A B D E F G H I K L M N R S T W Z

Zweifarbfledermaus – Vespertilio murinus

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Zweifarbfledermaus

Beschreibung: Das kurzhaarige, dichte, zweifarbige Rückenfell ist rot- bis dunkelbraun und an den Haarspitzen silberweiß. Die Bauchseite ist ebenfalls weiß bis gräulich. Ohren, Flügel und Gesicht sind schwarzbraun. Flügel im Verhältnis zum Körper schmal und der letzte Schwanzwirbel ragt frei aus der Schwanzflughaut. Ohren kurz, breit und rundlich
Körpergröße: 4,8cm – 6,4cm
Flügelspannweite: 26cm – 33cm
Unterarmlänge: 4cm – 5cm
Gewicht: 10g – 23g (wenig mehr als ein Stück Würfelzucker)
Herzfrequenz: 600 – 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 42°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Obwohl sie nachtaktiv ist, verfügt sie über Augen
Gehör: Nutzt Ultraschalllaute, um Insekten in der Dunkelheit aufzuspüren und Hindernisse zu umfliegen. Ihre Rufe dienen dazu, Beute wie Dipteren (Zweiflügler), Schmetterlinge, Köcherfliegen und Netzflügler im Flug zu orten
Geruchsinn: Gut ausgeprägt
Sonstiges: Ihre Sinnesorgane ermöglichen es ihr, als kältetolerante Art auch bei niedrigen Temperaturen aktiv zu sein, wobei sie im Winterquartier sogar Mitte Dezember noch balzen

Lebenserwartung: 5 – 12 Jahre
Lebensraum: Bewaldete Gebirge, Steppen, Farmland, Uferregionen von Seen, Siedlungen
Lebensweise: Als Sommerquartier werden Rolladenkästen, Spalten an Gebäuden bewohnt, meist Zwischendachquartiere an hohen Gebäuden. Dort werden meist die Wochenstuben und Männchenquartiere vorgefunden. Im Winter werden Spalten in Dachböden, an Mauern und Felsen oder Keller und unterirdische Gewölbe bezogen. Da Funde selten sind, ist über die Lebensweise nicht sehr viel bekannt. Die Wochenstuben bestehen aus kleinen Gruppen, die etwa um die 50 Weibchen, gelegentlich jedoch auch mehrere hundert Weibchen, umfassen. In Westeuropa wurden vor allem Männchenquartiere vorgefunden, die um die 250 Tiere umfassten. Die Einflugslöcher werden mit angeklebtem Kot markiert. Sie ist eine wandernde Art und Flüge bis um die 900 km wurden durch Beringung festgestellt. Eine der außergewöhnlich weiten nachgewiesenen Wanderungen führte über 1.440km von Estland nach Österreich. Die längste bisher bekannte Wanderung war eine über 1.787km von Rybatschi in der Oblast Kaliningrad bis nach Frankreich. Ihren Winterschlaf hält die Zweifarbenfledermaus zwischen Oktober und März und schläft dabei alleine, selten in Gruppen in Felsspalten und Spalten in der Hausfassade. Dabei kann sie Temperaturen bis zu −2,6 °C aushalten. An Vögel erinnernden, zwitschernden Rufe vor allem im Herbst während der Balzzeit

Fortbewegung:
Jagd Jagt bevorzugt in freiem Luftraum in 10m – 40m Höhe mit Ultraschalltönen um die 22kHz – 27 kHz. Über Gewässern und im Wald auf festen Flugrouten. Die Jagdgebiete liegen meist im Umkreis von 5km um ihr Quartier. Beuteflüge finden dabei nach der Dämmerung statt. Es werden kleine, 3mm – 10mm große Insekten gejagt, die in den entsprechenden Lebensräumen, oft über dem Wasser, in Schwärmen auftreten. Dabei geht die Zweifarbfledermaus, ähnlich wie die meisten anderen Fledermausarten, die sich von Insekten ernähren, nicht besonders selektiv vor. Es scheint energetisch günstiger zu sein, ohne große Vorauswahl durch die Echolotung Fluginsekten zu lokalisieren und diese oft über seichtem Wasser oder in Ufernähe auftretenden dichten Schwärme für die Nahrungsaufnahme zu nutzen. Bei kalten Wetter verbleibt die Fledermaus in ihrem Quartier
Nahrung: (kleine) Zweiflügler, Köcherfliegen, Zuckmücken, Nachtfalter, Blattläuse


Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Quartiere befinden sich häufig in ⁠Gebäuden (z. B. Spalten in Plattenbauten, Zwischendächer, Wandverkleidungen), aber auch in Baumhöhlen, Felspalten oder Nistkästen
Paarungszeit: Oktober – Dezember, dann 4 – 5 Monate Keimruhe
Tragzeit: Ca. 52 Tage
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 1 – 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 6 – 7 Wochen, zwei Paar Milchzitzen. Keine andere europäische Art hat dieses Merkmal, dadurch können auch Drillinge und selten Vierlinge ernährt werden
Selbstständig: Ca. 4 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….

Natürliche Feinde: Hauskatzen, Steinmarder, Eulen, Greifvögel, Kohlmeisen
Abwehrverhalten: Versteckt sich in schmaler Spaltenstrukturen (hinter Holzverschalungen, Dachbalken), oft in großer Höhe (zwischen Gebäudezeilen) unterwegs, was das Risiko durch lauernde Beutegreifer am Boden oder in niedrigeren Baumregionen minimiert
Krankheiten: Fledermaustollwut (Lyssaviren – EBLV-1, EBLV-2, BBLV)

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Zweifarbfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Als spezialisierte Jäger, die Insekten im Flug erbeuten, tragen sie zur Regulierung von Insektenpopulationen bei. Sie fressen Käfer und Nachtfalter. Durch ihre Nahrungswahl helfen sie, insektenreiche Gebiete und Siedlungsräume von Schädlingen freizuhalten. Die Zweifarbfledermaus besetzt eine spezifische ökologische Nische, indem sie oft in großer Höhe oder über Gewässern jagt, wo sie Insekten fängt, die anderen Fledermäusen oder Vögeln entgehen. Da sie kälteresistent ist und sogar im späten Herbst oder Winter (oft in hohen Gebäuden) balzt, ist sie auch in kälteren Perioden aktiv und kann Insekten fressen, wenn andere Fledermausarten bereits im Winterschlaf sind. Sie ist eine typische gebäudebewohnende Art, die Spalten in Gebäuden als Sommer- und Winterquartiere nutzt. Als wandernde Fledermausart legt sie große Strecken zurück, was zur genetischen Vermischung beiträgt

Zweifarbfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie offen am Boden, auf dem Gehweg oder in der Wiese sitzen
– sie sichtbar verletzt sind (Flügel hängt, Blut) oder sich nicht bewegen/schwach wirken
– nach starken Kälteeinbrüchen zu stark geschwächt sind um zu fliegen
– sie im Sommer in ein Zimmer geflogen sind und nicht mehr hinausfinden

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton (Zwergfledermäuse sind extrem klein und flink) stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (nur lauwarm, nicht heiß!) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Ausflug ermöglichen (statt Einmauern). Fledermäuse dürfen keinesfalls eingemauert werden
– Alternative Quartiere schaffen. Wenn ein Quartier verschlossen wird, sollten künstliche Spaltenquartiere wie Fledermausbretter oder Flachkästen an Giebelwänden als Ausweichquartier montiert werden
– Sanierungen am Dach sollten vermieden werden, wenn die Weibchen im Sommer (Juni – August) ihre Jungen aufziehen, da diese noch nicht fliegen können

Was kann ich tun um die Zwergfledermaus zu unterstützen?
– Bei Sanierungen an Plattenbauten, Hochhäusern oder älteren Gebäuden schmale Einschlupföffnungen zu Spalten und Verstecken offen lassen
– Fledermausbretter oder spezielle Flachkästen an Fassaden oder unter Dachvorsprüngen anbieten. Diese werden besonders in der Sommerzeit (Wochenstuben) genutzt
– Vor anstehenden Dacharbeiten über fledermausfreundliche Sanierungsmethoden informieren, um die Tiere nicht einzumauern oder ihre Quartiere zu zerstören
– Bekannte Einflugöffnungen vor Feinden wie Katzen oder Mardern schutzen
– Naturfreundlichen Garten mit einheimischen Pflanzen, die Nachtfalter und andere Insekten anlocken gestalten
– Auf chemische Insektizide verzichten
– Starkes, dauerhaftes Außenlicht (z.B. Strahler) vermeiden, da dies Insekten anlockt und die Jagdgewohnheiten der Fledermäuse stören kann

Buchtipps:

Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

Zur Webseite des Experten »