Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Marder
Art: Baummarder (Edelmarder, Gelbkehlchen)
Geschichte: Der Baummarder, hat seinen evolutionären und geografischen Ursprung in den urzeitlichen Waldlandschaften Eurasiens. Die Vorfahren aller heutigen Marderarten lassen sich fossil in Europa bis in das Eozän (vor rund 56 bis 34 Millionen Jahren) zurückverfolgen. Sie gehören damit zu den ältesten Gruppen innerhalb der Raubtiere (Carnivora). Die eigentliche Abspaltung der Gattung Martes, zu der auch der Steinmarder gehört, festigte sich im Miozän und Pliozän.Koevolution: Der Baummarder entwickelte sich im Pleistozän (Eiszeitalter) gezielt als hochspezialisierter Jäger des Kronendachs. Er bildet eine jahrtausendealte Koevolutionsgemeinschaft mit dem Europäischen Eichhörnchen. Während der Steinmarder sich eher an felsige, offene Landschaften und später an menschliche Siedlungen anpasste, blieb der Baummarder dem dichten Urwald treu. Nach dem Ende der letzten Kaltzeit breitete sich der Baummarder zusammen mit den riesigen, zusammenhängenden Misch- und Nadelwäldern über fast ganz Europa und Teile Nord- und Westasiens aus. Während der Eiszeiten überlebte die Art in verschiedenen Zufluchtsorten (Refugien) in Südeuropa. Genetische Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass die Baummarder auf Sizilien dort schon seit dem Pleistozän heimisch sind und eine eigene, uralte Evolutionslinie bilden
Mythologie: Der Marder wird immer zu beschuldigt, im Blutrausch ganze Hühnerställe zu leeren. Auch in Tierfabeln kommt er nicht gut davon
Buchtipps:
– …
Beschreibung: Fell einfarbig hell- bis kastanien- oder dunkelbraun mit einem deutlichen gelblichbraunen oder cremefarbenen Kehlfleck, der nach unten abgerundet und nicht wie beim Steinmarder (Martes foina) weiß und gegabelt ist. Kopf, Körper und Schwanz sind gleichmäßig braun gefärbt ohne deutlichen Farbübergang, Schwanzspitze dunkler gefärbt. Kopf ist durch die großen, dreieckigen, gelbgeränderten Ohren charakterisiert. Nase dunkel bis schwarz. Langgestreckter Körper. Relativ kurze Beine besitzen fünffingrige Pfoten, deren Sohlen stark behaart sind
Kopf-Rumpf-Länge: 41cm – 58cm
Schulterhöhe: 15cm – 25cm
Gewicht: 850g – 1.900g
Herzfrequenz: 150 – 200 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37°C – 39°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Sehr gut entwickelt, Bewegungsseher
Gehör: Sehr gut entwickelt
Geruchsinn: Besonders stark ausgeprägt
Geschmackssinn: Seine Geschmacksknospen sind in der Lage, den Zuckergehalt und damit den Energiewert von Früchten präzise wahrzunehmen. Als Raubtier besitzt er voll funktionsfähige Rezeptoren für den Geschmackstyp „umami“ (fleischig-herzhaft). Dies hilft ihm dabei, proteinreiche Nahrung wie Mäuse, Eichhörnchen, Vögel und Eier zu bewerten. Baummarder reagieren empfindlich auf bittere oder extrem scharfe Geschmäcker. Da Geschmack und Geruch eng gekoppelt sind, meiden sie Reize wie Chili oder Pfeffer konsequent. Versuchen sie, solche Substanzen aus ihrem Fell zu lecken, löst dies sofortige Abwehrreaktionen aus
Sonstiges: Lange Tasthaare im Bereich der Nase und Oberlippe, äußerst reaktionsschnell, Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Fauchen und Knurren (warnend), Schrille Schreie: Lautes Schreien (besonders während der Paarungszeit), Quieken: Zartes Quieken oder Schnurren (Kontakt zwischen Partnern)
Lebenserwartung: Bis zu 16 Jahre
Lebensraum: Strukturreiche Laub- und Mischwäldern die eng an alte Baumbestände gebunden sind
Nest: Legt in seinem Revier einige Nester an, vorrangig in Baumhöhlen, manchmal aber auch in verlassenen Eichhörnchenkobeln oder Greifvogelnestern. In diese Ruheplätze zieht er sich tagsüber zurück
Lebensweise: Einzelgänger, dämmerungs- und nachtaktiv, in der Dämmerung und der Nacht begibt er sich auf Nahrungssuche. Territoriales Tier
Fortbewegung: Nutzt langen, buschigen Schwanz als Balancierstange. Sohlen sind behaart, was Halt auf vereisten Flächen bietet. Krallen halb einziehbar. Hinterpfoten um 180 Grad drehbar, was sicheres Herabklettern von Bäumen mit dem Kopf voran ermöglicht. Springt bis zu 4m weit
Nahrung: Aas, Beeren, Eichhörnchen, Eier, Frösche, Früchte, Insekten, junge Hasen, Käfer, Larven, Nüsse, Obst, Ratten, Reptilien, Schnecken, Vögel, Vogeleier, Wühl- und Spitzmäuse
Sonstiges: Seine Beutetiere tötet der Baummarder durch einen Biss in den Nacken
Kot: Ca. 8cm –10cm lang und 1cm –2cm dick. Langgezogen, wurstförmig, oft spiralförmig gedreht mit einem spitz zulaufenden Ende. Enthält oft unverdaute Reste wie Obstkerne, Beeren, Insektenpanzer, Haare oder Federn. Geruch sehr intensiv, streng und unangenehm. Wird offen und unverborgen abgelegt, oft an markanten erhöhten Punkten als Duftmarke
Fortpflanzung: Nesthocker, wird meist in gut versteckten, hoch gelegenen Baumhöhlen, verlassenen Spechthöhlen oder Eichhörnchenkobeln geboren
Paarungszeit: Juni – August dann Keimruhe bis Februar – April (Ranz)
Balzverhalten: Das Männchen (Rüde) erkennt die Paarungsbereitschaft des Weibchens (Fähe) an speziellen Duftspuren, die sie in ihrem Revier hinterlässt. Außerhalb dieser Zeit reagieren Weibchen extrem aggressiv auf Annäherungsversuche.Wilde Verfolgungsjagden: Die eigentliche Balz ist laut und gleicht oft einem heftigen Kampf. Die Tiere jagen sich mit Fauchen, Kreischen und heftigem Poltern durch die Baumkronen und über den Waldboden
Tragzeit: Ca. 31 Tage
Wurfzeit: März – Mai
Wurfgröße: 2 – 5 Jungtiere,
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 8 Wochen
Selbstständig: 12 – 16 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 2 Jahre
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Adler, Eulen, Füchse, Greifvögel, Luchse, Uhus
Abwehrverhalten: Wird er in die Enge getrieben, kann er sich durchaus wehrhaft zeigen, laut fauchen Katzenbuckel machen und beißen, um einen Angreifer abzuschrecken, in der Regel wird er allerdings flüchten. Bei starker Bedrohung scharrt er mit den Hinterläufen und schlägt mit dem Schwanz
Krankheitsüberträger: Aujeszkysche Krankheit (Pseudotollwut), Band-, Saug-, Haar- und Fuchsbandwürmer, Flöhe, Hepatozoon martis (Hepatozoonose), Leptospirose (durch Kot/Urin), Milben, Salmonellen, Staupe, Tollwut, Zecken
Schutzstatus:
– Bundesartenschutzverordnung – Besonders geschützt
Es ist verboten Baummarder zu vergiften, zu fangen, zu verletzen oder zu töten . Es drohen bei Verstoß 5.000€ Strafe oder bis zu 2 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja
Funktion im Ökosystem: Der Baummarder ernährt sich von kleinen Säugetieren (vor allem Wühlmäusen), Vögeln, deren Gelegen sowie Insekten. Durch die Bejagung dieser Arten verhindert er eine Überpopulation und trägt zur Stabilisierung der Nahrungskette bei. Er erbeutet bevorzugt kranke, schwache oder reaktionsschwache Tiere, was die Gesundheit der Beutetierpopulationen fördert. In seinem Lebensraum, den Baumkronen, ist er einer der wenigen natürlichen Feinde des Eichhörnchens. Dies hält die Eichhörnchenpopulation aktiv und vital. Neben tierischer Nahrung frisst der Baummarder saisonal Früchte und Beeren. Durch das Ausscheiden der Samen trägt er zur Verbreitung von Pflanzenarten bei. Da Baummarder empfindlich auf Lebensraumveränderungen reagieren und ungestörte Wälder benötigen, gilt ihre Anwesenheit als Indikator für ein intaktes Waldökosystem. Im Gegensatz zum kulturfolgenden Steinmarder ist der Baummarder ein Kulturflüchter, der sich auf den Lebensraum „alter, strukturreicher Wald“ spezialisiert hat
Baummarder brauchen Hilfe, wenn …
– ein Marderjunges (oft mit Eichhörnchen verwechselt) gefunden wird, das kalt ist, laut fiept, alleine außerhalb des Nests ist
– sie sichtlich verletzt sind, apathisch wirken oder Haltungsschäden zeigen
– Tiere, tagsüber orientierungslos umherirren oder keine Scheu zeigen
Wie helfe ich richtig?
– Feste Handschuhe anziehen (Marder beißen kräftig)
– Marder vorsichtig in einen Karton mit Luftlöchern setzen
– Karton an einen dunklen, ruhigen und warmen Ort stellen
– Ein unterkühltes Tier muss mit einer Wärmflasche (Körperwarm) aufgewärmt werden
– Kein Futter und kein Wasser geben, um keine falschen Behandlungen durchzuführen
– Sofort einen wildtierkundigen Tierarzt, eine Wildauffangstation oder einen Förster kontaktieren
– Das Tier, wenn möglich, direkt dorthin bringen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Dachrinnen, Fallrohre, Dachpfannen und Risse im Mauerwerk kontrollieren. Marder benötigen nur 4cm – 5cm große Öffnungen. – Stabiles Drahtgeflecht, engmaschige Gitter oder spezielle Marderabwehr-Gitter verwenden, da Marder Holz und Kunststoff durchbeißen können.Wichtig – sicherstellen, dass sich kein Tier mehr im Haus befindet, bevor die Zugänge verschlossen werden, um verhungernde Jungtiere auszuschließen
– Kletterhilfen unterbrechen – Äste, die das Dach berühren, zurückschneiden
Wie kann ich den Baummarder unterstützen?
– Baummarder benötigen alte Misch- und Nadelwälder mit dichten Baumkronen. Der Schutz solcher Wälder vor Kahlschlägen ist die beste Unterstützung
– Totholz liegen lassen, Baummarder sind auf Baumhöhlen (z.B. von Spechten) als Wurfplätze angewiesen
– Liegt das Grundstück am Waldrand, fördert ein strukturreicher Garten mit einheimischen Hecken und Obstbäumen kleine Beutetiere (Mäuse), die dem Marder als Nahrung dienen
