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Wimpernfledermaus – Myotis emarginatus

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Wimpernfledermaus

Beschreibung: Oberseite rot, rotbraun bis graubraun. Unterseite gelblichgrau. Jungtiere sind wesentlich dunkler. Langes, lockeres, wolliges Rückenfell. Schwanzflughaut mit feinen Härchen „Wimpern“ besetzt
Körpergröße: 3,8cm – 5,3cm
Flügelspannweite: 22cm – 25cm
Unterarmlänge: 3,6cm – 4,5cm
Gewicht: 5,5g – 15,5g
Herzfrequenz: 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 40°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: Sehr feine Ohren, die auf die Ortung ihrer Beute spezialisiert sind
Frequenz: 48kHz – 75kHz., Ruflänge 1ms – 4ms
Geruchsinn: Ausgeprägten Geruchssinn, der zur Ortung von Quartieren und zur Jagd genutzt wird
Sonstiges: Eine besondere Sinnesleistung ist die Fähigkeit, Beute nicht nur im freien Flug zu fangen, sondern von Blättern, Wänden oder aus Stallgebäuden „abzulesen“. Sie reagiert dabei auch auf sehr leise Geräusche der Beutetiere, wie das Rascheln von Insekten

Lebenserwartung: 16 Jahre
Lebensraum: Dörfer, Karstgebiete, strukturreiche Laubwälder, Parks, Obstwiesen
Sommerquartier – Im Norden auf Dachböden und Viehställen, im Süden in warmen Höhlen und Felsnischen. Hängen dort oft in einer Traube an Sparren oder Brettern und teilen sich das Quartier oft mit großen Mausohren oder der Bechsteinfledermaus. Einzelne Tiere leben auch in Baumhöhlen, Baumspalten und Fledermauskästen
Winterquartier – In Höhlen und Kellern. Hängen dort meist frei an der Decke und der Wand, selten auch in Clustern und Spalten hängend
Lebensweise: Wärmeliebende und ortstreue (wandert nicht mehr als 40km) Art. Teilt das Quartier manchmal mit Fransenfledermäusen
Lautäußerung: Peakfrequenz 48kHz – 75kHz, Ruflänge 1ms – 4ms

Fortbewegung:
Jagd Fliegt während der Abenddämmerung aus. Gejagt wird auf Flugstraßen an Busch- und Heckenrändern und Bäumen im Pendelflug, Rüttelflug und vom Ansitz aus. Insekten werden von Blättern abgelesen, Fliegen von den Decken. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 10km vom Quartier entfernt
Nahrung: Hautflügler, Käfer, Netzflügler, Schmetterlinge, Spinnen, Webspinnen, Zweiflügler (Fliegen, Mücken)

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Quartiere befinden sich häufig in ⁠Dachstühlen, alten Gebäuden, Bauernhöfen, Viehställe, Gebäudeaußenwände, unter Dachvorsprüngen und Baumhöhlen. Diese umfassen meist 20 bis 200 Tiere
Paarungszeit: Oktober – November, dann 8 – 9 Monate Keimruhe
Tragzeit: Ca. 52 Tage
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….
Sonstiges:

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Kohlmeisen, Marder
Abwehrverhalten: Flüchtet oder beißt
Krankheiten: Flöhe, Flughautmilben, Lausfliegen, Tollwut (Lyssaviren), Weißnasenkrankheit (White-Nose Syndrome)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Wimpernfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Wimperfledermäuse ernähren sich überwiegend von Hautflügler, Käfer, Netzflügler, Schmetterlinge, Spinnen, Webspinnen, Zweiflügler (Fliegen, Mücken). Da sie diese Tiere oft direkt von Blättern im Wald oder von Stallwänden abpflücken, reduzieren sie die Insektenpopulation in strukturreichen Landschaften. Eine Besonderheit ist ihre Vorliebe für Kuhställe als Jagdrevier, besonders an Regentagen. Dadurch fungieren sie als Nützlinge, indem sie dort lästige Fliegen dezimieren. Die Wimperfledermaus ist ein Indikator für ein intaktes, extensiv genutztes Landschaftsbild mit Laubwäldern, Hecken und Obstwiesen. Aufgrund ihrer Lebensweise, die oft die Nähe zum Menschen (Dachböden, Ställe) sucht, ist sie als FFH-Art (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) im Rahmen von NATURA 2000 streng geschützt

Wimpernfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie auf dem Boden, auf einer Straße oder einem Gehweg liegen
– sie tagsüber an einer Hauswand, auf einem Zaun oder an einem anderen offenen Platz hängen
– sie verletzt, abgemagert, lethargisch (träge) sind
– sie von Katzen gebracht wurden
– im Sommer (Juni – August) flugunfähige Jungtiere gefunden werden
– sie sich in geschlossene Räume verirrt haben

Wie helfe ich richtig?
– Niemals mit bloßen Händen anfassen! Fledermäuse können beißen, wenn sie Schmerzen haben oder Angst verspüren
– Dicke Handschuhe (Leder/Gartenarbeit) oder ein Tuch benutzen, um das Tier zu greifen
– Fledermäuse sind sehr zerbrechlich, daher nicht zu fest zugreifen
– Das Tier in einen kleinen Karton (z.B. Schuhkarton) mit Luftlöchern setzen
– Ein Tuch als Versteckmöglichkeit und zum Festhalten hinein legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Wenn die Fledermaus dehydriert wirkt, können Sie ihr vorsichtig einen Wassertropfen auf dem Stiel eines Löffels oder mit einer Pipette an das Maul halten (nicht in die Nase tropfen!)
– Umgehend eine lokale Wildtierstationen oder einen wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren
– Informieren Sie den Experten genau über den Fundort, da Fledermäuse oft ortstreu sind

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Engmaschige Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren anbringen, besonders wenn diese nachts geöffnet bleiben
– Da Fledermäuse von Insekten angezogen werden, die wiederum vom Licht angelockt werden, hilft es, Außenbeleuchtung am Abend auszuschalten
– Bei Besiedlung am Haus Kotbretter unterhalb des Einflugs anbringen, diese lassen sich leicht reinigen
– Der Kot kann als Dünger im Garten verwendet werden, sollte aber nicht mit bloßen Händen angefasst werden
– Alternative Quartiere anbieten wie Fledermauskästen

Was kann ich tun um die Wimpernfledermaus zu unterstützen?
– Wimperfledermäuse nutzen gerne Dachstühle von Gebäuden oder Ställe. Einschlupflöcher daher offen lassen
– Einsatz von Holzschutzmitteln vermeiden, die für die Tiere giftig sind
– Ein naturnaher Garten mit einer artenreichen Wiese statt englischem Rasen zieht Insekten an
– Einheimische Gehölze wie Holunder oder Hundsrose pflanzen
– Blumen, die nachtaktive Insekten anlocken, z. B. Leimkraut, Seifenkraut oder Wegwarte helfen sehr
– Auf chemische Mittel verzichten, um die Nahrungsgrundlage (Insekten) zu sichern
– Spezielle Fledermauskästen anbringen, wenn natürliche Quartiere fehlen
– Notpflegestationen/Auffangstationen finanziell unterstützen

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Klaus Richarz

Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

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