Einheimische – Art
Klasse: Reptilien
Ordnung: Schuppenkriechtiere
Familie: Nattern
Art: Äskulapnatter
Geschichte: Die Äskulapnatter stammt ursprünglich aus dem europäischen Raum sowie Teilen Vorderasiens und ist nach dem griechischen Heilgott Asklepios benannt. Sie verdankt ihren Namen dem griechischen Gott der Heilkunst, Asklepios (lateinisch Aesculapius). In der Antike wurde die Schlange zum Symbol der Heilkunde, da ihr Verjüngung durch Häutung und Heilkraft zugeschrieben wurden. Bis heute ist der Stab mit der gewundenen Schlange das weltweite Berufszeichen von Ärzten und Apothekern. Genetische und fossile Untersuchungen zeigen, dass die isolierten Vorkommen in Mitteleuropa (wie in Deutschland) keine Einschleppung durch die Römer sind, sondern nacheiszeitliche Relikte einer einst viel größeren Verbreitung. Die Äskulapnatter ist eine der größten Schlangen Europas (bis zu 2 Meter lang), aber in Deutschland und Mitteleuropa heute extrem selten und streng geschützt. In Deutschland gibt es nur wenige Restvorkommen, etwa im Odenwald, an der Donau und im Taunus
Mythologie: Asklepios, der Sohn des Apollon, trug einen Wanderstab, um den sich eine Schlange wand. Der Sage nach wurde er vom Kentauren Cheiron in der Heilkunst unterwiesen, nachdem er im Kindesalter durch eine Schlange geheilt oder unterrichtet worden war. In der antiken Mythologie galt die Schlange als chthonische (erdverbundene) und heilkräftige Kraft. Schlangen besaßen angeblich die Fähigkeit, Heilkräuter zu erkennen und sogar Tote wieder zum Leben zu erwecken. Durch das regelmäßige Abstreifen ihrer Haut (Häutung) wurde die Schlange zum universellen Symbol für Verjüngung, Wiedergeburt, Heilung und unendliche Lebenskraft. Dem antiken Mythos nach wurde eine Pestepidemie in Rom im Jahr 293 v. Chr. erst dadurch beendet, dass eine heilige Schlange aus dem Asklepios-Tempel in Epidauros auf ein Schiff nach Rom reiste und dort an Land ging
Buchtipps:
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Beschreibung: Die glänzende Oberseite variiert von gelbbraun und olivgrün bis grauschwarz. Typisch ist, dass die Schlange von vorne nach hinten dunkler wird. Einzelne Schuppen weisen oft feine weiße Ränder auf, was wie eine helle Strichelung wirkt. Der Bauch ist einfarbig hellgelb bis weißlich. Die Bauchschuppen sind an den Seiten leicht gekantet, was ihr das Klettern an Baumstämmen und Mauern erleichtert. Schlank, kräftig gebaut. Der kleine, schmale Kopf ist nur schwach vom Hals abgesetzt. Die Pupillen sind rund
Gesamtlänge : Bis zu 160cm
Gewicht: 250g – 900g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 60 – 80 Schläge pro Minute, in der Winterstarre; 2 – 5 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 20°C – 28°C, in der Winterstarre; 4°C – 8°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Auf kurze Distanzen scharf, reagiert extrem empfindlich auf Bewegungen. Vor dem Überqueren offener Flächen richten sich Äskulapnattern oft auf, um die Umgebung visuell auf Gefahren zu prüfen
Gehör: Äskulapnattern besitzen kein Außenohr und kein Trommelfell, weshalb sie klassischen Luftschall kaum hören können
Geruchsinn: Jacobson-Organ (Vomeronasalorgan) im Gaumendach. Durch das ständige Züngeln nimmt sie Duftpartikel aus der Luft oder vom Boden auf. Die gegabelte Zunge ermöglicht es ihr sogar, räumlich zu riechen; Sie nimmt die Richtung eines Geruchs wahr, je nachdem, welcher Zinken mehr Partikel erfasst. Dies hilft ihr enorm beim Aufspüren von Mäusenestern in unterirdischen Gängen
Geschmacksinn: Sie hat keinen echten Geschmackssinn im klassischen Sinne, da ihr Geschmacksknospen auf der Zunge fehlen
Sonstiges: Ihr Körper ist hochgradig sensibel für Berührungen und Oberflächenstrukturen. Dies unterstützt ihre Eigenschaft als außergewöhnlich gute Kletterin. Ihre rauen, leicht gekielten Seitenschuppen geben ihr präzise Rückmeldung über den Untergrund, sodass sie selbst fast senkrechte Baumstämme erklimmen kann
Lautäußerung: Zischen (Droh- und Abwehrverhalten)
Lebenserwartung: Bis zu 30 Jahre
Lebensraum: Feuchtwarme, strukturreiche und sonnenexponierte Lebensräume wie lichte Laub- und Mischwälder, Waldränder, sonnige Hänge sowie Bach- und Flusstäler
Nest: Die Äskulapnatter baut kein echtes Nest im klassischen Sinne
Lebensweise: Einzelgänger, tagaktiv. Die Schlange ist meist in den Vormittagsstunden unterwegs, um sich in der Sonne zu wärmen.Im Hochsommer verlagert sie ihre Aktivität in die kühleren Morgen- und Abendstunden; bei starker Hitze bleibt sie im Schatten versteckt. Sie erwacht je nach Klima im April oder Mai aus der Winterstarre und ist bis September oder Oktober aktiv. Die restlichen fünf bis sechs Monate des Jahres verbringt sie in einer frostfreien Winterruhe unter der Erde, in Felsspalten oder alten Baumstümpfen
Fortbewegung: Obwohl sie gut klettern kann, hält sie sich meist am Boden oder in niedrigem Gestrüpp auf und sucht nur gelegentlich Bäume oder Gebäude auf
Nahrung: Eichhörnchen, Feld-, Spitz- und Wühlmäuse, Fledermäuse, Maulwürfe, Ratten, Reptilien, Siebenschläfer, Vögel, Vogeleier
Sonstiges: Da die Äskulapnatter keine Giftzähne besitzt, umschlingt und erdrosselt sie ihre Beute wie eine Boa, bevor sie diese im Ganzen (meist mit dem Kopf voran) verschlingt
Kot: Der Kot besteht in der Regel aus einem dunkelbraunen bis schwarzen, meist länglichen (den unverdaulichen Resten der Nahrung) und einem separaten weißen bis gelblichen, oft pastösen oder kreideartigen Anteil. Letzteres sind Urate (kristallisierte Harnsäure), welche die feste Urinform von Reptilien darstellen. Da die starke Magensäure von Schlangen sogar Knochen auflösen kann, besteht der dunkle Kotanteil vor allem aus unverdaulichen Haaren, Federn oder Chitinpanzern der Beutetiere (Mäuse, Maulwürfe, Vögel oder Eidechsen). In freier Wildbahn findet man ihren Kot am ehesten an ihren bevorzugten Aufenthaltsorten wie sonnigen Trockenmauern, Totholz- und Komposthaufen oder geschützten Tagesverstecken
Fortpflanzung: Nach dem Schlupf Nestflüchter. Die Eiablage erfolgt an feucht-warmen Verrottungsplätzen wie Komposthaufen, Misthaufen, Laubstapel oder faulen Baumhöhlen. Manchmal nutzen mehrere Weibchen denselben Platz (Masseneiablage)
Paarungszeit: Mitte Mai – Mitte Juni
Balzverhalten: Treffen während der Paarungszeit zwei Männchen im selben Revier aufeinander, kommt es zu sogenannten Kommentkämpfen. Die Rivalen richten ihren Vorderkörper auf, umschlingen sich und versuchen, den Kopf des Gegners auf den Boden zu drücken. Es handelt sich um reine Kraftproben bzw. Scheinkämpfe. Der Schwächere gibt schließlich nach und flieht. Das dominante Männchen sichert sich das Paarungsrecht. Das Männchen spürt das Weibchen über Pheromone (Geruchsstoffe) auf. Es nähert sich dem Weibchen unter ständigem, intensivem Züngeln, um dessen Fährte und Paarungsbereitschaft aufzunehmen. Zu Beginn versucht das Weibchen häufig noch zu fliehen
Brutdauer: Die Eier reifen 4 bis 6 Wochen im Bauch des Weibchens heran, Brutzeit im Ablageort 33 – 85 Tage
Schlupfzeit: August – September
Gelegegröße: 5 – 15 Jungtiere
Anzahl der Gelege: 1 Gelege pro Jahr alle 1 – 2 Jahre
Brutpflege: Die Äskulapnatter betreibt keine aktive Brutpflege im engeren Sinne. Sobald das Weibchen seine Eier abgelegt hat, verlässt es das Gelege und überlässt die Entwicklung der Jungtiere sich selbst
Selbstständig: Äskulapnattern sind sofort komplett auf sich allein gestellt und müssen eigenständig Schutz vor Fressfeinden suchen sowie auf Jagd gehen
Geschlechtsreife: 4 – 6 Jahre
Jungensterblichkeit: Sehr hoch, über 70% – 90% erreichen das Erwachsenenalter nicht
Sonstiges: …
Natürliche Feinde: Dachse, Füchse, Greifvögel, Iltise, Katzen, Marder, Rabenvögel, Wildschweine, speziell Jungschlangen werden zudem häufig Opfer von Igeln und kleineren Vögeln sowie anderen Schlangenarten
Abwehrverhalten: Nähert sich eine Gefahr, verlässt sich die Natter zunächst auf ihre unauffällige Färbung. Sie flieht oft nicht direkt, sondern bleibt vorsichtig und regungslos liegen, um nicht entdeckt zu werden. Wird die Schlange ergriffen oder in die Enge getrieben, entleert sie eine extrem übel riechende Flüssigkeit aus ihren Analdrüsen, um den Angreifer zu vergraulen. Als letzte Option bei akuter Bedrohung geht die Schlange in die Verteidigung über und teilt leichte Abwehrbisse aus. Diese sind für den Menschen zwar spürbar, aber aufgrund der fehlenden Giftzähne ungefährlich
Krankheiten: Atemwegsinfektionen / Lungenentzündung, Häutungsprobleme (Dysdyse), Kokzidien, Legenot, Maulfäule (Ulzerative Stomatitis), Parvoviren, Picornaviren, Schlangenmilben (Ophionyssus natricis), Schlangenpilz (Ophidiomyces ophidiicola), Würmer
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
– FFH Richtlinie IV
– Rote Liste – Stark gefährdet (Kategorie 2)
Es ist streng verboten, Äskulapnattern zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch die Beschädigung ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten ist untersagt. Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Da sie als Würgeschlange aktiv in Nagetierbauten eindringt, hält sie die Populationen von Nagetieren effektiv im Gleichgewicht. Dank ihrer speziell gekielten Bauchschuppen ist sie eine exzellente Kletterin. Dadurch erweitert sich ihr ökologischer Einflussradius auf Bäume und Sträucher, wo sie auch Vögel, Nestlinge und Vogeleier erbeutet. Sie selbst sowie ihre Jungtiere und Gelege dienen größeren Raubtieren als Nahrung. Junge Äskulapnattern ernähren sich vorwiegend von Eidechsen (wie der Mauereidechse) und großen Insekten. Damit regulieren sie andere Reptiliengruppen und gliedern sich auf einer anderen Ebene in das lokale Nahrungsnetz ein. Die Natter benötigt ein Mosaik aus sonnigen Plätzen, Totholz, Gebüschen und Trockenmauern. Ihre Präsenz zeigt an, dass ein Ökosystem intakt, vielseitig strukturiert und biologisch wertvoll ist
Äskulapnattern brauchen Hilfe, wenn …
– sie offene Wunden oder sichtbare Brüche haben
– sie von einem Haustier (Katze oder Hund) gebissen wurden
– sie in Schächten, Kellern oder Regentonnen feststecken und sich nicht selbst befreien können
– sie sich an stark befahrenen Straßen oder direkt auf Baustellen befinden
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Gefangen im Zaun oder Netz; Dieses extrem vorsichtig aufschneiden, um die empfindliche Wirbelsäule und Haut nicht zu verletzen. Eine verletzte Schlange sollte komplett waagerecht (Unterlage wie Pappe darunterschieben) angehoben und in einer stabilen, ausbruchsicheren Box mit Luftlöchern transportiert werden. Bitte keinen Stoffbeutel für verletzte Schlangen verwenden, da ihre Wirbelsäule darin ungeschützt einknickt
– Auf Wasser, Futter oder lose Gegenstände (wie Steine) in der Box, die das Tier im Auto quetschen könnten verzichten
– Da die Tiere streng geschützt sind, kontaktiert man bei Funden von verletzten oder in Not geratenen Äskulapnattern die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises. Auch kann man eine lokale Reptilienauffangstation oder einen reptilienkundigen Tierarzt kontaktieren
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Komposthaufen nicht im Sommer, sondern erst im Spätherbst oder Frühling umsetzen, um Gelege oder Jungtiere nicht zu gefährden
– Rasenmäher und Motorsensen sind eine der größten Gefahren für Reptilien. Hohes Gras vor dem Mähen kurz absuchen oder von innen nach außen mähen, damit Tiere flüchten können
– Die Äskulapnatter ist eine hervorragende Mäusejägerin. Wer sie im Garten oder der Scheune hat, wird biologisch von Nagetieren befreit.
– Hat sich ein Tier auf die Terrasse oder in ein Gartenhäuschen verirrt, reicht es oft, Türen weit zu öffnen und der Schlange Zeit zu geben, den Ausgang selbst zu finden
Was kann ich tun um die Äskulapnattern zu unterstützen?
– Sonnige Plätze, Trockenmauern, Totholzstapel oder Steinhaufen als Verstecke und Sonnenplätze anlegen
– Kompost- oder Haufwerke dienen als wichtige Eiablageplätze.
– Beobachtungen mit einem Foto dokumentieren und dieses an Naturschutzportale (wie den NABU oder lokale Artenhilfsprojekte) senden, um die wissenschaftliche Erfassung zu unterstützen
– Organisationen wie Naturefund oder der BUND kaufen gezielt Grundstücke in den wenigen deutschen Verbreitungsgebieten, um diese als Schutzgebiete zu sichern
