Einheimische Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Kleine Bartfledermaus
Beschreibung: Lange, krause Haare. Ohrdeckel schmal. Lange Ohren. Anders als bei der großen Bartfledermaus ist der Penis der Männchen gleichförmig schmal. Eine der kleinsten europäischen Mausohr-Arten
Körpergröße: 3,5cm – 4,8cm
Flügelspannweite: 19cm – 23cm
Unterarmlänge: 3,1cm – 3,7cm
Gewicht: 3g – 9g
Herzfrequenz: 300 – 900 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 40°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Kann bei Tag im Nahbereich sehen und in der Dämmerung oft besser wahrnehmen als Menschen
Gehör: …
Frequenz/Rufe: 40kHz – 57kHz „…“, Ruflänge 3ms – 6ms
Geruchsinn: Gut ausgebildet, dient jedoch primär der sozialen Kommunikation, der Quartiersuche und der genauen Überprüfung von Beutetieren
Sonstiges: …
Lebenserwartung: Ca. 19 Jahre
Lebensraum: Offene, halboffene sowie strukturreiche Landschften mit einzelnen Gehölzbeständen und Hecken, Streuobstwiesen, Gärten, Feuchtgebiete, Dörfer, Parks
Sommerquartiere: Lose Baumrinde, Fensterläden, weite Spalten an Häusern und hinter Holzverkleidungen. Meist leben dort 20 – 70 Weibchen zusammen
Winterquartiere: Felsspalten, Höhlen, Bergwerke, Stollen und Kellern
Lebensweise: Sehr lebhaftes Verhalten. Ortstreu, dennoch sind Wanderungen von bis zu 270km bekannt. Teilen ihr Quartie oft mit der großen Bartfledermaus (Brandtfledermaus)
Fortbewegung: Fliegt 10km/h – 15 km/h . Kann sich an rauen Flächen, Wänden oder in Verstecken flink krabbelnd fortbewegen
Jagdverhalten: Fliegt in der frühen Abenddämmerung aus. Im Frühjahr und Herbst jagt sie sogar am Tag und bei leichtem Regen. Gejagt wird im schnellen, kurvenreichen, wendigen, Flug in 1m – 6m Höhe oft entlang von Hecken, Waldrändern, Streuobstwiesen und über Stillwasserbereichen. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 2km vom Quartier entfernt
Nahrung: Eintagsfliegen, Hautflügler, Käfer, Libellen, Nachtfalter, Natzflügler, Zweiflügler (Fenstermücken, Kriebelmücken, Schnaken, Stechmücken, Zuckmücken)
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise an Gebäuden, in engen Spalten und hinter Verkleidungen
Paarungszeit: Oktober – November, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: …
Tragzeit: 50 – 60 Tage
Wurfzeit: Juni
Wurfgröße: 1 – 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: 9 – 12 Monate
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Eichhörnchen, Eulen, Greifvögel, Marder, Meisen, Katzen
Abwehrverhalten: Ähnlich wie verwandte Mausohren nutzen sie teils summenartige Laute, um gefährliche Insekten (wie Hornissen) zu imitieren und Eulen zu verschrecken. In die Enge getriebene Tiere machen sich durch Drohlaute und geöffnetes Maul wehrhaft. Sofortiger Start in den wendigen Flug, um dem Greifer im Dunkeln zu entkommen. Nutzen von extrem engen Spaltenquartieren (Hinter Holzverkleidungen oder Fensterläden), die für größere Räuber unzugänglich sind. Zetert laut bei Störungen im Quartier
Krankheiten: Fledermaustollwut, Flöhe, Milben, Nierenkokzidien, White-Nose-Syndrom
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, kleine Bartfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Fängt nachts fliegende Insekten wie Mücken und Nachtfalter im wendigen Flug. Pflückt zusätzlich Spinnen und flugunfähige Insekten direkt von Blättern und Zweigen. Hilft dabei, die Anzahl kleinerer wirbelloser Tiere in Gärten, Wäldern und an Gewässern auszugleichen. Verbindet als anpassungsfähige Art verschiedene Lebensräume wie Dörfer, Streuobstwiesen und Waldränder miteinander.Gilt oft als Zeigerart für eine noch strukturierte, abwechslungsreiche Landschaft mit ausreichend Verstecken und Jagdräumen
Kleine Bartfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie sichtbare Wunden, Blut oder ein gebrochener Flügel
– sie von der Katze gebracht wurde
– sie am Tag ungeschützt am Boden oder an einer Hauswand sitzt und nicht fliegt
– besonders in den Zeiten Juni bis August hilflose, haarlose Jungtiere, die aus dem Versteck gefallen sind gefunden werden
– sie im November bis März mitten am Tag im Freien herumkrabbeln oder auf dem Boden liegen (oft durch Frost oder Baumaßnahmen am Quartier gestört)
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Renovierungen oder Dacharbeiten nur im Spätherbst oder Winter (von November bis Februar) ausführen, wenn die Tiere im Winterquartier sind
– Fledermäuse stehen unter strengem Schutz; Tiere dürfen nicht einfach gestört oder vertrieben werden
– Bei Entdeckung einer Wochenstube (Kinderstube) die lokale Naturschutzbehörde oder den NABU Fledermausschutz kontaktieren
Was kann ich tun um die die kleine Bartfledermaus zu unterstützen?
– Spezielle Flachkästen oder Fledermausbretter an geschützten Hauswänden oder Giebeln aufhängen, da die Art enge Spalten liebt
– Bei Hausrenovierungen Spaltenverstecke an Fassaden oder unter Dachkästen erhalten und vor Baubeginn Experten hinzuziehen
– Altholz und alte Bäume stehen lassen, da die Tiere dort natürliche Baumspalten nutzen
– Auf chemische Insektizide und Pflanzenschutzmittel im Garten verzichten, damit die Nahrungsgrundlage intakt bleib
– Pflanzen anbauen, die nachts blühen und Insekten anlocken
– Außenbeleuchtung und Gartenstrahler in der Dämmerung und Nacht möglichst oft ausgeschaltet lassen
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen von Kurt Richarz
Mythologie: …
