tierarzt, eine Wildtierstation oder den Jagdpächter an
– Geben Sie dem Tier kein Futter oder Wasser, bevor ein Experte dies freigibt, um Verletzungen zu vermeiden
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Ställe mit engmaschigem Volierendraht statt herkömmlichem Kaninchendraht sichern, da sich Wiesel durch letzteren durchbeißen oder hindurchzwängen können
– Draht auch unter dem Stallboden ins Fundament einarbeiten, um ein Untergraben zu verhindern
– Hühner und Kleintiere nachts in einem absolut dichten Stall einsperren
Was kann ich tun um das Hermelin zu unterstützen?
– Holz-, Reisig- oder Steinhaufen anlegen
– Einhheimische, standortgerechte Sträucher und Hecken pflanzen
– Naturnah gärtnern – höheres Gras, Totholz und ungestörte Ecken sind wertvoll
– Auf Gifte verzichten
– Hermeline sind sehr scheu und meiden den Menschen
– Im Naturschutz engagieren (Biotopvernetzung, Erhaltung von Streuobstwiesen, …)
