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Weißrandfledermaus – Pipistrellus kuhlii

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Weißrandfledermaus

Beschreibung: Bei ausgebreiteten Flügeln ist gut zu erkennen, dass sich am hinteren Flughautrand zwischen dem letzten Fingerglied und dem Fuß auf beiden Seiten ein ca. 1mm – 2mm breiter, hell abgesetzter Saum befindet, der der Weißrandfledermaus ihren Namen gab
Körpergröße: 4cm – 4,8cm
Flügelspannweite: 21cm – 24cm
Unterarmlänge: 3cm – 3,7cm
Gewicht: 4g – 10g
Herzfrequenz: 900 – 1.000 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 40°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen:
Gehör: Extrem gut entwickelt, hauptsächlich Frequenz von etwa 35kHz – 42kHz., Ruflänge 5ms – 12ms
Geruchsinn: Vorhanden

Lebenserwartung: Ca. 20 Jahre
Lebensraum: Parks, Gärten, an Gewässern
Lebensweise: Weißrandfledermäuse sind Kulturfolger. Sommerquartiere befinden sich meist Spalten an Gebäuden, wie Rollladenkästen, Fassadenverkleidungen, hinter Wandverschalungen oder in Mauerlücken. Auch Fledermauskästen. Sie bilden oft Quartierverbünde innerhalb kleinerer Ortslagen. Männchen sind im Sommer überwiegend als Einzelgänger anzutreffen. Winterquartiere befinden sich in Spalten an Gebäuden, Fassaden, Dachböden oder auch mal in Felsspalten

Fortbewegung: Schnell und wendig, klettert und krabbelt, um in Spaltenquartiere zu gelangen
Jagd: Jagdflüge entlang von Landschaftsstrukturen, nutzt Straßenbeleuchtung zur Jagd auf kleine Fluginsekten, oft im Umkreis von Ca. 2km um ihr Quartier
Nahrung: Hautflügler (Ameisen), Zweiflügler (Zuckmücken, Stechmücken), Nachtfalter, Wanzen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, kleine Käfer, Kohlschnaken

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind Quartiere, in denen sich die Weibchen zusammenfinden, oft in Spalten an Gebäuden (hinter Verkleidungen, in Rollladenkästen). Die Kolonien können wenige Weibchen oder hunderte Tiere umfassen
Paarungszeit: August – September, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Tragzeit: 6 – 8 Wochen
Wurfzeit: April – Mai
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 6 – 8 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….

Natürliche Feinde: Greifvögel, Eulen, Hauskatzen, Steinmarder (besonders in Gebäudequartieren), Füchse, Rabenvögel, Kohlmeisen
Abwehrverhalten: Flucht durch Flugmanöver, verstecken
Krankheiten: Tollwut (Fledermaustollwut (EBLV), White-Nose-Syndrom (Weißnasensyndrom), Flöhen, Milben, Wanzen

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Weißrandfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Als spezialisierte Insektenfresser reduzieren Weißrandfledermäuse die Populationen von Insekten, darunter vor allem Mücken, aber auch andere fliegende Kleininsekten. Durch das Fressen von potenziellen Schädlingen, die oft in großen Mengen an Straßenlaternen (Lichtquellen) jagen, helfen sie, den Einsatz von Pestiziden zu minimieren. Die Art ist extrem anpassungsfähig und besiedelt bevorzugt Gebäude, Rolladenkästen oder Mauerritzen in Städten, wo sie Nischen nutzt, die andere Arten nicht besetzen. Da sie als wärmeliebende Art von Südeuropa nach Norden wandert, dient ihr Vorkommen auch als Indikator für klimatische Veränderungen

Weißrandfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie tagsüber oder nachts flugunfähig auf dem Boden, auf einer Straße oder einem Gehweg liegt
– sie tagsüber an einer Hauswand, am Fensterrahmen oder in anderen Spalten sichtbar ist und dort hängen bleibt, statt in einem sicheren Versteck zu schlafen
– sie offensichtlich verletzt, geschwächt oder regungslos ist
– sie sich in Wohnungen oder Gebäude verirrt hat
– sie im Winter (während des Winterschlafs) gefunden wird oder wach herumfliegt
– sich im Spätsommer unerfahrene Jungtiere verflogen haben oder von der Mutter getrennt wurden

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Weißrandfledermäuse sind kleine Spaltenbewohner, die oft durch angekippte Fenster oder Ritzen in Wohnräume gelangen. Daher nachts Fenster schließen oder Fliegengitter nutzen, besonders im Spätsommer (August/September), wenn Jungtiere ihre Quartiere suchen
– Spezielle Fledermauskästen außen am Haus anbringen, um den Tieren ein alternatives Quartier zu bieten
– Falls Fledermäuse ein Quartier am Haus (z.B. hinter Rollladenkästen) bezogen haben, kann das Anbringen von Kotbrettern oder Planen die Fassade schützen
– Starkes, direktes Licht an möglichen Einflugöffnungen vermeiden, da dies die Tiere stört

Was kann ich tun um die Weißrandfledermaus zu unterstützen?
– Da Weißrandfledermäuse typische Spaltenbewohner an Gebäuden sind (Fassadenspalten, hinter Verkleidungen, Rollladenkästen), helfen spezielle Fledermausbretter oder Flachkästen an Giebelwänden
– Bei Renovierungen am Haus Spalten nicht komplett verschließen, sondern als Einschlupf offenlassen
– Die Art profitiert von milderen Wintern, Quartiere in Gebäuden sollten daher ganzjährig zugänglich bleiben
– Ein naturnaher Garten mit blütenreichen, einheimischen Pflanzen zieht Nachtfalter und andere Insekten an, die Hauptnahrung der Weißrandfledermaus
– Hecken und Bäume dienen als Jagdgebiete und Leitlinien zur Orientierung
– Kleingewässer oder Gartenteiche im Siedlungsbereich bieten wichtige Jagdgebiete

Buchtipps:

Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

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