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La Lu

Langflügelfledermaus – Miniopterus schreibersii

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Langflügelfledermaus

Beschreibung: Kurzes Fell, das am Kopf aufrecht steht. Oberseite graubraun bis aschgrau. Unterseite etwas heller. Sehr kurze Schnauze. Gewölbte Stirn. Ohren dreieckig, breit und kurz. Flügel lang und Spitz
Körpergröße: 4,8cm – 6,2cm
Flügelspannweite: 28cm – 34,2cm
Unterarmlänge: 4,2cm – 4,8cm
Gewicht: 8g – 16g
Herzfrequenz: 900 – 1.100 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 35°C – 38°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Am Tag sieht sie gut im Nahbereich, in der Dämmerung weit besser als der Mensch. Nachts jedoch sieht sie nicht mehr als der Mensch. Sie ist farbenblind
Gehör: Hoch entwickeltes Echoortungssystem
Frequenz/Rufe: 49kHz – 56kHz „…“, Ruflänge 6ms – 15ms
Geruchsinn: Geruchssinn dient vor allem der sozialen Erkennung. Mütter nutzen ihn, um ihre eigenen Jungtiere unter Tausenden anderen in der Wochenstube anhand eines individuellen Duftes herauszuschnuppern. Auch das Erkennen von Artgenossen und die Partnerwahl basieren maßgeblich auf olfaktorischen Reizen
Sonstiges: ….

Lebenserwartung: Ca. 16 Jahre
Lebensraum: Offenes, klimabegünstigtes Gelände von der Ebene bos ins Gebirge, Laubwälder bis in einer Hähe von 1.200m
Sommerquartiere: Karsthöhlen
Winterquartiere: Bergwerke, Karsthöhlen. Hier finden sich bis zu 10.000 Tiere zusammen
Lebensweise: Die Fledermäuse hängen frei an der Wand und von der Decke, teilweise in größeren Gruppen. Sehr gesellige Art

Fortbewegung: Ausdauernd und schnell. Bei den Ausflügen von bis zu 12 Stunden werden teilweise Strecken von 700km zurückgelegt. Mit einer Fluggeschwindigkeit von bis zu 70 km/h ist sie die schnellste Fledermaus in Europa
Jagd: Fliegt in der frühen Abenddämmerung aus. Gejagt wird im manövrierfähigem, sehr schnellem Flug in offenem Gelände, um Straßenlaternen, unterhalb des Kronendaches von Laubwäldern, über Bächen und Gewässern sowie nahe an der Vegetation. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 90km vom Quartier entfernt
Nahrung: Nachtfalter, Netzflügler (Florfliegen), Zweiflügler

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben sind oft in warmen, geräumigen Höhlen, Stollen undKasematten zu finden. Die Wochenstubengröße beträgt meist 1.000 – 14.000 Weibchen
Paarungszeit: September – Oktober, dann ca. 5 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männchen locken paarungsbereite Weibchen von festen Quartieren aus (oftmals Karsthöhlen) mit lauten, spezifischen Balzrufen an
Tragzeit: 70 – 90 Tage
Wurfzeit: Juni – Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 4 – 6 Wochen
Geschlechtsreife: 1 – 2 Jahre
Jungensterblichkeit: ….
Sonstiges: Bei der Langflügelfledermaus findet im Gegensatz zu allen anderen europäischen Fledermäusen die Befruchtung sofort nach der Begattung statt

Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder, Ratten, Schlangen
Abwehrverhalten: Stößt Laute im Ultraschallbereich aus. Diese können Raubtiere kurzzeitig irritieren oder ablenken. Reagiert mit extremen Haken und Sturzflügen. Sie beherrschen ein sogenanntes „akustisches Ausweichen“
Krankheiten: Filoviren (Ebola, Marburg), Fledermausfliegen, Fledermaustollwut, Milben, Zecken

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, Langflügelfledermäuse zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein

Funktion im Ökosystem: Sie ernährt sich ausschließlich von Insekten, darunter Falter und Käfer, und hilft so, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. Sie besetzt als effizienter Sekundärkonsument (mit Fluggeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h) die Nische nachtaktiver Vogelarten. Ihr Kot (Guano) reichert in ihren unterirdischen Lebensräumen (Höhlen, Stollen) den Boden mit wichtigen Nährstoffen an

Langflügelfledermäuse brauchen Hilfe, wenn …
– sie am Tag frei an einer Hauswand, auf dem Boden oder an anderen ungeschützten Stellen hängt
– sie versucht zu starten, aber nicht flattert oder abstürzt
– sie sichtbare Wunden, Blut oder ein unnatürlich hängender Flügel hat
– kleine, meist noch unbehaarte Jungtiere gefunden werden

Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Jegliche Renovierungs- oder Bauarbeiten an Gebäuden sollten außerhalb der Wochenstuben (Mai bis Mitte August) und des Winterschlafs (November bis März) stattfinden
– Fledermauskot an Wänden oder auf dem Boden ist ungiftig und ein hervorragender Gartendünger. Er lässt sich leicht mit einem Brett, einer Plane oder Segeltüchern unter dem Quartier auffangen
– Kolonien können temporär Geräusche oder schwachen Uringeruch verursachen, was meist aber nur ein vorübergehendes Phänomen ist. Hier hilft gutes Lüften und das Anbringen von Kotbrettern
– Wenn sich eine Fledermaus ins Haus verirrt, nachts das Licht löschen, das Fenster ganz öffnen und Vorhänge zuziehen. Die Tiere finden so meist von selbst heraus

Was kann ich tun um die Langflügelfledermaus zu unterstützen?

– Bewahrung ungestörter natürlicher Höhlen, Stollen sowie Dachböden als Wochenstuben- und Winterquartiere
– Jeglicher Störung durch Höhlentourismus oder Verschlüsse (Gitter) muss entgegengewirkt werden
– Die strukturreiche Gestaltung der Landschaft und der Verzicht auf Schädlingsbekämpfungsmittel sichern das Nahrungsangebot an nachtaktiven Insekten
– Sichtungen in Verbreitungsgebieten sollten umgehend an lokale Naturschutzbehörden oder Fledermausschutzgruppen weitergegeben werden, um Populationen überwachen zu können

Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf

Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

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