Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Zwergfledermaus
Beschreibung: Oberseite rot bis dunkelbraun. Unterseite gelb, gelbbraun bis graubraun. Schnauze, Ohren und Flügel schwarzbraun. Nach der Mückenfledermaus die kleinste Art in Europa. Ähnelt der Madeira-Fledermaus (nicht einheimisch)
Körpergröße: 3,3cm – 5,2cm
Flügelspannweite: 18cm – 24cm
Unterarmlänge: 2,6cm – 3,5cm
Gewicht: 3g – 9g
Herzfrequenz: 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 41°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: Zwergfledermäuse senden kurze, hochfrequente Rufe aus, die für Menschen unhörbar sind. Anhand des Echos erkennen sie Hindernisse und Beute auf 10m – 50m Distanz. Kurze, breite Ohren, Ohrdeckel sind mehr lang als breit
Frequenz/Rufe: 41kHz – 52kHz „pipi-pupu-pipi-pupupupu“, Ruflänge 3ms – 10ms
Geruchsinn: Wird genutzt, um sich zu orientieren und Jungtiere in der Gruppe zu erkennen
Sonstiges: Über Tasthaare und sensible Flügelmembranen nehmen sie Luftströmungen wahr. Es gibt Hinweise auf einen Magnetsinn zur Orientierung über größere Distanzen
Lebenserwartung: 17 Jahre
Lebensraum: Vorwiegend in Dörfern und Städten, bevorzugt an Wäldern und Gewässern
Sommerquartier – Spalten an Gebäuden, in Zwischendächern, in Felsspalten oder hinter Baumrinde
Winterquartier – Spalten an Gebäuden, in Fels- und Mauerspalten, unterirdischen Kellern, Tunneln und Höhlen
Lebensweise: Zwergfledermäuse sind anpassungsfähige Kulturfolger
Fortbewegung: Kann an rauen Oberflächen (Bäume, Fassaden) klettern und krabbeln, um in ihre engen Spaltenverstecke zu gelangen
Jagd: Fliegt vor Sonnenuntergang aus. Gejagt wird im wendigen, kurvenreichen Flug. Oft werden lineare Strukturen auf festen Flugbahnen und Straßenlampen abpatroulliert. Erst nahe der Vegetation, später auch am freien Himmel und über Gewässern. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 2km vom Quartier entfernt
Nahrung: Kleine Fliegen, Stechmücken, Zweiflügler (Zuckmücken)
Sonstiges: Braucht ca. 3.000 Stechmücken pro Nacht
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind oft in Spalten an Gebäuden, in Zwischendächern, in Felsspalten oder hinter Baumrinde zu finden. Diese umfassen meist 50 – 100 Tiere. Die Wochenstuben werden zum Teil mit Weißrandfledermäusen geteilt
Paarungszeit: August – September, dann 5 – 8 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Vor der Überwinterung entstehen Paarungsquartiere, bei denen die Männchen, durch vor ihrem Balzquartier vorgetragene Singflüge, Weibchen in ihren Harem zu locken versuchen
Tragzeit: 50 – 44 Tage
Wurfzeit: Mitte Juni – Juli
Wurfgröße: 1 – 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Kohlmeisen, Steinmarder
Abwehrverhalten: Flucht durch Flugmanöver, verstecken, bei Bedrohung können Zwergfledermäuse gut hörbare soziale Laute (oft ein hohes „Zetern“ oder Zirpen) ausstoßen, um Feinde zu irritieren oder Artgenossen zu warnen
Krankheiten: Tollwut (Europäische Fledermaus-Lyssaviren – EBLV), Weißnasenkrankheit
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie
Es ist verboten, Zwergfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Zwergfledermäuse sind extrem gefräßige Insektenfresser. Eine einzige Zwergfledermaus kann pro Nacht schätzungsweise 500 bis über 3.000 kleine Insekten wie kleine Fliegen, Stechmücken, Zweiflügler (Zuckmücken) vertilgen. Durch ihre nächtliche Jagd, oft in Siedlungsnähe, an Waldrändern oder Gewässern, reduzieren sie die Anzahl von Insekten erheblich. Dies vermindert den Bedarf an Pestiziden in Land- und Forstwirtschaft. Als nachtaktive Jäger übernehmen sie die Rolle von insektenfressenden Vögeln, die nachts ruhen, und vermeiden so Nahrungskonkurrenz. Sie sind sehr anpassungsfähig und nutzen sowohl ländliche als auch städtische Räume. Ihr Kot (Guano) ist ein wertvoller natürlicher Dünger
Zwergfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– man ein Tier am Boden, im Gras oder an einer Hauswand krabbelnd findet, dann ist es oft geschwächt oder verletzt
– sie offensichtliche Verletzungen (z. B. durch Katzenangriffe oder Kollisionen) haben
– verwaiste Jungtiere, die nackt oder nur flauschig behaart sind, schreien
– sie sich im Haus oder in Kellern verflogen haben und nicht mehr allein herausfinden
– sie nach extremem Wetter (anhaltender Regen, Kälte) entkräftet sind
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton (Zwergfledermäuse sind extrem klein und flink) stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (nur lauwarm, nicht heiß!) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstation kontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Fliegengitter anbringen, besonders im Spätsommer
– Zwergfledermäuse sind Spaltenbewohner und nutzen oft Fassadenverkleidungen, Rollladenkästen oder Dachspalten. Fledermäuse richten keine Schäden an der Bausubstanz an, sie nagen nicht
– Fledermauskot ist trocken, krümelig und ein guter Dünger. Ein Brett unter der Einflugöffnung kann den Kot auffangen
– Licht vermeiden, keine starken Strahler direkt auf die Einflugöffnungen richten, da dies die Tiere stört
– Wenn Dachsanierungen anstehen, unbedingt vorher Experten hinzuziehen
– Ersatzquartiere (Fledermauskästen) können als Alternative am Haus angebracht werden
Was kann ich tun um die Zwergfledermaus zu unterstützen?
– Quartiere schaffen, Fledermausbretter oder Flachkästen an sonnigen, regengeschützten Giebelwänden anbringen
– Einheimische Sträucher und Stauden pflanzen, die nachtaktive Insekten anlocken (z.B. Nachtkerze, Leimkraut)
– Lichtverschmutzung vermeiden, warmweiße LED-Lampen mit geringem Blauanteil und Bewegungsmelder verwenden, um die Umgebung nicht unnötig zu beleuchten
– Flache Schale mit Wasser (und Ausstiegshilfe) im Garten aufstellen, besonders in trockenen Sommern
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Klaus Richarz
Mythologie: …
