Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Wimpernfledermaus
Beschreibung: Langes, wolliges Rückenfell, dreifarbig mit grauer Basis, strohgelber Mitte und rost-braunen bis fuchsroten Spitzen. Bauchseite gelblich-grau. Schnauze rot-braun gefärbt. Ohren dunkel graubraun und mittelgroß, besitzen am Außenrand des oberen Drittels eine fast rechtwinklige Einbuchtung und sechs bis sieben ausgeprägte Querfalten. Außenseite ist mit zahlreichen auffälligen Papillen bestückt. Tragus lanzettlich und am Außenrand gekerbt, erreicht in seiner Höhe fast die Einbuchtung des Außenrandes. Flughäute graubraun gefärbt. Flügel relativ breit ausgebildet. Handflughaut (Plagiopatagium) setzt an der Zehenwurzel der relativ kleinen Füße an. Schwanzflughaut (Uropatagium) besitzt einen geraden Calcar, der etwa die Hälfte der Schwanzflughautlänge erreicht. Ihren Namen bekam die Fledermaus aufgrund von spärlichen feinen Haaren an der Dorsalseite der Schwanzflughaut, die den freien Rand der Schwanzflughaut überragen
Körpergröße: 4,1cm – 5,3cm
Flügelspannweite: 22cm – 25cm
Unterarmlänge: 3,6cm – 4,5cm
Gewicht: 5g – 15g
Herzfrequenz: 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 40°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Kann auch bei Dämmerlicht gut sehen
Gehör: Sehr feine Ohren, die auf die Ortung ihrer Beute spezialisiert sind
Geruchsinn: Ausgeprägten Geruchssinn, der zur Ortung von Quartieren und zur Jagd genutzt wird
Sonstiges: Eine besondere Sinnesleistung ist die Fähigkeit, Beute nicht nur im freien Flug zu fangen, sondern von Blättern, Wänden oder aus Stallgebäuden „abzulesen“. Sie reagiert dabei auch auf sehr leise Geräusche der Beutetiere, wie das Rascheln von Insekten
Lebenserwartung: 16 – 18 Jahre
Lebensraum: Niederungen und untere Gebirgslagen sowie Karstgebiete.In einer Höhe von bis zu 1.800m, in den Alpen sind Wochenstuben bis in Höhen von 812m und überwinternde Tiere bis in 1.505 Metern nachgewiesen
Lebensweise: Wärmeliebende Art. Lebt im Norden ihres Verbreitungsgebietes vor allem an und in Häusern, im Süden ist sie dagegen eher eine Höhlenart. Die Sommerquartiere sind oft sehr hell, auf Dachböden bevorzugen sie Temperaturen zwischen 25°C und 30°C und hängen frei an den Dachlatten oder dem First. Einzeltiere oder Kleingruppen hängen auch oft unter überstehenden Dächern. Die Winterquartiere liegen in Höhlen, Stollen und Kellern bei Temperaturen von 6°C – 9°C, selten niedriger. Hier hängen die Tiere meist einzeln an der Decke oder den Wänden, seltener in Spalten, und bilden nur selten kleine Gruppen. Diese Gruppen können jedoch auch andere Arten wie etwa das Große Mausohr (Myotis myotis) oder die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) beinhalten
Lautäußerung: Peakfrequenz 48kHz – 75kHz, Ruflänge 1ms – 4ms
Fortbewegung:
Jagd Fliegt nah an der Vegetation und sammelt Beute von Oberflächen ab (foliage gleaning). Jagd beginnt etwa 40 bis 45 Minuten nach Sonnenuntergang, wobei die Jagdreviere in der Regel bis zu 10km nahe an den Revieren liegen und über Flugstraßen entlang von Hecken oder Wegen erreicht werden. Sie jagt nahe am Boden in 1m – 5m Höhe sowie über Wasserflächen in etwa 2m Höhe. Im Bereich von Hecken und Vegetationsrändern fliegt sie langsam und sammelt Beutetiere ab, ansonsten ist sie ein wendiger Flieger. Jagen auch gerne in Viehställen wo sie im Pendelflug Insekten von Wänden und Decken absammeln
Nahrung: Zweiflügler (Fliegen, Mücken), Schmetterlinge, Webspinnen, Raupen, Spinnen, Netzflügler, Käfer, Hautflügler
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Quartiere befinden sich häufig in Dachstühlen, alten Gebäuden, Bauernhöfen, Viehställe, Gebäudeaußenwände, unter Dachvorsprüngen und Baumhöhlen
Paarungszeit: Oktober – November, dann 8 – 9 Monate Keimruhe
Tragzeit: Ca. 52 Tage
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….
Sonstiges: Wochenstuben, häufig in gemeinsamen Quartieren mit anderen Fledermäusen wie der Großen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) mit 20 bis 200 Tieren
Natürliche Feinde: Greifvögel, Eulen, Katzen, Marder, Kohlmeisen
Abwehrverhalten: Flüchtet oder beißt
Krankheiten: Weißnasenkrankheit (White-Nose Syndrome), Flöhe, Flughautmilben, Lausfliegen, Tollwut (Lyssaviren)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Wimpernfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Wimperfledermäuse ernähren sich überwiegend von Fliegen, Spinnen und anderen Zweiflüglern. Da sie diese Tiere oft direkt von Blättern im Wald oder von Stallwänden abpflücken, reduzieren sie die Insektenpopulation in strukturreichen Landschaften. Eine Besonderheit ist ihre Vorliebe für Kuhställe als Jagdrevier, besonders an Regentagen. Dadurch fungieren sie als Nützlinge, indem sie dort lästige Fliegen dezimieren. Die Wimperfledermaus ist ein Indikator für ein intaktes, extensiv genutztes Landschaftsbild mit Laubwäldern, Hecken und Obstwiesen. Aufgrund ihrer Lebensweise, die oft die Nähe zum Menschen (Dachböden, Ställe) sucht, ist sie als FFH-Art (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) im Rahmen von NATURA 2000 streng geschützt
Wimpernfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie auf dem Boden, auf einer Straße oder einem Gehweg liegen
– sie tagsüber an einer Hauswand, auf einem Zaun oder an einem anderen offenen Platz hängen
– sie verletzt, abgemagert, lethargisch (träge) sind oder von Katzen gebracht wurden
– im Sommer (Juni – August) flugunfähige Jungtiere gefunden werden
– sie sich in geschlossene Räume verirrt haben
Wie helfe ich richtig?
– Niemals mit bloßen Händen anfassen! Fledermäuse können beißen, wenn sie Schmerzen haben oder Angst verspüren
– Dicke Handschuhe (Leder/Gartenarbeit) oder ein Tuch benutzen, um das Tier zu greifen
– Fledermäuse sind sehr zerbrechlich, daher nicht zu fest zugreifen
– Das Tier in einen kleinen Karton (z.B. Schuhkarton) mit Luftlöchern setzen
– Ein Tuch als Versteckmöglichkeit und zum Festhalten hinein legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Wenn die Fledermaus dehydriert wirkt, können Sie ihr vorsichtig einen Wassertropfen auf dem Stiel eines Löffels oder mit einer Pipette an das Maul halten (nicht in die Nase tropfen!)
– Umgehend eine lokale Wildtierstationen oder einen wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren
– Informieren Sie den Experten genau über den Fundort, da Fledermäuse oft ortstreu sind
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Engmaschige Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren anbringen, besonders wenn diese nachts geöffnet bleiben
– Da Fledermäuse von Insekten angezogen werden, die wiederum vom Licht angelockt werden, hilft es, Außenbeleuchtung am Abend auszuschalten
– Bei Besiedlung am Haus Kotbretter unterhalb des Einflugs anbringen, diese lassen sich leicht reinigen
– Der Kot kann als Dünger im Garten verwendet werden, sollte aber nicht mit bloßen Händen angefasst werden
– Alternative Quartiere anbieten wie Fledermauskästen
Was kann ich tun um die Wimpernfledermaus zu unterstützen?
– Wimperfledermäuse nutzen gerne Dachstühle von Gebäuden oder Ställe. Einschlupflöcher offen lassen und den Einsatz von Holzschutzmitteln vermeiden, die für die Tiere giftig sind
– Ein naturnaher Garten mit einer artenreichen Wiese statt englischem Rasen zieht Insekten an
– Einheimische Gehölze wie Holunder oder Hundsrose pflanzen
– Blumen, die nachtaktive Insekten anlocken, z. B. Leimkraut, Seifenkraut oder Wegwarte helfen sehr
– Auf chemische Mittel verzichten, um die Nahrungsgrundlage (Insekten) zu sichern
– Spezielle Fledermauskästen anbringen, wenn natürliche Quartiere fehlen
– Notpflegestationen/Auffangstationen finanziell unterstützen
Buchtipps: …
Mythologie: …
