Neozoen – Art
Invasive – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Marder
Art: Amerikanischer Nerz (Mink)
Geschichte: Im 20. Jahrhundert (ab den 1920er-Jahren) wurde das Raubtier wegen seines wertvollen Fells nach Europa gebracht und in Pelztierfarmen gehalten. Durch Gehegeausbrüche und Freilassungen konnten sich entkommene Tiere in der Natur etablieren. Inzwischen ist der Mink in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas sowie im Ostseeraum heimisch geworden und verdrängt dort den heimischen, selteneren Europäischen Nerz
Mythologie: …
Buchtipps:
– Der Räuber aus dem Bruchwald von Kai Althoetmar
Beschreibung: Dichtes, weiches, wasserabweisendes, dunkelbraun Fell. Immer dunkle Oberlippe und ein heller Unterkieferfleck. Langgestreckten Körper mit relativ kurzen Gliedmaßen und Schwanz. Gesicht flach, zugespitzt. Zehen zum Teil mit Schwimmhäuten verbunden
Kopf-Rumpf-Länge: 30cm – 43cm
Schulterhöhe: 9cm – 12cm
Gewicht: 800g – 2.300g
Herzfrequenz: 265 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37°C – 39°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Ausgezeichnetes Sehvermögen, nehmen Bewegungen sehr gut wahr
Gehör: Sehr gut, ähnlich wie beim Iltis
Geruchsinn: Hoch entwickelt
Geschmackssinn: Wie viele strikte Raubtiere haben Minke im Laufe der Evolution die Fähigkeit verloren, süßen Geschmack wahrzunehmen. Das Gen für den entsprechenden Rezeptor (TAS1R2) ist bei ihnen mutiert und funktionsunfähig. Da Fleisch keine Kohlenhydrate oder Zucker enthält, ist dieser Sinn für sie evolutionär überflüssig. Für Minke ist die Geschmackskategorie Umami (herzhaft, fleischig) die mit Abstand wichtigste. Ihre Rezeptoren reagieren extrem sensibel auf Aminosäuren, um proteinreiche Nahrung wie Fische, Vögel und kleine Säugetiere zu identifizieren. Sie können salzige und saure Komponenten wahrnehmen (wichtig für den Elektrolythaushalt und das Erkennen von verdorbenem Fleisch). Der Bittersinn ist ebenfalls vorhanden, um sich vor Toxinen zu schützen, ist aber oft weniger feingliedrig ausgeprägt als bei Pflanzenfressern
Sonstiges: Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Zischen (wenn sie sich bedroht fühlen oder Angst haben), Knurren und Schnaufen (bei Ärger oder zur Warnung), Bellen / Quieken, Schreie (bei heftigen kämpfen oder großer Panik)
Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre
Lebensraum: Uferbereiche von Bächen, Flüssen, Seen, Teichen, Sümpfen, Mooren, Bruchwäldern. AnWasser gebunden. Selten weiter als 50m vom Gewässerrand entfernt. Bevorzugt stillen und einsamen Lebensraum
Nest: Minke bauen in der Natur selten eigene Höhlen, sondern nutzen vorhandene Unterschlüpfe in Ufernähe
Lebensweise: Einzelgänger, dämmerungs- und nachtaktiv, sehr ortstreu, stark territorial, gegenüber Artgenossen aggressiv. Tagsüber verbergen sie sich in Bauen, die sie selbst gegraben oder von anderen Tieren übernommen haben, manchmal auch unter Steinen oder in Baumwurzeln. Selbstgegrabene Baue können bis zu 3m lang sein und oft mehrere Eingänge haben
Fortbewegung: Exzellenter Schwimmer und Taucher, gute Kletterer können Bäume erklimmen
Nahrung: Bisamratten, Flusskrebse, Frösche, junge Kaninchen, Kröten, Mäuse, Spitzmäuse, Sumpfbrüter, verschiedene Fischarten, Vogeleier, Wasser- und Singvögel
Kot: Die Losung ist länglich, wurstförmig und oft an den Enden spitz zugezogen. Weil Minke sich von Fisch, Krebsen, Fröschen und Kleinsäugern ernähren, finden sich im Kot oft unverdaute Reste wie Fischschuppen, Knochensplitter oder Tierhaare. Typisch für mardergroße Raubtiere, aber kleiner als Fischotter-Losung. Minke setzen ihren Kot an gut sichtbaren, erhöhten Stellen ab. Typische Orte sind Steine am Ufer, Baumwurzeln oder herausragendes Totholz. Der Kot hat einen starken Eigengeruch, mit dem die Tiere ihr Revier markieren und Artgenossen erkennen
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in selbst gegrabenen Erdbauen, verlassenen Bisamrattenbauten, in Uferböschungen, unter Wurzeln oder in dichten Hecken geboren
Paarungszeit: Februar – April
Balzverhalten: Die Männchen verlassen im Frühjahr ihre Territorien und suchen anhand von Duftmarken gezielt nach Weibchen. Trifft das Männchen auf eine Partnerin, zeigt er oft spezifische Verhaltensweisen wie vermehrtes Schnüffeln (sniffing), Reiben (rubbing) und ein charakteristisches Glucksen (clucking). Das eigentliche „Balzen“ gleicht eher einem wilden Ringkampf. Weibchen wehren sich anfangs oft heftig und attackieren das Männchen lautstark, wenn sie noch nicht bereit sind. Das Männchen versucht, die Flucht des Weibchens zu verhindern, jagt sie und drückt sie schließlich zu Boden
Tragzeit: 40 – 75 Tage
Wurfzeit: April – Juli
Wurfgröße: 2 – 10 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 5 – 7 Wochen
Selbstständig: Ca. 10 Monate
Geschlechtsreife: Ca 10 – 18 Monate
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Füchse, Fischotter, Greifvögel, Hunde, Katzen
Abwehrverhalten: In die Enge getrieben, reagieren Nerze sehr aggressiv, mit fauchen, knurren und kreischen, können bei Bedrohung streng riechendes Sekret aus ihren Analdrüsen absondern, um Feinde abzuschrecken, flüchten aber in der Regel
Krankheiten: Aleuten-Nerzkrankheitsvirus (AMDV – Nerzplasmozytose), SARS-CoV-2 (COVID-19), Staupe
Schutzstatus:
Keiner – da invasive Art
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, ganzjährig
Funktion im Ökosystem: Der Mink verdrängt den selten gewordenen Europäischen Nerz (Mustela lutreola) und den Iltis (Mustela putorius), indem er dieselbe ökologische Nische besetzt, aber durchsetzungsstärker ist. Besonders Bodenbrüter und bestimmte Amphibienpopulationen leiden unter dem hohen Jagddruck des Minks. In einigen Gebieten ist eine Ausrottung kaum möglich, weshalb eine Kontrolle des Bestandes notwendig ist, um die einheimische Tierwelt zu schützen
Minke brauchen Hilfe, wenn …
– sie mit sichtbaren Verletzungen (z. B. nach Verkehrsunfall). gefunden werden
– sie apathisch oder krank wirken
– ein Jungtier offensichtlich verlassen ist (langes Warten und Beobachten ist nötig, um sicher zu sein)
– sie in einem Zaun feststecken oder in einen Schacht gefallen sind
Wie helf ich richtig?
– Vorsichtig nähere, Abstand halten und nicht versuchen, das Tier ohne Schutz zu berühren. Ein verletzter Mink kann panisch beißen
– Prüfen ob das Tier wirklich verletzt, apathisch oder verwaist ist. Oftmals wirken Wildtiere nur teilnahmslos, brauchen aber keine menschliche Hilfe
– Umgehend eine Wildtierstation, einen wildtierkundigen Tierarzt oder den Jagdpächter/Förster kontaktieren. Da der Mink eine invasive Art ist (ab 2027 auf der EU-Unionsliste), ist der Kontakt zu Fachleuten besonders wichtig
– Nur wenn nötig, das Tier mit Handschuhen in einen dunklen, sicheren Karton setzen, um Stress zu vermeiden
– Nicht füttern/tränken, nicht, versuchen das Tier selbst zu füttern oder Wasser einzuflößen, da dies zu Verletzungen oder zum Tod führen kann
– Kontakt auf ein Minimum beschränken, um das Tier nicht unnötig zu stressen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Minke sind geschickte Jäger, die Zäune überwinden oder untergraben können. Hühnerställe und Gehege sollten engmaschig und fest verschlossen sein, am besten mit einem Fundament, das in den Boden reicht
– Da Minks als Neozoen (invasive Art) gelten und sich stark vermehren, sollten direkte Begegnungen vermieden werden. Sie können beißen, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen
– Bei einer starken Ansiedlung oder Problemen mit Minken, insbesondere in der Nähe von schützenswerten Feuchtgebieten, sollten die örtliche untere Naturschutzbehörde (UNB) kontaktiert werden
