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Zweifarbfledermaus – Vespertilio murinus

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Zweifarbfledermaus

Beschreibung: Langes, dichtes Fell. Oberseite dunkelbraun, schwarzbraun mit silbrigweißen Haarspitzen. Unterseite grauweiß. Schmale Flügel. Ohren dunkel und kurz
Körpergröße: 4,8cm – 6,4cm
Flügelspannweite: 26cm – 33cm
Unterarmlänge: 4cm – 5cm
Gewicht: 10g – 24g
Herzfrequenz: 600 – 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 42°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: Nutzt Ultraschalllaute, um Insekten in der Dunkelheit aufzuspüren und Hindernisse zu umfliegen. Ihre Rufe dienen dazu, Beute wie Dipteren (Zweiflügler), Schmetterlinge, Köcherfliegen und Netzflügler im Flug zu orten
Frequenz/Rufe: 22kHz – 27kHz „…“, Ruflänge 10ms – 21ms
Geruchsinn: Gut ausgeprägt
Sonstiges: Ihre Sinnesorgane ermöglichen es ihr, als kältetolerante Art auch bei niedrigen Temperaturen aktiv zu sein, wobei sie im Winterquartier sogar Mitte Dezember noch balzen

Lebenserwartung: 5 Jahre
Lebensraum: Waldiges Bergland, in Steppenregionen, in Städten und im Gebirge bis zu einer Höhe von 1.900m
Sommerquartier – In Spalten an und in Gebäuden, Felsspalten, hinter Fensterläden, in Rolladenkästen, in Zwischendächern und Mauerritzen
Winterquartier – In Spalten an und in Gebäuden und Felsspalten. Schläft von Oktober bis März alleine, selten in Gruppen. Dabei kann sie Temperaturen bis zu −2,6 °C aushalten
Lebensweise: Da Funde selten sind, ist über die Lebensweise nicht sehr viel bekannt. In Westeuropa wurden vor allem Männchenquartiere vorgefunden, die um die über 200 Tiere umfassten. Die Einflugslöcher werden mit angeklebtem Kot markiert. Sie ist eine wandernde Art und Flüge bis um die 900 km wurden durch Beringung festgestellt. Eine der außergewöhnlich weiten nachgewiesenen Wanderungen führte über 1.440km von Estland nach Österreich. Die längste bisher bekannte Wanderung war eine über 1.787km von Rybatschi in der Oblast Kaliningrad bis nach Frankreich

Fortbewegung:
Jagd: Fliegt in später Dämmerung aus. Gejagt wird im schnellem, geradlinigem, oft hohem (10m – 40m) Flug auf festen Flugbahnen im freien Luftraum, über Gewässern und im Wald. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 5km vom Quartier entfernt
Nahrung: Blattläuse, Köcherfliegen, Nachtfalter, Zuckmücken, (kleine) Zweiflügler

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Quartiere befinden sich häufig in ⁠Spalten an und in Gebäuden, Felsspalten, hinter Fensterläden, in Rolladenkästen, in Zwischendächern und Mauerritzen. Die Wochenstubengröße beträgt meist 30 – 50 Weibchen
Paarungszeit: Oktober – Dezember, dann 4 – 5 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Hoden der Männchen sind zu Beginn der Paarungszeit stark vergrößert. Im Spätherbst unternehmen sie Balzflüge um hohe Gebäude wie zum Beispiel Kirchtürme. Der Balzgesang klingt ähnlich wie zwitschernden Vögel
Tragzeit: Ca. 52 Tage
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 2 – 3 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 6 – 7 Wochen, zwei Paar Milchzitzen. Keine andere europäische Art hat dieses Merkmal, dadurch können auch Drillinge ernährt werden
Selbstständig: Ca. 4 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Steinmarder, Kohlmeisen
Abwehrverhalten: Versteckt sich in schmaler Spaltenstrukturen (hinter Holzverschalungen, Dachbalken), oft in großer Höhe (zwischen Gebäudezeilen) unterwegs, was das Risiko durch lauernde Beutegreifer am Boden oder in niedrigeren Baumregionen minimiert
Krankheiten: Fledermaustollwut (Lyssaviren – EBLV-1, EBLV-2, BBLV)

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Zweifarbfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Als spezialisierte Jäger, die Insekten im Flug erbeuten, tragen sie zur Regulierung von Insektenpopulationen bei. Durch ihre Nahrungswahl helfen sie, insektenreiche Gebiete und Siedlungsräume von Schädlingen freizuhalten. Die Zweifarbfledermaus besetzt eine spezifische ökologische Nische, indem sie oft in großer Höhe oder über Gewässern jagt, wo sie Insekten fängt, die anderen Fledermäusen oder Vögeln entgehen. Da sie kälteresistent ist und sogar im späten Herbst oder Winter (oft in hohen Gebäuden) balzt, ist sie auch in kälteren Perioden aktiv und kann Insekten fressen, wenn andere Fledermausarten bereits im Winterschlaf sind. Sie ist eine typische gebäudebewohnende Art, die Spalten in Gebäuden als Sommer- und Winterquartiere nutzt. Als wandernde Fledermausart legt sie große Strecken zurück, was zur genetischen Vermischung beiträgt

Zweifarbfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie offen am Boden, auf dem Gehweg oder in der Wiese sitzen
– sie sichtbar verletzt sind (Flügel hängt, Blut) oder sich nicht bewegen/schwach wirken
– sie nach starken Kälteeinbrüchen zu stark geschwächt sind um zu fliegen
– sie im Sommer in ein Zimmer geflogen sind und nicht mehr hinausfinden

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (nur lauwarm, nicht heiß!) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Ausflug ermöglichen (statt Einmauern). Fledermäuse dürfen keinesfalls eingemauert werden
– Alternative Quartiere schaffen. Wenn ein Quartier verschlossen wird, sollten künstliche Spaltenquartiere wie Fledermausbretter oder Flachkästen an Giebelwänden als Ausweichquartier montiert werden
– Sanierungen am Dach sollten vermieden werden, wenn die Weibchen im Sommer (Juni – August) ihre Jungen aufziehen, da diese noch nicht fliegen können

Was kann ich tun um die Zweifarbfledermaus zu unterstützen?
– Bei Sanierungen an Plattenbauten, Hochhäusern oder älteren Gebäuden schmale Einschlupföffnungen zu Spalten und Verstecken offen lassen
– Fledermausbretter oder spezielle Flachkästen an Fassaden oder unter Dachvorsprüngen anbieten. Diese werden besonders in der Sommerzeit (Wochenstuben) genutzt
– Vor anstehenden Dacharbeiten über fledermausfreundliche Sanierungsmethoden informieren, um die Tiere nicht einzumauern oder ihre Quartiere zu zerstören
– Bekannte Einflugöffnungen vor Feinden wie Katzen oder Mardern schutzen
– Naturfreundlichen Garten mit einheimischen Pflanzen, die Nachtfalter und andere Insekten anlocken gestalten
– Auf chemische Insektizide verzichten
– Starkes, dauerhaftes Außenlicht (z.B. Strahler) vermeiden, da dies Insekten anlockt und die Jagdgewohnheiten der Fledermäuse stören kann

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Klaus Richarz

Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

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